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Sonderseiten im Rahmen der WEA-Windpark-Diskussion Zeller Blauen - Neuenweg  
 
 
 Werden Wahrheit und Ethik in der Wissenschaft beliebig?
 
Kollateralschäden im Denkmalschutz.  
 
Exemplarisch aufgezeigt am Beispiel aktueller Veröffentlichungen in: "Im Krieg ist weder Glück noch Stern" (2021).
Prüffall 2: Mettlenkopf & Glaserberg südlich von Gersbach.
 
Alles ist im Fluss - panta rhei.
 

Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln.“ 

 (Heraklit/Platon)

 

2018 gerieten verschiedene Behörden im Zusammenhang mit der Planung eines großen Windparks auf dem Bergrücken des Zellers Blauen auch in der Öffentlichkeit unter Druck – auch durch meinen ersten Widerstand gegen die geplante und vom LAD quasi freigegebene Zerstörung von Schanzanlagen auf dem Holderkopf bei Neuenweg sowie mehrerer Fortifikationsanlagen und historische Terrassenanlagen auf dem Tannenkopf und Wolfsacker (Bürchau/Elbenschwand). Bereits 2012/2013 erregte der „Fall Raitbach“ (siehe Linkliste unten) landesweit Aufsehen – auch hier ging es um die wissentliche und damit bewußte Zerstörung von historischen Fortifikationsanlagen. 2018 war somit auch das Jahr, wo das Landesamt für Denkmalpflege unter Druck geriet. Im November und Dezember 2018 führte das Landesamt für Denkmalpflege, u.a. vertreten durch Dr. Haasis-Berner, der ebenfalls wissenschaftlicher LAD-Begleiter des EWS-Projektes auf dem Zeller Blauen ist,  geophysikalische Untersuchungen auf dem Mettlenkopf südlich von Gersbach durch. Die Ergebnisse wurden nun in dem kürzlich erschienenen Tagungsband: „Im Krieg ist weder Glück noch Stern“: Barocke Festungen, Schanzen und Schlachtfelder aus der Epoche des Dreißigjährigen Kriegs am Oberrhein, Bertram Jenisch/Andreas Haasis-Berner/R. Johanna Regath/Werner Konold (Hg.) Verlag Thorbecke, Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br., Nr. 88, 2021, veröffentlicht. Besonders interessant sind dabei zwei Fachartikel von Dr. Andreas Haasis-Berner. In dem ernsthaften Bemühen um einen fachwissenschaftlichen Diskurs, der sich an den bestehenden archäologischen Befunden orientiert, habe ich mich in einem "Offenen Brief" mit Datum vom 19.07.2021 an das LAD, das Alemannische Institut sowie den Verlag gewandt.

 
Die Antworten auf meine Fragen: „Inhaltliche Aussagen in Wissenschaftspublikationen sowie im wissenschaftlichen Diskurs verantworten die Beiträger sowie die Herausgeber.“ So der Verlagsleiter Jürgen Weis vom Verlag Thorbecke der Verlagsgruppe Patmos am 03.08.2021 auf Anfrage. Und von Dr. Jonathan Scheschkewitz, (RPS/LAD) vom 27. Juli 2021: "Auf Ihre Kritik, die Sie an den Beiträgen von Herrn Dr. Haasis-Berner äußern, möchte ich nicht im Detail eingehen. Herr Haasis-Berner ist ein versierter Kenner der Materie und hat seine Beiträge entsprechend seiner fachlichen Einschätzungen verfasst und dies mit entsprechenden Zitaten belegt, soweit dies erforderlich war... Er favorisiert aber seine Meinung, wie es das gute Recht eines Autors ist." Und als weiteres Statement vom LAD, Stephan A. Wiedmann, vom 04.08.2021 "Der Vollständigkeit halber können wir Ihnen mitteilen, dass das LAD voll und ganz hinter den Äußerungen von Kollege Dr. Haasis-Berner steht. Ergänzend nehmen wir Bezug auf die E-Mail von Herrn Dr. Scheschkewitz vom 27.07.2021."  
 
Auch die Antwort der Obersten Denkmalschutzbehörde verstärkte bereits bestehenden Eindruck, dass man sich einem fachlichen Diskurs entzieht: Im Zuge der Regierungsneubildung nach der Landtagwahl war nunmehr das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen oberste Denkmalschutzbehörde. Brigitte Gathof, stellvertretende Leiterin des Referats Denkmalpflege, Weltkulturerbe und Bauberufsrecht, Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen und aktuell oberste Denkmalschutzbehörde, schreibt am 25.08.2021 unter dem AZ 56-2551.6-7/5: „Ergänzend möchten wir darauf hinweisen, dass es sich bei der von Ihnen genannten Veröffentlichung um einen wissenschaftlichen Beitrag handelt. Insoweit sind besondere Freiheiten des Autors zu beachten... Wir bitten daher um Ihr Verständnis, dass wir zu dem konkreten Beitrag keine wissenschaftliche Bewertung abgeben können.“

Nur durch einen Zufall erhielt ich  am 1. Februar 2022 nun überhaupt erstmals die Möglichkeit, die Bodenradar-Fotos, welche vom LAD im Spätherbst 2018 auf dem Mettlenkopf angefertigt wurden, selbst zu begutachten. Diese waren eingebunden in einen Artikel, den Dr. Haasis-Berner u.a. unter dem Titel „Die Schanze auf der Pferdekoppel“ in den „Archäologische Nachrichten aus Baden“ (Heft 95) im Jahre 2019 veröffentlichte. Also bereits schon ein Jahr vor der Veröffentlichung seiner anderen Artikel in dem LAD-Tagungsband „Im Krieg ist weder Sterne noch Glück“.

Mit Hilfe der neuen Bodenradar-Technik konnten  nun 2018 Teilbefunde auf dem Gersbacher Mettlenkopf korrigiert werden. Nur zur Erinnerung: 2002 und 2003 standen weder Bodenradar noch LiDAR zur Verfügung, so daß damals reine Feldmessung und Beurteilung Vorort ausschlaggebend waren. Mit den so damals ermittelten und vom LAD bestätigten Werten wurden auch die Grundlagen für den Nachbau der Barockschanze gelegt. Ich werde dies nachfolgend noch genauer darstellen.

 
   
   
 
   

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, Sammlung Werner Störk
 
Luftaufnahme von 1968: Mettlenkopf.  
   
Alles ist im Fluss - panta rhei – diese uralte Erkenntnis hat auch immer unsere Forschungsarbeit mitgeprägt. So steht auf unser Homepage im Zusammenhang mit unseren dort veröffentlichten Publikationen zu lesen: „Auch Wissenschaft und Forschung sind ständig im Fluss. So gibt es immer wieder neue Erkenntnisse, welche die alten Standpunkte neu bewerten und somit zu anderen Interpretationen und Rückschlüssen führen. Auch unsere Veröffentlichungen sind immer nur als Forschungsstatements für das Jahr aktuell, in dem sie veröffentlicht wurden. Wollen Sie die jeweils aktuellen Statements abrufen, empfehlen wir, nur unsere aktualisierten Webseiten zu nutzen oder noch besser: uns persönlich zu kontaktieren.“ Quelle: http://minifossi.pcom.de/Inhaltsverzeichnis-Publikationen.html  
   
Was wäre heute die Kriminaltechnik ohne die neuen Erkenntnisse aus der DNA-Forschung – und sind Archäologen nicht auch im gewissen Sinne wie die Kriminalisten Spurensucher und natürlich auch Spurensicherer. Heute werden weltweit mehr sensationelle und spektakuläre archäologische Neufunde durch LiDAR am PC "entdeckt" als in mühevoller Feldarbeit Vorort. Alles ist im Fluss -  panta rhei. Und das ist sehr gut so – finde ich. Auch wenn dabei schon lange Festgeschriebenes neu revidiert werden Muß - panta rhei. Nur muß man dann auch den Mut haben, solche alten Interpretationen durch die neuen Erkenntnisse „aufzufrischen“ – was voraussetzt, dass man auch über diese informiert wird. Mein letzter Kontakt (per Mail) mit Dr. Andreas Haasis-Berner fand am 30. Juni 2020 statt: seit Dezember 2018 eigentlich Zeit genug, mich über die seine neuen Ergebnisse –  im Rahmen seines einwöchigen Mettlen-Aufenthaltes (quasi vor meiner Haustür) – auf dem Mettlenkopf zu informieren: dazu leider – bis heute, wir schreiben heute den 05.02.2022 – kein Wort.  
 
 
 
Quelle Google Earth, Grafik Werner Störk, nicht maßstäblich, nicht vollständig, generalisiert: Schanzen & Signahfeuer.
Von 2002 an unser Untersuchungsgebiet: der südwestliche und südliche
Teilabschnitt der Vorderen Linie ohne das Hochrheingebiet.
 
 
Ich erinnere nur daran: 2002 gab es für uns damals anfänglich noch keine Digitalkamera, weder LiDAR noch Bodenradar, kein Geoportal BW noch Google Earth, nur ganz handverlesen alte Luftaufnahmen – war sehr schwierig, an solche überhaupt ranzukommen bzw. die Genehmigung zur Veröffentlichung zu erhalten - ansonsten: "zeitlose" Projektarbeit in Wald, Feld und Flur. Zudem hatten wir bis zum Projektjahr 2002 kaum Vorerfahrung im Bereich der Fortifikation. Denn wir kamen ja vom Bergbau und den Glashütten sowie der Goldsuche und dem Goldwaschen. Wir bemühten uns natürlich „handwerklich“ und auf der Basis unserer bereits erfolgreichen Forschungstätigkeit auf den anderen Gebieten, eine solide Arbeit zu leisten, aber umso mehr war uns daher der intensive Kontakt und der lernende Austausch mit professionellen Experten so wichtig. Mit dem Ausbau unseres bereits bestehenden Netzwerkes und der Initiierung von runden Tischen, an denen wir uns gemeinsam austauschten, suchten wir die Nähe zu den Profis. Dazu zählten auch das LAD – und das funktionierte auch sehr gut – bis 2012 der Fall Raitbach mich zu einer öffentlichen Diskurs auch mit dem LAD zwang. Auch mit dem LAD – und das funktionierte auch sehr gut – bis 2013 der Fall Raitbach mich zu einer öffentlichen Diskurs auch mit dem LAD zwang. Und natürlich dann vor allem 2018, als ich mir anmaßte, eine offensichtliche Fehleinschätzung des LAD in Persona von Dr. Haasis-Berner im Rahmen der des geplanten EWS-Windparks auf dem Zeller Blauen zu monieren. Und die bis dahin von mir als Laie uneingeschränkt anerkannte amtliche Deutungshoheit zu hinterfragen.
   
 
 
Vermessungsprotokoll, Meßpunkte 2002, Sammlung & Copyright Werner Störk
 
Nach den Ergebnissen des Bodenradars auf drei Meß-Eckpunkte eingesetztes Quadrat. Die in dem Artikel veröffentlichten Aufnahmen zeigen, dass der Schanzeninnenraum völlig aufgefüllt wurde und sich dadurch auch kreisförmig bis an den Rand ausdehnt. Dabei wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit an mehreren Stellen  die einstige Wallkrone überdeckt, was dann zu einer punktuellen Ausdehnung der Umfangslinie führte - die dann als Meßpunkte ein Sechseck simulierten.
 
 

Was mich aber im Zusammenhang mit den neuen Erkenntnissen auf dem Mettlenkopf tief befremdet, sind die aktuellen Versuche seitens des LAD-Autors, im Nachherein den Ursprung für die heute nicht mehr zutreffenden Interpretationen  ohne jegliches Zutun und aktiver Mitverantwortung durch das LAD darzustellen. Dabei haben die Vertreter des LAD – unter Ihnen der Mitautor Dr. Bertram Jenisch – sich ja 2003 persönlich Vorort und dabei ganz speziell auf dem Mettlenkopf (siehe unten) ein eigenes – von ihrer Fachkompetenz geprägtes Bild der archäologischen Fundsituation sowie im Abgleich mit den Messergebnisse ihr fachwissenschaftliches Urteil bilden können. Da neben mir auch noch zwei weitere Personen dabei anwesend war, können die Vorgänge auch ohne meine Aussagen bestätigt und bewertet werden.

 
 
 
Quelle Erich Meyer (Hasel) Copyright Archiv & Sammlung Werner Störk
 
Bildausschnitt (wegen Persönlichkeitsrechten am Bild) eines Fotos vom 28.04.2003 mit Blick auf die auf der Motorhaube ausgelegten Unterlagen, darunter (Pfeil) die besagte
Luftaufnahme von 1968, Standort des Fahrzeugs und der Gruppe exakt an der Engpaßstelle zwischen kleiner 6-Eck-Schanze und Steilflanke des Wehratales (siehe unten).
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk 
 
Daraufhin wurde das so protokollierte Resultat – zusammen mit eigenen Luftaufnahmen – mit Kenntnis des LDA – in unsere frei zugänglichen Homepage aufgenommen. Und blieb 15 Jahre lang, bis auf die jetzt durch Dr. Andreas Haasis-Berner gemachten neuen Erkenntnisse, weder vom Landesdenkmalamt selbst, noch von anderen Experten auch nur andeutungsweise in Frage gestellt.
 
 
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, Sammlung Werner Störk
   
Invertierte Luftaufnahme von 1968: Mettlenkopf.  
   
   
Hier die damalige interne wie externe Reaktion auf den Besuch der LAD-Delegation in Gersbach einerseits und unserer engen Kooperation andererseits:  
   
"Experten vom Landesdenkmalamt beeindruckt - Wissenschaftliche Arbeit. Es gebe nichts Vergleichbares in Baden-Württemberg. Diese lückenlose Dokumentation sei als Anhalt auf Regionen mit weißen Flecken übertragbar. Beeindruckend war für die Experten ein Vor-Ort-Termin in Gersbach, das fast die ganze Bandbreite der Befestigungstechnik vereint ist". Quelle: Badischen Zeitung vom 30. April 2003.  
   
„Um das Wissen möglichst allen zugänglich zu machen und zu sichern, übergaben sie dem Landesdenkmalamt eine umfangreiche Dokumentation und stellten die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit ins Internet. Dort sind mittlerweile über 3.500 Fotos über die Anlagen abgespeichert. Peter Schmidt-Thomé bescheinigte den Minifossi, die Schanzen fachkundig und vermessungstechnisch perfekt kartographiert zu haben. „Ich ziehe meinen Hut vor den Minifossi“, rühmt auch sein Kollegen Bertram Jenisch die Schul-AG, den er „sehr professionelle Arbeit“ bescheinigte. Die Dokumentation dieser „phantastischen Anlagen“ suche landesweit ihresgleichen. Einen solchen Kenntnistand gebe es anderswo kaum. „Es gibt nichts Vergleichbares“, so Jenisch“. Quelle: Markgräfler Tagblatt, 30. April 2003, Nr. 99, MT.  
   
Daneben erschienen in der Fachwelt bis hin zum offiziellen  Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege unterschiedlichste Artikel:  
   
„Man kann eine Barock-Schanze anders rekonstruieren wie das Gersbacher Beispiel im Gewann „Scherentann", etwa in einem experimentalarchäologischen Projekt. Dies war aber in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege nicht das primäre Ziel des Vorhabens.“ Quelle Jenisch, Bertram (2010): "Die Erforschung der barockzeitlichen Schanzanlagen im Schwarzwald - Denkmalpflegerische Aspekte", in: Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland, 129. Jahresheft 2010, S. 131 - 133: S. 131.   
   
So beurteilte 2008 der jetzige Mitautor, Mitherausgeber und LAD-Kollege von Dr. Andreas Haasis-Berner, Dr. Bertram Jenisch (er war im April 2003 mit uns gemeinsam auf dem Mettlenkopf und betreute das Leader-Schanzenprojekt), unsere Arbeit:  
   
„Das Ergebnis verschiedener Projekte... sind Landesaufnahmen in einer Genauigkeitsstufe, die oft weitergeht als die konventionelle Denkmalinventarisation. Die Arbeit erfolgt in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde und anderen Fachbehörden. Die Ergebnisse gehen in Form von Arbeitsberichten regelmäßig an die Denkmalpflege und liefern wichtige Grundlagen für die Erforschung des südlichen Schwarzwaldes“ (Seite 48). Und fährt auf S. 56 fort: „Eine Ausnahme bildet auch die mit großem Sachverstand vor Ort ehrenamtlich arbeitenden Gruppe, die ihre Heimatgemeinde in einer Tiefenschärfe erfaßt hat, wie es im Rahmen der systematischen Denkmalerfassung nicht möglich gewesen wäre“. Quelle: „Wie man in den Wald hineinruft... – Denkmalerfassung im Südschwarzwald“, veröffentlicht in: „Stratigraphie und Gefüge – Beiträge zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit und zur historischen Bauforschung“ vom Regierungspräsidium Stuttgart und dem Landesamt für Denkmalpflege, Konrad Theiss Verlag Stuttgart, 2008, S. 48 und 56.  
   
„Dieser Beitrag möchte skizzieren, wie Denkmalpädagogik aussehen könnte, und aktuelle, beispielhafte Projekte und Angebote vorstellen, um den Partner der Denk-malpflege Mut zu machen, sich aktiv in die Vermittlung einzubringen... Ein heraus-ragendes schulisches Projekt, das die Dokumentation von archäologischen Denk-malen im südlichen Schwarzwald unterstützt, ist die Schülerarbeitsgemeinschaft MINIFOSSI der Friedrich-Ebert-Hauptschule in Schopfheim... Es bestehen enge Kontakte zum Referat Denkmalpflege im Regierungspräsidium Freiburg ...Die Ergebnisse verschiedener Projekt sind Landesaufnahmen in einer Genauigkeitsstufe, die weiter geht als die konventionelle Denkmalinventarisation seitens der Landesdenkmalpflege. Die Arbeit erfolgt in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde... Die Ergebnisse fließen regelmäßig in die Ortsakten der Denkmalpflege ein... Die Projekthighlights 2008 ...waren die Einweihung des Nachbaus einer Barockschanze in Gersbach in Originalgröße (Ortsteil Schopfheim, Landkreis Lörrach, Abb. 11).“ Quelle: Plein, Irene (2009): „Denkmalpflegepädagogik in Baden Württemberger – Methodik, Projekte, Angebote, Unterrichtsmaterialien“, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege, 4, 2009, S. 208 ff.,   
   
„AG MINIFOSSI der Friedrich-Ebert-Schule, Schopfheim, für mehr als zwanzigjährige Aktivitäten zur Inventarisation, Dokumentation, Erforschung und Vermittlung der historischen Kulturlandschaft im südlichen Schwarzwald in enger Kooperation mit dem Landesdenkmalamt." Quelle: Presseverlautbarung „Informationen Denkmalschutz“, herausgegeben vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz, Pressemitteilung Nr. 130 vom 10.09.2004, Bonn, unter Bezug auf die Silberner Halbkugel, der Deutsche Preis für Denkmalschutz, höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet in der Bundesrepublik Deutschland.   
   
„Die Ergebnisse der Minifossis fließen regelmäßig in die Ortsakten der Denkmalpflege ein. Darüber hinaus setzt sich die AG Minifossi für den Erhalt bedrohter Schanzanlagen ein. Teil dieser Aktivitäten ist der Nachbau der historischen Schanze von Gersbach-Mettlen in Originalgröße“. Quelle: "Barocke Schanzen im Schwarzwald Die Verteidigungsanlagen auf den Schwarzwaldhöhen" von Dr. Andreas Haasis-Berner, Dr. Johannes Lauber und Dr. Ute Seidel, Regierungspräsidium Freiburg, Referat 26 Denkmalpflege, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 1/2010, S. 26 – 30.  
   
„Die Grundlage für die Pläne stammen von dem Heimatforscher Werner Störk, der für die Form und Maße auf ein Luftbild zurückgriff, das vom Mettlenkopf, einem Berg südlich von Gersbach stammt.“ Quelle: „Die Schanze auf der Pferdekoppel“, Haasis-Berner u.a., S. 2/, in: Archäologische Nachrichten aus Baden. Heft 95, 2019. Die Veröffentlichung des Artikels von Dr. Haasis-Berner aus dem Jahre 2019 impliziert nun, dass ich - namentlich benannt - als „Heimatforscher Werner Störk“ wohl allein für die Grundlagen verantwortlich sein soll, die zum Bau der Schanze führten. Mit keinem einzigen Wort geht der Autor auf die aktive und entscheidende Mitwirkung und langjähriges Begleitung des Projekts durch das LAD ein. Kein Hinweis auf die Vorort-Exkursion und gemeinsame Begehung der Schanzanlagen auf dem Mettlenkopf, kein einziges Wort über die gemeinsam getroffenen Befundbewertungen, kein einziges Wort über langjährige enge fachliche Begleitung.  
Und wie haben wir die enge Zusammenarbeit mit dem LAD wahrgenommen und so auch nach außen transferiert? „Alle erfaßten Daten der Bodendenkmäler gehen natürlich auch immer unmittelbar an das Regierungspräsidium Freiburg, Referat 25, Denkmalpflege, Fachbereich Archäologie, um so eine parallele Datenarchivierung und Wissenssicherung zu gewährleisten. So entstehen auf der Basis der Vorort gewonnenen Ergebnisse wiederum neue Einsichten und ein praxisorientiertes Wissen, die wiederum mit historischen und aktuellen Quellen aus Archiven, Museen und Fachliteratur verglichen wird. Gleichzeitig dienen uns die geometrischen Erkenntnisse auch als Datenbasis für die digital gesteuerte Fräsung von maßstabsgetreuen 3-D-Raummodelle. Denn alle in der Feldarbeit gewonnenen Erkenntnisse über die einzelnen Anlagen werden ausgewertet, zusammengefaßt und als Ganzes reflektiert“... „Um solch einen landesweit einzigartigen archäologischen Schatz zu heben, bedarf es vieler, die bereit sind, als Individuum, im Team und als Netzwerk sich einzubringen: In enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Gersbach, der „Leader-Plus“-Planungsgruppe, dem hiesigen Staatlichen Forstamt, den zuständigen Revierleitern einschließlich dem Städtischen Forst, dem Staatlichen Vermessungsamt Lörrach, passionierten Heimatforschern und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Denkmalpflege unserer Region sowie in optimaler Kooperation mit der amtlichen Denkmalpflege, Fachbereich Archäologie, des Regierungspräsidiums Freiburg. In der Zwischenzeit sind neben Universitäten auch nationale und internationale Fachorganisationen für Festungsbau und Festungswesen auf dieses Projekt aufmerksam geworden und wurden als professionelle Kooperationspartner Garanten für einen intensiven Gedankenaustausch.“ Quelle: Werner Störk: „Fortifikation im Barock: Die Schanzen des „Türkenlouis“ im Südschwarzwald“. In: Das Markgräflerland, 2009 Band 1, S. 13–80.
 
"Grundlage für den Bau sind alte Zeichnungen und Beschreibungen, wobei Störk auch Expertenwissen der Deutschen Gesellschaft für Festungforschung, diverser Universitäten und der Bundeswehr einbeziehen will. Kulturhistorisch  bedeutsam ist aber das Projekt nicht nur deshalb, weil es damit zum ersten Mal überhaupt  eine solche Verteidigungsanlage  in "echt" zum Hineingehen, Anfassen und Anschauen  geben wird." Quelle Badische Zeitung vom 12.0.2006.
 
Bei den Mutmaßungen von Dr. Haasis-Berner dreht sich alles um die so nie gemachte Interpretation eines Luftbildes - daher sind seine Rückschlüsse, die er für sich zieht, genauso wenig zutreffend wie auch fachlich leicht zu widerlegen. Da dieses Luftbild so stark in den Mittelpunkt gerückt wurde, ist es sinnvoll, es noch einmal genauer zu betrachten.
 
 
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, rechts: invertiert, Sammlung Werner Störk
 
Luftaufnahme von 1968: Mettlenkopf.
 
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968,  invertiert, Sammlung Werner Störk
 
Dr. Haasis-Berner: „In diesem Luftbild sollen eine sechseckige und eine fünfeckige sowie zwei quadratische Redouten zu erkennen sein“.
 
 
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968,  invertiert, Sammlung Werner Störk
 
Legende: Große Schanze (rot), kleine Schanze (hellgrün), auffälliges Bodenmuster (gelb) laut LAD 2019 eine "frisch gemähte Wiese",
Waldschanze
(blau), Graben/Kommunikation (weiß) - lediglich das 5-Eck in der Wiese ist erkennbar.
 
Da sich Dr. Haasis-Berner so nachdrücklich auf die Luftaufnahme und deren Interpretation konzentriert, hier etwas ausführlicher dargestellt, um zu zeigen, wie Dr. Haasis-Berner für sich selbst sachgerechte Quellenarbeit definiert und was dabei als veröffentlichter Text herauskommt. Aber auch, damit sich jeder Leser umfassend informieren kann.
 
So ist der Standort der großen Mettlenkopf-Schanze  (oben rot) sichtbar, aber sie ist auf gar keinen Fall als 6-Eck-Schanze zu erkennen. Textlich von uns aufbereitet:Sie zeigt aktuell die Form eines unregelmäßig geformten Vierecks, war jedoch vor dreihundert Jahren als  ein perfektes Sechseck errichtet und hatte erst durch die über die Jahrhunderte betriebene Bewirtschaftung - vor allem beim Ackerpflügen - zwei seiner sechs Eckpunkte eingebüßt. Ebenso wurde das Schanzeninnere völlig aufgefüllt. Eine exakte Messung der noch vorhandenen Kanten des oberen Schanzenkörpers - gemeinsam mit dem Staatlichen Vermessungsamt vorgenommen - kann jedoch eindeutig die ursprüngliche Form belegen“. Keinerlei Bezug oder Hinweis als Interpretation der Luftaufnahme. Die Luftaufnahme zeigt also auch hier  nichts!
 
Auch der Standort der kleinen Mettlenkopf-Schanze (oben hellgrün) ist erkennbar, aber sie ist auf gar keinen Fall auf der Luftaufnahme als 6-Eck-Schanze zu erkennen. Textlich von uns aufbereitet:Auch die kleinste und östlichste der drei noch sichtbaren Verteidigungsanlagen war als sechseckige Schanze angelegt. Sie dürfte wohl die älteste Anlage von den vieren sein. Ihre äußere Form hat leider stark durch die Bewirtschaftung des sie umgebenen Feldes gelitten - typisches Schicksal fast aller in freier Landschaft errichteten Schanzen." Keinerlei Bezug oder Hinweis als Interpretation der Luftaufnahme. Die Luftaufnahme zeigt also auch hier nichts!
 
Überhaupt nicht erkennbar ist der Standort der Schanze, die auf der Wehrer Gemarkung im Wald liegt (oben blau).
 
Fazit zur Behauptung Dr. Haasis-Berner: "In diesem Luftbild sollen eine sechseckige und eine fünfeckige sowie zwei quadratische Redouten zu erkennen sein“. In diesem Luftbild sind lediglich die Bodenspuren einer möglichen 5-Eck-Schanze zu sehen und die Standorte von zwei Schanzen zu erkennen, die weder als Redouten noch als 6-Eck-Schanzen zugewiesen werden können. Gleichzeitig setzt dies aber das Vorwissen um diese Standorte voraus, da auf der Luftaufnahme keine klaren und damit deutbaren Bauformen zu erkennen sind. Erst die Vorortuntersuchungen und die Ergebnisse aus dem Vermessungsprojekt kamen zu der Verifizierung der Bauformen – also zu keinem Zeitpunkt als Interpretation des Luftbildes bzw. als entsprechende Informationen aus dem Luftbild. Favorisierte Meinung des Autors? Nein, nur alternative Fakten mit dem Ziel, die sachkundige Arbeit, die geleistet wurde, im Nachherein zu diskreditieren, um so einen gesamtheitlich negativen Eindruck zu initiieren.
 

Auch sein Begriff „Vorlage“ impliziert die Anfertigung einer Reproduktion von einem vorliegenden Ursprungsexemplar oder ein Vorbild, an dem sich das neue Produkt stark orientiert. Dies war zu keinem Zeitpunkt der Fall. Die von uns auf dem Mettlenkopf so interpretierte 6-Eck-Schanze, die auch so vom LAD fachlich bestätigt wurde, war ein Impulsgeber von vielen. So steht es auch in unserer Veröffentlichung klar und zweifelsfrei zu lesen: „ Sie (red. Anmerkung: die rekonstruierte Sechseckschanze) basiert auf den Forschungsergebnissen aller untersuchten Schanzen...“. Und da wir ja weit über den Gersbacher Raum hinaus – bis über die Wehra im Osten und die Kleine Wiese im Westen – forschten, flossen natürlich auch diese Erfahrungen in das Gesamtprojekt.

 
Mir fehlt auch in den Verlautbarungen von Dr. Haasis-Berner der Hinweis darauf, dass dieser Nachbau ein Leader-Plus-Projekt war. Dies bedeutet, dass neben den rein archäologischen-fachwissenschaftlichen Überlegungen auch ganz andere Prämissen wie touristische Einbindung, Nachhaltigkeit der Nutzung, Bespielbarkeit, Sicherheit, gesetzlich vorgeschriebene Rahmenbedingungen für die Zugangsmöglichkeit für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge, Finanzierungsvorgaben – um nur einige zu nennen – eine ebenso wichtige Rolle spielten.
 
Der Nachbau wollte dennoch primär und generell vor allem eine „Barockschanze“ als reines Erdwerk umsetzen – ausgestattet mit den typischen Attributen wie Wall und Graben. Und in der Form so ausgelegt, dass sie möglichst stabil stehen bleibt. Da ein Sechseck nicht nur in der Natur sondern auch in der Architektur ein stabiles Element bildet, war für mich – wie schon angedeutet – klar, dass ein 6-Eck Favorit ist. Auch die in der Literatur zu lesende Version, dass der Nachbau sich auch in der Größe und Form an der „Vorlage“ auf dem Mettlenkopf orientiert, ist so nicht korrekt. Die Schanzen auf dem Mettlenkopf haben völlig andere Durchmesser, sind irregulär, haben keinen benachbarten Chartaque, sind weder begehbar noch bespielbar. Alle Faktoren sprechen dafür, dass der Nachbau ein generalisiertes und idealisiertes Modell einer Barockschanze darstellt. Daher steht auch der Chartaque nahe an der Schanze, was so in der Realität auch nicht vorkommt – eben modellhaft, um dem Besucher die Elemente des Schanzenbaus und der Fortifikation sowie der Kommunikation möglichst plastisch – d.h. auch im Maßstab 1:1 – nahe zu bringen. Dies war so von Anfang an auch konzeptionell gewünscht – und auch so vom LAD mitgetragen. Umso mehr sind die von Dr. Haasis-Berner aufgestellten (irrigen) Behauptungen auf ihre wahre Intension und „personale“ Zielrichtung zu hinterfragen.
 
So fehlt mir in den Verlautbarungen von Dr. Haasis-Berner ebenso der Hinweis auf unser Projekt Schwarzwaldlinie. 2008 kontaktierten wir 240 Schwarzwaldgemeinden und 120 Ortsverbände wie Heimat-, Kultur- oder Schwarzwaldvereine. Unsere Mai- und Fax-Anfrage galt der Erfassung von Schanzen, Wallanlagen und auffälligen Grabenlinien sowie deren schriftliche Erfassung und Dokumentation. Ebenso fragten wir die Adressaten an, ob sie an einer Ein- oder Anbindung ihrer Gemeinde im Sinne einer touristischen Nutzung interessiert seien. Ziel dieser Umfrage war zu prüfen, inwiefern man eventuell die gesamte Linie für einen sanften Tourismus aktivieren könnte. Parallel dazu erfolgten Anfragen an verschiedene Ministerien (z.B. Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum, AZ 45-8439-46 vom 09.12.2008), um die Finanzierung – vielleicht im Rahmen der Leader-Kulisse - eines solchen Projektes zu prüfen. Die Rücklaufquote war mit annähernd 70 Prozent sehr hoch und die retournierten Informationen sehr ertragreich. Ein Ergebnis war u.a. dann die langjährige und ertragreiche Kulturkooperation mit der Stadt Eppingen (Eppinger Linie) in Form von gemeinsamen Fortifikations-Ausstellungen und weiteren Aktivitäten. Und natürlich die persönlichen (und z. T. langjährigen) Kontakte zu Heimatforschern im nördlichen. mittleren und südlichen Schwarzwald. Auch da war der Nachbau der Barockschanze auf dem Gersbacher Scherentann eben sehr wichtig. Denn damit hatte man einen auch touristisch sehr attraktiven Besuchspunkt im Süden der Schwarzwaldlinie geschaffen, der zusammen mit den hiesigen originalen Schanzanlagen (Sternschanze, 5-Eck-Schanzen, Viereckschanzen in regulärer Grund-, Trapez und Parallelform) die gesamte Bandbreite der barocken Erdwerk-Fortifikation aufzeigt. BZ-Interview vom 15.09.2008 mit den verantwortlichen Trägern: „... sie sprechen von einem einzigartigen, in dieser Form so nirgendwo zu findenden Vorhaben mit überregionaler Bedeutung, kulturhistorisch wie archäologisch“. Auch unter dem Gesichtspunkt des Alleinstellungsmerkmals war der Nachbau für die Gemeinde und deren touristische Attraktivität von besonderer Bedeutung. Dass dies uns geglückt ist, zeigt nicht nur der rege Besuch der Schanze, sondern auch deren Wertschätzung bei den Gästen. Aktuell (09.02.2022) sind bei Google sind 51 Rezensionen zu lesen, die insgesamt eine positive Bewertung von 90 Prozent (!) belegen. Drei Beispiele:
 
"Die Schanze Gersbach ist eine gut gelungenen Rekonstruktion einer barocken Schanze aus der Zeit um 1700". "Man bekommt einen guten Eindruck, wie einst die zahlreichen Schanzen im südlichen Schwarzwald ausgesehen haben. Des Weiteren liegt sie in guter Lage mit einer schönen Aussicht auf den Schwarzwald und die nahe Schweiz". "Absolut sehenswert!".  
   
So war die damalige Entscheidung, die große Schanze als Sechseckschanze zu definieren und sie so auch als Impuls  für den Nachbau zu nehmen, schlußendlich eine gemeinsam getragene und auch in die Zukunft gerichtete Intention. „Man kann eine Barock-Schanze anders rekonstruieren wie das Gersbacher Beispiel im Gewann „Scherentann", etwa in einem experimentalarchäologischen Projekt. Dies war aber in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege nicht das primäre Ziel des Vorhabens.“ Quelle Jenisch, Bertram (2010): "Die Erforschung der barockzeitlichen Schanzanlagen im Schwarzwald - Denkmalpflegerische Aspekte", in: Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland, 129. Jahresheft 2010, S. 131 - 133: S. 131.  
   
   
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, bearbeitete Grafik generalisiert und idealisiert, nicht maßstäblich, Copyright, Sammlung Werner Störk
 
Invertierte Luftaufnahmen aus dem Jahre 1968 mit Simulation sowie mit Vermessungsprotokoll der kleinen, irregulären 6-Eck-Schanze auf dem Mettlenkopf.
 
 
 
Sammlung Werner Störk 2021
 
Vermessung, Messergebnisse und Messprotokoll der beiden Schanzen auf dem Mettlenkopf.

Schreiben vom Staatliche Vermessungsamt Lörrach (13.06.2002, Hans Trinler, Az.: 0222.1/71) unter dem Betreff: Zusammenarbeit mit den Schulen – Vermessungsarbeiten am Gersbacher Schanzen- und Wallgrabensystem: Wir begrüßen die Aktivitäten der AG MINIFOSSI der Friedrich-Ebert-Schule in Schopfheim in Form des Projekts Vermessung des Gersbacher Schanzen- und Wallgrabensystem. Das Landesvermessungsamt fördert im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit generell die Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen des Landes... Ihr Projekt sehen wir u.a. als Beitrag zur Ausweitung des Wissens über die Methoden zur Darstellung von geografischen Informationen... Wir werden daher Ihr Projekt im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen.“

 
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, Sammlung Werner Störk
Gut erkennbar: die isolierte  Waldinsel als Standort der kleinen 6-Eck-Schanze.
 
Dass weder dem Kollegen noch Dr. Haasis-Berner im Rahmen ihrer einwöchigen Mettlenkopf-Untersuchungen die kleine 6-Eck-Schanze – die dort nachweislich – siehe auch ein Blick in das aktuelle Geoportal BW (oben) – existiert (nur noch relikthaft), nicht aufgefallen ist, hängt wohl damit zusammen, dass sie  weder durch ihre Form noch durch ihre bloßes Dasein „willkommen“ war. Und nicht in das bereits wohl schon vorher gefällte Urteil über die archäologische Situation auf dem Mettlenkopf paßte – eben vergleichbar mit den „übersehenen“ Hangterrassen in Elbenschwand oder dem nicht erkannten zweiten Redan auf dem Wolfsacker oder die südlichen Fortifikationselemente am Holderkopf oder die noch nicht abschließend geklärte polygonale Form der Schanze auf dem nahen Gersbacher Glaserberg.
 
 
Luftaufnahme Erich Meyer (Hasel) Sammlung & Archiv Werner Störk Copyright
 
Diese Aufnahme zeigt sehr gut, wie exponiert man den Standort dieser Schanze ausgewählt hat, um eine letzeähnliche Engstelle zu schaffen, durch dessen "Nadelöhr" der damalige Weg nach Gersbach führte. Wobei er da bereits,  durch die Waldschanze auf der Wehrer Gemarkung lief - etwas entfern vom nahen und tiefgelegenen Hasler Grenzweg. Für all diejenigen, die das Areal als Lesesteinhaufen deuten möchten: hält man die damaligen Menschen für so dumm, die aufgelesene Steine erst mühsam und schweißtreibend händisch aufzulesen, dann auf den höchsten Punkt des Geländes zu schleppen, dort sorgsam als Mauern aufzuschichten - anstatt sie über die meternahe Steilkante hinunterzukippen, um so noch  etwas mehr an kostbarem Wiesen-oder Ackerland zu gewinnen?
 
 
 

Quellen Topographische Karte 1:25.000, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Blatt 8313, Wehr, Normalausgabe, Hrsg. Badische Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus, 1882,  Berichtigungsstand 1936, Ausgabe 1958 plus Wanderkarte )s.o.)

 
Die auffällige Waldinsel - erinnert stark an die ebenfalls archäologisch bedingte Waldinsel auf dem Holderkopf in Neuenweg (rechts) -
auch dort vom LAD einfach übersehen.
 
 
 
Fotos Copyright Archiv & Sammlung Werner Störk
 
In den Jahren 2002 und 2003 ( LAD-Vorortbegehung und Vermessungsprojekt) noch sehr gut im Gelände erkennbar: die kleine 6-Eck-Schanze auf dem Mettlenkopf (2).
 
 
 
Fotos Copyright Archiv & Sammlung Werner Störk
 
Die Anlage zeigte noch eine gut erhaltene Außenlinie mit entsprechenden Winkeln. Die dunkle Anhäufung auf der Nordseite ist dort zwischengelagerter Mist,
den man auf den Resten der einstigen Mauer zwischengelagert hat
 
 
 
Fotos Copyright Archiv & Sammlung Werner Störk
 
Ebenso gut erkennbar war noch der Innenraum und die ringförmige Umrandung.
 
 
 
Fotos Copyright Archiv & Sammlung Werner Störk
 
Noch gut zuweisbar: der südwestlichste Eckpunkt der 6-Eck-Schanze.
 
Wichtiger Hinweis: Im Jahre 2002 standen uns zu Beginn unseres Schanzenprojekts natürlich noch keine Digitalkmeras zur Verfügung. Das bedeutet, dass man ganz normal analog Aufnahmen mit der Kamera machte, den Film dann entwickelte oder entwickeln ließ, nun wurden von den Negativen Papierabzüge generiert und diese dann auf einem Scanner digital eingescannt. Dabei waren die Speicherkapazitäten der damaligen Disketten - floppy discs - extrem klein mit anfänglichen 180 bis 1200 KiB und entsprechender Ladezeit. Zudem mußten sie für die nur sehr eingeschränkt zur Verfügung stehenden  Homepage zusätzlich stark komprimiert werden. Daher sind die damaligen Aufnahmen nur noch kleinformatig zur Verfügung - dennoch dokumentieren sie sehr gut, dass zum damaligen Zeitpunkt die 6-Eck-Schanze noch gut erkennbar war.
 
 
 
 
 
Fotos Copyright Werner Störk  
 
Vergleichbar: Die Wacht-Schanzanlage bei der Neusäge (Gersbach), oberhalb von Todtmoos-Au - ebenfalls aus Feld- und Bruchsteinen lose aufgesetztes Mauerwerk.
 
 
 
Vermessungsblätter Geländevermessung 2002 (Archiv Werner Störk)  
 
Der direkte Vergleich mit der Wachtschanze bei der Neuäge mit gleichem Maßstab 1:500 zeigt, dass die 6-Eck-Schanze auf dem Mettlenkopf sogar etwas größer ist.
Der Bau auf Basis von Feldsteinen dürfte derselbe gewesen sein - ebenfalls die Mauerstärken und Höhen. 
 
 
 
Vermessungsblätter Geländevermessung 2002 (Archiv Werner Störk)  
 
Links die irreguläre 5-Eck-Anlage bei der Neusäge, rechts die größere irreguläre "kleine" 6-Eck-Schanze auf dem Mettlenkopf.  
 
 
 
Quelle Geoportal BW vom 13.01.2022, Grafik Werner Störk    
 
LAD-Version: „...die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunde vorhanden sind.
Aktueller Geoportal BW-Ausdruck vom 13.01.2022 mit Große Schanze Gersbacher Schanzen und Kleine Schanze Gersbacher Schanzen.
 
 
 
Quelle Geoportal BW vom 13.01.2022
 
LAD-Version: „...die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunde vorhanden sind.
Aktueller Geoportal BW-Ausdruck vom 13.01.2022 mit Große Schanze Gersbacher Schanzen und Kleine Schanze Gersbacher Schanzen.
 
 
 
Quelle Geoportal Kombi LiDAR 2021 Grafiken Werner Störk
Auch die aktuelle LiDAR-Aufnahme 2021 zeigt die auffallende anthropogen gestaltete Grenzweg-Verengung östlich und nördlich (gelb) der kleinen 6-Eck-Schanze (rot) -
zwischen der Schanze und dem extrem steilem Flankenabfall zum Wehratal. idealer letzenähnlicher Kontroll- und Überwachungspunkt.
 
 
 
Quelle Geoportal BW
 
Gewannn- und Gemarkungsgrenzen auf dem Mettlenkopf - und der exponierte Standort der 6-Eck-Schanze (1).
 
 
 
Quelle Geoportal BW
 
Entlang der gelben Markierungen wurde das natürliche Hangrelief erkennbar verändert und es müssen Abtragungen vorgenommen worden sein.
 
 
 
Quelle Geoportal BW
 
Gewannn- und Gemarkungsgrenzen auf dem Mettlenkopf - und der exponierte Standort der 6-Eck-Schanze (2).
 
 
 
Quelle Geoportal BW
 
Der exponierte Standort der 6-Eck-Schanze an der anthropogen veränderten und zur Letze ausgebauten Kontrollstelle für den historischen Weg.
 
 
 
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

Mögliche (weiß) und tatsächliche Kommunikationslinien (gelb).. 
 
 
 
 (Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, Grafik & Sammlung & Copyright Werner Störk).
 
Die kleine 6-Eck-Schanze auf dem Mettlenkopf im Zusammenspiel mit den zwei anderen real existierenden Schanzanlagen.
 
 
 
 
Luftaufnahme Erich Meyer (Hasel) Sammlung & Archiv Werner Störk Copyright
 
LAD-Version: „...die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunde vorhanden sind.
Die auffällige Landmarke auf dem östlichen Areal des Mettlenkopfes - unmittelbar an der westliche Steilflanke des Wehrateales.
 
 
 
Luftaufnahme Erich Meyer (Hasel) Sammlung & Archiv Werner Störk Copyright
 
LAD-Version: „...die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunde vorhanden sind.
Gut kontrollierbar: die gezielt herbeigeführte Engstelle zwischen Steilflanke und historischer Wegführung - fast wie eine Letze.
 
 
 
 
Quelle Google Earth Grafik Werner Störk 
 
Aufnahmedatum vom 23.04.2020: der Standort der 6-Eck-Schanze wurde gesamtheitlich abgeholzt (1).
 
 
 
 
Quelle Google Earth Grafik Werner Störk  
 
Aufnahmedatum vom 23.04.2020: der Standort der 6-Eck-Schanze wurde gesamtheitlich abgeholzt (2). 
 
 
 
 
Quelle Google Earth
 
LAD-Version: „...die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunde vorhanden sind.
Die Ausschnittvergrößerung (links) zeigt das betroffene Areal: der Standort der 6-Eck-Schanze. 
 
 
 
Quelle Geoportal BW  Grafik Werner Störk  
 
Wieder ein archäologisches Ensemble (Redoute 1/orange, Redoute 2/weiß und 6-Eck-Schanze/rot) "entwertet" und für immer zerstört - macht nichts, denn da war ja nix -
laut LAD: „...die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunden vorhanden sind“ .
 
Ich ging und gehe bis dato von insgesamt drei existierenden Schanzanlagen auf dem Mettlenkopf aus: der jetzt durch Bodenradar nachgewiesenen quadratischen Redoute, der kleinen, östlich davon gelegenen 6-Eck-Schanze sowie der Schanze auf der Wehrer Gemarkung, die dort dicht am Waldrand liegt. Daran hat sich nichts geändert und insofern sind Mutmaßungen, die drei „hätten den Mettlenkopf damit zu dem am besten befestigten Berg im ganzen Schwarzwald gemacht“ insofern skurril, da sie ja tatsächlich existieren und im Gelände nachzuweisen sind – eben ohne jene vierte Anlage, die ja im Text klar beschrieben wird: „Sie ist nur noch als schattenartige Bodenkontur erkennbar und auch die Vorortbegehung brachte keinerlei sichtbare Anhaltspunkte. Warum sie scheinbar so spurlos verschwunden ist, läßt sich nicht mehr belegen: Wurde sie geschleift oder rutschte sie auf Grund eines Baufehlers oder ungünstiger Bodeneigenschaften auf dem nach Westen stärker abfallenden Gelände ab?“ 
 
Wenn - so Haasis-Berner - die drei  "den Mettlenkopf damit zu dem am besten befestigten Berg im ganzen Schwarzwald gemacht“ hätten, weshalb verschweigt er dann offensichtlich - er ist ja offizieller LAD-Kontaktmann zur Schönauer EWS und dessen Windpark-Planungen auf dem Zeller Blauen - seinen Lesern die Tatsache, dass es in unserem Raum tatsächlich einen sehr stark befestigten Berg gibt? Ich maße mir nicht an, dies in Bezug auf den ganzen Schwarzwald - sicherlich aber auch zu dem südlichen Schwarzwald und der Vorderen Linie zu setzen - aber es einfach zu verschweigen? Oder zu vergessen? Oder eben zu favorisieren!
 
 
 
 
Quelle Google Earth, Grafik Werner Störk, nicht maßstäblich
 
Der Zeller Blauen und seine fortifizierte Umgebung mit seiner hohen Anzahl an Schanzen und anderen Fortifikationselementen wie Alarm- und Signalfeuer-Stationen, langen Kommunikationslinien mit Flankenschutzwinkel, mächtigen Sperrgräben, doppelte Redan-Sicherungen, Dreifach-Redans mit Sperrgräben, Gatter-Vorposten sowie einer einzigarten bastionierten Sternschanze. Hier plant die EWS einen ausgedehnten Windpark mit neuen Windenergieanlagen - davon liegen zwei nachweislich auf archäologischem Boden. Dr. Haasis-Berner ist offizieller LAD-Kooperationspartner. Er schreibt von dem mit lediglich vier bzw. real nur drei  Schanzen befestigten Mettlenkopf südlich von Gersbach von "einem am besten befestigten Berg im ganzen Schwarzwald"  - wohlgemerkt mit einer nicht mal Handvoll von Schanzen und unterschlägt dabei wissentlich das geplante Windpark-Areal des Zeller Blauens und den dort geplanten neuen WEAs. So wird der Leser desinformiert und gewinnt einen völlig falschen Eindruck - Zufall? Absicht? Lesen Sie einfach weiter und schaffen sich so ein eigenes Bild!
 
 
Der Zeller Blauen besitzt nämlich nicht drei oder vier Schanzen, nein, er kann mit insgesamt 13 (in Worten dreizehn!) Schanzen (Hirschbühl-Schanze, Wüstmatt-Schanze, Kühlloch-Schanze, Eckle-Schanze, Pfaffenberger Schanze, Bürchauer Schanze, zwei Redan-Vorposten auf dem Wolfsacker, eine Alarm- und Signalfeuer-Station auf dem Tannenkopf, Holderkopf-Schanze, Hau-Redoute 1, Hau-Redoute 2, Raute-Schanze Hau und das Premiumstück, die bastionierte Sternschanze auf dem Hau aufwarten. Dazu noch eine sehr lange Kommunikationslinie mit Flankenschutzwinkel, vier massive Sperrgräben, Schanzen in regulärer und irregulärer Ausführung, vier Redane, ein befestigtes Gatter bei Pfaffenberg - und dabei sind noch nicht einmal die beiden zu diesem Defensivsystem zählenden Adelsberger Schanzen aufgelistet. Also nochmals zusammengefaßt: der "Berg" Zeller Blauen trägt insgesamt 13 Schanzen und weitere acht (!) gewichtige Fortifikationselemente. Doch dazu kein einziger Hinweis von Dr. Haasis-Berner, dem "versierter Kenner der Materie", wobei  das "LAD voll und ganz hinter den Äußerungen von Kollege Dr. Haasis-Berner steht." Ich erinnere: er ist ja offizieller LAD-Kontaktmann zur Schönauer EWS und dessen Windpark-Planungen auf dem Zeller Blauen, sieht sich selbst und das LAD als "keine Verhinderungsbehörde" und bestehende Bodendenkmäler - ganz gleich ob sie eine archäologische Gesamtheit bilden oder einzigartige Ensembles sind - "kein K.O. Kriterium zum Bau einer Windkraftanlage" - auch wenn zwei geplante WEA-Standorte unmittelbar archäologische Fundgebiete zerstören würden.
 
Wobei man sicherlich auch noch anmerken muß, dass - so seine eigene Verlautbarung - Dr. Haasis-Berner in seiner Funktion als fachlicher LAD-Kooperationspartner des EWS  in gleich mehrfachen Begehungen die jeweiligen WEA-Standorte auf dem Zeller Blauen persönlich begangen und begutachtet hat. Er also sehr genaue Kenntnis der Vorort-Situation hatte. Es fällt einem daher schwer, keine Absicht und nur Unwissen zu vermuten, wenn Haasis-Berner (als) "ein versierter Kenner der Materie... seine Beiträge entsprechend seiner fachlichen Einschätzungen verfasst" hat (LAD Originalton) und in seiner Veröffentlichung fabulierend von einem "am besten befestigten Berg im ganzen Schwarzwald" - gemeint ist der Mettlenkopf bei Gersbach - schreibt. Und dem Leser dabei - wohl wissend - vorenthält, dass auf Zeller Blauen im südl. Teilabschnitt der Vorderen Linie - also auf e i n e m  e i n z i g e n Berg real dreizehn Schanzanlagen existieren, die mit  acht weiteren, also zahlreichen massiven Fortifikationselemente (Schanzen, Sperrgräben, Redane) zu den am besten befestigten Arealen im südlichen Schwarzwald zählen. Was soll also sein Hinweis "den Mettlenkopf damit zu dem am besten befestigten Berg im ganzen Schwarzwald gemacht“ - wenn der Mettlenkopf lediglich drei oder vier Schanzen aufzuweisen hat, der Zeller Blauen dagegen 13 (dreizehn)! So kann man Meinungen manipulieren und fachlich Interessierte desinformieren - geschützt durch das LAD, das WM, den Verlag und das Alemannische Institut. So wird ehrenamtliche Forschungstätigkeit "gewürdigt" - und dann maßt man sich noch an, dies unter dem Schutzmantel der freien Wissenschaft tun zu können. Der erkennbare Versuch, meine Forschungsarbeiten - unter  höchst fragwürdigem Ausschluß der allumfassenden LAD-Mitverantwortung - so fachlich der Lächerlichkeit preis zu geben, fällt nicht nur auf den Autor zurück.
 
„Unredlichkeit hingegen gefährdet die Wissenschaft. Sie zerstört das Vertrauen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untereinander sowie das Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaft, ohne das wissenschaftliche Arbeit ebenfalls nicht denkbar ist.“ Quelle: „Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis Denkschrift,“  Memorandum, Empfehlungen der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn,1998/2013.
 
 
 
Quelle Geoportal BW  
 
LAD-Version: „...die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunde vorhanden sind.
Kollateralschaden auf Grund verfehltem Denkmalschutz.
 
 
Leider haben amtliche Mutmaßungen und favorisierte Meinungen auch Konsequenzen bis hin zum Kollateralschaden. Will man einem Landwirt Vorwürfe machen, wenn er eine für ihn eine große Ansammlung von Steinen auf einem unregelmäßig ausgeformten Areal nicht als irreguläre 6-Eck-Schanze erkennt und den Platz eben wie gewohnt bearbeitet? Und z. B. die dortigen Bäume fällt und dabei natürlich durch den Einsatz von Maschinen die Erde planiert? Vor allem dann, wenn er noch die offizielle LAD-Version kennt, die da lautet: „...die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunde vorhanden sind.“ . Wobei - das sei hier korrigierend angemerkt - der Autor wieder einmal geflissentlich unterschlägt, dass es eben die 6-Eck-Schanze gibt/gab, ebenso die künstlich geschaffene "Engstelle" sowie auch den Verbindungsgraben zwischen den beiden Schanzen inklusive dem Sperrgraben auf der Westflanke des Hanges unterhalb der Viereckschanze - allesamt nicht aufgeführt, um den gewünschten - falschen - Eindruck zu legitimieren. Redliche Wissenschaft? Hinter der das LAD geschlossen steht? Die Aufnahmen zeigen im Jahr 2022, was von der 6-Eck-Schanze noch übrig ist - für das LAD wohl wieder nur ein Kollateralschaden. Wobei der Autor im Spätjahr 2018 eine Woche lang bei dem Grundstücksbesitzer im Rahmen seiner Untersuchungen gastiert hatte. Ist es nicht erstaunlich und gleichzeitig auch tragisch, wie hier archäologische Befunde nicht oder erst sehr spät erkannt oder einfach übersehen wurden – mit entsprechenden Folgen (Neuenweger Holderkopf, Elbenschwander Tannenkopf, Gersbacher Mettlenkopf)?
 
 
 
Quelle Geoportal BW   
 
Blick auf den Mettlenkopf und dessen Gewanneinteilung (gelb) inklusive der Gemarkungsgrenzen (lila)
 
 
 
Quelle Geoportal BW  Grafik Werner Störk  
 
Historische Grenzwegführung (gelb), Kommunikation zwischen den beiden Schanzen (orange), Standort der 6-Eck-Schanze (blau), Wallgraben-Sicherung (weiß/hellgrün)
LAD-Version. „...die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunde vorhanden sind.“  
 
 
 
 
Luftaufnahme Erich Meyer (Hasel) Sammlung & Archiv Werner Störk Copyright 
 
Blick auf die Westflanke des schneebedeckten Mettlenkopfes mit seinen hier noch sehr gut erkennbaren Wallgraben-und Kommunikationsstrukturen.
 LAD-Version. „...die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunde vorhanden sind.“  
 
 

Wie man manipulativ, pardon: "favorisierend" – damit aber auch desinformierend   dabei vorgeht, zeigt auch dieses ausgewählte Beispiel. Er schreibt: „Vorlage für die im Schwarzwald einmalige, sechseckige Schanze bildete die Interpretation eines Luftbildes vom nur wenige Kilometer südlich des Nachbaus befindlichen Mettlenkopf. In diesem Luftbild sollen eine sechseckige und eine fünfeckige sowie zwei quadratische Redouten zu erkennen sein“. Als Quellen gibt er an: Jahn, Lehnes und Nethe, 2008, S. 21; Störk, 2009, S. 55-57 und verweist im Literaturverzeichnis auf die Beiträge Jahn Hannah/Lehnes Patrick/Nethe, Monika: Als Spion unterwegs an den feindlichen Linien. Gersbacher Schanzenweg. Gersbach 2008 sowie Werner Störk: Fortifikation im Barock: Die Schanzen des „Türkenlouis“ im Südschwarzwald. In: Das Markgräflerland, 2009 Band 1, S. 13–80.

 
Hier - aus grundsätzlichen Überlegungen ungekürzt, damit man als Leser sich selbst eine Meinung bilden kann, der Originaltext von mir, den er tatsächlich als "Quelle" für seine Feststellung angibt:
 
"Mit der Luftbildarchäologie hat sich für die AG MINIFOSSI ein neues Arbeitsgebiet erschlossen. Wie wichtig dieser Forschungszweig für die Schüler-AG geworden ist, belegt die Tatsache, dass damit auch das alte Rätsel von Mettlen gelöst werden konnte: Nicht nur Experten fragten sich, weshalb die beiden noch sichtbaren Schanzenreste mit so starken Wällen im Norden und Westen gesichert wurden? Was sollten diese im Gelände immer noch leicht erkennbaren Wallgräben schützen? Zumal auch noch ein verschanzter Vorposten auf dem „Mettlenkopf“ die Südflanke und damit die historische Wegverbindung nach Hasel und Wehr deckte?
 
Eine erste große Überraschung brachte die intensive Auswertung einer alten SW-Serie von Luftaufnahmen des Landesvermessungsamtes Stuttgart aus dem Jahre 1968: Sie zeigt in einer speziell angefertigten Ausschnittsvergrößerung, dass zwischen den drei bekannten Schanzen auf dem „Mettlenkopf“  noch eine weitere, weitaus größere Schanze lag: Eine 5-Eck-Schanze mit nahezu einhundert Metern Durchmesser. Sie ist nur noch als schattenartige Bodenkontur erkennbar und auch die Vorortbegehung brachte keinerlei sichtbare Anhaltspunkte. Warum sie scheinbar so spurlos verschwunden ist, läßt sich nicht mehr belegen: Wurde sie geschleift oder rutschte sie auf Grund eines Baufehlers oder ungünstiger Bodeneigenschaften auf dem nach Westen stärker abfallenden Gelände ab? Nahm man das bereits gewonnene Bodenmaterial, um damit in unmittelbarer Nähe die heute dort bestehende 6-Eck-Schanze zu errichten? Diese liegt, sogar von der „Schweigmatt“ aus gut erkennbar, im offenen Gelände.
 
Sie zeigt aktuell die Form eines unregelmäßig geformten Vierecks, war jedoch vor dreihundert Jahren als  ein perfektes Sechseck errichtet und hatte erst durch die über die Jahrhunderte betriebene Bewirtschaftung - vor allem beim Ackerpflügen - zwei seiner sechs Eckpunkte eingebüßt. Ebenso wurde das Schanzeninnere völlig aufgefüllt. Eine exakte Messung der noch vorhandenen Kanten des oberen Schanzenkörpers - gemeinsam mit dem Staatlichen Vermessungsamt vorgenommen - kann jedoch eindeutig die ursprüngliche Form belegen. 6-Eck-Schanzen gehören zu den stabilsten Schanzkörpern, weshalb wir uns auch bei der rekonstruierten Schanze auf dem „Scherentann“ entschlossen, diese geometrische Form zu wählen. Die dritte Schanze ist eine Redoute und liegt auf dem südlichsten Geländepunkt als eine auch heute noch beeindruckende Landmarke. Sie sicherte wohl als Grenzstation den Übergang aus dem Vorderösterreichischen in die Markgrafschaft. Ob sie wirklich auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Turmes steht und als mögliches Pendant zum benachbarten „Bärenfels“ angelegt worden ist, konnte noch nicht geklärt werden. Im Zuge von Forstarbeiten wurde sie 2007 völlig freigelegt und beherrscht nun die wieder die Kuppe des „Mettlenkopfes“ - mit einer atemberaubender Rund- und Fernsicht.
 
Auch die kleinste und östlichste der drei noch sichtbaren Verteidigungsanlagen war als sechseckige Schanze angelegt. Sie dürfte wohl die älteste Anlage von den vieren sein. Ihre äußere Form hat leider stark durch die Bewirtschaftung des sie umgebenen Feldes gelitten - typisches Schicksal fast aller in freier Landschaft errichteten Schanzen. So liegen auf engsten Raum insgesamt vier Schanzen - eine sehr seltene Konstellation und ein auch heute noch beeindruckendes Zeugnis der Befestigungskunst. Die Gesamtanlage wurde zusätzlich von einem starken Westwall geschützt. Dieser gehörte zu dem Gesamtsystem von starken Grabenwällen bis zu fünf Metern Höhe. Sie wurden östlich von Hasel aus - entlang am alten Hasler Grenzweg (Grenze Vorderösterreich zur Markgrafschaft) und westlich vorbei an den „Mettlen“ - bis hoch zur „Hohlen Eiche“ in mühsamer Schanzarbeit angelegt. Eine heute kaum noch vorstellbare Fron-Schinderei von Hand, ausgerüstet mit kurzen Holzschaufeln, einfachen Hau-Hacken und hölzernen Schubkarren."
 
Auch hier für die andere Quelle Jahn, Lehnes und Nethe, 2008, S. 21, die originale Textstelle entsprechend der Seitenangabe des Autors: "Die rekonstruierte Sechseck-Schanze zeigt typische Elemente der barocken Befestigungsbaukunst."
 
Gehen wir zur Textanalyse der beiden Quellen, die Grundlagen dafür sein sollen, dass Dr. Haasis-Berner zu folgender Schlussfolgerung - auf Basis der beiden von ihm detailliert mit Seitenzahl angegebenen Quellen - kommt: es gibt keinen einziger Hinweis auf die entsprechende Interpretation, der als Grundlage für  eine solch fabulierende Behauptung "eine sechseckige und eine fünfeckige sowie zwei quadratische Redouten zu erkennen sein" dienen könnte, also: in keinem der entsprechend der Quellenangaben von Dr. Haasis-Berner aufgeführten Texte befindet sich auch nur ein einziger Satz, der seine Schlussfolgerung zulässt.
 
Denn auf dem Luftbild – das in dem von Dr. Haasis-Berner dezidiert zitierten Fachaufsatz auf eben der Seite 56 sogar halbseitig abgebildet ist und das bereits seit dem Jahre 2003 dem LAD als großformatige Kopie vorlag – sind weder eine sechseckige Schanze noch zwei quadratische Redouten zu erkennen. Erst eine 2002 durchgeführte Vermessung Vorort kommt zu dem Ergebnis, dass eine zunächst nur quadratisch anmutende Schanzanlage nach den Meßwerten eindeutig eine Sechseckschanze darstellt. Dieser zeitliche Ablauf ist im Text genau wiedergegeben - und den Dr. Haasis-Berner ja kennt, da er ihn konkret als Quelle benennt. Die Interpretation ist also zu keiner Zeit auch nur andeutungsweise „Vorlage für die im Schwarzwald einmalige, sechseckige Schanze" gewesen, da sie auf dem Luftbild überhaupt nicht als solche zu erkennen war. Aus seine Sicht - auch gänzlich mitgetragen von dem LAD – eben einfach nur seine "favorisierte Meinung" – auch wenn dabei die Wahrheit und alle ethischen Grundsätze in der Wissenschaft auf der Strecke bleiben. Kollateralschaden eben! Wohl auch Sinnbild für eine falsch verstandene Deutungshoheit.
 
In diesem Zusammenhang sind auch die Feststellungen von Dr. Haasis-Berner in seinem anderen Aufsatz miteinzubeziehen, um auch hier zu zeigen, dass seine Art des „Favorisierens“ keine Zufälligkeiten kennt, sondern als systematisch nachzuweisen ist. Dem Mettlenkopf kann somit keine Scharnierstellung zwischen der Hintern Linie und der Vorderen Linie ... zugesprochen werden“ Quelle: „Die Schanze auf der Pferdekoppel“, Haasis-Berner u.a., S. 29, in: Archäologische Nachrichten aus Baden. Heft 95, 2019. Wie bereits mehrfach nachgewiesen, gab es zu keinem Zeitpunkt und in keiner einzigen Textpassagen auch nur andeutungsweise eine solche Aussage.
Und was meint das LAD dazu: Dr. Jonathan Scheschkewitz, (RPS/LAD) vom 27. Juli 2021: "Auf Ihre Kritik, die Sie an den Beiträgen von Herrn Dr. Haasis-Berner äußern, möchte ich nicht im Detail eingehen. Herr Haasis-Berner ist ein versierter Kenner der Materie und hat seine Beiträge entsprechend seiner fachlichen Einschätzungen verfasst und dies mit entsprechenden Zitaten belegt, soweit dies erforderlich war... Er favorisiert aber seine Meinung, wie es das gute Recht eines Autors ist." Und als weiteres Statement vom LAD, Stephan A. Wiedmann, vom 04.08.2021 "Der Vollständigkeit halber können wir Ihnen mitteilen, dass das LAD voll und ganz hinter den Äußerungen von Kollege Dr. Haasis-Berner steht. Ergänzend nehmen wir Bezug auf die E-Mail von Herrn Dr. Scheschkewitz vom 27.07.2021."  
 
Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Erkenntnisse öffentlich zugänglich gemacht haben und ihnen dazu im Nachgang Unstimmigkeiten oder Fehler auffallen, berichtigen sie diese. Bilden die Unstimmigkeiten oder Fehler Anlass für die Zurücknahme einer Publikation, wirken die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei dem entsprechenden Verlag oder dem Infrastrukturanbieter etc. schnellstmöglich darauf hin, dass die Korrektur beziehungsweise die Zurücknahme erfolgt und entsprechend kenntlich gemacht wird. Gleiches gilt, sofern die Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler von Dritten auf solche Unstimmigkeiten oder Fehler hingewiesen werden.“ Quelle: "Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis – Kodex", Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn, 2019.
 
„Unredlichkeit hingegen gefährdet die Wissenschaft. Sie zerstört das Vertrauen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untereinander sowie das Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaft, ohne das wissenschaftliche Arbeit ebenfalls nicht denkbar ist.“ Quelle: „Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis Denkschrift,“  Memorandum, Empfehlungen der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn,1998/2013.
 
Noch andere Beispiele gefällig - dann einfach die 5 anderen Prüffälle studieren - es lohnt sich wirklich!
 
Ausgehend von der Behauptung von Haasis-Berner „...Vorlage für die im Schwarzwald einmalige, sechseckige Schanze ...“  stelle ich einfach einmal Schanzanlagen und Fakten vor - die auch Dr. Haasis-Berner kennt - und jeder kann "sich seine Meinung, wie es das gute Recht eines Autors ist", selbst bilden.
 
 
Andere Schanzen mit mehr als 4 Ecken im nahen und weiteren Umfeld der Region:
„Vorlage für die im Schwarzwald einmalige, sechseckige Schanze ...“ .
Wirklich einmalig? Da bleiben doch noch viele Fragen offen!
 
 
 
Quelle Archiv & Sammlung Werner Störk
Die Schanze auf dem Glaserberg (südlich von Gersbach): LiDAR mit Flureinteilung und Schanzenstandort.
 
 
Am 15. August 2012 fand auf dem Glaserberg südlich von Gersbach eine gemeinsame Begehung statt – vertreten waren offiziell der Forst, die Landespflege, die Kommune, die Teilnehmergemeinschaft der Flurneuordnung, die untere und höheren Denkmalschutzbehörde, letztere durch Dr. Bertram Jenisch  Ziel der Vorortaktion war, die vom LAD per LiDAR aufgespürte Schanzanlage vor Eingriffen bei Bau eines genau dort geplanten neuen Weges zu schützen.  Die Schanzanlage selbst ist wegen der einst nicht vorhandenen Müllentsorgung durch die starken Auffüllung mit Bauschutt und Hausmüll in den vergangenen drei Jahrhunderten im Gelände selbst kaum noch zu erkennen.
 
Dr. Bertram Jenisch sprach nicht von einer quadratischen Redoute, sondern explizit von einer Polygonalschanze. "Ein Polygon oder auch Vieleck ist in der elementaren Geometrie eine ebene geometrische Figur, die durch einen geschlossenen Streckenzug gebildet wird" (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Polygon).  Auch in den Presseverlautbarungen der Badischen Zeitung vom 09.10.2021 sowie im lokalen Markgräfler Tagblatt  vom 13.10.2012 – entsprechend der Freigabe durch Dr. Jenisch am 20.08.2012 (verspätete Veröffentlichung durch die Sommerferien) – findet sich der Begriff auch in der Headline wieder: „Fachleute entdecken eine weitere historische Polygonalschanze“.
 

Eine Kombination aus Erfahrung und Indizien weist für mich mit konkreten Auffälligkeiten darauf hin, dass es sich bei dieser Schanze – bei aller Vorsicht und dem jetzigen Bodenradar-Wissen um die große Schanze auf dem Mettlenkopf – tatsächlich um eine Vieleckschanze handelt kann, ganz spezifisch um eine 6-Eck-Schanze. Besonders die Flureinteilung und deren Linienführung lassen keineswegs den Schluß zu, dass es sich hier um eine quadratische Redoute handeln kann. Ich weise dies nachfolgend an den konkreten Karten nach.

 
Auch aus Gründen einer erfolgreichen Fortifikation und optimalen Defensivstruktur könnte an dieser Stelle keine quadratische Anlage Sinn machen, da diese mindesten zwei Aufstiegsrouten sichern mußten und ab 1702 auch noch eine dritte aus dem Osten über die Hochfläche. Diese Anlage hatte eine, wenn nicht sogar die wichtigsten Schlüsselfunktion  aller Schanzen in der Nachbarschaft: sie schützte nicht nur primär Gersbach und somit aber auch der Zugang nach Todtmoos-Au und damit den Übergang auf den Hotzenwald und zu dem Waldstädten am Hochrhein, sondern sie sicherte auch die gesamte Versorgungslinie zu den Schanzen auf dem Mettlenkopf, dem Kämpfenlagerkopf, der Stubentür sowie der Wolfristschanze – und damit den Übergang der Vorderen Linie über das Wehratal auf den Hotzenwald und zum Hochrhein. Quadratische Schanzen wurden bevorzugt in die Linien eingebaut - entweder so, wie au dem Hau bei Böllen/Neuenweg (siehe unten) oder über Eck wie andere historischen Karten dies belegen (siehe unten). Die quadratische Grundform war primär für eine einseitige Defension geeignet, wobei die Linie mehrheitlich die Flankensicherung übernahm bzw. bei einem anderen Einbau die jeweils in Feindrichtung deutenden Seitensegmente. Nicht unmittelbar in die Linie eingebundene quadratische Redouten hatten keine primäre Rundumfunktion (Problem der toten Winkel über die Eckpunkte), sondern sicherten auch dort mehrheitlich nur eine Hauptrichtung der möglichen feindlichen Annäherung. Auf Kuppen gebaute Redouten hatten neben der Kontroll- und Sicherungsaufgabe der sie umgebenden Aufstiegsrouten über die dortigen Fluß- und Bachläufe natürlich auch die Funktion einer präventiven Abschreckung, zumal man solche Schanzanlagen auf Grund der oft baumlosen Umgebung bereits von weitem gut erkennbar die Defensionsbereitschaft deutlich signalisierten.
 
 
 
Luftbild Erich Meyer Copyright plus inv. Archiv & Sammlung Werner Störk
 
Die in die Linie fest eingebundene quadratische Redoute auf dem Hau.
 
 
 
Historischer Plan, Ausschnitt, Archiv & Kupferstich-Sammlung Werner Störk
 

Original Kupferstich von M. Merian:  Belägerung der Vestung Benfeldt in Nahmen S. K. M. zu Schweden etc. durch S. Exc. Herrn Feldmarschalck Gustav Horn den 10.-20. Septemb. 1632.Mit Titelkartusche li. oben, mit GA von Benfeld re. oben.  23 x 31,5 cm.

 
Auch Belagerungsringe um Festungen und Städte bauten sich nach demselben Prinzip auf.
 
 
 
Historischer Plan, Ausschnitt, Archiv & Kupferstich-Sammlung Werner Störk
 

Breisach, Matthäus Merian: Belagerung der Festung Breisach am Rhein (1638), Kupferstich, nach 1640, Kartenüberschrift: Eigentliche Abbildung des Haupt Passes und der Fürstlichen Vestung Brysach, wie dieselbe von Ihr Fürtstl. Gnade hertzogen Bernharten zu Sachsen mit Schantzen und Retrenchement gefaßt, auch von dem 6. Augusti bis auf den 7. Decembris Anno 1638 Maintenirt und zu entlicher Übergabe gezwungen. Topographischer Kartenplan mit Legenden und Truppenaufstellung sowie Abbildung der Schanze in einer Nebenkarte, Tiefdruckpapier, Blattmaß 32 x 38,5 cm.

 
In die Fortifikationslinien fest eingebaute quadratische und solitäre Redouten sowie Sternschanzen.
 
 
Da der Baumbestand des Schwarzwaldes bis zum Ende des 17. Jahrhunderts so abgenommen, verlor er seinen Ruf als einer völlig unpassierbare Barriere, insbesondere auch für größere Truppenbewegungen. Die Gründe liegen in dem Waldraubbau durch Bergbau, Glashütten und Holzhandel (Flößerei), aber auch durch die Errichtung der Linien selbst, die zu einem nochmaligen Raubbau im großen Stile führten. Dazu schreibt am 29. Januar 1710 General von Gronsfeldt in seinem Bericht über die „Visitation der mittleren Linie Feldberg – Hornberg“:
 

„Die ehedeßen darauf befindl. Waldungen seind durch die Eisen und Glasshütten, Vermehrung der Höff, und multiplication der Leüth, Theils ausgerottet, und durch die vorige langwührige Kriege mit Verhackh Theilß verderbt und umgehauen worden, also dass an denen meisten Orthen nur kleine Büsch, und in kurzten Jahren das Holtz manglen dorffte“. Quelle: Boesser, Ernst (1904): „Zur Geschichte der Schwarzwaldlinien“, in: Alemannia. Zeitschrift für alemannische und fränkisches Geschichte, Volkskunde, Kunst und Sprache, NF 5, S. 233 - 240 und 292 - 298., S.227.

 
Auch im Wiesental registrierte man bereits schon 1613 immer schwächere werde Waldbestände, vor allem im Hinteren Wiesental. Wie schnell umfangreiche Waldungen z. B. bei der intensiven Nutzung von Glashütten dezimiert werden, veranschaulicht eindrücklich das Beispiel des Waldbestandes bei Hasel (betrifft unmittelbar auch den Glaserberg). Diese werden im Zeitraum von 1613 – 1720 völlig abgeholzt  und die Glasmacher müssen ihre Produktion einstellen. Quelle: Weidner; Heinrich (o. J.): „Der Floßgraben vom Haselbach zur Wiese um 1623/24“
 
Dass Dr. Haasis-Berner  zusammen mit seinem Kollegen eine Woche lang in unmittelbarer Nähe zu dieser Schanze die Bodenradar-Untersuchungen lediglich auf den Mettlenkopf beschränkte, wirft nicht nur für mich Fragen auf. Vor allem auch deshalb, da er sich ja so sehr um die Frage nach der Scharnierfunktion und Schlüsselrolle der Gersbacher Schanzen interessierte. Weshalb bezieht er genau jene Schanze nicht mit in seine Untersuchungen ein, die exakt diese Rolle spielte?
 
Schon allein auf Grund der leicht erkennbaren dominanten Schlüsselposition der Glaserberg-Schanze hätte man seitens des LAD ein gesteigertes Interesse daran haben müssen, die Schanzanlage intensiver zu "durchleuchten" (mit Bodenradar), um ihre Form und damit ihre Funktionalität – auch im Rahmen der militärischen Taktik innerhalb eines regionalen Raumes – besser zu verstehen, Oder wollte man sich – reine Spekulation – nicht dem Risiko aussetzen, tatsächlich eine 6-Eck-Schanze nachzuweisen – was so gar nicht in die LAD-Vorstellung für den Gersbacher Raum und dem hiesigen Nachbau einer Barockschanze passen würde...?
 
Ich bin natürlich auf Grund der neuen Erkenntnisse auf dem Mettlenkopf, die nur mittels Bodenradar möglich waren, auch in diesem Fall zurückhaltend, werte aber die vorliegenden Indizien als klare Hinweise auf die arbeitshypothetische Möglichkeit, dass genau diese Schanze eine reguläre 6-Eck-Schanze war, die sich eben nicht in  originären Meßwerten der heutigen (verfüllten) Oberflächenform widerspiegelt, sondern sich auch nachweislich über die alten Winkelstrukturen der Flurlinien und ihrer Schlüsselfunktion definiert.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Der Schanzenstandort auf dem Glaserberg südlich von Gersbach
 
 
 
 
Quelle Google Earth Grafik Werner Störk
 
Wie ein Adlerhorst auf der äußeren Bergflanke über dem Lochbach- und Lohbachtal, das im Süden - zusammen mit dem westlichen
Kohlbac
h - dann zum Haselbach wird. Gut erkennbar: die durch den Felsriegel gesicherte Südflanke.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Im Gegensatz zu ihrer nachbarlichen Schanze in Schlechtbach (rechts) nur schwer zu erkennen: die Glaserberg-Schanze.
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Im LiDAR nur schwach ausgeprägt: die Glaserberg-Schanze mit natürlichem steinernem Schutzwall.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Die auffallend "abknickenden" Grenzlinien der Flurstücke weisen auf die Schanze hin. Die einst geplante Wegführung (weiß) hätte die Anlage zerschnitten.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Die Flureinteilung folgt - wie schon so oft - den Schanzformen sowie dem Felsriegel als nicht verrückbaren Landschaftsmarken. Aus dem Zentrum der Schanze (blauer Kreis) orientieren sich die abgewinkelten Flurstücke in Richtung Süden und werden, je weiter sich sie von der Schanze (blaue Pfeile) entfernen, in ihrem Winkel schwächer. Dies ist auch arbeitshypothetisch als klares Indiz dafür zu werten, dass die Schanzenform im Zentrum mindesten einen zusätzlichen Winkel aufweist - also auf keinen Fall ein Quadrat sein. Es kann sich daher arbeitshypothetisch mit hoher Wahrscheinlichkeit nur um eine 5- oder 6 Eck-Schanze handeln. Ansonsten würden sich die Flurgrenzen in einem einzigen rechten Winkel nach Norden (rot) ausrichten. Das ist aber über sieben Flurstücke hinweg nicht der Fall - was mit der dominanten Winkelstruktur im Zentrum zu tun hat. Parallel dazu orientieren sich die Flurstücke an dem dortigen natürlichen Annäherungshindernis (gelb). Der geplante neue Weg (weiß), auf den man nach dem Erkennen als Schanze verzichtete - die heutige Wegführung (schwarz).
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Die Simulation mit angedeuteten rechten Winkeln an den jeweils abknickenden Linien weist auf eine andere
geometrische Grundform hin, die kein Quadrat sein kann.
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
Simulation mit einem entsprechend gewannbreiten Quadrat als Symbol  für eine quadratische Redoute -
keine homogene Deckung mit den Seitenlinien.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Da auch ein Quadrat geometrisch als Polygon gilt, hier der Versuch, eine homogen deckende An- und Einpassung an die Linien der Flureinteilung zu
erreichen - erfolglos. Wobei die jeweilige Flurbreite wohl durch die Seitenlänge der Schanze und die Länge durch den Felsriegel gebildet wurde.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Ein Fünfeck paßt arbeitshypothetisch weder in die Flureinteilung noch in die taktische Ausrichtung der Angriffsflächen.
 
   
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Simulation mit einem entsprechend gewannbreiten Sechseck als Symbol  für eine polygonale 6-Eck-Schanze - 
homogene Deckung mit den Seitenlinien.
 
 
   
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk  
   
Arbeitshypothetische Simulation mit einem entsprechend gewannbreiten Sechseck als Symbol  für eine polygonale 6-Eck-Schanze - 
homogene Deckung mit den Seitenlinien.
 
   
 
 
Quelle Wikipedia historische Ausführungen zum Thema 6-Eck und Polygon.
 
Historische Buchauszug und Darstellung zum Thema 6-Eck und Polygone.
 
 
 
 
 
 
Archiv & Sammlung Werner Störk 
 
Grundstudien einer 6-Eck-Schanze für CAD-CAM-Modelle 
 
 
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
     
 
Auf der Karte von 1701 fehlt die Schanze auf dem Glaserberg - gut erkennbar der Lochbach- und Lohbach.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Paßt - auch in Lage-Variationen - in die Flur-Struktur: nach sorgfältiger Überprüfung aller Optionen und Indizien:
eine 6-Eck-Schanze als Polygonalschanze wäre hier ideal.
 
 
Beispiele von Neuenweg, wie sich Gewann- und Flureinteilung an Fortifikationsspuren orientierten:
 
 
 
Quelle Google Earth Grafik Werner Störk
 
Neuenweg mit Paßhöhe Hau im Vordergrund, im Westen gegenüber der Eck-Paß (gelb).
 
 
 
Quelle Google Earth Grafik Werner Störk
 
Die Nordflanke des Spitzkopfs mit seinem Eck-Paß - und einer Vielzahl multiepochaler Fortifikationsspuren.
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Ideale feste Meßpunkte für die später erfolgte Flureinteilung: ausgewählte Fortifikationsspuren (mit Schanze: blau) um 1700 (1)
 
 
 
Quelle Geoportal BW
 
Im Gelände sehr gut noch erhalten: Wall- und Sperrgräben auf dem Eck westlich vom Kernort Neuenweg (1).
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Ideale feste Meßpunkte für die später erfolgte Flureinteilung: Fortifikationsspuren um 1700 (2)
 
 
 
Quelle Geoportal BW
 
Im Gelände sehr gut noch erhalten: Wall- und Sperrgräben auf dem Eck westlich von Neuenweg (2).
 
 
Zurück auf den Glaserberg:
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Die Schanze liegt zwischen zwei Aufstiegsrouten plus ab 1702 einer möglichen Angriffsseite von Osten über Todtmoos-Au
oder aus Süden über den Mettlenkopf.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Exponierte Lage mit diversen Verteidigungsrichtungen und Angriffsrouten - arbeitshypothetisch nur mit einer 6-Eck-Schanze wäre dies optimal zu sichern.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Glaserberg (rot), Schlechtbach-Schanze (hellgrün), Schanzbühl (orange) und Gleichen/Sandwürfe (gelb).
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
In Blickrichtung Süden und im Zusammenspiel mit den anderen Schanzen- und Kontrollpunkten.
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Die Schanze auf dem Glaserberg (rot) übernahm eine wichtige Schlüsselfunktion der Vorderen Linie als Scharnier zwischen Gleichen und Schlechtbachüber Gersbach nach
Todtmoos-Au. Mit der Neuentdeckung der Sperr-Linie bei Mambach gewinnt gerade diese Schanze eine neue strategische Bedeutung.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk
 
Die Schanzen auf dem Glaserberg und dem Büseleriberg benötigten Sichtkontaktpunkte auf der Rappennbuche, dem Eck und dem Scherentann,
um erfolgreich zu kommunizieren
 
 
 
Quelle Google Earth Grafik Werner Störk, nicht maßstäblich.
 
 
Schon allein auf Grund der dominanten Schlüsselposition der Glaserberg-Schanze (blau) hätte man seitens des LAD ein gesteigertes Interesse daran haben müssen, die Schanzanlage intensiver zu "durchleuchten" (mit Bodenradar), um ihre Form und damit ihre Funktionalität - auch im Rahmen der militärischen Taktik innerhalb eines regionalen Raumes - besser zu verstehen, Oder wollte man sich nicht dem Risiko aussetzen, tatsächlich eine 6-Eck-Schanze nachzuweisen - was so gar nicht in die Vorstellung für den Gersbacher Raum und dem hiesigen Nachbau einer Barockschanze passen würde...?
 
 
 
Quelle Google Earth Grafik Werner Störk, nicht maßstäblich.
 
 
Wichtiger Teilabschnitt der Vorderen Linie mit Übergang zum Hotzenwald: Die Schanze auf dem Glaserberg (gelb).
 
 
 
Quelle Google Earth Grafik Werner Störk, generalisiert, nicht maßstäblich.
 
Legende: Nicht maßstäblicher Versuch, die strategisch wichtige Schlüsselfunktion der Schanze auf dem Glaserberg (gelbe Raute) und ihre Rolle als Dreh- und Angelpunkt der beiden Linien zu verdeutlichen. Orte: Wehr (hellblau), Hasel (grau), Todtmoos-Au (gelb), Gersbach (karminrot), Hausen (violett), Zell (hellbraun), die auf der Karte von 1701 markierten Letzwälder (hellgrün), die Schanzanlage (rot), die Vordere Linie (dunkelblau), die Hintere Linie (orange), Kontaktlinie bei einem Angriff (1), erste Rückzugslinie weiß (2), dritte Rückzugslinie Letzwälder (3), natürliches Annäherungshindernis und Trennscheide der Vorderen und Hintere Linie: das Wehratal (4).
 
 
Nur laut Dr. Haasis-Berner Vorlage für die im Schwarzwald einmalige, sechseckige Schanze ...“ .
Wirklich einmalig? Da bleiben doch noch viele Fragen offen!
 
 
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
   
 
Ein Besonderheit auf der Karte von 1701: bei "Kilbach" zeichnet der militärische Kartograph ganz klar eine Schanze als 6-Eck-Schanze ein. Auch wenn die heute dort nachgewiesen Schanzanlage als Parallelogramm/Raute ausgelegt ist, war sie möglicherweise als 6-Eck-Schanze geplant und nur auf Grund der konkreten Bodenverhältnisse nur als quadratische Grundform realisierbar oder war ursprünglich als 6-Eck-Schanze gebaut, aber später durch die heute nachweisbar Form überbaut worden.. Denn 6-Eck-Schanzen benötigen gut verzahnbares Bodenmarterial (da sich optimal verdichten läßt) und möglichst ebene "Planflächen", auf denen sie errichtet werden. Es ist also durchaus möglich, dass auch im mittleren und südlichen Schwarzwald 6-Eck-Schanzen zumindest geplant wurden, aber auf Grund der konkreten Bodenverhältnisse Vorort nicht umgesetzt werden konnten. Da ich diese Karte als Großabzug 1:1. Dr. Haasis-Berner selbst zugesandt habe, sollte er ja eigentlich auch diese Eintragung kennen und in seinen Artikeln erwähnen - tut er aber nicht! Warum wohl?
 
 
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner.
Grafik Sechseck Werner Störk
 
Die Schanze bei "Kilbach", heute Kilpen bei Gütenbach (1).
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk 
 
 
Die Schanze bei "Kilbach", heute Kilpen bei Gütenbach (2). 
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk  
 
Die Schanze bei "Kilbach", heute Kilpen bei Gütenbach (3). 
 
 
 
 
 
 
Die Schanze bei "Kilbach", heute Kilpen bei Gütenbach (4). 
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk   
 
Die Schanze bei "Kilbach", heute Kilpen bei Gütenbach (5) - rechts: falls die einstige 6-Eck-Schanze später überbaut wurde (Simulation). Um die tatsächlichen Dimensionen jener 6-Eck-Schanze zu verdeutlichen: sie hätte bis zu ca. 6.000 qm Fläche und einen Durchmesser von bis zu ca. 90 Metern. Die Maße des Nachbaus einer 6-Eck-Schanze in Gersbach mit einer Fläche ca. 4.700 qm und einem Durchmesser von rund 66 Metern muten dagegen noch relativ klein an.
 
 
Luftbild Erich Meyer Copyright Schopfheim-Gersbach
 
Idealtypische Barockschanze in 6-Eck-Form mit Chartaque (Nachbau).
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW  
 
Die Schanze bei "Kilbach", heute Kilpen bei Gütenbach (1) mit Schanzackerweg. 
 
 
Und nun eine kleine 5-Eck-Schanze: Die Wacht-Schanzanlage bei der Neusäge (Gersbach)
 
 
 
 

 
 
 
Fotos Copyright Werner Störk 
 
 
Die Wacht-Schanzanlage bei der Neusäge (Gersbach), oberhalb von Todtmoos-Au - aus Bruchsteinen aufgesetztes Mauerwerk..
 
 
 
Vermessungsblätter Geländevermessung 2002 (Archiv Werner Störk) 
 
Schanzanlage "Wacht".
 
 
 
 
Luftbild von Muggenbrunn 1968 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899
Freigabe am 06.02.2017 durch Luftbildstelle des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg ©
 Archiv & Sammlung Werner Störk 2017         
 
Schanzenstandorte Muggenbrunn: West-Redoute (rot) und östliche Polygonalschanze (gelb), rechts die Gesamtsicherung. 
 
 
   
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
 , Grafiken 1 + 2  © Werner Störk
 
Man muß diese geometrische Figur jedoch noch im Uhrzeigersinn drehen, da die historische Karte nicht eingenordet ist. Im eingenordeten Zustand und auf den heutigen Standort platziert, zeigt die Spitze nach Westen zum Langenbach, während die rechte Linie auf der östlichen Hangseite verweist und sich überraschend genau an den tatsächlichen geographischen bzw. topografischen Eckpunkten hält. Ein Indiz dafür, dass diese Schanze auf der Ostseite eine Fünfeckschanze war. Vermutlich auf Grund der konkreten Bodenbeschaffenheit, da hier überall unmittelbar der felsige Untergrund ansteht bzw. massive Blockmeere vorhanden sind. Weiterhin kommt die relativ schmale Basis zum Tragen, da das Gelände sehr steil ist und die Anlage einer breiten Terrasse nicht möglich ist. Da der historische Weg zwischen Aftersteg – Muggenbrunn und Notschrei-Pass hier möglichst nachhaltig gesichert werden sollte, musste man bei Bau der beiden Schanzen, insbesondere aber der auf Ostseite, Kompromisse in der Größe sowie der Formgebung eingehen. 
 
 
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
   
 
 
Die in der Karte von 1701 abgebildete Sternschanze ist so im Gelände nicht mehr nachweisbar. Möglicherweise wurde die ursprüngliche Baupläne geändert oder die einstige Sternschanze wurde überbaut - heute läßt sich dort jedoch eindeutig eine Schanzanlage nachweisen, welche von ihrer Formgebung an einen Schwalbenschwanz erinnert (auch mit fünf Eckpunkten, analog einer Sternschanze mit fünf Winkeln). Eine weitere Deutung ergibt sich durch die Möglichkeit, dass dem Kartenzeichner die realen Vorortverhältnisse nicht bekannt waren und er lediglich in seinen Unterlagen den Hinweis auf eine Schanze mit 5 ausspringenden Eckpunkten (unten) vorfand - für ihn klar: eine reguläre Sternschanze.
 
 
 
 
Quellen: Google Earth
 
 
 
Quellen: Google Earth & Geoportal BW
 
Die "Schwalbenschwanz"-Schanze von Hausach. 
 
Orientiert man sich an der Karte von 1701 und nimmt man als Beispiel die "Sternschanze von Hausach" - die fortifikatorisch keine formgerechte ist (siehe oben) - gibt es im gesamten Verlauf lediglich noch zwei viereckige Sternschanzen sowie zwei fünfeckige Sternschanzen: die von Zell und die von Böllen/Neuenweg. Die Sternschanze von Zell muß von ihren Dimensionen her sehr groß gewesen sein (um 1700), da sie wohl den gesamten Talboden am Grendel eingenommen hat, um den Zugang zum vorderösterreichisch-habsburgischen Reichsterritorium zu schützen. Sie war wohl wie die ihr größenmäßig vergleichbare Sauberg-Schanze ebenfalls nicht bastioniert. Heute sind von ihr keine Spuren mehr nachweisbar - lediglich die sie in gestaffelter Höhenlage zusätzlich sichernde Grendel-Schanze mit der Redoute auf der Hebelhöhe sowie die Adelsberger Anlagen sind noch gut nachweisbare Nachbarschanzen. Rein solitäre Viereckschanze sind immer in exponierten Kuppenbereichen mit der Aufgabe, eine möglichst effektive Rundumdefension zu gewährleisten - wie eben auch die Sternschanze von Böllen. Mehrheitlich sind sie - mit einer Ausnahme - jedoch in die entsprechenden Vorort-Defensivlinien ein- und angebunden.
 
 
 
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
    
 
 
Die große Sternschanze von Zell i. W. auf dem Talboden der Feldbergwiese. 
 
 
 

Quelle: Redouten, Schanzen und Linien. Quelle: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Sammlung Nicolai.

 
Die drei Fortifikationsformen von regulären (nicht bastionierten) Sternschanzen.
 
 
 
Warum wir 2002 die Schanzenform der großen Mettlenkopf-Schanze als Sechseck zuwiesen.
 
 
 
Auch die uns 2003 zur Verfügung stehenden historischen Karten - z. T. basierend auf dem Jahr 1882 - zeigten für den Mettlenkopf -
im Gegensatz zu allen anderen sehr exakt wiedergebenden Schanzformen - kein Quadrat, eher ein Fünfeck.
 
 
 
Quelle Repro historische "Wanderkarte Schopfheim und Umgebung"; nicht datiert (vermutlich um 1960/70 - noch ohne Staudamm Wehra),baut wohl auf folgender Karte auf:

Topographische Karte 1:25.000, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Blatt 8313, Wehr, Normalausgabe, Hrsg. Badische Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus, 1882,  Berichtigungsstand 1936, Ausgabe 1958.

 
Die kartographische Darstellung - basierend auf das Jahr 1882 - der Schanze auf der Hebelhöhe ist korrekt.
 
 
 
Luftaufnahme Erich Meyer (Hasel) Sammlung & Archiv Werner Störk Copyright
 
Die Schanze auf der Hebelhöhe - mit leicht abgerutschter NW-Ecke.
 
 
 
Quelle Repro historische "Wanderkarte Schopfheim und Umgebung"; nicht datiert (vermutlich um 1960/70 - noch ohne Staudamm Wehra), baut wohl auf folgender Karte auf:  

Topographische Karte 1:25.000, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Blatt 8313, Wehr, Normalausgabe, Hrsg. Badische Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus, 1882,  Berichtigungsstand 1936, Ausgabe 1958.

 
Auch bei der Redoute von Schlechtbach wird die Form als Trapez - basierend auf das Jahr 1882 - sehr genau wiedergegeben.
 
 
 
Luftaufnahme Erich Meyer (Hasel) - Sammlung und Archiv Werner Störk
 

Unter Abb. 6 ist in dem Fachartikel dort vermerkt: "Schanze von Gersbach-Mettlen. An dieser Schanze nahe Todtmoss-Au teilte sich das Verteidigungssystem der 1690er-Jahre in eine jüngere „Vordere“ und eine ältere„ Hintere Linie“. Abgesehen davon, dass man Todtmoss-Au korrekt Todtmoos-Au schreibt, stellt das Luftbild die Schanze von Schlechtbach dar. Quelle. "Barocke Schanzen im Schwarzwald Die Verteidigungsanlagen auf den Schwarzwaldhöhen" von Dr. Andreas Haasis-Berner, Dr. Johannes Lauber und Dr. Ute Seidel, Regierungspräsidium Freiburg, Referat 26 Denkmalpflege, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 1/2010, S. 26 - 30,-

 
 
 
Fotos & Sammlung Werner Störk 2021
 
Die Schlechtbacher Schanze (vergl unten) scheint auf den ersten Blick eine fast perfekte quadratische Redoute zu sein. Erst die genaue Vermessung im Jahr 2003 bewies, dass es sich geometrisch um ein Trapez handelt. Die Schlechtbacher Schanze wurde so auch zum Vorbild für unser erstes Redouten-Modell, das u.a. auch 2012 auf der Großen Landesausstellung "Baden! 900 Jahre" des Badischen Landesmuseums im Karlsruher Schloß ausgestellt wurde. Der Modellbau war auch der wichtigste Schlüssel, um die Fortifikation des Barocks en miniature besser verstehen zu lernen.
 
 
 
Quelle Google,
 
 
Quelle  Luftaufnahmen Erich Meyer (Hasel)
 
Die Schlechtbacher Schanze wird von dem Forstlichen Ausbildungsstützpunkt Hasel regelmäßig enthurstet. Das linke Bild  zeigt die von der Natur innerhalb von nur fünf Jahren zurückeroberte Schanze, das rechte Bild die enthurstete Schanze im Winter, oben im Sommer, Durch das Enthursten vermindert sich die Gefahr von Sturmschäden, wenn Bäume auf der Wallkrone entwurzelt werden - oft der Beginn einer zunächst schwachen, dann aber immer größer werdenden Erosionsrinne - bis hin zum völligen Abrutschen eines Wallkörpers. So hat z. B. Orkan "Lothar" auch Schäden an der Wacht-Schanze oberhalb Todtmoos-Au angerichtet. Daher sind diese Betreuungsaktionen wertvoll für einen aktiven Denkmalschutz. Mehr Infos unter: http://minifossi.pcom.de/Hurstaktion-Schlechtbach-Schanze.html.
 
 
Luftaufnahme Copyright Werner Störk
 
Schanze aus der Vogelperspektive.
 
 
 

Quelle: Topographische Karte 1:25.000, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Blatt 8313, Wehr, Normalausgabe, Hrsg. Badische Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus, 1882,  Berichtigungsstand 1936, Ausgabe 1958.

 
Die Kartenzeichner - basierend auf das Jahr 1882 - verfügten also über detailliertes Wissen bzw. genaue Unterlagen über die Form der jeweiligen
Schanzen - dafür steht auch das obige Beispiel vom Kämpfenlagerkopf.
 
 
 
Quelle Repro historische "Wanderkarte Schopfheim und Umgebung"; nicht datiert (vermutlich um 1960/70 - noch ohne Staudamm Wehra), baut wohl auf folgender Karte auf:

Topographische Karte 1:25.000, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Blatt 8313, Wehr, Normalausgabe, Hrsg. Badische Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus, 1882,  Berichtigungsstand 1936, Ausgabe 1958.

Die geometrische Form - basierend auf das Jahr 1882 - der Mettlenschanze.
 
 
Quelle Google Earth
 
Mettlen mit Mettlenkopf (1).
 
Quelle Google Earth
 
Mettlen mit Mettlenkopf  (2).
 
 
Quelle Google Earth
 
Mettlen mit Mettlenkopf (3).
 
 
 
Quelle Google Earth
 
Mettlen mit Mettlenkopf  (4).
 
 
 
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

 
Wehratal, Mettlenkopf und Hasel (Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968)
 
 
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

 (Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, Grafik & Sammlung & Copyright Werner Störk).
 
Graben- und Schanzsysteme auf dem Mettlenkopf - arbeitshypothetischer Versuch einer nicht maßstäblichen Rekonstruktion. Das gewählte Symbol für die Waldschanze 
soll lediglich auf die andere Form der Schanzenstruktur hinweisen - im Gegensatz zu den beiden anderen Schanzen.
 
 
Vermessungsprotokoll, Meßpunkte 2002, Sammlung & Copyright Werner Störk
 
Nach den Ergebnissen des Bodenradars auf drei Meß-Eckpunkte eingesetztes Quadrat. Die in dem Artikel veröffentlichten Aufnahmen zeigen, dass der Schanzeninnenraum völlig aufgefüllt wurde und sich dadurch auch kreisförmig bis an den Rand ausdehnt. Dabei wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit an mehreren Stellen  die einstige Wallkrone überdeckt, was dann zu einer punktuellen Ausdehnung der Umfangslinie führte - die dann als Meßpunkte ein Sechseck simulierten.
 
Wie es zu der 6-Eck-Schanze kam...
 
 
 
Sammlung & Copyright Werner Störk
 
 Links: Meßpunkte aus dem Jahre 2002, Mitte und rechts: Rekonstruktionsversuch der polygonalen, unregelmäßigen 6-Eck-Schanze.
 
 
 
Sammlung & Copyright Werner Störk
 
Die arbeitshypothetische Simulation eines symmetrischen 6-Eckes zeigt, dass die irreguläre Form ursprünglich möglicherweise eine reguläre Polygonalschanze gewesen sein kann, bei der es einerseits im Laufe der Zeit zu Formveränderungen durch Abrutschungen, Erosion und Hangsolifluktion infolge der schlechten „Verzahnungsqualität“ des aufgeschütteten Erdreichs gekommen ist. Andererseits ist die deutliche Veränderung der Linienführung an der stärker ausgeprägtem Westseite möglicherweise aber auch der dort notwendigen (zusätzlichen) Stabilisierung des Wallkörpers geschuldet, da dieser Bereich statisch die größte Druckbelastung – bedingt durch die exponierte Hanglage – auszuhalten hatte und nicht zwangsläufig nur der Erosion oder Hangsolifluktion zuzurechnen ist. Ebenso wird deutlich, dass sich der Innenraum wohl über die Jahrhunderte hinweg aufgefüllt, zu der heute kreisförmige Struktur entwickelt hat (roter Kreis).
 
 
 
 
Luftaufnahmen Werner Störk (Sammlung & Copyright Werner Störk)
Je nach Blickwinkel vermittelt der heutige Innenraum den Eindruck einer mehr kreisförmigen Fläche -
selbst bei teilweiser Auffüllung eher untypisch für eine quadratische Redoute.
 
 
 
 
Quelle Geoportal Kombi LiDAR 2021 Grafiken Werner Störk
 
Zwischen der großen Schanze und der kleinen 6-Eck-Schanze (rot) ist eine deutlich Muldenbildung (blau) erkennbar,
die möglicherweise keinen natürlichen Ursprung hat.,
 
 
 
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000

 Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, Sammlung Werner Störk 
 
In der Luftaufnahme des Landesvermessungsamtes aus dem Jahre 1968  mit der deutlich erkennbaren
Vertiefung im Muldenbereich (siehe unten).
 
 
 
Luftaufnahme Erich Meyer (Hasel), Grafik Werner Störk, Archiv & Sammlung Werner Störk Copyright.
 
Die oben markierte Stelle taut auch früher auf (Kreis).
 
 
 
Quelle Google Earth  
 
Deutliche Muldenbildung auf einen Durchmesser von rund 100 Metern (1). 
 
 
 
 
Quelle Google Earth 
 
Deutliche Muldenbildung auf einen Durchmesser von rund 100 Metern (2). 
 
 
 
 
Quelle Google Earth Grafik Werner Störk 
 
Meßlatte rund 100 Meter (1). 
 
 
 
 

Luftbild Mettlen – Hasel, Bildflug 8313, Flugstreifen 281, Bild-Nr. 418, Aufnahmedatum 1969, Originalmaßstab 1: 12.000 Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, Sammlung Werner Störk

 
 
Meßlatte rund 100 Meter (2).  
 
 
 
Quelle Google Earth
 
Das fragliche Areal zeichnet sich im Gelände als farblich intensivere Grasnarbe ab.
 
 
 
Quelle Google Earth Grafik Werner Störk
 
Intensivere Vegetationsfarbe als Hinweis auf eine Veränderung der Bodenstruktur (z.B. Humusanreicherung,
Bodenverfestigung, höhere Feuchtigkeit, etc.)
 
 
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
   
 
Die Karte von 1701 (nicht eingenordet, eingenordet) mit der geplanten Schanze und der damaligen Wegführung. 
 
 
 
 
Quelle Google Earth, Grafik Werner Störk  
 
Mutmaßliche historische Wegführungen (rot) mit drei Kontroll- und Überwachungspunkten (gelb). 
 
 
 
Quelle Google Grafik Werner Störk © 2021
 Die Innenfläche (im Grünton intensiver) der großen Schanze auf dem Mettlenkopf südlich Gersbach:
 
 
 
Quelle Google Grafik Werner Störk © 2021
Arbeitshypothetischer Rekonstruktionsversuch in idealisierter Umsetzung der Messergebnisse (bei Abtragungsflächen-Ausgleich an der Nordseite).
 
 
 
 
Historischer Text zum Sechseck als Schanzenform
 
 
 
Luftbild  © Erich Meyer (Hasel)
 
Schnee modelliert den Untergrund nach und verstärkt so seine Oberflächenstruktur (1).
 
 
 
Luftbild  © Erich Meyer (Hasel)
 
Schnee modelliert den Untergrund nach und verstärkt so seine Oberflächenstruktur (2)
 
 
 
Luftbild  © Erich Meyer (Hasel) Grafik Werner Störk © 2021
 
Die drei sichtbaren Schanzanlagen auf dem Mettlenkopf.
 
 
 
Luftbild  © Erich Meyer (Hasel)
 
Die südlichste Schanzanlage auf dem Mettlenkopf.
 
Nehme ich in dem aktuellen Fall die konkreten Erfahrungen mit den verantwortlichen Herausgebern im LAD im RP Freiburg, dem Verlag Thorbecke sowie dem Alemannischen Institut Freiburg als Grundlage für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, so kann ich bislang nur feststellen, dass die Wahrheit an sich und die ethischen Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens  wohl keine Rolle spielen. Wie sonst ist es zu erklären, dass es bis dato (05.02.2022) von keinem der Beteiligten auch nur der Versuch einer Klärung, eine notwendigen Korrektur  oder gar einer Entschuldigung für Diskreditierung, Desinformation und nicht haltbare "favorisierte Meinungen" sprich: alternative Fakten - fake news – unternommen wurde. Die nachweislichen Fehler, Unterstellungen und Fehlinterpretationen bestehen also unverändert im Raum. Und die Streuung dieser Alternativfakten - gerade in Fachkreisen -  ist geeignet, meine Reputation zu beschädigen.
 
Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Erkenntnisse öffentlich zugänglich gemacht haben und ihnen dazu im Nachgang Unstimmigkeiten oder Fehler auffallen, berichtigen sie diese. Bilden die Unstimmigkeiten oder Fehler Anlass für die Zurücknahme einer Publikation, wirken die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei dem entsprechenden Verlag oder dem Infrastrukturanbieter etc. schnellstmöglich darauf hin, dass die Korrektur beziehungsweise die Zurücknahme erfolgt und entsprechend kenntlich gemacht wird. Gleiches gilt, sofern die Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler von Dritten auf solche Unstimmigkeiten oder Fehler hingewiesen werden.“ Quelle: "Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis – Kodex", Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn, 2019.
 
Nicht als Träger der höchsten bundesdeutschen Auszeichnung, dem Deutschen Preis für Denkmalschutz, sondern primär als Bürger, der sich ehrenamtlich für den Denkmalschutz in unserem Land einsetzt, trifft es mich tief, in dieser Art und Weise diskreditiert zu werden. Noch mehr schmerzt aber die Erfahrung, dass das LAD für sich auch noch ausdrücklich die Freiheit der Wissenschaft bemüht. Die mir erst jetzt zugängliche Veröffentlichung (2019) von Dr. Haasis-Berner ist - wie auch die von 2020 ebenfalls geeignet – offensichtlich mitgetragen vom LAD – Fachkreise und Öffentlichkeit zu desinformieren, um so gezielt das Bild eines inkompetenten und damit sachunkundigen „Heimatforschers Werner Störk“ zu kreieren mit dem Ziel, den fachlichen Ruf eines unliebsamen Kritiker zu unterminieren. Zudem wird auch noch mit dem fragwürdigen Verweis auf die rein wissenschaftlicher Darstellung von Ergebnissen in Wirklichkeit von der damaligen aktiven und umfassenden Verantwortung des LAD an dem einstigen Leader-Plus-Projekt „Nachbau einer Barockschanze“ (sowie anderer Fehler im Rahmen des EWS-Windparks) abgelenkt und der besagte Heimatforscher als alleiniger „Verursacher  nach dem lauthalsen Motto: Haltet den Dieb! an den Pranger gestellt. Wie fadenscheinig (leider nur für Insider) und wie unredlich!
 
Der Eindruck trügt wohl nicht, dass man mit dem neuen Nachweis auf dem Mettlenkopf die fachliche Qualität meiner Arbeit in Frage stellen will, um damit auch das Vertrauen in andere Forschungsergebnisse zu erschüttern. Dass es dabei um die von mir monierten Fehlern auf dem Holder- und Tannenkopf im Rahmen der Windpark-Diskussion geht, steht außer Frage. Deshalb ist dieser Vorstoß von Dr. Haasis-Berner in seiner „Favorisierung“ und dem Sammelsurium von nachweislichen und gut dokumentierten Halbwahrheiten sowie nicht wahrheitsgemäß darstellten "favorisierten Meinungen" auch so problematisch, da man für ihn die Freiheit der Wissenschaft bemüht und sich auf deren Prinzipien beruft. Das ist unredlich!
 
„Unredlichkeit hingegen gefährdet die Wissenschaft. Sie zerstört das Vertrauen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untereinander sowie das Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaft, ohne das wissenschaftliche Arbeit ebenfalls nicht denkbar ist.“ Quelle: „Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis Denkschrift,“  Memorandum, Empfehlungen der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn,1998/2013.
 
 
Karte von 1701 und Allianzwechsel von 1702 - eine Neubewertung der Vorderen Linie.
 
 
 
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
       
 
Der Allianzwechsel von Bayern zwingt die Erbauen der Vorderen Linie zu nachhaltigen Korrekturen und neuen Defensionspunkten: um feindliche Angriffe der Bayern bzw. der vereinigen Truppen mit Frankreich aus Süden kommende, also von den Waldstädten am Hochrhein oder von Hüningen aus - abzufangen, wurde die Südflanke massiv verstärkt und die Zugänge zum Wehratal (Schanze auf dem Wolfristkopf) und dem Haselbachtal (Anlagen auf dem Köpfle und der Redoute am Oeschgraben) im unteren Teil sowie im oberen Teil durch die Schanzanlage auf dem Glaserberg zusätzlich stark befestigt. Die mögliche Überquerung von oberen Haselbachtal (Lodbach) westlich von Gersbach hinüber ins Angenbachtal wurde durch eine Hagstruktur in Kombination mit dem "Hau-Wald" erschwert, wobei man die Aufstiegsmöglichkeit in Richtung Ehrsberg ebenfalls abfangen wollte. Ein Übergang vom Angebachtal ins Große Wiesental und dann in nordöstlicher Richtung weiter über Pfaffenberg zum Wolfsacker (mit Übergang ins Kleine Wiesental und über Bürchau, Neuenweg, Sirnitz alternativ nach Neuenburg oder Freiburg, Breisach, Neu-Breisach) wurde mit insgesamt vier Fortifikationselementen unterbunden. Zudem wurden bei Mambach - ideal an der engsten Tal-Stelle - zusätzliche Sperrelemente installiert.
 
 
 
 
Quelle: Google Earth, Grafik Werner Störk (nicht maßstäblich).  
 
Mit dem Allianzwechsel von Bayern 1702 ergibt sich eine völlig neue Situation im Bereich der südlichen Vorderen Linie
 
Der Autor Haasis-Berner merkt in seinen Ausführungen u.a. an ( S. 92 ff): "Demnach muss die Karte "um 1700" mit einer Toleranz von etwas fünf Jahren in beide Richtungen entstanden sein. Das GLA Karlsruhe gibt die Datierung mit "1701" an, ohne dass diese eindeutig begründet ist."  Gerade die fehlenden Schanzanlagen wie die auf dem Glaserberg oder die jetzt wiederentdeckten Schanzanlagen bei Pfaffenberg und Mambach belegen, dass die Karte sehr wohl vom GLA exakt und fachwissenschaftlich korrekt auf 1701 datiert wurde. Denn sie dokumentiert in einer Momentaufnahme die reale Situation im Jahre 1701, ohne die politische Wende Bayern berücksichtigen zu können, die aus einer primären Westfront nun zusätzlich eine Ostfront aufbaute. Und somit ein schnelles Reagieren erforderte, um die von den Bayern favorisierte Südtangente über die Waldstädte zusätzlich abzusichern, was auch bedeutete, dass die Zugänge aus dem Hochrheintál unmittelbar Aufstiegsrouten für die Bayern bzw. dann bei einer Vereinigung mit den Franzosen, für beiden Heere effektiver zu sperren waren, um so einen direkten Zugang zum Reichsterritorium sowie mögliche Umgehungen und damit verbundene Einkesselungen zu unterbinden. Bezogen auf die Anmerkungen von Haasis-Berner wieder einer jener nicht überzeugenden "Favorisierungen" und fachlicher Fehleinschätzung.
 
 
 
Quelle: Google Earth, Grafik Werner Störk (nicht maßstäblich).  
 
Um sich ein zutreffendes Bild über die neue Frontsituation durch den bayerischen Allianzwechsel zu bilden, ist es erforderlich, die neuen Angriffs- und ggfs. auch Umgehungsrouten genauer ins Auge zu fassen. Nur so lassen sich die notwendigen zusätzlichen Sicherungselemente besser ein- und zuordnen und auch fortifikatorisch erst verstehen. So sind der Gleichen und die Sandwürfe inklusive dem Schanzbühl westlich von Schlechtbach so stark gesichert, dass hier ein Durchbrechen nur unter hohen Verlusten möglich wäre - um so über den dortigen Kohlbach-Paß Zell anzugreifen. Für die Bayern lag es daher näher, den Weg aus dem Hochrheintal bei den Waldstädten via Wehr und Hasel - immer dem Haselbach folgend - dann über Gersbach und die dortigen Schwellen die Reichsgrenze zu überschreiten und über Rohrberg und das Angenbachtal entweder Zell rückwärtig anzugreifen. Oder von dort aus in Richtung Schönau weiterzuziehen. Eine alternative Route wäre die über das Angenbachtal hinaus nach Ehrsberg (ohne Übergang ins Künbachtal, da vor Schönau stark befestigt) und von dort auf dem dortigen Höhenweg durch den Kreuzwald, um von Norden aus Schönau anzugreifen - ggfs. durch einen zweiten - in dem Fall französischen - Angreifer, von Neuenburg über die Sirnitz und Neuenweg anmarschierend - Schönau in die Zange zu nehmen. Ebenfalls naheliegend: von Mambach aus über Pfaffenberg und den Wolfsacker ins Kleine Wiesental und sich mit dem Franzosen auf der Sirnitz zu vereinigen. Ein Zusammenschluß beider Gruppen wäre für das Große wie auch das Kleine Wiesental verheerend und auf  den Breisgau insgesamt blickend - katastrophal gewesen. Die Grafik zeigt nun klar ersichtlich, wie man im südlichen Teil der Vorderen Linie mögliche Angriffs- und Umgehungsrouten durch gezielt gesetzte neue Fortifikationslemente verhindern möchte. Schanzen und Sperreinrichtungen, die so eben nicht auf der Karte von 1701 zu finden sind, da diese noch von einer gemeinsamen Allianz mit den Bayern ausging.
 
 
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
       
 
Die "missing links" auf der Karte von 1701 - die ab 1702 durch den Bündniswechsel Bayern zu Frankreich - neben den für 1702 geplanten (gelbe Quadrate) neuen Schanzen (Schanzbühl, Schlechtbacher Redoute, Redoute auf dem Mettlenkopf) dann noch zusätzlich errichtet werden mußten und so in der Karte von 1701 logischerweise noch nicht auftauchen. Klar wird auch, dass man von Seiten des Reiches ein dritte Verteidigungslinie (1,2,3) einrichtete, um entsprechend einer erfolgreichen Abschnittsverteidigung möglichst im rückwärtigen Raum über entsprechenden Defensionsmöglichkeiten verfügten, um einen aus Osten und Süden (blaue Linien) kommenden Angreifer erfolgreich abzuweisen und ihm auch einen Durchzug bzw. eine Überquerung bestimmter Täler in Richtung Freiburg/Breisgau zu versperren. Somit sollte auch ein Festsetzung mit entsprechender Einquartierung und Kontributionen verhindert werden. Damit wird das Angenbachtal zur letzen Bastion der Defension der Vorderen Linie. Legende: WA Wolfsacker mit Redan-Linien, GW Gatter und Redoute von Pfaffenberg, ES Redouten auf dem Eselsköpfle und dem Saufert bei Mambach, RE Redanlinie Ehrsberg, SQ Redoute bei der Schwarzen Waag südlich Totmoos-Au, GB Schanze auf dem Gersbacher Glaserberg, EG Letze und Redoute am Esch- oder Öschgraben südlich von Glashütten/Hasel und WK Redoute und Sperrelemente auf dem Wolfristkopf nördlich von Wehr und östlich von Hasel.
 
 
Zwei wichtige Daten für die Vordere Linie: 1701 und 1702 (Hintergrundwissen).
 
"Maximilian II. Emanuel (Ludwig Maria Joseph Kajetan Anton Nikolaus Franz Ignaz Felix, kurz Max Emanuel; * 11. Juli 1662 in München; † 26. Februar 1726 ebenda) war ein Wittelsbacher und von 1679 an Kurfürst von Bayern. Während des Großen Türkenkrieges machte er sich als Feldherr in kaiserlichen Diensten einen Namen. Die Osmanen nannten ihn wegen seines blauen Uniformrocks, der weit über die Schlachtfelder zu sehen war, „den blauen König“. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde er 1692 Generalstatthalter der Spanischen Niederlande. Diesen Posten behielt er bis 1706. Seine Hoffnungen zumindest auf einen Teil des spanischen Erbes führten dazu, dass er zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges ein Bündnis mit Ludwig XIV. einging. In den ersten Jahren des Krieges agierte er als dessen Verbündeter durchaus offensiv, ohne aber nennenswerte Erfolge zu erzielen. Nach der vernichtenden Niederlage in der Schlacht von Höchstädt von 1704 musste er Bayern verlassen. Im Jahr 1706 wurde über ihn sogar die Reichsacht verhängt. Nach dem Ende des Krieges konnte er seine Herrschaft in Bayern wieder antreten. Er bemühte sich um einen Ausgleich mit dem Haus Habsburg und versuchte die Position des Hauses Wittelsbach im Reich zu stärken. Mehr Informationen über den Allianzwechsel. Als im letzten Testament Karls II. überraschend ein Enkel Ludwigs XIV. und Neffe Max Emanuels, der Bourbone Philipp V., zum Alleinerben Spaniens ernannt wurde, kam es 1701 zum Spanischen Erbfolgekrieg. Diesmal schlug sich der Kurfürst auf die französische Seite (Bayerische Diversion im Spanischen Erbfolgekrieg). Als Generalstatthalter erlaubte er den französischen Truppen, die spanischen Festungen in den Niederlanden zu besetzen, und schloss ein Bündnis mit Frankreich. Kurze Zeit später kehrte er nach Bayern zurück. Obwohl Bayern damals gerade einmal 1,1 Millionen Einwohner hatte, unterhielt Max Emanuel eine Armee von 27.000 Mann. Max Emanuel versuchte vergeblich den Mainzer Erzbischof und Reichserzkanzler Lothar Franz von Schönborn für eine Neutralität des Reiches zu bewegen. Im Jahr 1702 versprach Ludwig XIV. Maximilian Emanuel bei einer Besetzung Bayerns zu entschädigen. Der Kurfürst drängte aber vergeblich auf ein Königreich aus der spanischen Erbmasse. Im Jahr 1702 ließ er die Stadt Ulm besetzen, um so die Verbindung Bayerns mit Frankreich zu sichern. Im folgenden Jahr wurde Neuburg an der Donau nach einer Belagerung eingenommen und danach Regensburg besetzt. Französische Truppen wurden nach Bayern entsandt, damit Maximilian Emanuel Tirol angreifen konnte. Das Ziel, bis Italien vorzustoßen, um sich dort mit den Franzosen unter Louis II. Joseph de Bourbon, duc de Vendôme zu vereinigen, scheiterte.
 
In Tirol stieß Maximilian Emanuel auch auf den Widerstand der Bevölkerung gegen eine bayerische Herrschaft. Dies zwang die Bayern zum Rückzug. Im September 1703 gewann Max Emanuel die Erste Schlacht bei Höchstädt mit den Franzosen unter Claude-Louis-Hector de Villars gegen die Kaiserliche Armee und Preußen. Es kam von verschiedener Seite zu Vermittlungsbemühen, auf die der Kurfürst aber nicht einging. Stattdessen nahm er Ende 1703 Augsburg und Anfang des nächsten Jahres Passau ein. Ein Winterfeldzug nach Oberösterreich zeitigte keine nennenswerten Erfolge. Bei neuerlichen Verhandlungen, vermittelt von Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, machte Maximilian Emanuel einen Wechsel der Allianzen von einem Königstitel abhängig. Leopold I. ging darauf nicht ein. Im Juli 1704 verloren dann Max Emanuels Generale Maffei und Arco die Schlacht am Schellenberg. Durch diesen Sieg der Briten, Niederländer und Kaiserlichen über Bayern und die anschließende Einnahme Donauwörths wurde die Donaulinie durchbrochen und das Kurfürstentum Bayern dem Zugriff der Alliierten preisgegeben. Die Haager Große Allianz des Kaisers mit England und den Vereinigten Niederlanden bot nun mit Eugen von Savoyen und dem Herzog von Marlborough ihre besten Feldherren gegen Bayern und Frankreich auf. Am 13. August 1704 standen sich in der Zweiten Schlacht von Höchstädt über 100.000 Soldaten gegenüber, von denen rund 25.000 starben oder verwundet wurden. Frankreich und das verbündete Bayern verloren diese Schlacht. Der Kurfürst floh in die Niederlande. Bayern wurde von den Kaiserlichen besetzt.  
 
 
 
Links: Joseph Vivien: Kurfürst Max Emanuel von Bayern als Feldherr (1706; Münchner Residenz). Der Kurfürst ist mit Allongeperücke und im Harnisch, mit blauer bayerischer Schärpe und
Marschallsstab vor der Stadt Bergen zu sehen; der Page im Hintergrund ist wahrscheinlich sein filius illegitimus, der spätere Comte de Bavière.:
Rechts: Porträt des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, genannt der Türkenlouis (1655-1707)Museum_of_Military_History,_Vienna.htm
 
Einst Kampfgefährten gegen die Osmanen - dann Gegner im Spanischen Erbfolgekrieg: Maximilian II. Emanuel und Ludwig Wilhelm von Baden-Baden,
 
Zunächst wurde seiner Gemahlin Therese Kunigunde von Polen noch die Herrschaft über das Rentamt München überlassen, bevor auch hier die Habsburger 1705 unter Bruch des Vertrags von Ilbesheim die Verwaltung übernahmen. Gleichzeitig wurde am 16. Mai 1705 München von 3.200 Mann der kaiserlichen und pfälzischen Truppen besetzt. Leopold I. war am 5. Mai gestorben und sein Sohn Kaiser Joseph I. schlug sofort einen energischeren Kurs ein. Der Leidensdruck der Bevölkerung entlud sich in einem Aufstand, der 1705 in der Sendlinger Mordweihnacht sowie bei Aidenbach blutig niedergeschlagen wurde. Maximilian Emanuel kämpfte indessen weiter auf französischer Seite. Zusammen mit François de Neufville, duc de Villeroy verlor er 1706 die Schlacht bei Ramillies. Dies hatte zur Folge, dass Brüssel von den Alliierten besetzt werden konnten. Die Pläne, ihn im Zusammenhang mit dem Aufstand von Franz II. Rákóczi zum König von Ungarn zu machen, hatten keinen Erfolg.1706 wurde über Maximilian Emanuel und seinen Bruder Joseph Clemens, den Kölner Kurfürsten, die Reichsacht verhängt. Die Oberpfalz war derweil an Max Emanuels pfälzischen Vetter Johann Wilhelm gekommen, der auch die angesehenere (vierte) Kurwürde übernahm. Am 19. Oktober 1706 zog Maximilian Emanuel zusammen mit seiner Hofmusik dessen ungeachtet feierlich in Mons ein, um dort zu residieren. Es fanden sogar Bälle und Theateraufführungen statt, und zwar im großen Saal des Rathauses. Im Jahre 1708 führte Maximilian Emanuel noch einmal Truppen ins Rheinland, ohne dass dies einen nennenswerten Erfolg gehabt hätte. Danach bekam er von Ludwig XIV. kein Kommando mehr. Nachdem der größte Teil der spanischen Niederlande 1709 nach der Schlacht bei Malplaquet besetzt wurde, ging Maximilian Emanuel nach Frankreich. Nach einer kurzen Phase in Versailles wurde dem Kurfürsten das Schloss in Compiègne angewiesen.Es war angesichts der alliierten Besetzung eine bloße Geste, als ihn sein Neffe Philipp V. von Spanien 1711 zum Herrscher der spanischen Niederlande ernannte. Seine Herrschaft in der Gegend von Namur, Luxemburg, Charleroi und Nieuwpoort hing völlig von der französischen Hilfe ab.Mit der Gegenseite verhandelte er über einen Tausch Bayerns gegen die spanischen Niederlande. Dafür war er bereit, die Seiten zu wechseln. Diese Versuche scheiterten auch am Widerstand seines Bruders Joseph Clemens. Maximilian Emanuel hatte schon 1709 erfolglos versucht seine Ansprüche auf Bayern mit der Herrschaft über Mailand, Mantua und Sardinien mit den Habsburgern zu tauschen. Eine Wende kam erst 1711 nach dem plötzlichen Tode Kaiser Josephs I. in Gange, als der habsburgische Thronbewerber in Spanien als Karl VI. nun auch neuer Kaiser wurde. Damit war an Stelle einer französischen eine österreichische Hegemonie in Europa zu befürchten. Daher scherte England 1713 aus dem Bündnis der Haager Allianz des Kaisers aus und schloss Frieden mit Frankreich. Auch im Frieden von Utrecht plante Max Emanuel vergeblich, für den Verzicht auf Bayern, die Königreiche Sardinien und Sizilien zu erhalten. Die Franzosen setzten im Rastatter Frieden und im Frieden von Baden 1714 Max Emanuels Wiedereinsetzung als Kurfürst von Bayern durch. Seine Bemühungen, weitere Gebiete zu erhalten, scheiterten. .
 
Nach der Restitution Kurfürst Max Emanuels leitet noch bis zur Rückkehr des Kurfürsten am 10. April 1715 dessen Obersthofmeister Graf Maximilian Johann Franz von Preysing als Direktor des Geheimen Rats die Geschicke des Kurfürstentums. Kurz nach seiner Rückkehr schloss Max Emanuel einen Subsidien- und Freundschaftsvertrag mit Frankreich ab. Erst nach dem Frieden von Baden sah Max Emanuel am 3. April 1715 in Schloss Lichtenberg bei Landsberg am Lech seine Ehefrau und Kinder wieder. Nach der Rückkehr Kurfürst Max Emanuels wird die Geheime Ratskanzlei 1715 wieder in der früheren Größe und personellen Ausstattung ausgebaut. Max Emanuel ernannte dann aber bis zum Ende seiner Regierung weder einen neuen Ratskanzler noch einen Vizekanzler des Geheimen Rats. Anders als unter seinem Vater wurde die Innen- und Wirtschaftspolitik weiterhin vernachlässigt. Das Augenmerk des Kurfürsten war weiter ganz auf Rangerhöhung und die dafür notwendigen Bündnisse ausgerichtet. Zuletzt hatten die beiden Vorgänger Max Emanuels, Maximilian I. und Ferdinand Maria, eine Kandidatur um die Kaiserwürde abgelehnt. Sie waren sich ihrer begrenzten Macht gegenüber dem unmittelbar benachbarten Österreich bewusst. Seit dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts wurde diese realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten jedoch zunehmend von der Befürchtung verdrängt, gegenüber anderen Häusern im Reich ins Hintertreffen zu geraten. Hatten doch die Wettiner, die Hohenzollern sowie die Welfen 1697, 1701 und 1714 jeweils Königskronen errungen.Trotz seines Bündnisses mit Frankreich bemühte sich der Kurfürst um eine Verständigung mit Kaiser Karl VI. Er stellte 1717 bayerische Truppen für den Türkenkrieg zur Verfügung. Damit verband er auch die Absicht, von den zu erwartenden Erbfolgestreitigkeiten in Österreich nach dem Tod des Kaisers zu profitieren. Diesem Ziel diente auch die Heirat des bayerischen Kurprinzen Karl Albrecht mit Maria Amalia von Österreich. Die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion und der Erbverzicht der Erzherzogin waren für ihn dabei nebensächlich. Den Einfluss der Wittelsbacher im Reich stärkte er, indem er maßgeblich dazu beitrug, dass sein Sohn Clemens August von Bayern gleich mehrere Bischofssitze einnehmen konnte. Darunter war auch das Erzbistum Köln mit der dazu gehörigen Kurstimme. Ebenfalls mehrere Bischofssitze nahm Johann Theodor von Bayern ein. Mit der Wittelsbacher Hausunion von 1724 konnte der innerfamiliäre Streit insbesondere mit der in der Kurpfalz regierenden Linie von Kurfürst Karl III. Philipp beigelegt werden. Darin eingeschlossen waren ebenfalls die geistlichen Wittelsbacher Fürsten, so auch Kurfürst Franz Ludwig. Im Rahmen der Wittelsbachischen Hausunion kam es endlich zu einem Vergleich in der lange umstrittenen Vikariatsfrage, der vorsah, dass Bayern und die Pfalz künftig gemeinsam das rheinische Vikariat ausüben sollten. Es war Max Emanuel in der zweiten Herrschaftszeit ein Anliegen, seine politische Isolation aus der Zeit des spanischen Erbfolgekrieges im Reich zu überwinden. Allerdings wurde das Land trotz aller Bemühungen von hohen Schulden belastet." Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_II._Emanuel_(Bayern)
 
"Nachdem der Kurfürst von Bayern am 9. September die Reichsstadt Ulm eingenommen hatte, strebte er nach der Vereinigung mit den französischen Verbündeten. Am 15. September 1702 brach Generalfeldmarschall Johann Baptist von Arco mit einem Corps nach Westen auf, während seine Hauptmacht bei Ulm verblieb. Da seine Boten an Marschall Catinat abgefangen wurden, bestand keine Kommunikation zwischen den Verbündeten. Um den 17. September erreichten Reiterabteilungen Tuttlingen. Nachdem keine Verbindung mit Franzosen zustande kam, zog Max Emanuel das Corps Arco wieder zu sich und belagerte Memmingen. Am 16. Oktober wandte er sich gegen Norden Richtung Günzburg. Nachdem er von Villars Rheinüberquerung bei Friedlingen hörte, marschierte er wieder die Donau aufwärts, wo er am 25. Oktober Ehingen erreichte. Von dort sandte er eine Reiterabteilung (ca. 1500 Mann) nach Waldshut, um Kontakt mit Villars aufzunehmen. Gegen Ende Oktober hatte Villars immer noch seinen Brückenkopf bei Friedlingen, der Markgraf hatte nördlich Stellungen bei Staufen (ca. 40 km Luftlinie bis Friedlingen) bezogen, und die Bayern hatten von Waldshut aus nur ca. 50 km Luftlinie bis Friedlingen – zwischen ihnen und Villars gab es keine nennenswerten Reichstruppen. Da Max Emanuel zu dieser Zeit aber auch Geheimdiplomatie mit dem Kaiser betrieb, wurde die Vereinigung nicht wirklich gesucht, sie „scheiterte an der Ungunst der Verhältnisse, beiderseitigen Missverständnissen, und dem diplomatischen Doppelspiel des Kurfürsten.“ Das dynastische Ränkespiel des Hauses Wittelsbach hatte viel Leid über das badische Oberland gebracht, ohne dies hätte sich der Krieg vermutlich auf die Niederlande und Italien konzentriert." Quelle:https://de. wikipedia .org/wiki/Schlacht_bei_Friedlingen
 
 
Zeitgenössische Darstellung der Festung Hüningen mit rechtsrheinischem Brückenkopf.
 

 

Die Schlacht bei Friedlingen am 14. Oktober 1702
 
"Die Schlacht bei Friedlingen war eine Schlacht des Spanischen Erbfolgekrieges. Sie fand am 14. Oktober 1702 im Dreiländereck vor den Toren von Basel und ca. 60 km südlich von Freiburg im Breisgau statt. Das Kampffeld erstreckte sich auf Friedlingen, Weil, Haltingen (heute alle Ortsteile von Weil am Rhein) und Tüllingen (heute ein Stadtteil von Lörrach). Das Gefecht fand teilweise in einem Wald, dem sogenannten Käferholz statt, weshalb in der lokalen Geschichte auch von der Schlacht am Käferholz gesprochen wird. Vereinzelt findet sich auch der Begriff Schlacht bei Hüningen. In der historischen Literatur hat sich jedoch international der Begriff Schlacht bei Friedlingen durchgesetzt.
 
Das Heilige Römische Reich trat mit der Reichsarmee erst am 30. September 1702 auf Seiten des Kaisers in den Krieg ein. Kurfürst Max Emanuel von Bayern (siehe Bayerische Diversion im Spanischen Erbfolgekrieg) und der Erzbischof von Köln, ein Bruder des bayerischen Kurfürsten unterstützten hingegen den französischen König. Bereits am 9. September hatte die Reichsarmee unter Reichsgeneralfeldmarschall Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (Türkenlouis) die bisher französische Festung Landau erobert. Danach wandte sich Ludwig Wilhelm nach Süden, um die französische Armee an einer Vereinigung mit den bayerischen Truppen zu hindern.
 
„Nachdem im Sommer des Jahres 1702 die französische Festung Landau durch eine Reichsarmee unter dem Markgrafen Ludwig Wilhelm belagert wurde und der französische Marschall Catinat mit seinen Entsatztruppen nicht vorankam, entschied Ludwig XIV. am Oberrhein eine weitere Front zur Entlastung von Landau zu eröffnen. Maréchal de camp Villars wurde mit der Ordre entsandt, den Rhein bei Hüningen zu überschreiten, um so einerseits Reichstruppen von Landau abzuziehen und andererseits eine Vereinigung mit den bayerischen Alliierten herbeizuführen. Villars und seine Armee erreichten Hüningen jedoch erst am 28./30. September 1702, als Landau bereits gefallen war. Bereits einige Wochen zuvor hatte Frankreich begonnen, die nach dem Frieden von Rijswijk (mangelhaft) geschleifte Festung Hüningen wieder aufzubauen. Villars legte sofort 2 000 Mann in die Ruinen und ließ eine Schiffsbrücke über den Rhein bis zur Schusterinsel legen, wo er auch Artillerie stationierte. Bereits in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober erfolgte ein erster Versuch, unter dem Schutz dieser Kanonen und jener der Festung am französischen Ufer eine weitere Schiffsbrücke von der Insel an das deutsche Ufer (20 Meter) zu erstellen. Während dieser erste Versuch noch durch die Reichstruppen unter Graf Karl Egon von Fürstenberg abgewehrt werden konnte, erfolgte der Brückenschlag noch während des 2. Oktober, da die Reichstruppen ihre Stellungen wegen des starken französischen Geschützfeuers nicht halten konnten; Villars konnte auch am deutschen Ufer einen Brückenkopf befestigen. Graf Fürstenberg war mit seinen Truppen am 30. September bei Friedlingen angekommen, Markgraf Ludwig Wilhelm folgte am 4. Oktober – zu spät um den Brückenschlag zu verhindern. Bis zum 12. Oktober lieferten sich nun die nahe beieinander liegenden Armeen fruchtlose Artillerieduelle.
 

 In der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober 1702 setzten französische Truppen unter Maréchal de camp de Laubanie bei Neuenburg in Weidlingen über den Rhein und überrumpelten die kaiserlichen Truppen in der Stadt. Markgraf Ludwig Wilhelm schrieb die Einnahme Neuenburgs der mangelhaften Vorbereitung der Verteidigung durch den Grafen Johann Philipp von Arco zu. Villars verstärkte seine Truppen in Neuenburg, sandte von Hüningen Pontons flussabwärts um eine Brücke bei Neuenburg zu bauen und dirigierte die bereits angeforderte Verstärkung, die Marschall Catinat unter Maréchal de camp de Guiscard an den Oberrhein schickte, nach Neuenburg. Villars hatte damit am Oberrhein auf einer Strecke von 30 Kilometern zwei Brückenköpfe und hätte bei Ankunft seiner Verstärkung die Reichsarmee in diesem Abschnitt von Norden und Süden angreifen können, während allenfalls aus dem Osten noch die bayerischen Alliierten erwartet wurden. Villars und Ludwig Wilhelm schätzten diesbezüglich die Lage gleich ein und der Markgraf zog deshalb seine Truppen vom Hochgestade bei Friedlingen nach Norden ab.

 
Villars hatte bereits den Vormarsch über den Rhein auf die Nacht vom 13. auf Samstag, den 14. Oktober geplant und große Teile seiner Truppen bereits auf der Schusterinsel (im Rhein zwischen Hüningen und Friedlingen) bereitgestellt, wobei sie auch schweizerisches Gebiet nutzten. Als die Franzosen am frühen Morgen des 14. Oktober den Abzug der Reichstruppen feststellten, gab Villars sogleich den Befehl auf das Rechte Rheinufer vorzurücken. Um keine Zeit mit der Erstürmung des befestigten Schlosses Friedlingen und der nahebei liegenden Sternschanze zu verlieren, umgingen seine Truppen diese Befestigungen und rückten durch einen Wald (Nonnenholz) gegen das Dorf Weil vor um von dort die Tüllinger Höhe zu gewinnen. Die Nachhut (Arriergarde) der Reichsarmee unter Oberst Graf Mercy meldete um acht Uhr dem Markgrafen, dass die französischen Truppen in Massen auf dem deutschen Rheinufer ausschwärmen. Die Reichsarmee hatte auf ihrem Marsch nach Norden erst die Kander erreicht und teilweise überquert. Der Markgraf wollte von den folgenden französischen Truppen nicht im Marsch attackiert werden und befahl augenblicklich eine Kehrtwendung zurück nach Süden. Die Kavallerie wurde Richtung Haltingen in Marsch gesetzt, während die Masse der Infanterie über Ötlingen den Tüllinger Berg erstieg und durch das Käferholz nach Süden vorrückte, da auch Villars seine Kavallerie in der Ebene vor Haltingen konzentrierte und die Masse seiner Infanterie über Weil und Tüllingen auf den Tüllinger Berg vor und von Süden in das Käferholz einrückte. Gegen 10 Uhr waren die Positionen bezogen und es entstand eine fast einstündige Pause während der beide Seiten in einer Entfernung von ca. 1 500 Schritt sich auf die Schlacht vorbereiteten ohne einen Schuss abzugeben.
 
Gegen 11 Uhr begann der Markgraf mit Kanonenfeuer die Kampfhandlungen – es war ein sonniger Herbsttag. Das Gefecht begann im Käferholz, wo Villars zunächst selbst den Angriff leitete. Die Reichstruppen wurden nach Norden aus dem Wald gedrängt. Als nacheilende französische Verbände von deutschen Reservetruppen zurückgeschlagen wurden, verbreiteten sie Panik in den eigenen Reihen und Villars konnte die Truppen erst am Südende des Waldes wieder sammeln. Währenddessen attackierte die zahlenmäßig überlegene Kavallerie der Reichsarmee die französische Kavallerie unter Maréchal de camp Magnac in der Ebene mit Karabinerbeschuss, wobei sie sich durch die enge Formation selbst behinderten. Die Franzosen galoppierten mit gezogenem Säbel in die deutschen Reihen, die weiter in Unordnung gerieten und das eigene zweite Treffen behinderten. Nachdem es der französischen Artillerie noch gelang in das entstandene Chaos der deutschen Reiterei zu feuern, lösten sich deren Reihen auf und die Flucht ging über die Kander Richtung Efringen-Kirchen. Die französischen Verfolger wurden durch den Beschuss der in den Rebbergen liegenden Infanteriereserve aufgehalten. Villars verließ nun seine Infanterie und kehrte in die Ebene zur Kavallerie zurück.
 
Die Reichstruppen griffen nun auf dem Tüllinger Berg nochmals an. Durch das Käferholz kam die Masse der Infanterie zurück und griff frontal an, während weitere Infanterie durch die Rebberge die Franzosen auf der linken Flanke angriff und kleinere Kavallerieabteilungen unter Graf Prosper von Fürstenberg die rechte Flanke attackierten. Dadurch geriet nun die gesamte – bereits demoralisierte und weitgehend führerlose - französische Infanterie auf dem Tüllinger Berg in Panik und flüchtete unter hohen Verlusten die steilen Rebberge hinunter nach Weil und in die Ebene, wo die Reste sich im Schutz der Kavallerie und der Reserven auf die Schusterinsel zurückzogen – Teile der Truppen warfen auch ihre Waffen weg und flüchteten in die Schweiz. Die Reichsarmee hielt den Tüllinger Berg noch weitere fünf Stunden besetzt und setzte dann die in der Nacht vom 13. auf 14. Oktober begonnene Verschiebung nach Norden – in den Raum Staufen im Breisgau – fort.
 
Am Ende der Schlacht gab es keinen klaren Sieger. Eine Vereinigung der französischen Truppen mit den Bayern konnte jedoch für das erste Kriegsjahr verhindert werden. Doch auch der Markgraf erlitt schwere Verluste, so zählte die habsburgische Seite 335 Tote und 742 Verwundete in ihren Reihen, die Franzosen erlitten 1703 Tote und 2601 Verwundete. Nach dem Abzug der Reichsarmee nahm Villars am 15. Oktober Schloss Friedlingen und die Sternschanze ein und zerstörte beide. Das Markgräflerland wurde der Plünderung preisgegeben. Unter der Zivilbevölkerung gab es viel Leid, in Weil am Rhein kam es zu großen Schäden in Höhe von 447.662 Gulden, aber auch viele angrenzende Dörfer erlitten große Schäden.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Friedlingen
 
 
 
Sonderseiten zum Thema Südabschnitt der Vorderen Linie
 
Grendel- Schanze
südlich Zell i. W.
Schanze Hebelhöhe
nördlich Raitbach
Ruine Bärenfels
nördlich Wehr
Wallmauer & Redoutes
Bergalingen - Hütten
       
       
Missing links 1
Suche im Großen Wiesental 
Missing links 2
Suche bei Hasel & Gersbach
 
"Natürliche" Defension
 Ober-Blauen bei Zell
Defension Zeller Blauen
Zell im Wiesental
 
Auf der Suche nach den regionalen missing links im Raum Zell - Mambach - Häg-Ehrsberg.
 
 
 
       
Vorderhag & Hinterhag
Teil 1
Vorderhag & Hinterhag
Teil 2
Sonderfall Maria Frieden (1)
- Scheibenackerköpfle -
Sonderfall Maria Frieden (2)
- Scheibenackerköpfle - 
 
 
 
 
Jeder Leser kann sich anhand von sechs exemplarisch ausgewählten Prüffällen
selbst einen sachgerechten Faktencheck
zusammenstellen:
 
 
 
Prüffall 1: Sternschanze von Böllen/Neuenweg.  
 
 
Prüffall 2: Holderschanze Neuenweg/Böllen.  
 
 
Prüffall 3: Ganz aktuell: Mettlenkopf Gersbach   
 
 
Prüffall 4: Tannenkopf & Wolfsacker Elbenschwand.   
 
 
Prüffall 5: Defensionssystem Schönau. 
 
 
 
Prüffall 6: Vordere & Hintere Linie
Gersbach - Todtmoos-Au - Bergalingen 
 
 
Man könnte noch weitere markante Beispiele aufführen wie z. B. dieses auf S. 92: "Wechle Anlage mit der "oberen Schanz" gemeint ist, ist unklar, könnte jedoch die Redoute von Adelsberg sein." Abgesehen davon, dass es in Adelsberg zwei Schanzanlagen gab und diese sogar namentlich als "Äußeres" und "Inneres Schänzle" betitelt sind, liegt dem Autor die von ihm seitenlang detailliert besprochene Karte von 1701 vor. Auf ihr ist - leicht erkennbar - direkt über der auf dem Talboden der Feldbergwiese liegende großen Sternschanze auf dem östlichen Bergsporn des Grendels - quasi nur ein Steinwurf davon entfernt - in ideal exponierter Lage die Grendelschanze. Wieder einmal einfach mal was übersehen...
 
 
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
. Rechts: Geoportal BW, Grafik Werner Störk, nicht maßstäblich
     
 
 
 
Linke Grafik: Ausschnitt aus der Karte 1701: Die "Obere Schanz" - die Redoute auf dem Grendel. Rechts: Sternschanze mit Schanze auf dem Grendel (rot), Adelsberger
Schanzen (gelb) - um auch zu verdeutlichen, wie weit weg - nicht nur geographisch - eine Annahme liegt, dass eine der Adelsberger Schanzen gemeint sein könnte....
 
 
"Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Erkenntnisse öffentlich zugänglich gemacht haben und ihnen dazu im Nachgang Unstimmigkeiten oder Fehler auffallen, berichtigen sie diese. Bilden die Unstimmigkeiten oder Fehler Anlass für die Zurücknahme einer Publikation, wirken die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei dem entsprechenden Verlag oder dem Infrastrukturanbieter etc. schnellstmöglich darauf hin, dass die Korrektur beziehungsweise die Zurücknahme erfolgt und entsprechend kenntlich gemacht wird. Gleiches gilt, sofern die Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler von Dritten auf solche Unstimmigkeiten oder Fehler hingewiesen werden.“ 
 Quelle: "Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis – Kodex", Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn, 2019.
 
 
Die Beispiele lassen sich beliebig noch erweitern - nehmen wir das Beispiel mit Muggenbrunn oder auch das von Neuenweg: Dr. Haasis-Berner führt akribische Aufzählungen auf der Basis der von mir dem LAD und ihm zur Verfügung gestellten Karte von 1701 auf und listet alle von ihm wahrgenommenen Details auf. Dabei geht er jedoch sehr nachlässig mit den Fakten gerader bestimmter Anlagen um, die durch ihre Besonderheit aus dem üblichen Rahmen fallen und es eigentlich wirklich wert sind, vorgestellt zu werden. Da dies nicht geschieht, wirft ein solches "favorisierte" Auswahlverfahren nicht für mich Fragen auf. Zum einen impliziert der Autor dem Leser einen scheinbar umfangreiche Ansammlung von Daten, nimmt aber jene Anlagen nicht mir auf, die für die Gesamtbeurteilung der Vorderen Linie von wirklichem Aussagewert sind. So weist er z. B. lediglich auf eine Wallanlage in Muggenbrunn hin, unterschlägt aber die Tatsache, dass es hier eine Doppelsicherung von Schanzen gibt, deren eine Schanzenform eindeutig das Regelmaß und die Form verläßt und wirklich etwas Besonderes ist. Genausowenig erwähnt er die spezielle Sicherung der Paßstraße auf dem Hau, die wiederum mit der von Wieden korrespondiert. Nur zwei Beispiele im Kanon von unzähligen "Favorisierungen"...
 
 
 
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Die Karte von 1701 zeigt auf der Ostseite – was mir sofort auffiel – keine korrekte  Signatur einer Redoute – sondern ein auf der ganzen Karte nur hier verwendetes Zeichen, das auch in der Original-Legende nicht erklärt wird. Und es ist das einzige Symbol bei allen drei Pass-Sicherungen Neuenweg, Wieden und Muggenbrunn, das keine Raute bzw. auch kein klares Quadrat zeigt. Vergrößert man es vorsichtig, zeigt sich kein Vier- sondern ein unregelmäßiges Fünfeck mit den Winkelfunktionen 87°, 87 °,110°, 130° und 145° - wobei diese Figur entsteht:
 
 
  
 
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Man muß die linke geometrische Figur  noch im Uhrzeigersinn drehen, da die historische Karte nicht eingenordet ist. Im eingenordeten Zustand und auf den heutigen Standort platziert, zeigt die Spitze nach Westen zum Langenbach, während die rechte Linie auf der östlichen Hangseite verweist und sich überraschend genau an den tatsächlichen geographischen bzw. topografischen Eckpunkten hält. Natürlich ist dies kein Beweis – aber zumindest ein Indiz dafür, dass diese Schanze auf der Ostseite eine Fünfeckschanze war. Sie besitzt eine besondere geometrische Grundform – vermutlich auf Grund der konkreten Bodenbeschaffenheit, da hier überall unmittelbar der felsige Untergrund ansteht bzw. massive Blockmeere vorhanden sind. Weiterhin kommt die relativ schmale Basis zum Tragen, da das Gelände sehr steil ist und die Anlage einer breiten Terrasse nicht möglich ist. Da der historische Weg zwischen Aftersteg – Muggenbrunn und Notschrei-Pass hier möglichst nachhaltig gesichert werden sollte, musste man bei Bau der beiden Schanzen, insbesondere aber der auf Ostseite, Kompromisse in der Größe sowie der Formgebung eingehen.
 
 
 
 
Luftbild von Muggenbrunn 1968 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899
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 Archiv & Sammlung Werner Störk 2017        
 
Schanzenstandorte in Muggenbrunn: West-Redoute (rot) und östliche Polygonalschanze (gelb)  
 
 
 
 
Luftbild von Muggenbrunn 1968 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899,
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Legende: Viereckschanze, reguläre Redoute (1), Fünfeckschanze, irreguläre Polygonalschanze (2), Unterstände (3), Scheren-Schanze, lunetteartige Wallgraben-Anlage (4), Sperrgraben zwischen Redoute und Ost-Schanze (5), Sperrwall der West-Schanze (6), Sperrwall (7), doppelte Steinwall-Sperre (8), Kommunikationslinie (Laufgraben, unten: z. T. Funktion als Sperrgraben) zur Scheren-Schanze (9), Kommunikationslinie Süden: Aftersteg, Kommunikationslinie Westen: Wieden (11), Kommunikationslinie Norden: Hörnle und Gätterle (12), Kommunikationslinie (Laufgraben) (13) von der Ost-Schanze zum Alarmfeuer (14), Gätterle (15).
 
 
 
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
 
 
 
Detail der Karte von 1701: die Paßhöhe "Hau" mit Holderkopf und seinen vier Schanzen sowie einem Alarm- und Signalfeuer..
 
 
 
LGL & LAD © Landesvermessungsamt BW Stuttgart © 2017

 Archiv Werner Störk 2017

 
Legende: Flureinteilung auf der Basis eines Lidar-Geländescans des "Hau"-Pass-Geländes mit Gemarkungsgrenze (rot), der rautenförmigen Schanzanlage analog der Karte 1701 sowie der Redoute auf der östlichen Kuppe. Gut erkennbar ist die heute noch sichtbare Kommunikationslinie, die nach Osten talwärts auf die historische Wegverbindung ins Böllenbachtal hinunter führte. Dass die Einteilung der Flur auch auf der Gemarkungsseite von Neuenweg bei der Neueinteilung den bereits bestehenden Fortifikationslinien folgte, ist erwiesen. So gibt es wohl auch auf dem einstigen Reichsgebiet eine Analogie. Wobei die langgezogene Linie (orange), die ich als Kommunikationslinie einordne, auch ein Indiz dafür ist, dass sie schon  v o r  der Flureinteilung bestand: sie zieht an ihrem talseitigen (östlichen) Ende in ein Flurstück, das jedoch nicht aufgeteilt wurde. Ansonsten orientieren sich aber alle anderen Flureinteilungen exakt an diese Linie. Und diese stark ausgeprägte Grabenlinie (keine landwirtschaftliche Bearbeitungsspur!) bildet gleichzeitig die Linie, an die sich der nördliche Wallkörper der dortigen Viereckschanze ausrichtet bzw. "anlehnt". Auffallend auch nicht nur in dem abgebildeten Bereich gibt es nirgends eine vergleichbare Rautenform, auch wenn man das Untersuchungsgebiet großflächig nach allen Seiten ausdehnt. Ebenfalls interessant die beiden anderen Linien, die sich nur im Gelände, aber nicht im Flurbild abzeichnen. Ich deute auch sie als Kommunikationslinie von der "Rauten-Redoute" hoch zur Ostkuppen-Redoute sowie zur Westkuppen-Redoute - was natürlich Sinn macht, da es sonst noch keine anderer Wegführung gab. An ihrem "Knotenpunkt" steht heute der Grenzstein (schwarzer Kreis).
 
 
 

Luftbild von 1968 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899
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Legende: Luftaufnahme 1968 von Neuenweg mit "Hau"-Pass (Ausschnitt): idealtypischer Rekonstruktionsversuch der Schanzanlagen und ihrer Kommunikationslinien inkl. der historischen Wegführung (grün). Im Verteidigungsfall wurde die an der Rauten-Redoute (gelb) der sonst an ihr außen auf der Nordseite vorbeiführende Weg gesperrt und der Personen- und Frachtverkehr durch die Schanze geleitet und kontrolliert bzw. ganz gesperrt (z. B. mit Spanischen Reitern, Verhack und Verhau, rote Rauten). Interpretiert man die beiden auf der nördlichen Straßenseite unmittelbar anschließenden nach oben laufenden parallelen Doppel-Gräben (rot) als Sperrgräben, ergäbe dies zusammen eine effektive Fortifikationseinheit. Die auch heute noch im Gelände erkennbare stark gewulstete Linie (grün) kann ein erst später entstandenes Objekt sein, im Idealfalle war es eine schon  damals bestehende Sperrlinie, möglicherweise eine mit Palisaden  versehene Schutzeinrichtung für die auf den Kuppen liegenden Schanzen, sollte vom "Hau"-Pass aus ein Angriff auf diese erfolgen. Gleichzeitig konnte so auch der Laufgraben effektiv gesperrt und verteidigt werden. Möglicherweise ist es aber nur noch ein Teilstück einer ehemals weiter in östlicher Richtung verlaufender Sperrwall mit Palisaden, der beide Anlagen schützte. Hinzugekommen in der Interpretation auf Grund der Auswertung der Luftaufnahmen plus Geländebegehungen: die südlich der Schanze auf der östlichen Kuppe verlaufende Linien-Graben-Struktur, die sich mit der Linie trifft, die vom historischen Weg in Richtung Süden läuft und keinerlei Bezüge zur Flureinteilung aufweist!
 
 
 
 
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Kollateralschaden & Denkmalschutz 
 
 
Interessante Web-Seiten ergänzen die bereits dokumentierten Fakten:
 
Der "Fall Raitbach" (2012/2013).
Die Holderschanze auf dem Holderkopf.
Einzigartige bastionierte Polygonalschanze:
Die Sternschanze von Neuenweg/Böllen 

Walderdbeer-Anbau im Hochmittelalter
Hangterrasssen am Tannenkopf.
Die Signalfeuer-Station am Tannenkopf
Die Redan-Anlagen auf dem Wolfsacker.
Schönau & Schönenbuchen:
Schanzen, Letzinen und Kapelle
   
Als Diskussionsgrundlage sowie presserechtlich gilt immer nur die aktualisierte Webseite: 16.07.2022 
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