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Sonderseiten im Rahmen der WEA-Windpark-Diskussion Zeller Blauen - Neuenweg  
 
 
Werden Wahrheit und Ethik in der Wissenschaft beliebig?
 
Kollateralschäden der Energiewende im Denkmalschutz (2).
 
Exemplarisch aufgezeigt am Beispiel aktueller Veröffentlichungen in: "Im Krieg ist weder Glück noch Stern" (2021).
 
 
„Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Erkenntnisse öffentlich zugänglich gemacht haben und ihnen dazu im Nachgang Unstimmigkeiten oder Fehler auffallen, berichtigen sie diese. Bilden die Unstimmigkeiten oder Fehler Anlass für die Zurücknahme einer Publikation, wirken die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei dem entsprechenden Verlag oder dem Infrastrukturanbieter etc. schnellstmöglich darauf hin, dass die Korrektur beziehungsweise die Zurücknahme erfolgt und entsprechend kenntlich gemacht wird. Gleiches gilt, sofern die Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler von Dritten auf solche Unstimmigkeiten oder Fehler hingewiesen werden.“ Quelle: "Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis – Kodex", Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn, 2019.
 
 
Prüffall Holderschanze von Neuenweg/Böllen (Landkreis Lörrach).
 
 
 
Quelle Geoportal BW kombinierte LiDAR 2021 Grafik Werner Störk
 
Mit dem Bau der Holder-Linien-Verschanzung wollte man nicht den Hau-Pass zusätzlich sichern, sondern eine zusätzliche Sicherung der südlichen Holderkopf-Übergänge erreichen. Deren westliche Bacheinschnitte über den Steinihöff-Graben und den Rehgraben waren für die Franzosen ideale Aufstiegsrouten (rot) mit jeweils leichten Abstiegen in Richtung Wembach und Schönau - als dem eigentlichen Angriffsziel auf Reichsterritorium. Eine Linienverschanzung allein hätte jedoch eine Angriffswelle der Franzosen nicht effektiv aufhalten können, da sie keine vorgelagerten und auch keine rückwärtigen Angriffs- bzw. Rückzugszonen (blau, siehe nachfolgende Fotos) in der Tiefe aufweisen konnte. Erst durch die Einrichtung der vorgelagerten und rückwärtigen Linienelemente war eine funktionsfähige und erfolgreiche Verteidigung möglich. Da ist das LAD-Argument, die Holderschanze sei "keine flächige Schanz-Anlage" natürlich weder militärisch-taktisch noch fortifikatorisch, noch und vor allem auch durch die archäologische Befundsituation haltbar.
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Relikte der ersten Verteidigungslinie vor dem Graben (1).
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Relikte (keine Lesesteinhaufen!) der ersten Verteidigungslinie vor dem Graben (2) .
 
 
 
Quelle Geoportal BW kombiniertes LiDAR. Grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Die französischen Alternativrouten zur Umgehung von Eck und Hau - und die Gegenmaßnahmen des Reichs mit der
Schanze oberhalb des Klemmbachtals und der Holderschanze.
 
 
 
Quelle Geoportal BW kombiniertes LiDAR. Grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021  
 
Die südliche Fortsetzung der Reichs-Defension der Vorderen Linie liegt nördlich vom Dachseck mit der Bürchauer Schanzanlage (weißer Kreis).
 
 
 
Quelle Google Earth 2021 Grafik Werner Störk © 2021
 
Schönau (orange), Hau (hellgrün), Neuenweg (grau), Eck (blau), Bürchau (hellbraun) und Dachseck (gelb).
 
 
 
Quelle Google Earth 2021 Grafik Werner Störk © 2021
 
Dachseck mit Schanzanlage (rot), Bürchau (gelb) und Holderschanze (orange).
 
 
Gleichzeitig wird aber auch klar, dass die primäre Verteidigungssitutation - d. h. die zu erwartenden erste Feindberührung (unten, weiße Vierecke) - nicht im Norden auf der Passhöhe, sondern eben am südlichen Punkt der Holderschanze lag. Dies wird auch durch die Anlage des Blockhauses am nördlichen Punkt der Holderschanze strategisch unterstrichen. Auch die Anlage der Redoute oberhalb der Passhöhe mit einem sehr schnellen Kommunikationslinie zum Holderkopf belegt dies. Dies gewährleistete die optimale Kontrolle des Passes sowie die schnelle Zuführung von zusätzliche Kräften der Verteidiger auf dem Holderkopf. Bei einem möglichen Überrennen der dortigen Verteidigungslinie wäre die Pass-Redoute ein wichtiger Rückzugspunkt geworden, der selbst eben  nicht im unmittelbaren Zentrum des Kampfgeschehens lag. Eine genaue Analyse der Anlage macht aber auch deutlich, warum gerade die südlichen Verteidigungsstellungen nicht vom LAD wahrgenommen wurden - sie dehnen sich eben weiter nach Osten in die Planungsfläche von WEA 1 aus wie anfänglich skizziert, Und sind keineswegs "Grenzrelikte" einer festen Grenzlinie, die es damals beim Bau der Linie so noch nicht gab. Die gezielt gerodeten "rasierten" Flächen waren grundsätzlich für den Glacis-Bereich wichtig, um ungehindertes, freies Schussfeld zu erhalten, aber auch um  Angreifern jede Deckungsmöglichkeit zu nehmen bzw. ein unbemerktes Anschleichen zu ermöglichen. Wir wissen aus Neuenweg, dass sich die später erfolgte Flureinteilung sehr stark an den noch bestehenden Landmarken der Schanz- und Wallanlagen orientierten, da es zum großen Teil "unverrückbare Landmarken" und damit ideale Vermessungsfixpunkte waren. Wir sehen auch in der Grenzziehung zwischen Neuenweg und Böllen diese "Blaupausen".
 
 
 
 
Quelle: © Google Maps, Bilder © 2016 DigitalGlobe, Kartendaten © 2016 GeoBasis-DE/BKG (© 2009),Google ©  2017
Grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2018 

Diese Grafik macht schnell klar, dass - ohne die zusätzlich zu den markanten Grabenlinien eingerichteten und deutlich vorgeschobenen ersten Verteidigungslinien (rot) - eine effektive Musketen-Bestreichung (gelbe Kurzlinien ca. 100 Meter) der Rückzugs- und Hauptverteidigungslinie (durchgezogene gelbe Linie) nicht möglich gewesen wäre. Und sich ein Angreifer ohne Risiko direkt vor der Schanzlinie hätte sammeln und formieren (weiße Rahmen) können, um so einen breit angelegten Angriff in die Fläche wie auch in die Tiefe erfolgreich zu führen. Die Schanze wäre überrannt worden, da dies die linienformal ausgerichtete Musketenbestreichung nicht verhindert hätte. Erst der starke Ausbau der vorgelagerten "Bastion" (drei Terrassen) im Süden und Südwesten sowie die ersten westlichen Verteidigungslinien haben eine erfolgreichen Abwehr (orange Kurzlinien, ca. 100 Meter) gewährleistet: der Angreifer konnte sich nach dem Mann-hinter-Mann-Aufstieg nicht in der Breite - also Linie - aufstellen, sondern geriet bereits beim Heraustreten aus der Waldeckung unter relativ treffsicheren Bestreichung (also innerhalb der 100-Meter-Distanz). Gleichzeitig ermöglichten die sich gegenüberliegenden südlichen Stellungen - jeweils an den Enden (gelbe Pfeile) des großen Sperrgrabens -  den anstürmenden Feind ins Kreuzfeuer zu nehmen. Um das komplexe Zusammenspiel der einzelnen Fortifikationselemente der Holderschanze zu verstehen, ist - auch als ausgesprochener Pazifist (wer Kriege verhindern möchte, muss wissen, welche Faktoren sie auslösen können) , aber faktenorientierter Fortifikationskenner - das konkrete Wissen um die technische und fortifikatorische Entwicklung des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts genauso wichtig wie die Kenntnis  von Taktik und Strategie jener Epoche. Lässt man dieses Wissen außen vor, kommt es zu  fachlichen Fehleinschätzungen - mit sehr nachteiligen Folgen für die archäologischen Objekte - wie man am Beispiel der Holderschanze nachdrücklich vorgeführt bekommt

 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Das Zusammenspiel der Fortifikations-Eck-Punkte: Holderschanze (rot), Hau-Pass-Sicherung (gelb), Eck-Pass-Sicherung (blau),
 Schlossboden (grau)  und Schänzle (orange).
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Die defensiven Sperr-Systeme von Eck und Hau als Gegenmittel zu den französischen Alternativrouten.
 
 
 
Quelle Google Earth 
 
Archäologisch stand die längste Zeit immer der Hau (linke Bildhälfte) mit der dominanten Sternschanze und der gegenüberliegenden Redoute im Vordergrund der Forschungen. Dabei ist das westlich gegenüberliegende Eck strategisch genauso wichtig und militärisch genauso relevant - was aber bis heute immer wieder gerne "übersehen" wird. Wobei die gesamte Ostflanke vom Eck fortifikatorisch eng besetzt und massiv verbaut wurde. Nur wer beide Pässe besetzt halten konnte, hatte frei Angriffs - und gedeckte Rückzugsmöglichkeiten ins Reichsgebiet nach Schönau. Oder konnte sich nur so als Schutzmacht der evangelischen Wüstgläubigen der Markgrafschaft aufstellen - wie z. B. im Dreissigjährigen Krieg die Schweden.
 
 
 
Quelle Google Earth
 
In Blickrichtung Westen: im Vordergrund der Hau, Neuenweg im Tal und dann der Eck-Pass mit dem Schlossboden (rechts) und dem Spitzkopf (links). 
 
 
 
Quelle Google Earth
 
In Blickrichtung Osten Schönau im Großen Wiesental - nach Süden (Bildmitte) ziehend das Kleine Wiesental.
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Schönau (rot), Holderschanze (gelb), Hau (orange), Schänzle (weiß) zur Beobachtung der Ausweichroute der Franzosen und den Weg zum Holderkopf,
 Eck (blau) und Schlossboden (hellgrün).
 
 
 
Quelle Google Earth
 
In Blickrichtung Nordosten - Neuenweg und Böllen und Hau und Eck, als "Einfallstor ins Reich".
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Holderschanze (rot), Hau (gelb), Eck (orange) und Schlossboden (blau).
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW
 
Eck, Schlossboden und Neuenweg. 
 

Wie wichtig die schnelle Inventarisierung ist und damit überhaupt erst auch die Möglichkeit, auch mit anderen Behörden wie z. B. dem Forst rechtzeitig und vollumfänglich denkmalschutzrechtliche Hinweise zu kommunizieren, zeigte bereits schon der „Fall Raitbach". Die Ergebnisse unserer Forschungsarbeiten auf dem Eck wurden am 04.03.2017 dem LAD RP Freiburg detailliert mitgeteilt. „Die Felderkundungsarbeiten begannen im Februar 2016 und dauerten bis Februar 2017. Für den Gesamtbereich Neuenweg stehen aktuell 1.200 Fotos und Grafiken im Netz - basierend auf 32 Web-Sonderseiten.“ Das komplette Sonderseitenarchiv wurde gleich mitgeliefert. Am 20.02.2020 teilte mir das LAD RP Stuttgart jedoch mit „insbesondere westlich von Neuenweg viele Einträge (sind), deren archäologische Existenz und Relevanz derzeit völlig unklar sind.  Also offensichtlich unsere Hinweise über drei Jahre noch nicht aufgearbeitet und ggfs. dann inventarisiert wurden. Dies unterstreicht die Bedeutung vor allem auch der personelle Ausstattung dieses Bereiches, wo gerade hier eine personelle Kontinuität wichtig ist – da sonst wertvolle ehrenamtliche Arbeit im wahrsten Sinne verloren geht. Wobei der dadurch nicht bestehende Bestandsschutz von Bodendenkmälern wesentlich schwerer wiegt, da eine nicht erfolgte "Markierung" bei geplanten Baumaßnahmen oder Forsteingriffen keine aussagekräftige Datenbasis bietet und damit auch keine möglichen Schutzmaßnahmen. Der Fall Raitbach ist in unserem Raum lediglich publikes archäologisches Beispiel - während die meisten Bodendenkmäler auf diese Weise einfach spur- und lautlos verschwinden.

 
 
 
 
Quelle Geoportal BW, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Die gesamte Ostflanke bis hoch auf den Schlossboden weist noch gut erkennbare Bodenspuren der einstigen Fortifikation auf.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW 
 
LiDAR-Übersicht.
 
 
 
 
Quelle Geoportal BW 
 
Detaillierte Abgleiche mit den historischen Gemarkungsplänen belegen eindrücklich, wie sehr sich die Gewanneinteilung an den historischen
Fortifikationslinien als unverrückbare Landmarken und dadurch ideale weil feste Vermessungspunkte orientierten.
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Blick auf den Spitzkopf mit bewachsener Eck-Redoute, Kommunikations- und Grabenlinien. 
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Blick auf den Schlossboden - links gut erkennbar die Kommunikations- und Grabenlinie, die sich über die Straße hinweg bergauf zieht.. 
 
 
 

Google-Earth & Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Redoute mit Wallgraben.
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
In Blickrichtung Westen zur Sirnitz - Anmarschroute der Franzosen. Im Vordergrund der querlaufende Wallgraben,
der sich als massiver Sperrriegel über den gesamten Pass hinzog.
 
 
 

Google Earth & Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Im Vordergrund der von Süd nach Nord laufende Sperrriegel, im Hintergrund am Waldrand der von Ost nach West hangabwärts laufende Riegel.
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Das Haus steht auf dem direkt auf der Pass-Straße liegenden Schanzenkorpus einer Redoute. 
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Umfangreiche Wall-Graben-Systeme erschließen den gesamten Ostflankenbereich des Ecks
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Entlang der heutigen Waldgrenze finden sich gleich mehrfach Geschützstellungen. 
 
 
 
 

Foto © Archiv & Sammlung Werner Störk

 
Ausgedehnte Wall-Grabe-Systeme - teilweise wohl auch mit Palisaden - überziehen die Ostflanke des Ecks
 
 
 
Quelle Google Earth
 
In Blickrichtung Süden: die Ostflanke und Passhöhe des Ecks,
 
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Die multiepochalen, multifunktionalen und multinationalen Fortifikationsspuren auf dem Eck und zum Eck -
arbeitshypothetisch mindestens zwei unterschiedliche Epochen und Funktionen.
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Einstieg in das Klemmbachtal (gelb), Aufstiegsrouten Steinihöff (blau) und Rehgraben (hellgrün), starke Sicherung vom Eck-Pass )grün) und vom
Hau-
Pass (orange), Holderschanze (roter Pfeil),wichtiger Übergangspunkt (weiß) in Richtung Schönau (Einmündung des Wildböllenbaches).
 
 
 
Quelle Google Earth
 
Topografischer Gesamtüberblick über den Holderkopf und das Kleine Wiesental mit Neuenweg.
 
 
 
Quelle Google Earth
 
Die exponierte Kamm- und Waldrandlage bietet bei Sturm- und Orkanlagen extreme Angriffsflächen mit entsprechenden Schadensbildern.
Ein Eingriff an der Stelle der Holderschanze würde diese Gefahr potenzieren und zur Vernichtung des Schanzenareals führen.
 
 
 
Quelle Google Earth, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 
 
Die exponierte Lage der Holderschanze.
 
 
 
Quelle Google
 
Diese zwei hervorstechenden Waldstücke, die auffällig in die Weidwiese hineinragen, gehören mit archäologischen Befunden (u.a. Fortführung der Grabenlinie)
arealmäßig eindeutig zur Holderschanze und fehlen bei der LAD-Inventarisierung (siehe unten).
 
 
 

Grundlage DG 1 : 5.0000, LA-Inventarisierungs-LiDAR, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2021 

In der Inventarisierung sind lediglich die kurze südliche Verlängerung neu aufgenommen worden, jedoch die archäologische Befunde vor und hinter der Graben-Linie (rote Kreise) genauso wenig wie die noch südlicher sich anschließenden Befestigungspunkte. So wurde auch der obige Inventarisierung-LiDAR-Scan an die EWS weitergeleitet, wovon ich mich anlässlich einer gemeinsamen EWS-Begehung selbst überzeugen konnte.
 
 
 
Quelle Geoportal BW Kombination LiDAR. Grafische Nachgestaltung Werner Störk 2021
 
Auch auf dem LiDAR sind die einzelnen archäologischen Spuren gut zu erkennen - sie fehlen in der mir bekannten LAD-Inventarisierung. Dies mag für den Außenstehenden kleinlich und zu vernachlässigen sein, in der fortifikatorischen Bedeutung ist jedoch jedes Detail wichtig, um die Funktionen und Funktionalität einer solche komplexen Defensivanlage richtig zuzuweisen. Gleichzeitig wird sie durch das Weglassen oder "Übersehen" solcher Details auch als Ensemble und Gesamtheit entwertet, da sie mittels favorisierter Selektion in ihrer Bedeutung gemindert wird und somit leichter "aufgegeben" werden kann.
 
 
 
Quelle Google Earth. Grafische Nachgestaltung Werner Störk 2021
 
Diese Bild zeigt die zu prüfenden Objekte vor dem Graben.
 
 
 
Quelle Geoportal BW. Grafische Nachgestaltung Werner Störk 2021
 
Diese Bild zeigt die zu prüfenden Objekte vor und hinter dem Graben.
 
 
 
Luftbild von 1968 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899
Freigabe am 06.02.2017 durch Luftbildstelle des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg Stuttgart ©
Archiv & Sammlung Werner Störk 2017      
 
Auch das Luftbild von 1968 weist auf gut erkennbare Bodenanomalien vor und hinter der Grabenstruktur hin.
 
 
 
Quelle Geoportal BW LiDAR. Grafische Nachgestaltung Werner Störk 2021
 
Natürlich ist es fraglos ein Vorteil, wenn man die jeweiligen Bodenspuren real und am besten bei tiefstehender Abendsonne oder bei Neuschnee besuchen kann. Dennoch: man muss nicht unbedingt im Gelände Vorort gewesen sein - auch die LiDAR-Scans, Satellitenbilder und Luftaufnahmen lassen die deutlichen Auffälligkeiten vor und hinter dem großen Sperr- und Wallgraben erkennen, ohne dass man über ein archäologisch geschultes Auge verfügen muss. Das praxisnahe und vergleichende Wissen über die Fortifikation im Barock - speziell der Vorderen Linie - ist dann  jedoch für eine fachgerechte Interpretation sehr hilfreich.
 
 
Quelle Geoportal BW LiDAR. Grafische Nachgestaltung Werner Störk 2021
 
Im Süden schließen sich an den großen Graben noch weitere, dazugehörende archäologischen Spuren an, welche die Frage: Henne oder Ei wiederbeleben -
orientierte sich die Grenzziehung an bestehenden Fortifikationsspuren oder handelt es sich um reine, spätere Grenzmauern?
 
 
 
Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe: Plan Nr. II über die Lands-Grenz-Steine, Linien und Winckel von Nr. 63 bis 124 Österreichischer Seits Vogtei Schoenau mit denen Ortschaften Schoeneberg, Oberboellen, Niederboellen, Heidfloehe und Wembach, Baadischer Seits die Ortschaften Neuenweeg und Bürchau angrenzend. Grenzkarte wie Nr. 43 , entgegengesetzte Orientierung, Schraffen, außerhalb der Karte Neuenweg mit stilisierter Kirchenansicht markiert. Legende.1790 
 
Die Karte von 1790 zeigt auch, wie sich der Waldbestand völlig verändert hat: damals - und wohl auch um 1700 - lag das gesamte Areal der Holderschanze im Freien und der obere waldfreie Bereich der Aufstiegsrinne vom Steinihöff-Gelände reichte weit nach Osten - ebenso wie das gesamte waldfreie Areal. Der heutige Wald beherrscht das Gebiet des auffallenden Winkels entlang der Grenzlinie. Das Blockhaus wurde relativ genau in der Mitte der Gesamtanlage errichtet, um so zu beiden Seiten schnell den jeweiligen Angriffspunkt verteidigen bzw. die dortigen Kräfte verstärken zu können..
 
 
 
 
Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe: Plan Nr. II über die Lands-Grenz-Steine, Linien und Winckel von Nr. 63 bis 124 Österreichischer Seits Vogtei Schoenau mit denen Ortschaften Schoeneberg, Oberboellen, Niederboellen, Heidfloehe und Wembach, Baadischer Seits die Ortschaften Neuenweeg und Bürchau angrenzend. Grenzkarte wie Nr. 43 , entgegengesetzte Orientierung, Schraffen, außerhalb der Karte Neuenweg mit stilisierter Kirchenansicht markiert. Legende.1790 
 
Als Arbeitshypothese: eine Analyse der geometrischen Grundstrukturen unter besonderer Berücksichtigung von Topographie und Hydrologie lässt die Vermutung zu, dass in dem Bereich des großen Grabens der Grenzverlauf den damaligen Fortifikationsformen folgte und auch die jeweiligen Abstände zwischen Waldbereich und Weide weisen auf fortifikatorisch bedingte Mindestabstände hin, die damals durch die Reichweite eines Musketenschusses definiert wurden. So sind die jeweiligen Rückzugszonen (grün) klar erkennbar, ebenso wie die Zentren der unmittelbaren Feindberührung (Kreise). Nur so konnte man beide Aufstiegsrouten - Rehgraben im Süden und Steinihöff-Graben im Norden - optimal sichern. Ebenfalls deutlich erkennbar: die offen gehaltenen Fläche sind gezielte Rasierungen, um unliebsame Besucher frühzeitig ins Kreuzfeuer nehmen zu können.
 
 
 
Quelle Geoportal BW 2021
 
Das heutige Bild zeigt gut die beiden möglichen Aufstiegsrouten, die sich gegenüber der Einmündung des Klemmbach-Tales in das Kleine Wiesental anbieten.
 
 
Noch ein Beispiel aus der inzwischen dreijährigen Diskussion um die Holderschanze,
unmittelbar betroffen durch die EWS-Verschiebefläche der WEA 1.
 
Laut einer Stellungnahme des Landesamt für Denkmalschutz (LAD) in einem Schreiben an Landrätin Marion Dammann vom 16.07.2018 ist die Holderschanze keine flächige Schanzanlage. Das heißt für das LAD im Klartext: alle hinter der Grabenlinie, also östlich davon auf Böllener Gemarkung liegenden Flächen sind keine Bodendenkmäler, nur die Grabenlinie auf der Neuenweger Gemarkung selbst ist ein Bodendenkmal. Für mich wieder einmal mehr Beweis dafür, dass es auf der Gemarkungsseite von Böllen, dem Bauerwartungsland des WP der EWS, eben keine Bodendenkmäler geben darf – auch wenn das ganze Gelände dort sichtbar und nachweislich zur Holderschanze gehört und damit eine archäologische Einheit bildet. Mit tragfähiger Fachkompetenz und realem Denkmal-Schutz hat das schon lange nichts mehr zu tun. Leider – und sehr bedauerlich: für den Landkreis, das Kleine Wiesental, für die Kultur- und Landesgeschichte. Und damit auch für die geschichtlich gewachsenen Wurzeln unserer Region. Wer die konkrete Situation Vorort kennt, weiß, dass diese Holderschanze sehr wohl Fläche und damit eine Korpus hat, also einen umfassenden 3-dimensionalen Körper, einen regelrechten Schanzenkörper, der nicht nur dadurch entstanden ist, dass die eigentliche Linienschanze im Kuppenbereich errichtet wurde, sondern weil zusätzliche Fortifikationsmaßnahmen einen nachträglichen Aus- und Umbau mit sich brachten - welche aber vom LAD negiert und ignoriert werden. Mit dem Ziel, den WEA-Standort WEA1 für die EWS keinesfalls zu gefährden. Die Holderschanze ist für mich das exemplarisches Beispiel für eine behördliche Fehleinschätzung auf der Basis einer unvollständigen Datenbasis - die aber nicht zugegeben und so unkorrigiert von Behörde zu Behörde weitergereicht wird. Und Fakten scheut wie der Teufel das Weihwasser. Und das sogar gleich "nach mehrfachen Begehungen" wie das LAD dem Landratsamt versicherte. War wohl gerade dichter Nebel oder ein schweres Gewitter oder hüfthoher Tiefschnee...reiner Galgenhumor.
 
 

Grundlage DG 1 : 5.0000, LA-Inventarisierungs-LiDAR, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2018 

 

Links: amtliche DG-Karte 1:5000 mit eingetragener Grabenlinie (südlichster Teil des Sperrgrabens fehlt, ebenso das auffallend in das Wiesengelände hereinragende Waldstück, vergl. Google-Aufnahme unten), Mitte: die vom LAD übernommene und im Süden ergänzte Karten-Linie und exakt so an die EWS weiter übermittelten Lidar-Linie, rechts: das tatsächliche Schanzenareal mit Blockhaus, einzubeziehendes Waldstück sowie die südliche Bastion - ohne den vollständigen "Winkel" (nicht maßstäblich). Aber was meint dazu das LAD: keine flächige Schanze.... da wichtige Teile der Schanze (vergl. oben) nicht aufgenommen wurden.

 
 

Grundlage DG 1 : 5.0000, grafische Nachgestaltung ©  Archiv Werner Störk 2018 

 

Rot = Gemarkungsgrenze Neuenweg – Böllen, dunkelblau = Schanzenareal Holderschanze Neuenweg, hellblau = Schanzenareal Holderschanze Böllen, orange = das unmittelbar durch die geplante  Verschiebefläche betroffene Schanzenareal, gelb = das mittelbar durch die dafür notwendigen Rodungsarbeiten etc. betroffene Schanzenareal, grün = das verbleibende Restareal würde durch Wind- und Schneebruch innerhalb kurzer Zeit restlos verwüstet.

 
 
 
 Detail aus der offiziellen Planungskulisse © der  ENERKRAFT GmbH und der EWS 2018 mit grafischer Nachgestaltung © Archiv Werner Störk 2018  
 
Der Kartenausschnitt aus der offiziellen Planungskulisse der  ENERKRAFT GmbH und der EWS belegt die unmittelbare Gefährdung der Holderschanze.
 
 
 
 
Quelle Google Grafische Nachgestaltung  ©   Archiv Werner Störk 2018 
 

Die Grafik-Serie zeigt - im Vergleich zu den Raummaßen der Windanlagen auf dem Gersbacher Rohrenkopf  - dass die Auswirkungen der Großbaustelle auf die dann übriggebliebenen Restrelikte des jetzt homogenen Waldes sehr nachhaltig und auch zu einer weiteren - wohl völligen Zerstörung der Holderschanze beitragen würden. Selbst wenn die Verschiebefläche weiter östlich läge (wie hier im Gegensatz zur offiziellen Verschiebefläche angenommen wurde), sind negative Auswirkungen über Wind- und Schneebruch an den Zuwegungen und vor allem am dem nördlichen Baustellenbereich fast schon zwangsläufig zu befürchten. Gleichzeitig macht die Montage sichtbar, dass es einen bedeutsamen Unterschied zwischen den Verschiebungsfläche und dem tatsächliche Flächenbedarf für die Einrichtung und Betriebsführung gibt.

 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Vorgelände, Graben und Schanzkorpus.
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Blick über den Graben in Richtung Norden.
 
 
 
Grafik ©  Archiv Werner Störk 2021  (nicht maßstäblich, ohne Berme)
 
Die Grafik soll veranschaulichen, warum es keinen Sinn macht, gerade bei einer im Kuppenbereich angelegten Linearverschanzung zu argumentieren, dass dies keine flächige Schanzanlage sei. Denn schon allein dadurch, dass man eine solchen Schanzenform im Kuppenbereich (2)  wählt, macht deutlich, dass es den Fortifikationsoffizieren darum ging, eben mit einfachen Mitteln ein kompaktes Schanzenareal (und damit auch einen Schanzenkorpus) zu erhalten. Wer an einem Hang einen Graben einrichtet, der hat auf der Hangseite immer den angegrabenen Resthang als Bestandteil des ansonsten aufgeworfenen Walls. Nur in der Ebene oder auch auf freiem (planen) Feld (1) ist die klassische Linienverschanzung als lineare Graben-Wall-Struktur umsetzbar. Wobei man erfahrungsgemäß feindwärts noch einen kleineren glacisartigen Vorwall auflegt, um so die Grabentiefe zu erhöhen und das Überspringen des Grabens zu erschweren. Und auch eine solche Schanzenstruktur benötigte Raum für die dafür notwendige Infrastruktur hinter und vor der Linie - insofern ist die ganze Diskussion ob flächig oder nicht aus der Sicht der Fortifikation nicht ertragreich.
 
Noch ein paar strategisch-taktische Grundüberlegungen kurz zusammengefasst: auf dem Holderkopf mussten die Reichs- und Kreistruppen eine Linie von rund 500 Metern kontrollieren und ggfs. auch effektiv verteidigen. Dies bedeutet im Gegensatz zu einer reinen "Flächenschanze" eine hohe Beweglichkeit der Wachmannschaften entlang der Linie. Während bei einer "Flächenschanze"  lediglich ein Bereich von rund 100 x 100 Metern abgedeckt werden kann und die Verteidiger fest an dien Schanzenstandort gebunden sind, muss die Linie auf eine Länge von rund 500 Metern und einer Tiefe von 200 Metern abgedeckt werden. Dies bedeutet auch im konkreten Fall der Holderschanze erste Abfangstellungen vor der Linie sowie eine sichere Bewegungsfreiheit direkt hinter der Linie - also dem Graben. Dies wird z. B. mit einer Palisadenwand auf dem hinteren Wall erreicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde mit dem Allianzwechsel von Bayern zu Frankreich auch auf der Holderschanze die Ostseite mit einer Palisadenwand geschützt. Die Vermutung stützt sich auf die Grabenlinie, die sich östlich vom Blockhaus nach Süden zieht. In der nachfolgenden Stellungnahme habe ich nochmals die wichtigsten Punkte zusammengefasst, welche der LAD-Annahme, dass  es sich hier um keine flächige Schanzanlage handelt, widersprechen.
 
 
Aus der Stellungnahme zum Schreiben von Landrätin Marion Dammann vom 16.07.2018 zum geplanten Windpark Zeller Blauen.
 
"Eine flächige Schanzanlage zeichnet sich durch einen dreidimensionalen Schanzenkörper mit klar abgegrenzten Flächen aus, wobei der Schanzenkorpus selbst durch das Ausheben eines Wallgrabens und dem Aufwerfen und Ausformen der dort entnommenen Erde als Wall verdichtet wird. Bei einem bereits natürlich starkem Hangrelief kann die ausgehobene Erde auch teilweise zur Ausformung einer feindwärts vor dem Wallgraben erhöhten und damit künstlich versteilten Fläche genutzt werden. Dass die Holderschanze eine flächige Schanzanlage und keine primäre Linienverschanzung ist, kann man – im wahrsten Sinn des Wortes – dann gut ermessen, wenn man sich – sei es vom Norden, Westen oder auch vom Süden her dem Areal nähert. Und die tiefen Gräben auf der Nord- und Westflanke - teilweise übermannshoch – sieht. Und auch die dahinter liegenden Flächen wahrnimmt, die gemeinsam mit der Linie einen dreidimensionalen Körper bilden, der mathematisch-geometrisch wie auch räumlich natürliche Flächen beinhaltet, die exakt zuweisbar sind.
 
Um eine Schanzlinie wie die einer Linien- oder Linearschanze zu verteidigen, benötigt es natürlich auch einen Flächenbereich vor, aber vor allem hinter den Grabenlinien. Ebenso benötigt es für die Verteidiger einen weiteren Raum, also eine Fläche, auf der sie sich – hinter der Linie – geschützt aufhalten: zum Essen, Trinken oder Schlafen. Einen solchen Raum sieht das Landesamt für Denkmalpflege LAD, für die Holderschanze aber so nicht vor, da es „keine flächige Schanzanlage“ sei. Schliefen die Verteidiger in den Gräben, kämpften und verteidigten sie direkt auf bzw. in der Grabenlinie oder standen sie gar feindwärts vor den Gräben? Weil es laut LAD ja hinter der „Linie“ und deren Gräben keine fest zur Schanze gehörenden Flächen gab, es also keinen faktischen Fortifikationszusammenhang zwischen der Grabenlinie und der dahinter liegender Fläche gibt. Das heißt nun für das LAD im Klartext: alle hinter der Linie liegenden Flächen sind keine Bodendenkmäler, nur die Grabenlinie selbst ist ein Bodendenkmal.
 
Wobei sich die strategisch wichtige Frage stellt: wie konnte die Holderschanze dann auf einer Länge von rund 500 Metern effektiv verteidigt werden, wenn es wiederum „keine flächige Schanzanlage“ war. Erfahrungsgemäß und entsprechend der historisch verbürgten Quellen erfolgte die Verteidigung einer solchen Anlage stets hinter den dafür ja extra aufgeworfenen Wällen bzw. genauer ausgedrückt: auf den Wällen, denn das aufgeworfene Erdmaterial der Wallkrone erhöhte gewollt das Terrain – möglicherweise trug sie Palisaden oder Schanzkörbe und bot so dem dahinter agierenden Verteidiger zusätzlichen Sicht- und Bewegungsschutz. Aber alle Experten des LAD erklären übereinstimmend „keine flächige Schanzanlage“. Also hinter  der „Linie“ – die so auch das LAD dem EWS und dem Wirtschaftsministerium (als höchste Denkmalschutzbehörde!) übermittelt hat - denkmalmäßig nichts, keine Spuren, keine Indizien, keine Fläche, quasi terra incognita, Niemandsland – luftleerer, pardon: flächenleerer Raum – das wäre die Konsequenz aus der Aussage des LAD, dass es sich um „keine flächige Schanz-Anlage“ handelt.
 
Aber warum wurde dann hinter der „Linie“ sogar ein Blockhaus genau in jenes „flächenleere“ Areal gebaut und dieses sogar noch zusätzlich mit Wällen geschützt? Eben eine jener bewusst hinter der Linie und durch sie geschützte Rückzugsmöglichkeit – und fester, überlebenswichtiger Bereich als Bestandteil der Gesamtanlage. Und warum haben wir auf weitflächigen Arealen wieder exakt hinter der „Linie“ auffällig künstlich plane Flächen? Lag dort das Zeltlager der für eine effektive Verteidigung größere Anzahl notwendiger Infanteristen oder Grenadiere? Aber laut LAD eben „keine flächige Schanz-Anlage“ - nur die „Linie“, also die Graben-Wall-Linie. Die man hier gleich über mehrere hundert Meter dem Boden abgerungen hat, um sie wohl kampflos dem Feind zu überlassen. Denn zum Kämpfen, insbesondere zum notwendigen Verteidigen der Linie fehlte einfach die Tiefe in der Fläche, auf der man stehen und handeln konnte – würde man konsequent der Logik des LAD folgen.
 
Hat man sich seitens des LAD epochenmäßig wirklich mit der Fortifikation und deren Strategie vertraut gemacht, mit den Fakten und Mechanismen auseinandergesetzt, die hinter dem Bau einer solch komplexen Anlage steht? Sich ernsthaft bemüht, das filigrane Zusammenspiel zwischen den Verteidigungs- und Rückzugslinien einer Linienschanze auch nur ansatzweise zu verstehen und dann auch noch ins Gelände zu transferieren? Die Landschaft damals zu erfassen und zu begreifen, wie man die Geländestrukturen optimal einbaut und damit effektiv und defensiv nutzt? Und welche Flächen mussten zwingend vor und gerade hinter einer Linienschanze zur Verfügung stehen und fest eingebaut sein? Flächen, die ganz eindeutig auch zur archäologischen Gesamtheit einer Anlage zählen – auch wenn man diese gerade bei der Holderschanze jetzt erneut amtlicherseits sorgfältig herauslösen und die Anlage nun hochoffiziell und scheinbar sogar fachlich legitimiert versucht, zu filetieren.
 
Dass das LAD – entsprechend eigener Darstellung – sogar nach gleich mehreren Begehungen keine Indizien dafür finden konnte, dass der von mir aufgeführte Bereich auf dem Holderkopf Teil einer flächigen Schanzanlage war – wen wundert das wirklich angesichts der fachkompetenten Expertise, die Holderschanze sei „keine flächige Schanzanlage“? Warum konnte das LAD auch auf dem Tannenkopf – ebenfalls WEA-Gelände – bislang keine Indizien für die anthropogene Herkunft der dortigen historischen Ackerterrassen finden? Oder weshalb hat das LAD die zweite große Doppelsperre mit Redan – nur ein Steinwurf weiter als die von ihm beim Scoping-Treffen im Landratsamt Lörrach vorgestellte Wolfsacker-Anlage – einfach „übersehen“ und so ein in der Region einmaliges Ensemble offiziell und – einfach mal so – zu einen solitären Objekt degradiert. Über die Holderschanze mit Eröffnung der Planungskulisse des Windparks habe ich zwischenzeitlich persönlich mehr als 80 Personen geführt, darunter nicht nur interessierte Bürger aus dem Kleinen Wiesental, nein, auch offizielle EWS-Vertreter sowie die Bürgermeister von Böllen, dem Verwaltungsverband Kleines Wiesental und Zell. Dabei gab es auch Termine, an der auch das LAD hätte teilnehmen können.
 
Welchen Wert sollte jetzt aber eine von Landrätin Dammann aktuell als dringend vorgeschlagene gemeinsame Vorortbegehung mit dem LAD denn noch haben – wo doch die einzige Deutungshoheit und das ungeteilte Wissensmonopol nun mal allein in dessen nicht zu hinterfragenden Experten-Händen liegt – und dem ohne wirkliches Nachfragen alle anderen Behörden blindlings folgen. Wer die LAD-Expertise liest, die zu dem Schluss kommt, die Holder-Schanze sei „keine flächige Schanz-Anlage“ und die reale Situation Vorort kennt, ist nicht wirklich überrascht – auch nicht über die Einschätzung des Landratsamtes. Denn ganz offensichtlich wird die Wertschätzung klarer Fakten - vor allem dann, wenn sie unliebsam sind - zunehmend geringer und Postfaktisches salonfähig. So stellt man sich "oben" die scheinbar politisch allseits begrüßte Bürgerbeteiligung und aktive Bürgermitbestimmung von „unten“ wohl doch nicht vor. Was sagte mir – lächelnd – der für die archäologische Überprüfung der WEA-WP-Standorte zuständige LAD-Denkmalpfleger bei Scoping-Termin: “Wir sind eben keine Verhinderungsbehörde“! (ZE) Was den Umkehrschluss impliziert – dann eben wohl doch eher eine Zustimmungsbehörde.
 
Das LAD hat nachweislich in den an die EWS übermittelten Daten mehrere Flächen, die eindeutig mit Fortifikationselementen besetzt sind, nicht aufgenommen, obwohl sie fester Bestand der Linie sind. Dazu zählen das auffallend in das Wiesengelände hineinragende Waldstück, dass gleich mehrere – leicht und deutlich erkennbare – Wallgrabenbereiche trägt, weiterhin die stark befestigte südliche und bastionsartige Verteidigungsstelle zum Schutz des dort abgehenden großen Sperrgrabens sowie die gut erkennbaren Fortifikationswerke entlang der damalige Landesgrenze. Ganz abgesehen von der im Norden massiven Verbauung hinter der Linie, wo u. a. auch das einstige Blockhaus stand.
 
Für mich alles Hinweise darauf, dass es auf der Gemarkungsseite von Böllen, dem WP-Bauerwartungsland der EWS, eben keine Bodendenkmäler geben darf – auch wenn das ganze Gelände dort sichtbar und nachweislich zur Holderschanze gehört und damit eine archäologische Einheit bildet. Mit tragfähiger, also fundierter Fachkompetenz und realem Denkmalschutz hat das schon lange nichts mehr zu tun. Leider – und sehr bedauerlich: für den Landkreis, das Kleine Wiesental, für die Kultur- und Landes- aber auch für die Regionalgeschichte. Und damit für die geschichtlich gewachsenen Wurzeln unserer Region. Eben ein kalkulierbarer Kollateralschaden - aber auch einer für das Vertrauen in alle Ebenen der Landesbehörden, die sich offenbar blindlings gegenseitig Persilscheine ausstellen und damit auch noch ernsthaft glauben, im Recht zu sein. Ganz gewiss nicht..."
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Hinter der Grabenlinie in Blickrichtung Osten der anthropogen überformte Kuppenbereich: das mittlere Schanzenzentrum (neben dem nördlichen Blockhaus).
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Laut LAD streift der Blick über keine flächige Schanze, sondern nur über einen Graben
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Links der Graben, in der Bildmitte eine künstlich geschaffene Kuppe mit im Osten anschließenden schneegefüllten Graben.
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Der Schanzenkörper mit erkennbar Mauer- und Grabenrelikten und einer künstlich geschaffen Planfläche - gibt es nicht für das LAD.
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Links der Schnee gefüllte Graben, darüber der ebenfalls anthropogen überformte, künstlich planierte Schanzenbereich
als fester Bestand einer 3-D-Schanze.
 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Der mit Schnee gefüllte Graben bildet den östlichen Abschluss der Holderschanze, die laut LAD keine flächige Schanze, also als reine Linienschanze eigentlich nur aus dem Graben auf der rechten Bildseite bestehen dürfte - und daher diesen linken (östlichen) Graben wohl einfach übersehen hat, wie z. B. auch die 300 x 100 Meter großen Hangterrassen am Tannenkopf - ebenfalls geplantes WEA-Gelände wie dieses auch! Da die Schanze nach 1701 hier eingerichtet wurde, musste sie ab 1702 - d.h. nach dem Allianzwechsel von Bayern zu Frankreich- auch im Osten gesichert werden - dazu wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit hier eine Palisadenwand errichtet, die mit diesem Graben korrespondiert.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Das bastionsartig abgestufte südliche Eckstück der Holderschanze mit Mauerwerk oberhalb des großen Sperrgrabens - gibt es für das LAD nicht!
 

Der Schwerpunkt der als Defensivsystem errichteten Holderschanze lag nicht im archäologisch sehr gut erhaltenen westlichen Anlagenbereich, sondern vor allem im Süden und im Südosten. Dort sicherten beidseitige Verbauungen und Stellungen den Aufstieg vom Steinehof-Tobel und vom Rehgraben – den zwei wichtigsten Aufstiegsrouten französischer Truppen. Sie kamen entweder von Neuenburg über die Sirnitz und durch das Klemmbachtal oder  rückten von Hüningen aus über Kandern und Tegernau durch das Kleine Wiesental vor, um so den schwer gesicherten Hau-Pass zu umgehen.

 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2018
 
Ebenfalls auch bei diesen auffallenden archäologischen Spuren sieht das LAD keinen Zusammenhang mit der Holderschanze -
liegen ja auch zu nah an der geplanten WEA.
 
 
 
Jeder Leser kann sich anhand von sechs exemplarisch ausgewählten Prüffällen
selbst einen sachgerechten Faktencheck
zusammenstellen:
 
 
 
 
Prüffall 1: Sternschanze von Böllen/Neuenweg.   
 
 
Prüffall 2: Holderschanze Neuenweg/Böllen.  
 
 
Prüffall 3: Mettlenkopf Gersbach.   
 
 
Prüffall 4: Tannenkopf & Wolfsacker Elbenschwand.   
 
 
Prüffall 5: Defensionssystem Schönau. 
 
 
 
Prüffall 6: Vordere & Hintere Linie Gersbach - Todtmoos-Au 
 
 
 
 
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Kollateralschaden & Denkmalschutz 
 
 
Interessante Web-Seiten ergänzen die bereits dokumentierten Fakten:
 
Der "Fall Raitbach" (2012/2013).
Die Holderschanze auf dem Holderkopf.
Einzigartige bastionierte Polygonalschanze:
Die Sternschanze von Neuenweg/Böllen 

Walderdbeer-Anbau im Hochmittelalter
Hangterrasssen am Tannenkopf.
Die Signalfeuer-Station am Tannenkopf
Die Redan-Anlagen auf dem Wolfsacker.
Schönau & Schönenbuchen:
Schanzen, Letzinen und Kapelle
Die Schanzen auf dem Mettlenkopf.
   
Als Diskussionsgrundlage sowie presserechtlich gilt immer nur die aktualisierte Webseite mit Datum vom 19.12.2021. 
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