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Sonderseiten im Rahmen der WEA-Windpark-Diskussion Zeller Blauen - Neuenweg  
 
 
Werden Wahrheit und Ethik in der Wissenschaft beliebig?
 
Kollateralschäden der Energiewende im Denkmalschutz.
 
Exemplarisch aufgezeigt am Beispiel aktueller Veröffentlichungen in: "Im Krieg ist weder Glück noch Stern" (2021).
 
„Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Erkenntnisse öffentlich zugänglich gemacht haben und ihnen dazu im Nachgang Unstimmigkeiten oder Fehler auffallen, berichtigen sie diese. Bilden die Unstimmigkeiten oder Fehler Anlass für die Zurücknahme einer Publikation, wirken die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei dem entsprechenden Verlag oder dem Infrastrukturanbieter etc. schnellstmöglich darauf hin, dass die Korrektur beziehungsweise die Zurücknahme erfolgt und entsprechend kenntlich gemacht wird. Gleiches gilt, sofern die Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler von Dritten auf solche Unstimmigkeiten oder Fehler hingewiesen werden.“ Quelle: Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis – Kodex, Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn, 2019
 
2018 gerieten verschiedene Behörden im Zusammenhang mit der Planung eines großen Windparks auf dem Bergrücken des Zellers Blauen auch in der Öffentlichkeit unter Druck – auch durch meinen ersten Widerstand gegen die geplante und vom LAD quasi freigegebene Zerstörung von Schanzanlagen auf dem Holderkopf bei Neuenweg sowie mehrerer Fortifikationsanlagen und historische Terrassenanlagen auf dem Tannenkopf und Wolfsacker (Bürchau/Elbenschwand). Bereits 2012/2013 erregte der „Fall Raitbach“ landesweit Aufsehen – auch hier ging es um die wissentliche und damit bewusste Zerstörung von historischen Fortifikationsanlagen. 2018 war somit auch das Jahr, wo das Landesamt für Denkmalpflege unter Druck geriet. Zufälligerweise führte dann im November und Dezember 2018 das Landesamt für Denkmalpflege, vertreten durch Dr. Haasis-Berner, der ebenfalls wissenschaftlicher LAD-Begleiter des EWS-Projektes auf dem Zeller Blauen ist, „umfangreiche geophysikalische Untersuchungen“ auf dem Mettlenkopf südlich von Gersbach durch. Die Ergebnisse wurden nun in dem kürzlich erschienen Tagungsband): „Im Krieg ist weder Glück noch Stern“: Barocke Festungen, Schanzen und Schlachtfelder aus der Epoche des Dreißigjährigen Kriegs am Oberrhein, Bertram Jenisch/Andreas Haasis-Berner/R. Johanna Regath/Werner Konold (Hg.) Verlag Thorbecke, Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br., Nr. 88, 2021, veröffentlicht. Besonders interessant sind dabei zwei Fachartikel von Dr. Andreas Haasis-Berner: „Die Linien und Schanzen im Schwarzwald“, S. 292 ff. und „Die Linien und Schanzen im Schwarzwald – Zu den barocken Befestigungen im Schwarzwald“, S. 75 ff.  
 
In dem ernsthaften Bemühen um einen fachwissenschaftlichen Diskurs, der sich streng  an den Fakten und ebenso klar an den bestehenden archäologischen Befunden orientiert, habe ich mich in einem "Offenen Brief" mit Datum vom 19.07.2021 und mit einer Stellungnahme speziell zu den  beiden Fachartikeln von Dr. Andreas Haasis-Berner: „Die Linien und Schanzen im Schwarzwald – Zu den barocken Befestigungen im Schwarzwald“, S. 75 ff. und „Die Linien und Schanzen im Schwarzwald“, S. 292 ff.., in: „Im Krieg ist weder Glück noch Stern“: Barocke Festungen, Schanzen und Schlachtfelder aus der Epoche des Dreißigjährigen Kriegs am Oberrhein, Bertram Jenisch/Andreas Haasis-Berner/R. Johanna Regath/Werner Konold (Hg.) Verlag Thorbecke, Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br., Nr. 88, 2021 an das LAD, das Alemannische Institut sowie den Verlag gewandt.

Keine Antworten auf brennende Fragen.
 
Die Antworten auf meine Fragen: „Inhaltliche Aussagen in Wissenschaftspublikationen sowie im wissenschaftlichen Diskurs verantworten die Beiträger sowie die Herausgeber.“ So der Verlagsleiter Jürgen Weis vom Verlag Thorbecke der Verlagsgruppe Patmos am 03.08.2021 auf Anfrage. Und von Dr. Jonathan Scheschkewitz, (RPS/LAD) vom 27. Juli 2021: "Auf Ihre Kritik, die Sie an den Beiträgen von Herrn Dr. Haasis-Berner äußern, möchte ich nicht im Detail eingehen. Herr Haasis-Berner ist ein versierter Kenner der Materie und hat seine Beiträge entsprechend seiner fachlichen Einschätzungen verfasst und dies mit entsprechenden Zitaten belegt, soweit dies erforderlich war... Er favorisiert aber seine Meinung, wie es das gute Recht eines Autors ist." Und als weiteres Statement vom LAD Stephan A. Wiedmann vom 04.08.2021 "Der Vollständigkeit halber können wir Ihnen mitteilen, dass das LAD voll und ganz hinter den Äußerungen von Kollege Dr. Haasis-Berner steht. Ergänzend nehmen wir Bezug auf die E-Mail von Herrn Dr. Scheschkewitz vom 27.07.2021."
 
Nachdem auch noch mein "offener Brief" auf bislang ungeklärter Weise im Netz zeitweise nicht mehr abrufbar war sowie laut Google "einige Ergebnisse möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzrechts entfernt" wurden - und weder Autor, Herausgeber oder Verlag ein entsprechendes Angebot einer Gegendarstellung, Berichtigung, Erwiderung oder eines Widerrufs unterbreiteten, habe ich mich entschlossen, meine Fragen an das LAD hier zur Disposition zu stellen. Auch deshalb, da "das LAD voll und ganz hinter den Äußerungen von Kollege Dr. Haasis-Berner steht". Nur zur Erinnerung: "Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Erkenntnisse öffentlich zugänglich gemacht haben und ihnen dazu im Nachgang Unstimmigkeiten oder Fehler auffallen, berichtigen sie diese. Bilden die Unstimmigkeiten oder Fehler Anlass für die Zurücknahme einer Publikation, wirken die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei dem entsprechenden Verlag oder dem Infrastrukturanbieter etc. schnellstmöglich darauf hin, dass die Korrektur beziehungsweise die Zurücknahme erfolgt und entsprechend kenntlich gemacht wird. Gleiches gilt, sofern die Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler von Dritten auf solche Unstimmigkeiten oder Fehler hingewiesen werden.“ Quelle: Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis – Kodex, Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn, 2019.
 
Zumal auch die Antwort der Obersten Denkmalschutzbehörde den bereits bestehenden Eindruck verstärkt, dass man sich einem fachlichen Diskurs entzieht: Im Zuge der Regierungsneubildung nach der Landtagwahl in diesem Jahr ist nunmehr das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen oberste Denkmalschutzbehörde. Brigitte Gathof, stellvertretende Leiterin des Referats Denkmalpflege, Weltkulturerbe und Bauberufsrecht, Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen und aktuell oberste Denkmalschutzbehörde, schreibt am 25.08.2021 unter dem AZ 56-2551.6-7/5: „Ergänzend möchten wir darauf hinweisen, dass es sich bei der von Ihnen genannten Veröffentlichung um einen wissenschaftlichen Beitrag handelt. Insoweit sind besondere Freiheiten des Autors zu beachten... Wir bitten daher um Ihr Verständnis, dass wir zu dem konkreten Beitrag keine wissenschaftliche Bewertung abgeben können.“Jede andere Stellungnahme hätte mich überrascht - dennoch hatte ich der Sache wegen darauf gehofft. Wenn auch die Oberste Denkmalschutzbehörde solche "fachwissenschaftlichen" LAD-Beiträge legitimiert, dann gibt das nicht nur mir zu denken. Der Diskurs ist damit noch nicht beendet. Ich werde weitere Schritte gehen (müssen), um abschließend dieses Fall so zu klären, dass nicht der Denkmalschutz am Ende einen massiven gesellschaftlichen wie auch archäologischen Kollateralschaden erleidet. Zumal wenn in der Wissenschaft Wahrheit beliebig und Ethik austauschbar wird.
 

„Forschungsergebnisse gelten seit den frühen neuzeitlichen Formen der Institutionalisierung von Wissenschaft im 17. Jahrhundert erst dann als anerkannt, wenn sie veröffentlicht und damit der Kritik und Überprüfung zugänglich gemacht worden sind. Dieses Prinzip ist heute unverändert gültig.“ Quelle: „Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis Denkschrift,“  Memorandum, Empfehlungen der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn, 1998 und 2013. Diese Prinzip gilt ganz offensichtlich nicht für das LAD und seine wissenschaftlichen Publikationen. Die nachweislichen Fehler, Unterstellungen und Fehlinterpretationen bestehen also trotz dieser unverändert geltenden wissenschaftlichen Prinzipien weiter. „Auf Ihre Kritik, die Sie an den Beiträgen von Herrn Dr. Haasis-Berner äußern, möchte ich nicht im Detail eingehen“, so aber das LAD. „Wissenschaft gründet auf Redlichkeit. Diese ist eines der wesentlichen Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis und damit jeder wissenschaftlichen Arbeit. Nur redliche Wissenschaft kann letztlich produktive Wissenschaft sein und zu neuem Wissen führen. Unredlichkeit hingegen gefährdet die Wissenschaft. Sie zerstört das Vertrauen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untereinander sowie das Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaft, ohne das wissenschaftliche Arbeit ebenfalls nicht denkbar ist. Quelle:Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis Denkschrift,“  Me-morandum, Empfehlungen der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“, Deutsche Forsch-ungsgemeinschaft, Bonn,1998/2013.

 

Das aktuelle Beispiel  führt  exemplarisch vor Augen, wie man einerseits schützenswerte Bodendenkmäler amtlich im Auftrag des LAD „entwertet“ und gleichzeitig  einen unliebsame LAD-Kritiker und dessen fachliche Forschungsarbeit und persönliche Reputation gezielt diskreditiert. Wie dies stufenweise funktioniert, macht die detaillierte Textanalyse der beiden Artikel von Dr. Andreas Haasis-Berner deutlich.

 
Wobei wir eben nicht nur auf das aktuelle Jahr zurückblicken sollten. Nein, die Diskussion z. B. um den Standort Mettlenkopf war bereits 2010 im Gange, als dort direkt auf dem südlichen Schanzenstandort ein Funkmast errichtet werden sollten. Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit inklusiver einer Führung mit vielen Bürgern verhinderten die endgültige Zerstörung eines offiziell denkmalgeschützten Objektes. Auch in den letzten Jahren war der Mettlenkopf immer wieder im Gespräch - diesmal im Zusammenhang mit dem Windpark von Hasel. 2012 und 2013 schlug der "Fall Raitbach" hohe Wellen - Sie haben unten Zugriff auf die entsprechenden Berichterstattung. Und auch 2016 wurde die Kooperation mit dem LDA und Dr. Haasis-Berner auf eine harte Probe gestellt. Ich schrieb am 03.02.2016 an das LDA: "Kurzer Rückblick: Für mich war der Fall Raitbach eine extrem stark belastende Angelegenheit, da ich mich an der unwiederbringlichen Zerstörung jener Anlage auch mitschuldig fühlte. Zumal ich trotz allem Zutun Vorort (Kooperation mit dem Forst) und Informationsweitergabe an das LDA eben nicht verhindern konnte, dass es zu diesem kulturhistorischen GAU kommen konnte. Und nun wiederholt sich ein ähnliches Szenario in Sachen Scherentann: Obwohl alle Informationen vorhanden sind und auch weitergeleitet wurden, kommt es – trotz Kooperation mit dem LDA – erneut zu einer nachhaltigen fachlichen Fehleinschätzung bzw. absehbaren Beeinträchtigung eines Kulturgutes" . Man sieht eine aus Sicht des LDAs konsequente Linie von 2012, 2013, 2016 über 2018 bis 2021, deshalb spreche ich von einem möglichen System und dessen Systemfehlern. Wenn man sich beim LDA nicht als "Verhinderungsbehörde" sieht, dann trifft wohl eher das zu, als was und wie es in unseren praxisnahen Fällen erkennbar agiert, als "Zustimmungsbehörde".
 
Um die ganze Geschichte rund um die "Windpark"-Story umfassend darzustellen - inklusive dem "Fall Raitbach" aus dem Jahre 2012 -  habe ich hier nachfolgend nochmals (fast) alle dazu von mir veröffentlichten "Offenen Briefe" und persönliche Statements wie z. B. das "Raitbacher Manifest"  zusammengetragen - auch damit man das "System" erkennt, das ursächlich hinter solchen Kollateralschäden steckt. Keine Verschwörungstheorien, sondern überprüfbare, belegbare Fakten, in vielen Vorortbegehungen und Exkursionen praxisnah aufgezeigt und bestätigt.
 
Stellungnahme mit Datum vom 19.07.2021  zu den  zwei Fachartikel von Dr. Andreas Haasis-Berner: „Die Linien und Schanzen im Schwarzwald – Zu den barocken Befestigungen im Schwarzwald“, S. 75 ff. und „Die Linien und Schanzen im Schwarzwald“, S. 292 ff.., in: „Im Krieg ist weder Glück noch Stern“: Barocke Festungen, Schanzen und Schlachtfelder aus der Epoche des Dreißigjährigen Kriegs am Oberrhein, Bertram Jenisch/Andreas Haasis-Berner/R. Johanna Regath/Werner Konold (Hg.) Verlag Thorbecke, Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br., Nr. 88, 2021.  
Antwortschreiben AZ 81-2550.9 LIFG an das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart vom 02.02.2020  
Abschluss Statement Holderschanze Wolfsacker Tannenkopf vom 03.03.2020  
"Offener Brief"  mit Datum vom 27.07.2018 als Statement für die Holderschanze bei Neuenweg/Böllen, Landkreis Lörrach, BW.  
"Offener Brief" an die ENERKRAFT GmbH mit Datum vom 29.04.2018 betreffend der Schanzanlagen von Neuenweg und Bürchau und den dortigen WP-Planungen entsprechend dem ENERKRAFT- Planungsentwurf vom 13.04.2018.  
"Offener Brief"  mit Datum von 01.07.2018.  
"Raitbacher Manifest" vom 26.10.2013.  
Mit Datum vom 27.07.2021 nahm ich in Form eines "Offenen Briefs" und unter Bezugnahme auf die Headline der Badischen Zeitung vom selben Tag
"500 Windräder im Staatsforst" 
an Minister Haug sowie die CDU-, FDP-, SPD- und Grünen-Fraktion des Landtags
Jeder Leser soll sich in den fünf exemplarisch ausgewählten Prüffällen selbst ein Bild von Wahrheit und Ethik in der LAD-Wissenschaft machen:  
 
Prüffall Sternschanze von Neuenweg/Böllen (Landkreis Lörrach).
 
 
 
 
Der Hau-Pass (Luftaufnahme Erich Meyer, Hasel).
 

Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt  im Zusammenhang mit der Neuenweger Sternschanze auf S. 294: „...inmitten des markgräflichen Gebiets...“. Dass Dr. Andreas Haasis-Berner dies tatsächlich als Gegenargument“ anführt, erstaunt. Wie kommt er auf eine solche geographisch-territoriale Zuweisung „inmitten des markgräflichen Gebiets“?

 
 
 

Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57770775 von Karte-Markgräflerland1.png: Roadytomthis file: Furfur - 2017-04-06, CC BY-SA 4.0,

 
Karte des südlichen Teils der Markgrafschaft um 1556 nach Ankauf von Gersbach
 
Die Sternschanze von Neuenweg (markiert) liegt gemäß Dr. Andreas Haasis-Berner „inmitten des markgräflichen Gebiets"  - auch da steht das LAD  voll und ganz“ dahinter. Neuenweg/Böllen hat eine vergleichbare territorial-konfessionelle Grenzlage wie auch Gersbach - beide Bereiche wurden daher stark befestigt. Wobei die Sternschanze eben wirklich unmittelbar  an der konfessionell-territorialen „Außen“-Grenze zwischen der evangelisch-baden-durlachischen Markgrafschaft und dem katholisch-habsburgisch-vorderösterreichischen Reichsgebiet liegt.
 

Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt auf S. 294: „Die unlängst geäußerte These (Werner Störk, 2014), dass es sich bei der Sternschanze um eine von den Franzosen 1672 – 1676 erbaute und über 10 Jahre  lang gehaltene Anlage handelt, wartet auf die Bestätigung durch Quellen. Dass diese im Innern nur 200 qm große Anlage, in der sicherlich nicht mehr wie 50 Soldaten Platz hatten und die über keine eigenen Wasserversorgung verfügte, inmitten des markgräflichen Gebiets über diesen langen Zeitraum hätte gehalten können, ist wenig überzeugend.“ Diese Feststellung bedarf einer Korrektur und Ergänzung. Ein Problem – gerade bei Schanzen in exponierter Horst- oder Spornlage (und damit mehrheitlich über dem Quellhorizont liegend) – war die Wasserversorgung. Daher suchte man nicht nur nach strategisch-topographisch geeigneten Standorten, sondern auch unter dem Gesichtspunkt einer möglichst nahen Quelle oder eines Baches. War eine direkte Frischwasserversorgung nicht möglich, wurde das Trinkwasser in Fässern herangeführt und in diesen gebunkert. Gerade in warmen Sommermonaten entstanden durch die natürliche Eiablage von Insekten sowie durch die Bildung von bakteriellen Keimen im Wasser nicht nur geschmackliche, sondern zwangsläufig vor allem hygienische Probleme. Durch Zugabe von Essig – schon bei den Römern mit Erfolg praktiziert – der als feste Ration jedem Soldat zustand, versuchte man, dies zu lösen.

 
 
 
Foto Werner Störk
 

Römisches Marsch- & Feldlager. Römische Abteilung des Archäologischen Museums (arco) im Colombischlössle Freiburg 

(Diorama-Modellbau-Auftragsarbeit der AG MINIFOSSI)
 
So wie die auf der nördlichen Passseite liegende Sternschanze über keine unmittelbare Wasserversorgung in Form einer eigenen Quelle verfügte, hatte auch die auf der Südseite liegende Redoute dasselbe Problem – hätte sich demnach auch nicht halten können. Tat sie doch! Genauso wie die Anlage auf dem Holderkopf – und wie die Mehrzahl der Schanzen der Vorderen Linie. Dass Dr. Andreas Haasis-Berner dies tatsächlich als Gegenargument anführt, erstaunt. Sind ihm die konkreten Voraussetzungen des Linien-Schanzenbaus im Südschwarzwald, speziell der Vorderen Linie, wirklich vertraut? Zumal mehrheitlich in allen exponierten Hochlagen der gesamten Vorderen Linie quellfrisches Trinkwasser das zentrale Versorgungsproblem darstellte.
 
 
 
 

Illustration aus: Partie des Forces de L `Europe .1691 von Nicolas de Fer 1646 - 1720, Verlag: Nicolas de Fer 1646 - 1720, 1720 (Sammlung Werner Störk).

Festungsbaumeister Vauban präsentiert dem "Sonnenkönig" Ludwig XIV. sein bastioniertes Festungssystem.
 
 
 

Illustration aus: Partie des Forces de L `Europe .1691 von Nicolas de Fer 1646 - 1720, Verlag: Nicolas de Fer 1646 - 1720, 1720 (Sammlung Werner Störk).

 
Die nicht bastionierten Entwürfe der Vertreter der niederländischen Fortifikations-Manier wie Samuel Marolois und Simon Stevin werden abgelehnt.
 
 
 
 

Illustration aus: Partie des Forces de L `Europe .1691 von Nicolas de Fer 1646 - 1720, Verlag: Nicolas de Fer 1646 - 1720, 1720 (Sammlung Werner Störk).

 
Vaubans Plan einer bastionierten Sternschanze - die sogleich an die Schanze auf dem Hau erinnert.
 
 
 
 
Sammlung & Copyright Werner Störk  
 
Idealisiertes 3-D-Modell der Sternschanze von Neuenweg (Sammlung Werner Störk).
 
 
 
 
Sammlung & Copyright Werner Störk   
 
Einfache Sternschanze (rot) - mit zusätzlich bastionierten ein- und ausspringenden Winkeln (blau) - ganz nach Vauban.
 
 
 
 
Sammlung & Copyright Werner Störk 
 
Grundstudien zum Modell der Sternschanze mit Auswertung auch invertierter Aufnahmen. 
 
 
 
 
Sammlung & Copyright Werner Störk  
 
CAD-CAM-Modell der bastionierten Sternschanze von Neuenweg. 
 
 
 
Luftbild Erich Meyer (Hasel)
 
Winterlicher "Hau" mit Redoute und Sternschanze mit gut ausgeprägten Winkelstrukturen.
 
 

Beispiel: Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt auf S. 293: „Zu der Sternschanze gibt es als Bestandteil der 1695-1697 errichteten Eppinger Linie auf dem Sauberg bei Ötisheim einen „Zwilling“. Diese Feststellung bedarf einer Korrektur. Über das Geoportal BW habe ich deshalb die beiden Objekte als LiDAR-Aufnahmen (siehe unten) ausgewählt, wobei der Betrachter sofort feststellt, dass die Sauberg-Schanze keinen zusätzlichen Ring von aus- und einspringenden Winkel besitzt, also eine simple Sternschanze ist. Aber gerade dieser „kleine“ Unterschied ist ausschlaggebend, da nämlich das System der zusätzlich Ring von aus- und einspringenden Winkeln d a s  typische Merkmal und Erkennungszeichen der französischen Fortifikationsmanier im Festungswesen ist. Die Sauberg-Schanze ist als Sternschanze somit absolut kein Zwilling, sondern eben auch ein Solitär. So wie die Sternschanze von Böllen ebenso eine absolute Rarität, nicht nur im Gebiet der Vorderen Linie, bleibt. Und  jedoch nicht Bestandteil derselben ist. Das LAD sollte keine kostbaren solitären Bodendenkmäler durch solche fragwürdigen und vor allem nichtzutreffenden „Zwillings“-Vergleichen entwerten.

 
 
 
 

Illustration aus: Partie des Forces de L `Europe .1691 von Nicolas de Fer 1646 - 1720, Verlag: Nicolas de Fer 1646 - 1720, 1720 (Sammlung Werner Störk).

 
Vaubans Spezialität und Erkennungsmerkmal: die Sternschanze mit zusätzlichen ein- und ausspringenden Winkeln zu versehen -
Voraussetzung für eine optimale Rundumverteidigung ohne tote Winkel und effektiven gegenseitigem Flankenschutz..
 
 
 
 
Quelle: Geoportal BW plus LiDAR
 
Links: die große Sternschanze auf dem Sauberg ohne bastioniertes System, rechts: die Sternschanze auf dem Hau mit Bastionen.
 
Beispiel: Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt auf S. 293: „Zu der Sternschanze gibt es als Bestandteil der 1695-1697 errichteten Eppinger Linie auf dem Sauberg bei Ötisheim einen „Zwilling“. Diese Feststellung bedarf einer weiteren Korrektur. Wobei die Sternschanze auf dem Hau-Pass nicht nur an der konfessionell-territorialen „Außen“-Grenze zwischen der evangelisch-baden-durlachischen Markgrafschaft und dem katholisch-habsburgisch-vorderösterreichischen Reichsgebiet liegt, sondern ihre östlichste Winkelspitze „touchiert“ provokant direkt das Reichsgebiet. Gleichzeitig zeigt sie als Sternschanze – auch das scheint der Autor nicht zu berücksichtigen – eine völlig andere Defension wie die einer Linien-Schanze – in diesem Fall z. B. die gegenüberliegende Redoute. Die Sternschanze besitzt eine 360-Rundumverteidigung ohne tote Winkel und ist als Solitär ausgelegt. Also ganz das Gegenteil einer Linienschanze. So schreibt Dr. Balliet (Colmar, F), exzellenter Vauban-Kenner und Festungsspezialist zur Sternschanze von Neuenweg „…eine solche aufwändige Schanzarbeit gehört mehr zu den „halbständigen Befestigungen“ als zu der Familie der Feldbefestigungen (wie z.B. die gegenüberliegende Redoute) ...es handelt sich hier nicht mehr um Feldbefestigungen (franz. Fortification de campagne, passagère ou du moment) sondern um aufwändigere Werken die als „halbständige“ bzw. „semipermanente“ Befestigungen bezeichnet werden können (franz. Fortification semi-permanente). Diese wurden naturgemäß als Erdbefestigungen ausgeführt.“ Und schließt seine Einschätzung als ausgewiesener Experte ab: „Die Sternschanze von Neuenweg ist eine absolute Rarität!“
 
 
 
Sammlung & Copyright Werner Störk  
 
Deutungshoheit des LAD: Das sind favorisierte "Zwillinge" - links die einfache Sternschanze auf dem Sauberg,
rechts die bastionierte Sternschanze auf dem Hau ...
 
 
 
 
Luftaufnahme Erich-Meyer (Hasel) Sammlung Werner Störk 
 
Der fortifizierte Hau-Pass mit Grenzlinie (blau), separatem Zugang der Sternschanze (rot), Kommunikationslinie (gelb),
Rautenschanze (orange, siehe unten) und zweiter Redoute (hellgrün) auf Reichsterritorium.
 
 
 Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
 
Drei wichtige Pass- und Durchgangssicherungen der Vorderen Linie: Muggenbrunn, Neuenweg und Wiedner Eck.
 
 
 
 Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
 
Wieden und Neuenweg: auffallende rautenförmige Schanzanlagen, die direkt auf der zu sichernden Wegeverbindung liegen
 
 
 
Quelle: Geoportal BW, Grafik Werner Störk
 
Die Rautenform bildet sich heute noch im Flurbild nahezu 1:1. ab - und ist - bezogen auf das Umfeld - so exakt eingeregelt ein absolutes Unikat.
 
 
 
 
Luftbild von 1968 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899
Freigabe am 06.02.2017 durch Luftbildstelle des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg Stuttgart ©
Archiv & Sammlung Werner Störk 2017     
 
Die Auswertung und Interpretation historischer Luftbildaufnahmen (1968) sind wichtige Bestandteile unserer Arbeit: Der Hau-Pass mit der Sternschanze (rot),
der Redoute auf markgräflichem Gebiet (gelb) sowie den beiden Schanzen auf Reichsterritorium (hellgrün/blau).
 
 
 
 
Luftbild von 1968 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899  Freigabe
am 06.02.2017 durch Luftbildstelle des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg Stuttgart ©
Archiv & Sammlung Werner Störk 2017      
 

Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt auf S. 293: „Der Pass von Neuenweg wird von zwei Schanzen eingefasst...“. Diese Feststellung bedarf einer Korrektur. Dazu nur die Auswertung eines Kriegsluftbild der US-Luftwaffe (Ausschnitt siehe oben) von 1945 - das auch ihm zur Verfügung gestellt wurde - mit erkennbarem Redoute-Grundriß  auf der östlichen Kuppe (Reichsgebiet). Die Redoute auf dem markgräflichen Gebiet (hellgrün) mit erkennbarer Kommunikationslinie (orange) - im Gelände auch heute noch gut sichtbar - fehlt in den mir bekannten LAD-Inventarisierungen. Damit wird auch das Gesamtensemble sowie die archäologische Gesamtheit entwertet: auf dem Hau sicherten insgesamt fünf Schanzen (mit Holderkopf)  - sicherlich nicht zeitgleich - diesen Passübergang.

 
 
 
Quelle Geoportal BW
 
Westliche (markgräfliches Territorium) und östliche Redoute (Reichsterritorium).
 
 
 
Quelle Geoportal BW, Grafik © Werner Störk 2021
 
Klar erkennbare (z. T. auch so in das Gewanngefüge aufgenommene Flurlinienführung) und auch fortifikatorisch eindeutig zuweisbare Kommunikationslinien von und zu  den Schanzanlagen (keine landwirtschaftlichen Nutzungsspuren. Eine Arbeitshypothese weist der östlichen Redoute möglicherweise die Funktion der ersten Reichs-Sicherung der Passhöhe auf dem Hau zu, auch um den Bau der Linie zu schützen. Sie ist daher auch auf dem Reichsterritorium angesiedelt und nicht, wie dann die Linie selbst (bezogen auf die Passhöhe), auf markgräflichen Gebiet.
 
Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt auf S. 90:   Abb.11: "Die Sternschanze bei Neuenweg dürfte um 1695 erbaut worden sein". Diese Feststellung bedarf einer Korrektur. Man könnte die mögliche  Altersbestimmung wie folgt einordnen: älteste Anlage die französische Sternschanze - einzig bastionierte Sternschanze im Bereich der Vorderen Linie und im Südschwarzwald - und nicht Bestandteil der Linie (um 1672), darauf folgt die östliche Redoute zur Sicherung der Baumaßnahmen der Linie, nun die westliche Redoute (bestand schon 1701) und zum Schluss dazu die Holderschanze, um auch die Westflanke optimal zu sichern. Die rautenförmige Schanze wird auf der Karte von 1701 bereits aufgeführt. Dass die Holderschanze nach 1701 eingerichtet wurde, geht aus der Karte von 1701 hervor - vermutlich aber auch deshalb, da sich in dieser Zeit die Angriffsrouten der Franzosen änderten und nun direkt von Hüningen aus über das Kleine Wiesental bzw. von Neuenburg kommend, nicht mehr über das Eck und den Hau, sondern durch das Klemmbachtal und dann hoch über die zwei Bacheinschnitte bei der Steinihöff-Wüstung bzw. Rehgraben angriffen.
 
 
 
Quelle Geoportal BW
 
 
Quelle Geoportal BW Grafik Werner Störk 2021
 
Die Gewanneinteilung folgt den historischen Fortifikationspuren und spiegelt sich so noch im heutigen Flurbild (teilweise ergänzt).
 
 
 
Quelle Geoportal BW LiDAR
 
Kartenausschnitt wie oben.- deutliche Bodenspuren der Reichs-Redoute mit Anbindungen.
 
 
 
 
Die Sternschanze auf dem Hau hat absolut keinen Zwilling und ist ein echtes Unikat (Luftaufnahme Erich Meyer, Hasel).
 

Die Sternschanze ist eben keineswegs – wie bislang auch von vielen Experten (auch von uns lange) so angenommen – ein ursprünglicher Bestandteil der Vorderen Linie. Sie war aber eindeutig – entsprechend ihrer Form – taktisch als solitäre 360–Grad–Rundum–Verteidigungsanlage konzipiert. Was sich auch am einzigen, im Gelände sogar gut erkennbaren ursprünglichen Zugang zeigt, der sich überhaupt nicht am Verlauf der Linie orientiert. Die scheinbare Anbindung an den rechts an ihr vorbeilaufenden Grenzweg war somit keinesfalls ursprünglicher Teil und damit auch kein geplantes Element der Linie. Es war einzig und allein die räumliche Konsequenz aus der Tatsache, dass die einstigen Bauherren ihre Sternschanze nicht nur so provokant nahe an der Territorialgrenze Vorderösterreichs anlehnten, sondern sie – was für ein Affront – direkt touchieren ließen. Dass man beim späteren Bau der Linie den einstigen Zugang nicht auch als Laufgraben integriert fortführte und damit die Sternschanze wirklich strategisch effektiv in die Linie eingebunden hätte, zeigt, dass diese Schanze ganz bewusst von der neuen Linienführung ausgeschlossen wurde. Lediglich auf Grund ihrer unmittelbaren räumlichen Nähe musste sie angebunden werden, um den eigenen Verteidigungswert der Linie nicht zu gefährden. Da die tatsächliche territoriale Grenze zwischen der Markgrafschaft und dem Reichsgebiet nun so nah an der Sternschanze vorbeiführte, führte dazu, dass man auch das unmittelbare Schanzenareal der Sternschanze anschnitt . Dabei wurde die östlichste Sternspitze durch den späteren Grenzweg so geöffnet, dass ein Angreifer ungehinderten Zugang zum Innern der Anlage erhielt. Damit hätte man, wäre diese Sternschanze wirklich fester Bestandteil der Linie gewesen, deren Verteidigungswert sinngemäß selbst geschleift.

 
Im Gegensatz dazu fällt eben jetzt auch auf, dass beim Bau der gegenüberliegenden Redoute erkennbar schon mit der Planung ein ausreichender, auch militärisch optimal zur Verteidigung nutzbarer Abstand entlang der Grenzlinie eingehalten wurde. Wobei noch ergänzend erwähnt werden muss, dass die Verlagerung der Redoute auf die Kuppe auf der markgräflichen Landesseite auch deshalb notwendig wurde, da man nur von diesem Geländepunkt aus auch eine Talübersicht über Neuenweg sowie auf das Eck hatte. Damit lag – strategisch gesehen – das Hauptgewicht einer möglichen Verteidigung des Hau-Passes nicht – wie bislang angenommen – auf der nördlichen Seite der Sternschanze, sondern primär auf der südlichen Seite der eben nicht älteren, sondern ganz im Gegenteil, eben jüngeren Redoute, bis sich das taktische Gewicht ganz zugunsten der Holderschanze verschob. Bezogen auf alle von uns untersuchten Anlagen – einschließlich der Anlagen der Eppinger Linie (Sauschanze) – hat die Sternschanze von Neuenweg eine absolute Sonderstellung: sei es die extreme Grenzlage, sei es die ausgeprägte Form, die solide Ausführung und der ausgezeichnete archäologische Zustand. Alles zusammen genommen ein echtes Alleinstellungsmerkmal eines absoluten Solitärs. Mit ihren noch gut erkennbaren aus- und einspringenden Winkeln  – welche die Einzelecken des ganzen Sterns bilden - wie man sie eigentlich nur beim bastionären System bei gemauerten Festungen kennt - ist sie in dieser Form das bislang einzig bekannte und vor allem auch archäologisch so gut erhaltene Erdwerk.
 
 
 
(Sammlung Werner Störk)
 
Die Sternschanze auf dem Hau ist auch deshalb so wertvoll, da sie in komplex gebauter Mikroform und als reines Erdwerk die Fortifikationsbasis für die großen gemauerten Festungsanlagen von Vauban bildet, wie z. B. die Zitadelle von Lille - nur eine von vielen "ausgebauten Sternschanzen", die im Kern aber nichts anderes sind als "einfache" Sternschanzen mit zusätzlichen ringförmig angeordneten Bastionen.
 
 
 
 
(Sammlung Werner Störk)
 
Sternschanze ohne und mit kleinen (rot) und großen Bastionen (blau).
 
 
 

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Citadelle_de_Lille?uselang=de#/media/File:Grondplan_citadel_Lille.JPG

 
Plan der Festungszitadelle von Lille (Frankreich).
 
 
Prüffall Holderschanze von Neuenweg/Böllen (Landkreis Lörrach).
 
 
 
Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe: Plan Nr. II über die Lands-Grenz-Steine, Linien und Winckel von Nr. 63 bis 124 Österreichischer Seits Vogtei Schoenau mit denen Ortschaften Schoeneberg, Oberboellen, Niederboellen, Heidfloehe und Wembach, Baadischer Seits die Ortschaften Neuenweeg und Bürchau angrenzend. Grenzkarte wie Nr. 43 , entgegengesetzte Orientierung, Schraffen, außerhalb der Karte Neuenweg mit stilisierter Kirchenansicht markiert. Legende.1790 
 
Warum die Sternschanze und die Holderschanze nicht zusammengehören.
 
 
Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe: Plan Nr. II über die Lands-Grenz-Steine, Linien und Winckel von Nr. 63 bis 124 Österreichischer Seits Vogtei Schoenau mit denen Ortschaften Schoeneberg, Oberboellen, Niederboellen, Heidfloehe und Wembach, Baadischer Seits die Ortschaften Neuenweeg und Bürchau angrenzend. Grenzkarte wie Nr. 43 , entgegengesetzte Orientierung, Schraffen, außerhalb der Karte Neuenweg mit stilisierter Kirchenansicht markiert. Legende.1790 
 

Abgesehen von der nicht korrekten Darstellung der Sternschanze - mit vier anstatt fünf ausspringenden Winkeln - fällt bei dieser Karte eben auch auf, dass es keine Linienfortführung nördlich (links) der Sternschanze gibt - also keine komplette Pass-Sicherung. Während die südliche Seite bis zum Holderkopf und darüber hinaus zentral abgeriegelt wird, ist die nördliche Flanke offen. So würde man niemals eine Linienführung umsetzen, da ein wesentlicher Teil der Pass-Sicherung nicht gegeben ist. Auch solche Überlegungen sprechen dagegen, dass die Sternschanz im Rahmen der Linienverschanzung entstanden sei. Das widerspricht nicht nur den fortifikatorischen Grundsätzen sondern auch der archäologisch noch erkennbaren Linienführung auf der Südseite des Passes. Hier handelt es sich tatsächlich um eine durchdachte Pass-Sicherung, die das Angriffspotential optimal abfängt und so die Passhöhen (Hau und Holderkopf) effektiv und optimal schützt. Gleichzeitig macht diese Linienführung aber auch deutlich, dass es im Kern nicht um die Pass-Sicherung des Hau´s ging, sondern um die Aufstiegsrouten vom Rehgraben und vom Steinihöff-Areal her. Was das LAD und Dr. Bertram Haasis-Berner hier vertreten, entbehrt jeder faktischen Überlegung angesichts der praxisnahen Erfahrungen im Bereich der Vorderen Linie. Dazu zählt u.a. auch die durchgehende Pass-Sicherung mit beidseitig gleichzeitig und gleichartig errichteten Schanzanlagen bzw. den entsprechend der örtlichen Begebenheiten möglichen Schanzformen. So hätte man auf dem Hau  z. B. entsprechend der Pass-Sicherung in Wieden - eben zwei gleichartige, schnell zu errichtende Redouten im quadratischen Stil als Ensemble installiert - eben die südliche Hau-Redoute auch auf der nördlichen Seite gespiegelt. Warum anstatt dessen - obwohl man unter großen Zeitdruck, Ressourcen- und Geldmangel litt, ein so komplexes und kompliziertes fortifikatorisches Kleinkunstwerk ohne jeglichen Anbindung an die Linie zu konstruieren. Aber die Deutungshoheit des LAD und dessen favorisierten Meinungen erschlagen jede Form von fachlichem Diskurs und wissenschaftlicher Redlichkeit.

 
 
 
Quelle Geoportal BW kombinierte LiDAR 2021 Grafik Werner Störk
 
Die Sternschanze besitzt einen eigene Zugang (gelb) vom und zum Pass. Sie touchiert provokativ die Grenzlinie zum Reich, liegt aber zum größten Teil auf dem (militärisch entblößten und völlig schutzlosen) markgräflichen Territorium. Wäre sie als reine Linienschanze konzipiert gewesen - an sich als Sternschanze fortifikatorisch und strategisch schon ein Unding - wäre sie an eine feste Linie an- oder gar eingebunden worden. So wie die Linien-Redoute auf der Südseite eben fest in der Linie verbaut war. Diese von der Sternschanze zwangsläufig fortführende Grabenlinie (wie bei der südlichen Linien-Redoute hoch zum Holderkopf) fehlt komplett und ist weder im Gelände noch auf Lidar oder alten Luftaufnahmen nachweisbar. Als Linienschanze wäre sie einfach im Norden (blauer Pfeil) weiträumig umgangen worden - schon allein deshalb ist die vom Autor aufgestellte These als bewusst eingebauter Teil und Bestandelement der Linie wenig überzeugend. Während die südliche Redoute in ein festen Netz von Kommunikationslinien und Laufgräben eingebunden ist, fehlt dies an der Sternschanze: sie war und ist eben ein Solitär, eine Einzelelement, losgelöst von jeder Linie. Da sie bereits vorhanden war, hat man sie als zusätzliches Pass-Sicherung integriert - jedoch nicht als bewusst neu gebautes Fortifkationselement der Linie. Zudem deutet alles daraufhin, dass man mit der Errichtung der Linie auf dem Hau und Holderkopf primär eine militärische effektive Antwort auf die neuen Ausweich- und Angriffsrouten der Franzosen finden wollte, welche die zwei stark gesicherten Passübergänge: das westliche Eck und dien östlichen Hau bewusst umgingen.
 
 
 
Quelle Geoportal BW kombinierte LiDAR 2021 Grafik Werner Störk
 
Mit dem Bau der Holder-Linien-Verschanzung wollte man nicht den Hau-Pass zusätzlich sichern, sondern eine zusätzliche Sicherung der südlichen Holderkopf-Übergänge erreichen. Deren westliche Bacheinschnitte über den Steinihöff-Graben und den Rehgraben waren für die Franzosen ideale Aufstiegsrouten (rot) mit jeweils leichten Abstiegen in Richtung Wembach und Schönau - als dem eigentlichen Angriffsziel auf Reichsterritorium. Eine Linienverschanzung allein hätte jedoch eine Angriffswelle der Franzosen nicht effektiv aufhalten können, da sie keine vorgelagerten und auch keine rückwärtigen Angriffs- bzw. Rückzugszonen (blau, siehe nachfolgende Fotos) in der Tiefe aufweisen konnte. Erst durch die Einrichtung der vorgelagerten und rückwärtigen Linienelemente war eine funktionsfähige und erfolgreiche Verteidigung möglich. Da ist das LAD-Argument, die Holderschanze sei "keine flächige Schanz-Anlage" natürlich weder militärisch-taktisch noch fortifikatorisch, noch und vor allem auch durch die archäologische Befundsituation haltbar.
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Relikte der ersten Verteidigungslinie vor dem Graben (1).
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Relikte (keine Lesesteinhaufen!) der ersten Verteidigungslinie vor dem Graben (2) .
 
 
 
Quelle Geoportal BW kombiniertes LiDAR. Grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Die französischen Alternativrouten zur Umgehung von Eck und Hau - und die Gegenmaßnahmen des Reichs mit der
Schanze oberhalb des Klemmbachtals und der Holderschanze.
 
Gleichzeitig wird aber auch klar, dass die primäre Verteidigungssitutation - d. h. die zu erwartenden erste Feindberührung (unten, weiße Vierecke) - nicht im Norden auf der Passhöhe, sondern eben am südlichen Punkt der Holderschanze lag. Dies wird auch durch die Anlage des Blockhauses am nördlichen Punkt der Holderschanze strategisch unterstrichen. Auch die Anlage der Redoute oberhalb der Passhöhe mit einem sehr schnellen Kommunikationslinie zum Holderkopf belegt dies. Dies gewährleistete die optimale Kontrolle des Passes sowie die schnelle Zuführung von zusätzliche Kräften der Verteidiger auf dem Holderkopf. Bei einem möglichen Überrennen der dortigen Verteidigungslinie wäre die Pass-Redoute ein wichtiger Rückzugspunkt geworden, der selbst eben  nicht im unmittelbaren Zentrum des Kampfgeschehens lag. Eine genaue Analyse der Anlage macht aber auch deutlich, warum gerade die südlichen Verteidigungsstellungen nicht vom LAD wahrgenommen wurden - sie dehnen sich eben weiter nach Osten in die Planungsfläche von WEA 1 aus wie anfänglich skizziert, Und sind keineswegs "Grenzrelikte" einer festen Grenzlinie, die es damals beim Bau der Linie so noch nicht gab. Die gezielt gerodeten "rasierten" Flächen waren grundsätzlich für den Glacis-Bereich wichtig, um ungehindertes, freies Schussfeld zu erhalten, aber auch um  Angreifern jede Deckungsmöglichkeit zu nehmen bzw. ein unbemerktes Anschleichen zu ermöglichen. Wir wissen aus Neuenweg, dass sich die später erfolgte Flureinteilung sehr stark an den noch bestehenden Landmarken der Schanz- und Wallanlagen orientierten, da es zum großen Teil "unverrückbare Landmarken" und damit ideale Vermessungsfixpunkte waren. Wir sehen auch in der Grenzziehung zwischen Neuenweg und Böllen diese "Blaupausen".
 
 
 
 
Quelle: © Google Maps, Bilder © 2016 DigitalGlobe, Kartendaten © 2016 GeoBasis-DE/BKG (© 2009),Google ©  2017
Grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2018 

Diese Grafik macht schnell klar, dass - ohne die zusätzlich zu den markanten Grabenlinien eingerichteten und deutlich vorgeschobenen ersten Verteidigungslinien (rot) - eine effektive Musketen-Bestreichung (gelbe Kurzlinien ca. 100 Meter) der Rückzugs- und Hauptverteidigungslinie (durchgezogene gelbe Linie) nicht möglich gewesen wäre. Und sich ein Angreifer ohne Risiko direkt vor der Schanzlinie hätte sammeln und formieren (weiße Rahmen) können, um so einen breit angelegten Angriff in die Fläche wie auch in die Tiefe erfolgreich zu führen. Die Schanze wäre überrannt worden, da dies die linienformal ausgerichtete Musketenbestreichung nicht verhindert hätte. Erst der starke Ausbau der vorgelagerten "Bastion" (drei Terrassen) im Süden und Südwesten sowie die ersten westlichen Verteidigungslinien haben eine erfolgreichen Abwehr (orange Kurzlinien, ca. 100 Meter) gewährleistet: der Angreifer konnte sich nach dem Mann-hinter-Mann-Aufstieg nicht in der Breite - also Linie - aufstellen, sondern geriet bereits beim Heraustreten aus der Waldeckung unter relativ treffsicheren Bestreichung (also innerhalb der 100-Meter-Distanz). Gleichzeitig ermöglichten die sich gegenüberliegenden südlichen Stellungen - jeweils an den Enden (gelbe Pfeile) des großen Sperrgrabens -  den anstürmenden Feind ins Kreuzfeuer zu nehmen. Um das komplexe Zusammenspiel der einzelnen Fortifikationselemente der Holderschanze zu verstehen, ist - auch als ausgesprochener Pazifist (wer Kriege verhindern möchte, muss wissen, welche Faktoren sie auslösen können) , aber faktenorientierter Fortifikationskenner - das konkrete Wissen um die technische und fortifikatorische Entwicklung des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts genauso wichtig wie die Kenntnis  von Taktik und Strategie jener Epoche. Lässt man dieses Wissen außen vor, kommt es zu  fachlichen Fehleinschätzungen - mit sehr nachteiligen Folgen für die archäologischen Objekte - wie man am Beispiel der Holderschanze nachdrücklich vorgeführt bekommt

 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Das Zusammenspiel der Fortifikations-Eck-Punkte: Holderschanze (rot), Hau-Pass-Sicherung (gelb), Eck-Pass-Sicherung (blau),
 Schlossboden (grau)  und Schänzle (orange).
 
 
 
Quelle Google Earth 
 
Archäologisch stand die längste Zeit immer der Hau (linke Bildhälfte) mit der dominanten Sternschanze und der gegenüberliegenden Redoute im Vordergrund der Forschungen. Dabei ist das westlich gegenüberliegende Eck strategisch genauso wichtig und militärisch genauso relevant - was aber bis heute immer wieder gerne "übersehen" wird. Wobei die gesamte Ostflanke vom Eck fortifikatorisch eng besetzt und massiv verbaut wurde. Nur wer beide Pässe besetzt halten konnte, hatte frei Angriffs - und gedeckte Rückzugsmöglichkeiten ins Reichsgebiet nach Schönau. Oder konnte sich nur so als Schutzmacht der evangelischen Wüstgläubigen der Markgrafschaft aufstellen - wie z. B. im Dreissigjährigen Krieg die Schweden.
 
 
 
Quelle Google Earth
 
In Blickrichtung Westen: im Vordergrund der Hau, Neuenweg im Tal und dann der Eck-Pass mit dem Schlossboden (rechts) und dem Spitzkopf (links). 
 
 
 
Quelle Google Earth
 
In Blickrichtung Osten Schönau im Großen Wiesental - nach Süden (Bildmitte) ziehend das Kleine Wiesental.
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Schönau (rot), Holderschanze (gelb), Hau (orange), Schänzle (weiß) zur Beobachtung der Ausweichroute der Franzosen und den Weg zum Holderkopf,
 Eck (blau) und Schlossboden (hellgrün).
 
 
 
Quelle Google Earth
 
In Blickrichtung Nordosten - Neuenweg und Böllen und Hau und Eck, als "Einfallstor ins Reich".
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Holderschanze (rot), Hau (gelb), Eck (orange) und Schlossboden (blau).
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW
 
Eck, Schlossboden und Neuenweg. 
 

Wie wichtig die schnelle Inventarisierung ist und damit überhaupt erst auch die Möglichkeit, auch mit anderen Behörden wie z. B. dem Forst rechtzeitig und vollumfänglich denkmalschutzrechtliche Hinweise zu kommunizieren, zeigte bereits schon der „Fall Raitbach". Die Ergebnisse unserer Forschungsarbeiten auf dem Eck wurden am 04.03.2017 dem LAD RP Freiburg detailliert mitgeteilt. „Die Felderkundungsarbeiten begannen im Februar 2016 und dauerten bis Februar 2017. Für den Gesamtbereich Neuenweg stehen aktuell 1.200 Fotos und Grafiken im Netz - basierend auf 32 Web-Sonderseiten.“ Das komplette Sonderseitenarchiv wurde gleich mitgeliefert. Am 20.02.2020 teilte mir das LAD RP Stuttgart jedoch mit „insbesondere westlich von Neuenweg viele Einträge (sind), deren archäologische Existenz und Relevanz derzeit völlig unklar sind.  Also offensichtlich unsere Hinweise über drei Jahre noch nicht aufgearbeitet und ggfs. dann inventarisiert wurden. Dies unterstreicht die Bedeutung vor allem auch der personelle Ausstattung dieses Bereiches, wo gerade hier eine personelle Kontinuität wichtig ist – da sonst wertvolle ehrenamtliche Arbeit im wahrsten Sinne verloren geht. Wobei der dadurch nicht bestehende Bestandsschutz von Bodendenkmälern wesentlich schwerer wiegt, da eine nicht erfolgte "Markierung" bei geplanten Baumaßnahmen oder Forsteingriffen keine aussagekräftige Datenbasis bietet und damit auch keine möglichen Schutzmaßnahmen. Der Fall Raitbach ist in unserem Raum lediglich publikes archäologisches Beispiel - während die meisten Bodendenkmäler auf diese Weise einfach spur- und lautlos verschwinden.

 
 
 
 
Quelle Geoportal BW, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Die gesamte Ostflanke bis hoch auf den Schlossboden weist noch gut erkennbare Bodenspuren der einstigen Fortifikation auf.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW 
 
LiDAR-Übersicht.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW 
 
Detaillierte Abgleiche mit den historischen Gemarkungsplänen belegen eindrücklich, wie sehr sich die Gewanneinteilung an den historischen
Fortifikationslinien als unverrückbare Landmarken und dadurch ideale weil feste Vermessungspunkte orientierten.
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Blick auf den Spitzkopf mit bewachsener Eck-Redoute, Kommunikations- und Grabenlinien. 
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Blick auf den Schlossboden - links gut erkennbar die Kommunikations- und Grabenlinie, die sich über die Straße hinweg bergauf zieht.. 
 
 
 

Google-Earth & Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Redoute mit Wallgraben.
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
In Blickrichtung Westen zur Sirnitz - Anmarschroute der Franzosen. Im Vordergrund der querlaufende Wallgraben,
der sich als massiver Sperrriegel über den gesamten Pass hinzog.
 
 
 

Google Earth & Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Im Vordergrund der von Süd nach Nord laufende Sperrriegel, im Hintergrund am Waldrand der von Ost nach West hangabwärts laufende Riegel.
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Das Haus steht auf dem direkt auf der Pass-Straße liegenden Schanzenkorpus einer Redoute. 
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Umfangreiche Wall-Graben-Systeme erschließen den gesamten Ostflankenbereich des Ecks
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Entlang der heutigen Waldgrenze finden sich gleich mehrfach Geschützstellungen. 
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Ausgedehnte Wall-Grabe-Systeme - teilweise wohl auch mit Palisaden - überziehen die Ostflanke des Ecks
 
 
 
Quelle Google Earth
 
In Blickrichtung Süden: die Ostflanke und Passhöhe des Ecks,
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Die multiepochalen, multifunktionalen und multinationalen Fortifikationsspuren auf dem Eck und zum Eck -
arbeitshypothetisch mindestens zwei unterschiedliche Epochen und Funktionen.
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Einstieg in das Klemmbachtal (gelb), Aufstiegsrouten Steinihöff (blau) und Rehgraben (hellgrün), starke Sicherung vom Eck-Pass )grün) und vom
Hau-
Pass (orange), Holderschanze (roter Pfeil),wichtiger Übergangspunkt (weiß) in Richtung Schönau (Einmündung des Wildböllenbaches).
 
 
 
Quelle Google Earth
 
Topografischer Gesamtüberblick über den Holderkopf und das Kleine Wiesental mit Neuenweg.
 
 
 
Quelle Google Earth
 
Die exponierte Kamm- und Waldrandlage bietet bei Sturm- und Orkanlagen extreme Angriffsflächen mit entsprechenden Schadensbildern.
Ein Eingriff an der Stelle der Holderschanze würde diese Gefahr potenzieren und zur Vernichtung des Schanzenareals führen.
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Die exponierte Lage der Holderschanze.
 
 
 
Quelle Google
 
Diese zwei hervorstechenden Waldstücke, die auffällig in die Weidwiese hineinragen, gehören mit archäologischen Befunden (u.a. Fortführung der Grabenlinie)
arealmäßig eindeutig zur Holderschanze und fehlen bei der LAD-Inventarisierung (siehe unten).
 
 
 

Grundlage DG 1 : 5.0000, LA-Inventarisierungs-LiDAR, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 

In der Inventarisierung sind lediglich die kurze südliche Verlängerung neu aufgenommen worden, jedoch die archäologische Befunde vor und hinter der Graben-Linie (rote Kreise) genauso wenig wie die noch südlicher sich anschließenden Befestigungspunkte. So wurde auch der obige Inventarisierung-LiDAR-Scan an die EWS weitergeleitet, wovon ich mich anlässlich einer gemeinsamen EWS-Begehung selbst überzeugen konnte.
 
 
 
Quelle Geoportal BW Kombination LiDAR. Grafische Nachgestaltung Werner Störk 2021
 
Auch auf dem LiDAR sind die einzelnen archäologischen Spuren gut zu erkennen - sie fehlen in der mir bekannten LAD-Inventarisierung.
 
Auch auf dem LiDAR sind die einzelnen archäologischen Spuren gut zu erkennen - sie fehlen in der mir bekannten LAD-Inventarisierung. Dies mag für den Außenstehenden kleinlich und zu vernachlässigen sein, in der fortifikatorischen Bedeutung ist jedoch jedes Detail wichtig, um die Funktionen und Funktionalität einer solche komplexen Defensivanlage richtig zuzuweisen. Gleichzeitig wird sie durch das Weglassen oder "Übersehen" solcher Details auch als Ensemble und Gesamtheit entwertet, da sie mittels favorisierter Selektion in ihrer Bedeutung gemindert wird und somit leichter "aufgegeben" werden kann.
 
 
 
Quelle Google Earth. Grafische Nachgestaltung Werner Störk 2021
 
Diese Bild zeigt die zu prüfenden Objekte vor dem Graben.
 
 
 
Quelle Geoportal BW. Grafische Nachgestaltung Werner Störk 2021
 
Diese Bild zeigt die zu prüfenden Objekte vor und hinter dem Graben.
 
 
 
Luftbild von 1968 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899
Freigabe am 06.02.2017 durch Luftbildstelle des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg Stuttgart ©
Archiv & Sammlung Werner Störk 2017      
 
Auch das Luftbild von 1968 weist auf gut erkennbare Bodenanomalien vor und hinter der Grabenstruktur hin.
 
 
 
Quelle Geoportal BW LiDAR. Grafische Nachgestaltung Werner Störk 2021
 
Natürlich ist es fraglos ein Vorteil, wenn man die jeweiligen Bodenspuren real und am besten bei tiefstehender Abendsonne oder bei Neuschnee besuchen kann. Dennoch: man muss nicht unbedingt im Gelände Vorort gewesen sein - auch die LiDAR-Scans, Satellitenbilder und Luftaufnahmen lassen die deutlichen Auffälligkeiten vor und hinter dem großen Sperr- und Wallgraben erkennen, ohne dass man über ein archäologisch geschultes Auge verfügen muss. Das praxisnahe und vergleichende Wissen über die Fortifikation im Barock - speziell der Vorderen Linie - ist dann jedoch für eine fachgerechte Interpretation sehr hilfreich.
 
 
Quelle Geoportal BW LiDAR. Grafische Nachgestaltung Werner Störk 2021
 
Im Süden schließen sich an den großen Graben noch weitere, dazugehörende archäologischen Spuren an, welche die Frage: Henne oder Ei wiederbeleben -
orientierte sich die Grenzziehung an bestehenden Fortifikationsspuren oder handelt es sich um reine, spätere Grenzmauern?
 
 
 
Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe: Plan Nr. II über die Lands-Grenz-Steine, Linien und Winckel von Nr. 63 bis 124 Österreichischer Seits Vogtei Schoenau mit denen Ortschaften Schoeneberg, Oberboellen, Niederboellen, Heidfloehe und Wembach, Baadischer Seits die Ortschaften Neuenweeg und Bürchau angrenzend. Grenzkarte wie Nr. 43 , entgegengesetzte Orientierung, Schraffen, außerhalb der Karte Neuenweg mit stilisierter Kirchenansicht markiert. Legende.1790 
 
Die Karte von 1790 zeigt auch, wie sich der Waldbestand völlig verändert hat: damals - und wohl auch um 1700 - lag das gesamte Areal der Holderschanze im Freien und der obere waldfreie Bereich der Aufstiegsrinne vom Steinihöff-Gelände reichte weit nach Osten - ebenso wie das gesamte waldfreie Areal. Der heutige Wald beherrscht das Gebiet des auffallenden Winkels entlang der Grenzlinie. Das Blockhaus wurde relativ genau in der Mitte der Gesamtanlage errichtet, um so zu beiden Seiten schnell den jeweiligen Angriffspunkt verteidigen bzw. die dortigen Kräfte verstärken zu können..
 
 
 
 
Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe: Plan Nr. II über die Lands-Grenz-Steine, Linien und Winckel von Nr. 63 bis 124 Österreichischer Seits Vogtei Schoenau mit denen Ortschaften Schoeneberg, Oberboellen, Niederboellen, Heidfloehe und Wembach, Baadischer Seits die Ortschaften Neuenweeg und Bürchau angrenzend. Grenzkarte wie Nr. 43 , entgegengesetzte Orientierung, Schraffen, außerhalb der Karte Neuenweg mit stilisierter Kirchenansicht markiert. Legende.1790 
 
Als Arbeitshypothese: eine Analyse der geometrischen Grundstrukturen unter besonderer Berücksichtigung von Topographie und Hydrologie lässt die Vermutung zu, dass in dem Bereich des großen Grabens der Grenzverlauf den damaligen Fortifikationsformen folgte und auch die jeweiligen Abstände zwischen Waldbereich und Weide weisen auf fortifikatorisch bedingte Mindestabstände hin, die damals durch die Reichweite eines Musketenschusses definiert wurden. So sind die jeweiligen Rückzugszonen (grün) klar erkennbar, ebenso wie die Zentren der unmittelbaren Feindberührung (Kreise). Nur so konnte man beide Aufstiegsrouten - Rehgraben im Süden und Steinihöff-Graben im Norden - optimal sichern. Ebenfalls deutlich erkennbar: die offen gehaltenen Fläche sind gezielte Rasierungen, um unliebsame Besucher frühzeitig ins Kreuzfeuer nehmen zu können.
 
 
 
Quelle Geoportal BW 2021
 
Das heutige Bild zeigt gut die beiden möglichen Aufstiegsrouten, die sich gegenüber der Einmündung des Klemmbach-Tales in das Kleine Wiesental anbieten.
 
 
Noch ein Beispiel aus der inzwischen dreijährigen Diskussion um die Holderschanze,
unmittelbar betroffen durch die EWS-Verschiebefläche der WEA 1.
 
Laut einer Stellungnahme des Landesamt für Denkmalschutz (LAD) in einem Schreiben an Landrätin Marion Dammann vom 16.07.2018 ist die Holderschanze keine flächige Schanzanlage. Das heißt für das LAD im Klartext: alle hinter der Grabenlinie, also östlich davon auf Böllener Gemarkung liegenden Flächen sind keine Bodendenkmäler, nur die Grabenlinie auf der Neuenweger Gemarkung selbst ist ein Bodendenkmal. Für mich wieder einmal mehr Beweis dafür, dass es auf der Gemarkungsseite von Böllen, dem Bauerwartungsland des WP der EWS, eben keine Bodendenkmäler geben darf – auch wenn das ganze Gelände dort sichtbar und nachweislich zur Holderschanze gehört und damit eine archäologische Einheit bildet. Mit tragfähiger Fachkompetenz und realem Denkmal-Schutz hat das schon lange nichts mehr zu tun. Leider – und sehr bedauerlich: für den Landkreis, das Kleine Wiesental, für die Kultur- und Landesgeschichte. Und damit auch für die geschichtlich gewachsenen Wurzeln unserer Region. Wer die konkrete Situation Vorort kennt, weiß, dass diese Holderschanze sehr wohl Fläche und damit eine Korpus hat, also einen umfassenden 3-dimensionalen Körper, einen regelrechten Schanzenkörper, der nicht nur dadurch entstanden ist, dass die eigentliche Linienschanze im Kuppenbereich errichtet wurde, sondern weil zusätzliche Fortifikationsmaßnahmen einen nachträglichen Aus- und Umbau mit sich brachten - welche aber vom LAD negiert und ignoriert werden. Mit dem Ziel, den WEA-Standort WEA1 für die EWS keinesfalls zu gefährden. Die Holderschanze ist für mich das exemplarisches Beispiel für eine behördliche Fehleinschätzung auf der Basis einer unvollständigen Datenbasis - die aber nicht zugegeben und so unkorrigiert von Behörde zu Behörde weitergereicht wird. Und Fakten scheut wie der Teufel das Weihwasser. Und das sogar gleich "nach mehrfachen Begehungen" wie das LAD dem Landratsamt versicherte. War wohl gerade dichter Nebel oder ein schweres Gewitter oder hüfthoher Tiefschnee...reiner Galgenhumor.
 
 

Grundlage DG 1 : 5.0000, LA-Inventarisierungs-LiDAR, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2018 

 

Links: amtliche DG-Karte 1:5000 mit eingetragener Grabenlinie (südlichster Teil des Sperrgrabens fehlt, ebenso das auffallend in das Wiesengelände hereinragende Waldstück, vergl. Google-Aufnahme unten), Mitte: die vom LAD übernommene und im Süden ergänzte Karten-Linie und exakt so an die EWS weiter übermittelten Lidar-Linie, rechts: das tatsächliche Schanzenareal mit Blockhaus, einzubeziehendes Waldstück sowie die südliche Bastion - ohne den vollständigen "Winkel" (nicht maßstäblich). Aber was meint dazu das LAD: keine flächige Schanze.... da wichtige Teile der Schanze (vergl. oben) nicht aufgenommen wurden.

 
 

Grundlage DG 1 : 5.0000, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2018 

 

Rot = Gemarkungsgrenze Neuenweg – Böllen, dunkelblau = Schanzenareal Holderschanze Neuenweg, hellblau = Schanzenareal Holderschanze Böllen, orange = das unmittelbar durch die geplante  Verschiebefläche betroffene Schanzenareal, gelb = das mittelbar durch die dafür notwendigen Rodungsarbeiten etc. betroffene Schanzenareal, grün = das verbleibende Restareal würde durch Wind- und Schneebruch innerhalb kurzer Zeit restlos verwüstet.

 
 
 
 Detail aus der offiziellen Planungskulisse © der  ENERKRAFT GmbH und der EWS 2018 mit grafischer Nachgestaltung © Archiv Werner Störk 2018  
 
Der Kartenausschnitt aus der offiziellen Planungskulisse der  ENERKRAFT GmbH und der EWS belegt die unmittelbare Gefährdung der Holderschanze.
 
 
 
 
Quelle Google Grafische Nachgestaltung  ©   Archiv Werner Störk 2018 
 

Die Grafik-Serie zeigt - im Vergleich zu den Raummaßen der Windanlagen auf dem Gersbacher Rohrenkopf  - dass die Auswirkungen der Großbaustelle auf die dann übriggebliebenen Restrelikte des jetzt homogenen Waldes sehr nachhaltig und auch zu einer weiteren - wohl völligen Zerstörung der Holderschanze beitragen würden. Selbst wenn die Verschiebefläche weiter östlich läge (wie hier im Gegensatz zur offiziellen Verschiebefläche angenommen wurde), sind negative Auswirkungen über Wind- und Schneebruch an den Zuwegungen und vor allem am dem nördlichen Baustellenbereich fast schon zwangsläufig zu befürchten. Gleichzeitig macht die Montage sichtbar, dass es einen bedeutsamen Unterschied zwischen den Verschiebungsfläche und dem tatsächliche Flächenbedarf für die Einrichtung und Betriebsführung gibt.

 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Vorgelände, Graben und Schanzkorpus.
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Blick über den Graben in Richtung Norden.
 
 
 
Grafik ©  Archiv Werner Störk 2021  (nicht maßstäblich, ohne Berme)
 
Die Grafik soll veranschaulichen, warum es keinen Sinn macht, gerade bei einer im Kuppenbereich angelegten Linearverschanzung zu argumentieren, dass dies keine flächige Schanzanlage sei. Denn schon allein dadurch, dass man eine solchen Schanzenform im Kuppenbereich (2)  wählt, macht deutlich, dass es den Fortifikationsoffizieren darum ging, eben mit einfachen Mitteln ein kompaktes Schanzenareal (und damit auch einen Schanzenkorpus) zu erhalten. Wer an einem Hang einen Graben einrichtet, der hat auf der Hangseite immer den angegrabenen Resthang als Bestandteil des ansonsten aufgeworfenen Walls. Nur in der Ebene oder auch auf freiem (planen) Feld (1) ist die klassische Linienverschanzung als lineare Graben-Wall-Struktur umsetzbar. Wobei man erfahrungsgemäß feindwärts noch einen kleineren glacisartigen Vorwall auflegt, um so die Grabentiefe zu erhöhen und das Überspringen des Grabens zu erschweren. Und auch eine solche Schanzenstruktur benötigte Raum für die dafür notwendige Infrastruktur hinter und vor der Linie - insofern ist die ganze Diskussion ob flächig oder nicht aus der Sicht der Fortifikation nicht ertragreich.
 
Noch ein paar strategisch-taktische Grundüberlegungen kurz zusammengefasst: auf dem Holderkopf mussten die Reichs- und Kreistruppen eine Linie von rund 500 Metern kontrollieren und ggfs. auch effektiv verteidigen. Dies bedeutet im Gegensatz zu einer reinen "Flächenschanze" eine hohe Beweglichkeit der Wachmannschaften entlang der Linie. Während bei einer "Flächenschanze"  lediglich ein Bereich von rund 100 x 100 Metern abgedeckt werden kann und die Verteidiger fest an dien Schanzenstandort gebunden sind, muss die Linie auf eine Länge von rund 500 Metern und einer Tiefe von 200 Metern abgedeckt werden. Dies bedeutet auch im konkreten Fall der Holderschanze erste Abfangstellungen vor der Linie sowie eine sichere Bewegungsfreiheit direkt hinter der Linie - also dem Graben. Dies wird z. B. mit einer Palisadenwand auf dem hinteren Wall erreicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde mit dem Allianzwechsel von Bayern zu Frankreich auch auf der Holderschanze die Ostseite mit einer Palisadenwand geschützt. Die Vermutung stützt sich auf die Grabenlinie, die sich östlich vom Blockhaus nach Süden zieht. In der nachfolgenden Stellungnahme habe ich nochmals die wichtigsten Punkte zusammengefasst, welche der LAD-Annahme, dass  es sich hier um keine flächige Schanzanlage handelt, widersprechen.
 
 
Aus der Stellungnahme zum Schreiben von Landrätin Marion Dammann vom 16.07.2018 zum geplanten Windpark Zeller Blauen.
 
"Eine flächige Schanzanlage zeichnet sich durch einen dreidimensionalen Schanzenkörper mit klar abgegrenzten Flächen aus, wobei der Schanzenkorpus selbst durch das Ausheben eines Wallgrabens und dem Aufwerfen und Ausformen der dort entnommenen Erde als Wall verdichtet wird. Bei einem bereits natürlich starkem Hangrelief kann die ausgehobene Erde auch teilweise zur Ausformung einer feindwärts vor dem Wallgraben erhöhten und damit künstlich versteilten Fläche genutzt werden. Dass die Holderschanze eine flächige Schanzanlage und keine primäre Linienverschanzung ist, kann man – im wahrsten Sinn des Wortes – dann gut ermessen, wenn man sich – sei es vom Norden, Westen oder auch vom Süden her dem Areal nähert. Und die tiefen Gräben auf der Nord- und Westflanke - teilweise übermannshoch – sieht. Und auch die dahinter liegenden Flächen wahrnimmt, die gemeinsam mit der Linie einen dreidimensionalen Körper bilden, der mathematisch-geometrisch wie auch räumlich natürliche Flächen beinhaltet, die exakt zuweisbar sind.
 
Um eine Schanzlinie wie die einer Linien- oder Linearschanze zu verteidigen, benötigt es natürlich auch einen Flächenbereich vor, aber vor allem hinter den Grabenlinien. Ebenso benötigt es für die Verteidiger einen weiteren Raum, also eine Fläche, auf der sie sich – hinter der Linie – geschützt aufhalten: zum Essen, Trinken oder Schlafen. Einen solchen Raum sieht das Landesamt für Denkmalpflege LAD, für die Holderschanze aber so nicht vor, da es „keine flächige Schanzanlage“ sei. Schliefen die Verteidiger in den Gräben, kämpften und verteidigten sie direkt auf bzw. in der Grabenlinie oder standen sie gar feindwärts vor den Gräben? Weil es laut LAD ja hinter der „Linie“ und deren Gräben keine fest zur Schanze gehörenden Flächen gab, es also keinen faktischen Fortifikationszusammenhang zwischen der Grabenlinie und der dahinter liegender Fläche gibt. Das heißt nun für das LAD im Klartext: alle hinter der Linie liegenden Flächen sind keine Bodendenkmäler, nur die Grabenlinie selbst ist ein Bodendenkmal.
 
Wobei sich die strategisch wichtige Frage stellt: wie konnte die Holderschanze dann auf einer Länge von rund 500 Metern effektiv verteidigt werden, wenn es wiederum „keine flächige Schanzanlage“ war. Erfahrungsgemäß und entsprechend der historisch verbürgten Quellen erfolgte die Verteidigung einer solchen Anlage stets hinter den dafür ja extra aufgeworfenen Wällen bzw. genauer ausgedrückt: auf den Wällen, denn das aufgeworfene Erdmaterial der Wallkrone erhöhte gewollt das Terrain – möglicherweise trug sie Palisaden oder Schanzkörbe und bot so dem dahinter agierenden Verteidiger zusätzlichen Sicht- und Bewegungsschutz. Aber alle Experten des LAD erklären übereinstimmend „keine flächige Schanzanlage“. Also hinter  der „Linie“ – die so auch das LAD dem EWS und dem Wirtschaftsministerium (als höchste Denkmalschutzbehörde!) übermittelt hat - denkmalmäßig nichts, keine Spuren, keine Indizien, keine Fläche, quasi terra incognita, Niemandsland – luftleerer, pardon: flächenleerer Raum – das wäre die Konsequenz aus der Aussage des LAD, dass es sich um „keine flächige Schanz-Anlage“ handelt.
 
Aber warum wurde dann hinter der „Linie“ sogar ein Blockhaus genau in jenes „flächenleere“ Areal gebaut und dieses sogar noch zusätzlich mit Wällen geschützt? Eben eine jener bewusst hinter der Linie und durch sie geschützte Rückzugsmöglichkeit – und fester, überlebenswichtiger Bereich als Bestandteil der Gesamtanlage. Und warum haben wir auf weitflächigen Arealen wieder exakt hinter der „Linie“ auffällig künstlich plane Flächen? Lag dort das Zeltlager der für eine effektive Verteidigung größere Anzahl notwendiger Infanteristen oder Grenadiere? Aber laut LAD eben „keine flächige Schanz-Anlage“ - nur die „Linie“, also die Graben-Wall-Linie. Die man hier gleich über mehrere hundert Meter dem Boden abgerungen hat, um sie wohl kampflos dem Feind zu überlassen. Denn zum Kämpfen, insbesondere zum notwendigen Verteidigen der Linie fehlte einfach die Tiefe in der Fläche, auf der man stehen und handeln konnte – würde man konsequent der Logik des LAD folgen.
Hat man sich seitens des LAD epochenmäßig wirklich mit der Fortifikation und deren Strategie vertraut gemacht, mit den Fakten und Mechanismen auseinandergesetzt, die hinter dem Bau einer solch komplexen Anlage steht? Sich ernsthaft bemüht, das filigrane Zusammenspiel zwischen den Verteidigungs- und Rückzugslinien einer Linienschanze auch nur ansatzweise zu verstehen und dann auch noch ins Gelände zu transferieren? Die Landschaft damals zu erfassen und zu begreifen, wie man die Geländestrukturen optimal einbaut und damit effektiv und defensiv nutzt? Und welche Flächen mussten zwingend vor und gerade hinter einer Linienschanze zur Verfügung stehen und fest eingebaut sein? Flächen, die ganz eindeutig auch zur archäologischen Gesamtheit einer Anlage zählen – auch wenn man diese gerade bei der Holderschanze jetzt erneut amtlicherseits sorgfältig herauslösen und die Anlage nun hochoffiziell und scheinbar sogar fachlich legitimiert versucht, zu filetieren.
 
Dass das LAD – entsprechend eigener Darstellung – sogar nach gleich mehreren Begehungen keine Indizien dafür finden konnte, dass der von mir aufgeführte Bereich auf dem Holderkopf Teil einer flächigen Schanzanlage war – wen wundert das wirklich angesichts der fachkompetenten Expertise, die Holderschanze sei „keine flächige Schanz-Anlage“? Warum konnte das LAD auch auf dem Tannenkopf – ebenfalls WEA-Gelände – bislang keine Indizien für die anthropogene Herkunft der dortigen historischen Ackerterrassen finden? Oder weshalb hat das LAD die zweite große Doppelsperre mit Redan – nur ein Steinwurf weiter als die von ihm beim Scoping-Treffen im Landratsamt Lörrach vorgestellte Wolfsacker-Anlage – einfach „übersehen“ und so ein in der Region einmaliges Ensemble offiziell und – einfach mal so – zu einen solitären Objekt degradiert. Über die Holderschanze mit Eröffnung der Planungskulisse des Windparks habe ich zwischenzeitlich persönlich mehr als 80 Personen geführt, darunter nicht nur interessierte Bürger aus dem Kleinen Wiesental, nein, auch offizielle EWS-Vertreter sowie die Bürgermeister von Böllen, dem Verwaltungsverband Kleines Wiesental und Zell. Dabei gab es auch Termine, an der auch das LAD hätte teilnehmen können.
 
Welchen Wert sollte jetzt aber eine von Landrätin Dammann aktuell als dringend vorgeschlagene gemeinsame Vorortbegehung mit dem LAD denn noch haben – wo doch die einzige Deutungshoheit und das ungeteilte Wissensmonopol nun mal allein in dessen nicht zu hinterfragenden Experten-Händen liegt – und dem ohne wirkliches Nachfragen alle anderen Behörden blindlings folgen. Wer die LAD-Expertise liest, die zu dem Schluss kommt, die Holder-Schanze sei „keine flächige Schanz-Anlage“ und die reale Situation Vorort kennt, ist nicht wirklich überrascht – auch nicht über die Einschätzung des Landratsamtes. Denn ganz offensichtlich wird die Wertschätzung klarer Fakten - vor allem dann, wenn sie unliebsam sind - zunehmend geringer und Postfaktisches salonfähig. So stellt man sich "oben" die scheinbar politisch allseits begrüßte Bürgerbeteiligung und aktive Bürgermitbestimmung von „unten“ wohl doch nicht vor. Was sagte mir – lächelnd – der für die archäologische Überprüfung der WEA-WP-Standorte zuständige LAD-Denkmalpfleger bei Scoping-Termin: “Wir sind eben keine Verhinderungsbehörde“! (ZE) Was den Umkehrschluss impliziert – dann eben wohl doch eher eine Zustimmungsbehörde.
 
Das LAD hat nachweislich in den an die EWS übermittelten Daten mehrere Flächen, die eindeutig mit Fortifikationselementen besetzt sind, nicht aufgenommen, obwohl sie fester Bestand der Linie sind. Dazu zählen das auffallend in das Wiesengelände hineinragende Waldstück, dass gleich mehrere – leicht und deutlich erkennbare – Wallgrabenbereiche trägt, weiterhin die stark befestigte südliche und bastionsartige Verteidigungsstelle zum Schutz des dort abgehenden großen Sperrgrabens sowie die gut erkennbaren Fortifikationswerke entlang der damalige Landesgrenze. Ganz abgesehen von der im Norden massiven Verbauung hinter der Linie, wo u. a. auch das einstige Blockhaus stand.
 
Für mich alles Hinweise darauf, dass es auf der Gemarkungsseite von Böllen, dem WP-Bauerwartungsland der EWS, eben keine Bodendenkmäler geben darf – auch wenn das ganze Gelände dort sichtbar und nachweislich zur Holderschanze gehört und damit eine archäologische Einheit bildet. Mit tragfähiger, also fundierter Fachkompetenz und realem Denkmalschutz hat das schon lange nichts mehr zu tun. Leider – und sehr bedauerlich: für den Landkreis, das Kleine Wiesental, für die Kultur- und Landes- aber auch für die Regionalgeschichte. Und damit für die geschichtlich gewachsenen Wurzeln unserer Region. Eben ein kalkulierbarer Kollateralschaden - aber auch einer für das Vertrauen in alle Ebenen der Landesbehörden, die sich offenbar blindlings gegenseitig Persilscheine ausstellen und damit auch noch ernsthaft glauben, im Recht zu sein. Ganz gewiss nicht..."
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Hinter der Grabenlinie in Blickrichtung Osten der anthropogen überformte Kuppenbereich: das mittlere Schanzenzentrum (neben dem nördlichen Blockhaus).
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Laut LAD streift der Blick über keine flächige Schanze, sondern nur über einen Graben
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Links der Graben, in der Bildmitte eine künstlich geschaffene Kuppe mit im Osten anschließenden schneegefüllten Graben.
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Der Schanzenkörper mit erkennbar Mauer- und Grabenrelikten und einer künstlich geschaffen Planfläche - gibt es nicht für das LAD.
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Links der Schnee gefüllte Graben, darüber der ebenfalls anthropogen überformte, künstlich planierte Schanzenbereich
als fester Bestand einer 3-D-Schanze.
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Der mit Schnee gefüllte Graben bildet den östlichen Abschluss der Holderschanze, die laut LAD keine flächige Schanze, also als reine Linienschanze eigentlich nur aus dem Graben auf der rechten Bildseite bestehen dürfte - und daher diesen linken (östlichen) Graben wohl einfach übersehen hat, wie z. B. auch die 300 x 100 Meter großen Hangterrassen am Tannenkopf - ebenfalls geplantes WEA-Gelände wie dieses auch! Da die Schanze nach 1701 hier eingerichtet wurde, musste sie ab 1702 - d.h. nach dem Allianzwechsel von Bayern zu Frankreich- auch im Osten gesichert werden - dazu wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit hier eine Palisadenwand errichtet, die mit diesem Graben korrespondiert.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Das bastionsartig abgestufte südliche Eckstück der Holderschanze mit Mauerwerk oberhalb des großen Sperrgrabens - gibt es für das LAD nicht!
 

Der Schwerpunkt der als Defensivsystem errichteten Holderschanze lag nicht im archäologisch sehr gut erhaltenen westlichen Anlagenbereich, sondern vor allem im Süden und im Südosten. Dort sicherten beidseitige Verbauungen und Stellungen den Aufstieg vom Steinehof-Tobel und vom Rehgraben – den zwei wichtigsten Aufstiegsrouten französischer Truppen. Sie kamen entweder von Neuenburg über die Sirnitz und durch das Klemmbachtal oder  rückten von Hüningen aus über Kandern und Tegernau durch das Kleine Wiesental vor, um so den schwer gesicherten Hau-Pass zu umgehen.

 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Ebenfalls auch bei diesen auffallenden archäologischen Spuren sieht das LAD keinen Zusammenhang mit der Holderschanze -
liegen ja auch zu nah an der geplanten WEA.
 
 
Prüffall Schanzen auf dem Mettlenkopf von Gersbach (Landkreis Lörrach).
 
 
Quelle Google Earth
 
Mettlen mit Mettlenkopf und laut LAD "der quadratischen Redoute" (1).
 
 
Quelle Google Earth
 
Mettlen mit Mettlenkopf und laut LAD "der quadratischen Redoute" (2).
 
 
Quelle Google Earth
 
Mettlen mit Mettlenkopf und laut LAD "der quadratischen Redoute" (3).
 
 
 
Quelle Google Earth
 
Mettlen mit Mettlenkopf und laut LAD "der quadratischen Redoute" (4).
 
 
Mit besonderer Aufmerksamkeit zu überprüfen: der Mettlenkopf südlich von Gersbach mit seinen vier Schanzanlagen
 
Ich habe daher in einer exemplarischen Textpassage jene Stellen rot markiert, die  in der offiziellen LAD-Sprache nachweislich "favorisierte Meinungen des Autors" darstellen. Einfach ausgedrückt: von 6 Sätzen müssen sechs faktisch korrigiert werden, da sich die "favorisierten Meinungen" des Autors  weder  mit den Quellen noch mit den fachwissenschaftlichen Fortifikations-Fakten decken. Der Autor schreibt auf S. 294: „Vorlage für die im Schwarzwald einmalige, sechseckige Schanze bildete die Interpretation eines Luftbildes vom nur wenige Kilometer südlich des Nachbaus befindlichen Mettlenkopf. In diesem Luftbild sollen eine sechseckige und eine fünfeckige Schanze sowie zwei quadratische Redouten zu erkennen sein. Während eine der beiden Redouten obertägig eindeutig in der Wiese zu erkennen ist und die andere sich im südlich anschließenden Wald befindet, gibt es für die anderen keine sichtbaren Geländemerkmale. Da ihre Form für den Schwarzwald einmalig war und durch ihr angebliches Vorhandensein auf dem Mettlenkopf zu einer wichtigen Stellung zwischen der Hinteren und der Vorderen Linie interpretiert wurde, war es geraten, diesen Widersprüchen auf den Grund zu gehen. Im November und Dezember 2018 führte das Landesamt für Denkmalpflege deshalb umfangreiche geophysikalische Untersuchungen auf der Wiese durch, die zeigten, dass hier abgesehen von der quadratischen Redoute keinerlei weitere archäologischen Befunden vorhanden sind. Der Nachbau von Gersbach gibt demnach keine im südlichen oder mittleren Schwarzwald bislang belegte Schanzanlage wieder“.
 
Wie geht man als versierter Autor auch fachwissenschaftlich mit seinen klar formulierten schriftlichen Quellen um? Wie und warum "favorisiert" man so seine Interpretationen? Und wie kommt man zu  Schlussfolgerungen, die sich nicht mit den Fakten decken? Dies zeigt exemplarisch und sehr eindrücklich dieses Beispiel. "Da ihre Form für den Schwarzwald einmalig war und durch ihr angebliches Vorhandensein auf dem Mettlenkopf zu einer wichtigen Stellung zwischen der Hinteren und der Vorderen Linie interpretiert wurde, war es geraten, diesen Widersprüchen auf den Grund zu gehen.“ Abgesehen davon, dass schon die erste Satzaussage nicht zutreffend ist, bezieht er die „wichtige Stellung zwischen der Hinteren und der Vorderen Linie“ wohl ganz bewusst nur allein auf die 6-Eck-Schanze ("da ihre Form..."). Dabei geht es bei der „wichtigen Stellung zwischen der Hinteren und der Vorderen Linie“ in Wirklichkeit allein um den Gesamtraum Gersbach und eben nicht um diese Schanze – wieder einmal fake news, aber auch steht das LAD ja „voll und ganz“ dahinter. Und was beschreibt unser Originaltext auf der Homepage – klar und deutlich und eben nicht beliebig favorisierbar: „Die in ihrer tatsächlichen Kombination erstmals durch die Minifossi-AG erkannte und erforschte Anlage bestätigt die strategisch außerordentlich wichtige Rolle von Gersbach: es (red. Anmerkung: rückbezüglich auf Gersbach!) war der Dreh- und Angelpunkt der „hinteren“ und „vorderen“ Defensivlinie, einem Verteidigungswerk, das der „Türkenlouis“ zum Schutz gegen die französischen Angriffe hier im Schwarzwald errichtete. Mit einer Ausdehnung von 250 auf 250 Meter - einem verhältnismäßig kleinen Raum - ist dies eine sehr seltene Kombination von Schanzen und ein auch heute noch beeindruckendes Zeugnis der barocken Befestigungskunst.“ So sieht die schriftliche Original-Quelle in Wahrheit aus – und was macht der Autor daraus?
 
 
 
 
 
Wehratal, Mettlenkopf und Hasel (Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968)
 
 
Eine höchst interessante Vorgeschichte: "Sehr professionelle Arbeit, fachkundig und vermessungstechnisch perfekt kartographiert"
 
Die neuesten Erkenntnisse, die Dr. Haasis-Berner in seinem Aufsatz 2021 vorstellt, passen so garnicht in die Vita der LAD-Forschungen auf dem Mettlenkopf. So fand im April 2003 eine ganztätige Exkursion mit drei Vertretern des Landesdenkmalamtes statt. Darunter auch – man höre und staune – der jetzige Mitautor und Kollege von Dr. Andreas Haasis-Berner, Dr. Bertram Jenisch – in deren Verlauf auch der Mettlenkopf und die dortigen Schanzanlagen besucht wurden. Dabei wurde  neben den Messergebnissen (siehe Presseartikel vom 30.04.2003, unten zitiert) auch das besagte Luftbild (siehe unten) vorgestellt und dessen Auswertung und Interpretation besprochen. Daraufhin wurde das so protokollierte Resultat – zusammen mit eigenen Luftaufnahmen – in unsere frei zugänglichen Homepage aufgenommen – und blieb, bis auf die jetzt durch Dr. Andreas Haasis-Berner gemachten "Untersuchungen", weder vom Landesdenkmalamt selbst, noch von anderen Experten in Frage gestellt. Mein letzter Mail-Kontakt mit Dr. Andreas Haasis-Berner fand übrigens am 30. Juni 2020 im Rahmen meiner Erforschung der frühmittelalterlichen Kastel-Burganlage bei Bürchau statt – seit Dezember 2018 eigentlich Zeit genug, mich über die neuen Ergebnisse auf dem Mettlenkopf zu informieren: dazu leider – bis heute – kein Wort.
 
Und wie wurde der damalige Besuch der drei offiziellen Vertreter des Landesdenkmalamtes in der Öffentlichkeit wahrgenommen: Phantastische Anlagen - es gibt nichts Vergleichbares“ (Markgräfler Tagblatt 30.04.2003). Und wurde so auch in den FöbbS-Abschlussbericht unserer AG an das OSA Freiburg aufgenommen: „Vom Landesdenkmalamt selbst als „einmalig in ganz  Baden-Württemberg“ und als „fantastische Anlagen“ deklariert, sind die zehn  Barockschanzen. Sie sind auf Grund ihrer Formenvielfalt (Viereck-, Fünfeck- und Sechseck-Schanzen) sowie ihrem mehrheitlich guten Erhaltungszustand landesweit als einzigartig zu bezeichnen. Hinzu kommen mehrere große Wall- und Sperranlagen sowie die dazu gehörenden Kommunikationslinien“. Quelle: FöbbS-Jahresbericht, http://minifossi.pcom .de/ OSA-2003-2004-Glaszentrum-Schanzenlager.html).
 
Und über was berichtete die Zeitung? Um das Wissen möglichst allen zugänglich zu machen und zu sichern, übergaben sie dem Landesdenkmalamt eine umfangreiche Dokumentation und stellten die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit ins Internet. Dort sind mittlerweile über 3.500 Fotos über die Anlagen abgespeichert. Peter Schmidt-Thomé bescheinigte den Minifossi, die Schanzen fachkundig und vermessungstechnisch perfekt kartographiert zu haben. „Ich ziehe meinen Hut vor den Minifossi“, rühmt auch sein Kollegen Bertram Jenisch die Schul-AG, den er „sehr professionelle Arbeit“ bescheinigte. Die Dokumentation dieser „phantastischen Anlagen“ suche landesweit ihresgleichen. Einen solchen Kenntnistand gebe es anderswo kaum. „Es gibt nichts Vergleichbares“, so Jenisch“ Quelle: Markgräfler Tagblatt, 30. April 2003, Nr. 99, MT 1, „Phantastisches Anlagen – es gibt nichts Vergleichbares – Minifossi ernten höchstes Lob für ihre Schanzen-Arbeit.“ Dem Artikel ist ein Foto beigefügt, auf dem u.a. auch „Peter Schmidt-Thomé und Bertram Jenisch (beide Landesdenkmalamt) bei der Schanze in Mettlen“ (ZE) abgebildet sind.  Ich hätte gerne das ja bereits in der Zeitung veröffentlichte Foto im Original (im Archiv) hier vorgestellt, aber die Erfahrung zeigt, dass dies bereits ein willkommener Grund für eine mögliche Sperrung der Webseite wäre: aus Datenschutzgründen und Persönlichkeitsrechten am Bild. Nicht ich habe etwas zu verbergen...
 
 
Auszug aus dem Pressearchiv 2003 der AG MINIFOSS, Quelle: http://minifossi.pcom.de/Daten-18-2003.html
 
Und wie beurteilte 2008 der jetzige Mitautor und LAD-Kollege von Dr. Andreas Haasis-Berner, Dr. Bertram Jenisch, in seinem Artikel „Wie man in den Wald hineinruft... – Denkmalerfassung im Südschwarzwald“, veröffentlicht in: „Stratigraphie und Gefüge – Beiträge zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit und zur historischen Bau-forschung“ vom Regierungspräsidium Stuttgart und dem Landesamt für Denkmalpflege (Konrad Theiss Verlag Stuttgart 2008) unsere Arbeitsweise: Das Ergebnis verschiedener Projekte... sind Landesaufnahmen in einer Genauigkeitsstufe, die oft -weitergeht als die konventionelle  Denkmalinventarisation. Die Arbeit erfolgt in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde und anderen Fachbehörden. Die Ergebnisse gehen in Form von Arbeitsberichten regelmäßig an die Denkmalpflege und liefern wichtige Grundlagen für die Erforschung des südlichen Schwarzwaldes“ (Seite 48). Und fährt auf S. 56 fort: Eine Ausnahme bildet auch die mit großem Sachverstand vor Ort ehrenamtlich arbeitenden Gruppe, die ihre Heimatgemeinde in einer Tiefenschärfe er-fasst hat, wie es im Rahmen der systematischen Denkmalerfassung nicht möglich gewesen wäre“. Wobei sich diese sorgfältige Arbeitsweise eben nicht nur auf die Glas- und Bergbau-Projekte beschränkte, sondern natürlich auch – und dann sogar über ein ganzes Jahrzehnt hinweg – für die Schanzen- und Fortifikationsthematik Maßstab war
Dazu zählt auch die im Jahre 2002 erfolgte umfangreiche und professionell begleitete Geländevermessung in Kooperation mit dem Staatlichen Vermessungsamt, von der die originalen Messdaten, Rekonstruktionszeichnungen und Messprotokolle  vollständig vorhanden sind. Sie dokumentieren nachweislich die auf dem Mettlenkopf erfassten Oberflächenpunkte. Diese lassen nur einen Schluss zu: neben der großen 5-Eck-Schanze (Luftbild) bestanden zwei kleinere Schanzanlagen tatsächlich als Polygonalschanzen in irregulärer 6-Eck-Form . Auch wir waren über das Ergebnis überrascht, da auch wir zunächst von der Gesamtform einer Viereckschanze ausgingen. Die eingehende Überprüfung des Geländes zeigte dann aber, dass vor allem an den exponierten westlichen Außenbereichen die landwirtschaftliche Bewirtschaftung zu einer starken Abtragung plus Erosion und somit zum Verlust der dortigen Eckpunkte geführt hat. Die kleinste Anlage war wohl als Grenzposten errichtet und – wie auch z. B. die Wachtschanze – sehr wahrscheinlich als Mauerwerk aus Feldsteinen ausgelegt. 2002 waren noch Relikte zu erkennen. Heute sind diese abgetragen und das Gelände ist völlig eingeebnet . Ich erinnere: "Peter Schmidt-Thomé (LAD) bescheinigte den Minifossi, die Schanzen fachkundig und vermessungstechnisch perfekt kartographiert zu haben. „Ich ziehe meinen Hut vor den Minifossi“, rühmt auch sein Kollegen Bertram Jenisch die Schul-AG, den er „sehr professionelle Arbeit“ bescheinigte. Die Dokumentation dieser „phantastischen Anlagen“ suche landesweit ihresgleichen. Einen solchen Kenntnistand gebe es anderswo kaum. „Es gibt nichts Vergleichbares“, so Jenisch.“" Quelle: Markgräfler Tagblatt, 30. April 2003, Nr. 99, MT 1, „Phantastisches Anlagen – es gibt nichts Vergleichbares – Minifossi ernten höchstes Lob für ihre Schanzen-Arbeit.“
 
 
 
 
 (Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968)
 
Mettlenkopf mit archäologischen Spuren einer Polygonalschanze (irregulär, 5-Ecken).
 
 
 
 Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, Sammlung Werner Störk
 
Mettlenkopf mit archäologischen Spuren einer Polygonalschanze (irregulär, 5-Ecken).
 
 
 
 
 (Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, Grafik & Sammlung & Copyright Werner Störk).
 
Graben- und Schanzsysteme auf dem Mettlenkopf - Versuch einer nicht maßstäblichen Rekonstruktion.
 
 
 
Sammlung & Copyright Werner Störk
 
 Links: Messpunkte aus dem Jahre 2002, Mitte und rechts: Rekonstruktionsversuch der polygonalen, unregelmäßigen 6-Eck-Schanze.
 
 
 
Sammlung & Copyright Werner Störk
 
Die Simulation eines symmetrischen 6-Eckes zeigt, dass die irreguläre Form ursprünglich möglicherweise eine reguläre Polygonalschanze gewesen sein kann, bei der es einerseits im Laufe der Zeit zu Formveränderungen durch Abrutschungen, Erosion und Hangsolifluktion infolge der schlechten „Verzahnungsqualität“ des aufgeschütteten Erdreichs gekommen ist. Andererseits ist die deutliche Veränderung der Linienführung an der stärker ausgeprägtem Westseite möglicherweise aber auch der dort notwendigen (zusätzlichen) Stabilisierung des Wallkörpers geschuldet, da dieser Bereich statisch die größte Druckbelastung – bedingt durch die exponierte Hanglage – auszuhalten hatte und nicht zwangsläufig nur der Erosion oder Hangsolifluktion zuzurechnen ist. Ebenso wird deutlich, dass der Innenraum sich über die Jahrhunderte  als heute kreisförmige Struktur entwickelt hat (roter Kreis).
 
 
 
 
Luftaufnahmen Werner Störk (8ammlung & Copyright Werner Störk)
Je nach Blickwinkel vermittelt der heutige Innenraum den Eindruck einer mehr kreisförmigen Fläche -
selbst bei teilweiser Auffüllung eher untypisch für quadratische Redoute.
 
Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt: „Da ihre Form für den Schwarzwald einmalig war ...“. Auch diese Feststellung bedarf einer Korrektur. Im Bereich der Vorderen Linie befinden sich weitere solche polygonalen Schanzanlagen mit 5 bzw. 6 Ecken: neben der Wachtschanze Neusäge, angelegt in der westlichen Wehratal-Flanke oberhalb von Todtmoos-Au, der Ostschanze von Muggenbrunn und auch die Eckle-Schanze auf der Zeller Blauen ist eine irreguläre 5-Eck-Schanze. Eine weitere Polygonalschanze, diesmal als reguläre 6-Eck-Schanze ausgeformt, stand in Schönau.
 
Luftbild von Muggenbrunn 1968 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899
Freigabe am 06.02.2017 durch Luftbildstelle des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg ©
 Archiv & Sammlung Werner Störk 2017         
Schanzenstandorte Muggenbrunn: West-Redoute (rot) und östliche Polygonalschanze (gelb), rechts die Gesamtsicherung. 
 
   
Repro © Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe https://www.landesarchiv-bw.de/web/47245 2017 Signatur Hfk Planbände 11. Bl.9.
Genehmigung Aktenzeichen: 4-7512-Störk,Werner
 , Grafiken 1 + 2  © Werner Störk
 
Man muss diese geometrische Figur jedoch noch im Uhrzeigersinn drehen, da die historische Karte nicht eingenordet ist. Im eingenordeten Zustand und auf den heutigen Standort platziert, zeigt die Spitze nach Westen zum Langenbach, während die rechte Linie auf der östlichen Hangseite verweist und sich überraschend genau an den tatsächlichen geographischen bzw. topografischen Eckpunkten hält. Ein Indiz dafür, dass diese Schanze auf der Ostseite eine Fünfeckschanze war. Vermutlich auf Grund der konkreten Bodenbeschaffenheit, da hier überall unmittelbar der felsige Untergrund ansteht bzw. massive Blockmeere vorhanden sind. Weiterhin kommt die relativ schmale Basis zum Tragen, da das Gelände sehr steil ist und die Anlage einer breiten Terrasse nicht möglich ist. Da der historische Weg zwischen Aftersteg – Muggenbrunn und Notschrei-Pass hier möglichst nachhaltig gesichert werden sollte, musste man bei Bau der beiden Schanzen, insbesondere aber der auf Ostseite, Kompromisse in der Größe sowie der Formgebung eingehen. 
 
Sammlung Werner Störk 2021
 
Vermessung, Messergebnisse und Messprotokoll der 6-Eck-Schanzen auf dem Mettlenkopf
Fotos & Sammlung Werner Störk 2021
 
Die Schlechtbacher Schanze (vergl unten) scheint auf den ersten Blick eine fast perfekte quadratische Redoute zu sein. Erst die genaue Vermessung im Jahr 2003 bewies, dass es sich geometrisch um ein Trapez handelt. Die Schlechtbacher Schanze wurde so auch zum Vorbild für unser erstes Redouten-Modell, das u.a. auch 2012 auf der Großen Landesausstellung "Baden! 900 Jahre" des badischen Landesmuseums im Karlsruher Schloss ausgestellt wurde. Der Modellbau war auch der wichtigste Schlüssel, um die Fortifikation des Barocks en miniature besser verstehen zu lernen.
Luftaufnahmen Erich Meyer (Hasel)
 
Die Schlechtbacher Schanze wird von dem Forstlichen Ausbildungsstützpunkt Hasel regelmäßig enthurstet. Das linke Bild  zeigt die von der Natur innerhalb von nur fünf Jahren zurückeroberte Schanze, das rechte Bild die enthurstete Schanze im Winter, Durch das Enthursten vermindert sich die Gefahr von Sturmschäden, wenn Bäume auf der Wallkrone entwurzelt werden - oft der Beginn einer zunächst schwachen, dann aber immer größer werdenden Erosionsrinne - bis hin zum völligen Abrutschen eines Wallkörpers. Daher sind diese Betreuungsaktionen wertvoll für einen aktiven Denkmalschutz.
 
Luftbild  © Erich Meyer (Hasel)
Die Aufnahme aus dem Jahre 2008 zeigt noch das auffallend mit Bäumen bewachsene und nicht homogen in das Wiesenstück hineinragende
Schanzenareal der kleinen irregulären 6-Eck-Schanze.
Quelle Geoportal Kombi LiDAR 2021
Auch die aktuelle LiDAR-Aufnahme 2021 zeigt die auffallende anthropogen gestaltete Grenzweg-Verengung östlich der Schanze -
zwischen der Schanze und dem extrem steilem Flankenabfall zum Wehratal. 
 Luftaufnahme, Landesvermessungsamt Stuttgart,1968, invertiert, Sammlung Werner Störk 
Rekonstruktionsversuch mit idealisierten Schanzenformen und realen Graben- und Wegeverläufen (ohne vierte Schanze).
Ich erinnere: "Peter Schmidt-Thomé (LAD) bescheinigte den Minifossi, die Schanzen fachkundig und vermessungstechnisch perfekt kartographiert zu haben.Ich ziehe meinen Hut vor den Minifossi“, rühmt auch sein Kollegen Bertram Jenisch die Schul-AG, den er „sehr professionelle Arbeit“ bescheinigte. Die Dokumentation dieser „phantastischen Anlagen“ suche landesweit ihresgleichen einen solchen Kenntnistand gebe es anderswo kaum. „Es gibt nichts Vergleichbares“, so Jenisch.“" Quelle: Markgräfler Tagblatt, 30. April 2003, Nr. 99, MT 1, „Phantastisches Anlagen – es gibt nichts Vergleichbares – Minifossi ernten höchstes Lob für ihre Schanzen-Arbeit.“

Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt: ...zu einer wichtigen Stellung zwischen der Hinteren und der Vorderen Linie interpretiert wurde...“. Auch diese Feststellung bedarf einer zweiten Korrektur. Er bezieht gezielt die wichtige Stellung zwischen der Hinteren und der Vorderen Linie“ allein auf die 6-Eck-Schanze ("da ihre Form..."). Dabei geht es bei der „wichtigen Stellung zwischen der Hinteren und der Vorderen Linie“ in Wirklichkeit allein um den Gesamtraum Gersbach und eben nicht um diese Schanze – wieder einmal wirklich alternative Fakten. Und was beschreibt unser Originaltext auf der Homepage – klar und deutlich und nicht beliebig favorisierbar: „Die in ihrer tatsächlichen Kombination erstmals durch die Minifossi-AG erkannte und erforschte Anlage bestätigt die strategisch außerordentlich wichtige Rolle von Gersbach: es war der Dreh- und Angelpunkt der „hinteren“ und „vorderen“ Defensivlinie, einem Verteidigungswerk, das der „Türkenlouis“ zum Schutz gegen die französischen Angriffe hier im Schwarzwald errichtete. Mit einer Ausdehnung von 250 auf 250 Meter - einem verhältnismäßig kleinen Raum - ist dies eine sehr seltene Kombination von Schanzen und ein auch heute noch beeindruckendes Zeugnis der barocken Befestigungskunst.“ So sieht die Wahrheit aus.

 
 
Quelle Google Grafik Werner Störk © 2021
Die Innenfläche (im Grünton intensiver) der Schanze auf dem Mettlenkopf südlich Gersbach: quadratisch oder polygonales 6-Eck?
 
 
Quelle Google Grafik Werner Störk © 2021
Rekonstruktionsversuch in idealisierter Umsetzung der Messergebnisse (bei Abtragungsflächen-Ausgleich an der Nordseite).

Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt: ...zu einer wichtigen Stellung zwischen der Hinteren und der Vorderen Linie interpretiert wurde...“. Auch diese Feststellung bedarf einer weiteren Korrektur. Er bezieht die wichtige Stellung zwischen der Hinteren und der Vorderen Linie“ allein auf die 6-Eck-Schanze ("da ihre Form..."). Dieser Bereich – Abschnitt Hasel bis Mettlenkopf – war eben nicht die  „wichtige Stellung zwischen der Hinteren und der Vorderen Linie“ - das war Gersbach (!) - sondern die dringend gebotene südliche Sicherung der nördlich davon horizontalquerenden Vorderen Linie (erste Station auf dem Büserliberg mit seiner kleinen Schanze), zumal dies der einzige Hochrheintal-Zugang zum Südschwarzwald auf der westliche Seite des damals noch nicht begehbaren Wehratales war (Schanze oberhalb des heutigen Stausees, auf dem Kä(e)mpfenlagerkopf sowie im Gewann Stubentür.

 
Luftbild  © Erich Meyer (Hasel)
Schnee modelliert den Untergrund nach und verstärkt so seine Oberflächenstruktur -
sieht diese Form nach einer quadratischen Redoute aus?
 
Luftbild  © Erich Meyer (Hasel)
Schnee modelliert den Untergrund nach und verstärkt so seine Oberflächenstruktur -
sieht die Innenfläche nach einer quadratischen Redoute aus?
 
Luftbild  © Erich Meyer (Hasel) Grafik Werner Störk © 2021
Die drei sichtbaren Schanzanlagen auf dem Mettlenkopf , keine davon ist - entgegen den Verlautbarungen des LAD - eine quadratische Redoute.
 
Luftbild  © Erich Meyer (Hasel)
Die Schanzanlage auf dem Mettlenkopf.
 
Prüffall Wolfsacker und Tannenkopf bei Elbenschwand/Fröhnd (Landkreis Lörrach).
Feuer und Flamme für den Denkmalschutz: Übersehene Besonderheiten auf dem Wolfsacker und dem Tannenkopf.
 

Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt weiter auf S. 97: „Ein weiteres, recht einfaches Element besteht aus einem ca. 100 Meter langen, mehrfach gezackten Wallgraben (Elzach-Yach „Auf der Schanz“, Kleines Wiesental-Bürchau „Wolfsacker“, Todtnau-Muggenbrunn).“ Diese Feststellung bedarf einer Korrektur und Ergänzung. Dr. Andreas Haasis-Berner klammert in diesem Fall überraschend  und bezogen auf den „Wolfsacker“ die Tatsache aus, dass es sich hier nicht nur – wie er explizit in diesem Zusammenhang anmerkt – um eine „ca. 100 Meter lange“ Anlage (mit Redan) handelt, sondern dass sich nördlich davon zur Sicherung der Passübergänge nach Bürchau sowie nach Elbenschwand, unmittelbar noch eine weitere, dazugehörende Redan-Anlage anschließt Ein aus denkmalschützerischer Sicht eigentlich ganz besonders erwähnenswertes Ensemble als archäologische Gesamtheit mit einer Länge von über 300 Metern. Da sich in unmittelbare Nähe auch eine auf der Karte von 1701 eingetragene Signal- und Alarmstation zuweisen lässt, macht das Ensemble noch wertvoller. Es gibt wohl gewichtige Gründe, warum gerade diese Anlagen im Umfeld der WEA 7 nicht "wahrgenommen" wurde.

Neben der Holderschanze belegen eben auch und gerade die archäologischen Befunde auf dem Wolfsacker und dem Tannenkopf, wie sehr man seitens des LAD bemüht ist, die EWS-WEA-Planungen - für die man im Vorfeld die Standorte unter denkmalschützerischen Aspekten ja intensiv überprüft hatte, nicht durch "Neufunde" auf jenen Standorten zu gefährden. Da wird dann schon einmal angezweifelt, dass es sich um anthropogene Spuren handelt oder auch standhaft ignoriert, wenn reihenweise Fakten für die Existenz einer dort angesiedelten Alarmfeuer- und Sgnalstation auf den Tisch gelegt werden.

Mail von Dr. Andreas Haasis-Berner vom 26.06.2018, 15.29 Uhr: "Die Hinweise auf mögliche Terrassen am Tannenkopf habe ich mit den Kollegen diskutiert. Für uns sind die Hinweise nicht schlüssig genug, um hier eine anthropogene Herkunft zweifelsfrei nachweisen zu können. Die theoretische Möglichkeit, hier ein weit sichtbares Signalfeuer errichten zu können reicht nicht aus, ein solches auch zu belegen." Vom LAD vom Tisch gefegte "theoretische" Sachargumente für das Tannenkopf-Plateau als Standort einer Signal- und Alarmfeuer-Station (Elbenschwand, Fröhnd, Bürchau, Landkreis Lörrach, BW): spezielle zeitgenössische regionale Quellen (HStAS, LEO-BW, etc.) für Lärm- und Signalfeuer, vergleichende Standort-Studien über historische Lärmfeuer in der Schweiz und Österreich, mehrfache zeitgenössische Hinweise auf regionale Lärm- und Signalfeuer, generelle topografische Zuweisung über maßstäbliche (Stunden) historischer Militärkarte 1701, punktuelle Standortbestimmung über Wegstunden-Maßstab, topografischer Abgleich zwischen Wegstunden-Maßstab & metrischem System, topografisch ideal exponierte Sporn– bzw. Horstlage für eine Hochwacht, Hochwald freies Areal teilweise landwirtschaftliche Nutzung, freie Sichtverbindung (ca. 6.000 Meter) nach Norden zur Nachbarstation Böllen freie Sichtverbindung (ca. 3.000 Meter) nach Süden zur Nachbarstation Hochblauen, topografisch im Umkreis keine alternativen Standorte mit freier Sichtverbindung, freie Sicht auf alle invasionäre Angriffsrouten fremder Truppen ins Kleinen Wiesental, Flächen für Vorposten & Biwaks (Wachthütten, Zelte, Unterstände, Nachtlager), gute Operations- und Verpflegungsbasis, gesicherte Trinkwasserversorgung (Quellen), gesicherte Nahrungsmittelversorgung (nahe Höfe), optimale räumliche Entfernung zwischen Signalstation und Kommandostelle (4 km), minutenschnelle Vorposten-Kommunikation, kurzer Melde- und Befehlsweg (700 m), militärische Deckung der Signalstation durch Redan-Sperranlage 1 und militärische Deckung der Signalstation durch Redan-Sperranlage.

 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk 2018

In Blickrichtung Osten: leicht erkennbar drei Terrassenstufen - links oben der Waldweg, also gut angeschlossen und erkennbar. 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk 2018

Vom archäologisch versierten, fachlich geschulten Auge einfach übersehen.
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk 2018

Die Terrassen ziehen sich über eine Fläche von mehr als 300 x 100 Metern. Der starke Baumstamm markiert den Standort der geplanten WEA 7 - bei
deren Bau würden die ganzen Terrassen sowie der Kuppenbereich mit der dort angesiedelten Alarmfeuer.-und Signalstation für immer zerstört.
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk 2018

Die Terrassenkörper sind teilweise noch sehr gut erhalten. 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk 2018

Auffällige Felsblockansammlung auf dem Kuppenbereich - alles "übersehen".... 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk 2018

Blick über die Kuppe Richtung Bürchau. 
 
Prüffall Defensivsystem Schönau (Landkreis Lörrach).

Beispiel: Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt weiter (S. 89): „Bei dem nördlich von Zell im Wiesental liegenden Städtchen Schönau sind keine Befestigungen bekannt, die sich mit diesen Baumaßnahmen in Verbindung gebracht werden können“. Diese Feststellung bedarf einer Korrektur. Ein Blick auf die nachfolgende BZ-Grafik genügt! In Wirklichkeit besteht – in Teilen sogar heute noch eindrucksvoll begehbar – ein umfangreiches Netz von Fortifikationselementen, von denen ein Großteil dem fraglichen Zeitraum zuzuordnen sind. Daneben gibt es auch Letzinen, die wesentlich älter sind: Sperrmauer (schriftliche Quellen, überbaut, nicht mehr im Gelände nachweisbar) zwischen der  nördlichen Mairösleinhalde und Mündung des Aiternbachs  ca. 160 Meter mit noch bestehender Wachtstation, der großer Letzigraben 1488   (70 m-Teilstück noch nicht abgeklärt) ca. 95 Meter  (im Gelände noch gut erkennbar), Letzigraben östliche Talseite auf Höhe der der Kapelle von Schönenbuchen ca.100 Meter (im Gelände noch gut erkennbar),  Loetzi- oder Letzigraben südlich der Kapelle von Schönenbuchen ca. 150 Meter (nur noch über Luftbild nachweisbar), große Sperrmauer zwischen westl. Mühlhalde/Obere Mühlmatte und östlichem Haideck ca. 550 Meter (180 Meter noch sichtbar, Linie folgt der nördliche Friedhofsmauer), großer Sperrgraben zwischen westlicher. Mühlhalde/-Obere Mühlmatte und östlichem Haideck (teilweise noch sichtbar) ca. 550 Meter (mitten durch den heutigen Friedhof), 6-Eck-Schanze Durchmesser ca. 70 Meter (überbaut, nur noch über Luftbild nachweisbar) und mögliche Segmente einer 5- oder 6-Eck-Polygonalschanze im Ortsteil Bifang (teilweise überbaut).

 
 
 
 

Beispiel: Dr. Andreas Haasis-Berner schreibt in seinem zweiten Artikel auf S. 88: „Ebenso unklar ist die Lage der Pässe bei Schönau (Neuenweg?, Wieden?)“. Diese Feststellung bedarf einer Korrektur. Dass Dr. Andreas Haasis-Berner dabei nur Neuenweg und Wieden nennt, verdeutlicht, dass ihm möglicherweise der wichtigste Passweg, nämlich den über die Krinne, nicht bekannt ist. Dieser war (vor Neuenweg) die einzige Ost-West-Saumpfad-Verbindung ins Münstertal. Schönau lag somit an einem sehr wichtigen Verkehrsknotenpunkt: zivil wie militärisch, handelsmäßig wie taktisch-strategisch elementar, Verbindungsbrücke zwischen Wiesental und Hochrhein, zwischen Breisgau und der Schwäbischen Alb, Zugangsweg nach St. Blasien und idealerweise an den beiden Hauptrouten (Hau-Pass/ Böllen/Neuenweg und dem älteren Saumweg über die Krinne ins Münstertal bzw. nach Aitern und Utzenfeld) in West-Ost-Richtung gelegen. „Die Krinne war wichtig für die Zufuhr von Getreide und Wein aus dem Breisgau und auch zur Durchreise vom Breisgau nach St. Blasien, Waldshut und der Schweiz benützt wurde. Seine Weiterführung zog über die Wacht“. Quelle: Eduard Böhler (1960): „Die Geschichte von Schönau im Schwarzwald“. Rombach, Freiburg im Breisgau 1960, S. 188. Ebenso wenig erwähnt Dr. Andreas Haasis-Berner jene sehr wichtige Pass-Sicherung, die das Gebiet vom Osten her sicherte, die „Wacht“. Nur das Zusammenspiel aller vier Pass-Sicherungen versprach einen sicheren Schutz für Schönau. Wobei man auch die Schanzanlagen von Muggenbrunn nicht unerwähnt lassen darf, das sie ebenfalls ihren wichtigen Anteil am Zusammenspiel des Defensivsystems hatten. Für Militärs war die Krinne eine höchst unangenehme und komplizierte logistische Angelegenheit - sehr steil, sehr eng - für Infanterie wie auch Kavallerie nur unter höchster Anstrengung zu nehmen - steiler An- und ebenso steiler Abstieg im Gänsemarsch - idealer Angriffspunkt für die sonst in linearer Kampfaufstellung agierenden Soldaten. Diese nicht planbare Risiko war in vielfacher Weise zu hoch. Daher genügte ein Blockhaus - denn die Franzosen zogen die Hüningen-Kleines-Wiesental bzw. Hüningen-Neuenburg-Sirnitz-Heubronn und Klemmbachtal-Route vor, die dementsprechend stark befestigt wurden (siehe nachfolgende Karte).

Quelle Geoportal BW 2021 Grafik Werner Störk © 2021
Französische Angriffsrouten auf Schönau, Pässe und Defensivsystem Vorderer Linie.
 
Quelle Geoportal BW 2021 Grafik Werner Störk © 2021
Das Defensivsystem aus Schanzen und Sperren (generalisiert, nicht maßstäblich) rund um Schönau mit Krinne (blauer Kreis) und Wacht (orange).
 
Quelle Quelle Geoportal BW 2021
Der interdisziplinäre Ansatz mit der Anwendung verschiedener Wissenschaften ermöglicht eine genaue Standortanalyse
und lässt die lokalen Konditionen für entsprechend favorisierten Fortifikationsformen besser verstehen.
 
Quelle Geoportal BW 2021
Schanzenareal Neuenweg (gelb) und Wacht (rot).
 
Quelle Geoportal BW 2021
Utzenfeld (rot) und der Wacht-Pass (gelb).
 
Quelle Geoportal BW 2021
Die Wacht mit Steinbruchgelände.
 
Quelle Geoportal BW 2021
Passhöhe Wacht.
 
Die Krinne als einst wichtigster Pass-Übergang vom Großen Wiesental ins Münstertal und den Breisgau.
 
 
Quelle Geoportal BW 2021 Komi LiDAR Grafik Werner Störk © 2021
Die Krinne: einst einziger Saum- und Sattelpfad-Übergang vom Großen Wiesental ins Münstertal -
wichtigste Verkehrsverbindung zwischen Breisgau und St. Blasien.
 
 
Quelle Google Earth 2021 Grafik Werner Störk © 2021
Passübergang Krinne.
 
 
Quelle Geoportal BW 2021 Grafik Werner Störk © 2021
Einzugsbereich der Krinne.
 
Quelle Geoportal l BW 2021 Grafik Werner Störk © 2021
Die Krinne.
 
Quelle Geoportal BW 2021 Grafik Werner Störk © 2021
Wie immer sind es die Bäche, welche die Auf- und Abstiege bevorzugter Routen bedingen.
 
Quelle Geoportal BW 2021 Grafik Werner Störk © 2021
Krinne und Wiedener Eck.
 
Quelle Geoportal BW 2021 Grafik Werner Störk © 2021
Die Saum- und Sattelpfadroute zwischen dem Rübgartenkopf und dem Heidstein.
 
Quelle Geoportal BW LiDAR 2021 Grafik Werner Störk © 2021
Der LiDAR-Scan zeigt den starken Einschnitt zwischen dem Rübgartenkopf und dem Heidstein
 
Interessante Web-Seiten ergänzen die bereits dokumentierten Fakten:
Der "Fall Raitbach" (2012/2013).
Die Holderschanze auf dem Holderkopf.
Einzigartige bastionierte Polygonalschanze:
Die Sternschanze von Neuenweg/Böllen 

Walderdbeer-Anbau im Hochmittelalter
Hangterrasssen am Tannenkopf.
Die Signalfeuer-Station am Tannenkopf
Die Redan-Anlagen auf dem Wolfsacker.
Schönau & Schönenbuchen:
Schanzen, Letzinen und Kapelle
Die Schanzen auf dem Mettlenkopf.
   
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