AG    MINIFOSSI
Arbeitsgemeinschaft Mineralien, Fossilien, Gold, Glas & Fortifikation
- Arbeitsgemeinschaft besonders befähigter Schüler -
Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim
 Gemeinschaftsschule
D- 79650 Schopfheim


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Die Holder-Linearschanze von Neuenweg (4)
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Gleichzeitig konnten durch das Studium dieser Schanzanlage bereits noch offene Fragen von anderen Schanzanlagen gelöst werden. Es geht dabei um jene rätselhaften Steinhaufen, die in relativ exakten Abstand immer wieder auftauchen – so wie in Bürchau. Auch bei der Holder-Schanze findet man sie wieder. Hier sind die Abstände so gewählt, dass die Vermutung naheliegt, dass man auf Grund der Beschaffenheit des Bodens keine aufrecht stehenden Palisaden einsetzen konnte, sondern als Sicht- und Deckungsschutz dafür horizontal die Stämme oder Balken zwischen jeweils zwei Mauerpfeiler einbaute. Da das Holz langfristig verfaulte oder in Friedenszeiten wieder für andere Zwecke (Holz- und Steinraub für den zivilen Haus- und Straßenbau) verwendet wurde, fehlte dann deren seitenstabilisierendes Element und so fielen auch die Steinpfeiler irgendwann von selbst in sich zusammen. Anstatt der Holzstämme bzw. Holzbalken kamen - nicht nur hier, sondern generell - auch Schanzkörbe als Sicht- und Bewegungsschutz zum Einsatz. Diese wurden wie Gabionen nebeneinandergesetzt - entweder direkt auf dem Boden bzw. auf die Wallkrone - oder aneinandergereiht. Auch heute noch kommen die moderen Nachfolger der einstigen Schanzkörbe (damals überwiegend aus jungen Haselsträuchern oder Weideruten geflochten) zum Einsatz (Fotos unten).  Dort, wo auf Grund des aktuten Holzmangels oder weil es die Beschaffenheit des Bodens nicht zuließ, keine Palisaden auf den Wallkorpus bzw. mittig in den Graben oder als Sperrpalisaden feindwärts vor dem Graben eingesetzt wurden, kamen Faschinenbündel (siehe unten) zum Einsatz. Vor dem Wallgraben wurde neben den schräg eingerammten Palisaden auch oft noch ein dichter Verhau oder Schleppverhau plaziert - als schwer zu umgehendens bzw. durchdringendes Annäherungshindernis auf der Glacis  - da direkt - oft auch mit Kreuzfeuer - durch die Musketen der Verteidiger bestrichen.
 
 
                       
Quelle:  http://www.jugendheim-gersbach.de/schanzkorb-schanzen-fortifikation-fortification.html
 
Foto © Archiv Werner Störk 2016
 
Foto © Archiv Werner Störk 2016
 
Foto © Archiv Werner Störk 2016
 
 
Moderne Schanzkörbe/Gabionen
 
               
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Hesco_bastion 
 
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Hesco_bastion
 
Und auch der mysteriöse Fall jenes Johann von Markloffski (1648 – 1691), dessen Epitaph (Gedenkstein) an der Ostseite der Neuenweger Kirche steht, gewinnt durch das unerwartete Auffinden der Holder-Linearschanze wieder an Bedeutung. Denn nun hätte man endlich eine Schanze, die genau in jenen Zeitrahmen (um 1688) passt, in dem der kursächsische Unteroffizier hier Dienst tat (die Redoute auf dem Hau ist erst nach seinem Tod errichtet worden und die Sternschanze war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein französisches Werk). Auch wenn er selbst als adliger Unteroffizier auf Grund der damaligen militärischen Rangordnung als Kommandant einer solchen großen Schanze nicht in Frage käme, könnte er tatsächlich in Neuenweg stationiert gewesen sein – und auch auf der Holder-Schanze biwakiert haben. Wobei Teile des Hauptkontingents der kursächsischen Truppen (immerhin rund 2.000 Mann) vor allem im Großen Wiesental – wohl zwischen Wembach und Schönau – ihre Feldlager aufgeschlagen hatten.
 
Mehr Infos:
Werner Störk (2014): Das rätselhafte Epitaph an der Evangelischen Kirche von Neuenweg, in: Das Markgräflerland – Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, herausgegeben vom Geschichtsverein Markgräflerland e. V., Band/Jahrgang 2014, Seite 85–99, Verlagsort Schopfheim, Uehlin Print und Medien Schopfheim, ISBN-Nr.978-3-932738-52-4
 
Auszug:

"...Bei Geschichtsforschern stieß dieser Grabstein immer wieder auf großes Interesse, denn er erzählt in kurzen Sätzen die Lebensgeschichte eines Mannes, der 1648 - exakt am Ende des grauenhaften Dreißigjährigen Krieges geboren wurde und schon 1691 verstarb, zwei Jahre früher, als der Türkenlouis, der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, im Auftrag des Kaisers in Wien das Oberkommando am Oberrhein übernahm. Johann von Markloffski, so der Name des Verstorbenen, diente einmal dem Kaiser, dann wieder dem Churfürsten von Bayern und auch schon mal dem von Sachsen - der Text auf der Grabplatte verfolgt die Stationen des Berufssoldaten und berichtet auch davon, dass er bereits als Leutnant Dienst zu Fuß und zu Pferde leistete. War er der  Schanzenkommandant, der die in  ihrer Form einmalig schöne Sternschanze von Neuenweg errichtete - und man deshalb die Grabplatte an der Ostseite in Blickrichtung auf sein Werk anbrachte? Obwohl ja erst ab 1693 mit dem Schanzenbau im südlichen Schwarzwald begonnen wurde. Und warum ist sein Sterbeort mit „Sonau“ angegeben, wo doch in Neuenweg sein Epitaph steht? Es ist selten, dass ein Grabsteintext so viel über eine Person preisgibt und bietet sich deshalb als ein ideales Forschungsobjekt an, da man so die Spuren des einst Lebenden sehr gut zurückverfolgen kann. Dennoch geschieht in diesem Falle etwas Seltsames: Markloffski taucht in der europäischen Geschichte unter - ohne scheinbar auch nur eine winzige Spur zu hinterlassen..."

 
Weitere Fotos unter: http://www.jugendheim-gersbach.de/Epitaph-Johann-Marckloffski-Marklowski-Pernstein-Zebratsch.html
 
 

 

Foto © Archiv Werner Störk 2016
 
Quelle für Heraldik: https://en.wikipedia.org/wiki/Wieniawa_coat_of_arms ©
 
Foto © Archiv Werner Störk 2016
 
 

Bezogen auf den reichen Erfahrungsschatz aus weit über 120 Schanz- und Wallgraben-Anlagen im Südschwarzwald stellt Werner Störk abschließend fest: „Diese Linearschanze eröffnet nicht nur ein neues Kapitel der hiesigen Schanzenforschung, sondern schlägt damit auch eine ganz neue Seite in unserer Regionalgeschichte auf. Sie ist in vielfältiger Weise ein absolutes Highlight mit Premiumqualität und besitzt – im Vergleich mit allen anderen mir bereits bekannten Schanzanlagen aus unserer Region – ein klares Alleinstellungsmerkmal!“. Und gerade deshalb dankt er Erwin Eiche vor allem dafür, dass er mit seinem Schritt, sein Wissen weiterzugeben, es überhaupt erst ermöglicht hat, dass sich nun auch die regionale Schanzenforschung dieser einzigartigen Anlage annehmen kann.

 
Quelle: http://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_findmittel_02/labw-4-1728292/%22Neuenweger+und+Heimbrunner+Baenne%22
http://www.leo-bw.de/media/labw_findmittel_02/current/delivered/bilder/labw-4-1728283-1.jpg
 
 
Auf der Karte von 1770 sind nicht nur die Sternschanze und die Redoute gut erkennbar eingezeichnet, sondern auch die Holder-Schanze.
 
 
           
 
Quelle: http://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_findmittel_02/labw-4-1728292/%22Neuenweger+und+Heimbrunner+Baenne%22
http://www.leo-bw.de/media/labw_findmittel_02/current/delivered/bilder/labw-4-1728283-1.jpg
 
Legende:
Aufstiegsrinne Steinhofbach (hellblau), Aufstiegsrinne Rehgraben (lila), Kommunikationslinie Redoute zur Holderschanze (gelb), Holder-Linearschanze (rot), Wallgrabensperre (orange).
 
 
Weitere Fotos: 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2016 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2016
 
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Auf diesen fünf Seiten erfahren alle wichtigen und sehr detaillierten Informationen über die Holder-Linearschanze
und die massive Hau-Pass-Sicherung mit über 170 Fotos und Grafiken (einfach anklicken):
 
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