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  Teil 1  
     
  Die Entdeckung und Erforschung einer bislang unbekannten frühmittelalterlichen Rodungsburg  
     
  Im Kastel, Castel, Kastelhöfe, Kastelmühle, Burgwarte & Kastelfelsen mit Burg  
     
 Höhenburg als kombinierte Hang-, Kamm- und Spornburg südlich Bürchau, OT Kastelhöfe und Untere Sonnhalde mit Schorrbühl,
Kleines Wiesental, Baden-Württemberg.
     
     
 
   
     
  Foto Werner Störk © 2020  
  Panoramablick auf den südlichen Talboden von Bürchau mit den Kastelhöfen, dem Kastelfelsen und der Unteren Sonnhalde.  
     
  Welche naturbedingten Faktoren wie Geologie, Tektonik, Geomorphologie, Hydrologie, Vegetation und Klima beeinflussten die Standortwahl dieser Burg? Es ist eine ganze Palette von Faktoren, die dazu führten, dass die Erbauer dieser Burg genau diesen Standort wählten, um hier ihr Domizil und das Zentrum des neuen Rodungsprojektes zu errichten. So hat geologisch die Kombination aus Mambacher Granit, Diorite, Granophyr und Malsburggranit die Basis für diese Landschaft geschaffen, welche dann vor allem durch Wasser und Eis über einen Jahrmillionenprozeß die Geomorphologie und die Topographie dieser Landschaft entscheidend  geformt und damit auch geprägt hat. Und auch die Geländestufen, die Geländekanten oder Terrainstufen sind Elemente der Geomorphologie, die hier im Bereich der Burgensicherung eine wichtige Rolle spielen. Auch sie sind ein natürliches Potential, das die Burgherren optimal in ihr Sicherheits- und Sicherungskonzept einbauten. Auch das Klima zählt zu diesen Faktoren. Die mittelalterliche Klimaanomalie speziell in Bezug auf Temperaturen, auch als mittelalterliche Warmzeit oder  das mittelalterliche Klimaoptimum bezeichnet, war ein Intervall vergleichsweise warmen Klimas und anderer Klimaabweichungen, wie umfassender kontinentaler Dürren. Den meisten Rekonstruktionen zufolge dürfte sie nach 900 begonnen und vor 1400 geendet haben. Der wärmste Zeitraum auf der Nordhalbkugel lag demnach zwischen 950 und 1250 (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalterliche_Klimaanomalie). Somit liegen wir mit dem angenommenen Burgenbau um 1100 genau in dieser warmen Phase, die u.a. auch ganz wesentlich die Voraussetzungen für die Brandrodung begünstigte. Schließlich sorgte auch die Hydrologie dafür, die Standortbestimmung auf genau diesen Punkt zu lenken: einerseits bot die Belchenwiese die Grundlage einer ganzjährig gesicherten Trinkwasserversorgung für Mensch und Tier, die geologisch-tektonisch bedingten Quellhorizonte gewährleisteten Quellwasser in unmittelbarer Nachbarschaft,  das fließende Wasser als Energieträge zum Antreiben der Mühlräder, aber auch als Schutz für die Burg (möglicherweise floss einst die ganze Belchenwiese rund um den Fuß des Kastelfelsen, später dann ein bewusst offen gehaltener Seitenarm). Auch der Felssporn selbst garantierte eine absolut standfesten Aufbaupunkt und die Gesteinsqualität keine Rutschungen oder starke Erosion. Alle diese Faktoren gebündelt machten diesen Standort für die Burgenbauer und Erstansiedlung so attraktiv. Naturbedingt sind auch die Höhenstufe und die damit verbundene Vegetation, die wiederum die Grundlage für die Waldweide (Schweinemast und Vieh) bildeten, die wiederum wichtigstes Standbein der Wirtschaftshöfe - gerade in der Anfangsphase der Rodungsarbeiten - aber auch für die notwendige Pflichtabgaben (vor allem Schweine) war. Es ist also ein ganzer Strauß von Faktoren, der die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ansiedlung inkl. Burgenbau bildete. Uns war es wichtig, einmal darauf hinzuweisen, in welchem komplexen natürlichen System man sich damals - so wie wir auch heute - befand und befindet. Auch damals stellte eine Klimaveränderung ab 1250 die Menschen vor völlig neuen Herausforderungen. Wie werden wir unsere meistern?
     
     
     
     
  Quelle: Geologische Karte Baden-Württemberg 1:25.000, Blatt 8212, Malsburg-Marzell, Copyright Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) im Regierungspräsidium Freiburg.    
     
  Die Kombination aus Mambacher Granit (GMB), Diorite (Dio), Granitporphyr (Gp) und Malsburggranit (GMA) sowie die Kräfte von Wasser und Eis haben diese Landschaft entscheidend
 geformt und geprägt. Die Burg selbst steht größtenteils auf Malsburggranit und Mambacher Granit, der nördliche Außenbereich auf Granitporphyr.
     
 

„Der Gletscher der Kleinen (Belchen-) Wiese floß direkt vom höchsten Belchen-Bereich nach S ab. Trotz des bedeutenden Liefergebietes sind nur sehr wenige Glazialspuren in diesem Tal vorhanden. Entsprechend der Schneegrenze im Würm-Maximum müßte der Gletscher bis auf 500 m hinab gereicht haben, wie es auch beim großen Wiese-Gletscher und anderen bedeutenden Gletschern im Schwarzwald der Fall war. Tatsächlich befindet sich zwischen Holl und Langensee, gerade in 500 m Höhe, ein Wall, der allerdings mangels Aufschluß nicht klar zu deuten ist. Trotzdem ist hier das Gletscherende für das Würm-Maximum anzunehmen, auch wenn SCHREPFER (1931: 192) der Ansicht ist, daß es sich bei dem Wall um eine Vermutung handele. Andere Beobachtungen sprechen für ein Ende des Gletschers kurz unterhalb Bürchau, wo bei den Kastelhöfen das Tal enger wird. In jedem Fall muß der Gletscher entgegen der Meinung SCHREPFER'S (1931: 192) weit über Neuenweg nach S vorgedrungen sein.“ Quelle: GILBERT RAHM (1987): „Die Vergletscherung des Beichengebietes (Südschwarzwald) zur Würmeiszeit“, in: Eiszeitalter u. Gegenwart 37, 31—39, 1 Abb., Hannover 1987.

 
     
     
     
  Quelle: Google; grafische Elemente Werner Störk © 2020.  
     
  Geländestufen, Geländekanten oder Terrainstufen (rot) sowie Terrassenbildungen (rot) sind Hinweise auf die einstige erosive Wirkung des ursprünglichen Baches mit der Einmündung in die einstige Belchenwiese, bevor sie sich im Laufe der Jahrtausende immer tiefer gelegt hat und dann  heute rund 20 Meter tiefer liegt. So sind die für die Burganlage wichtigen Bereiche einerseits durch von den Bergflanken zur Belchenwiese abfließende Bäche entstanden und z. T. durch die Kleine Wiese selbst. Es sind mehrheitlich Zeugen postglazialer Prozesse. In der Geologie und Geomorphologie wird dafür auch die Bezeichnung Geländestufen an Talhängen benutzt. Die Verebnungsfläche bildet zusammen mit der Böschung die Begrenzung des Terrassenkörpers und formt in unserem Fall auch das Hochgestade (gelb) mit seiner beeindruckenden Böschungskante. Die blauen Pfeile weisen auf die Bedeutung der Trinkwasserversorgung über Bäche und Quelle hin (siehe Text oben: u. a. Quellhorizonte). Die blaue Linie rund um den Kastelfelsen (orangenes Dreieck) erinnert an den einstigen Lauf der Belchenwiese an dieser Stelle, wo sie direkt am Fuß des Felsensporns (orangenes Rechteck) entlang lief. Talenge Hollbachtal (hellgrün) - und damit die Voraussetzung für den südlichen Zugang zur Burg über eine Brücke - sowie die Engstelle des südlichen Talausgangs (weiß) als strategisch wichtiger Punkt (Brücke, Furt, Handelsweg, Verkehrsweg). Wichtig für die Ernährung und die Abgaben: siedlungsnahe Buchen- und Eichenwälder für die Schweinemast und die Waldweide (schwarz). Und  für den Schutz der Burg und Siedlung: die versumpften Feuchtareale der Talböden, die eine schnelle Annäherung eines Angreifers frühzeitig stoppen (braune Rauten). Und schließlich die natürliche Höhenlage mit entsprechenden Konditionen für die Vegetation (grün).  
     
  Was weiß die ältere und neue Geschichtsforschung über eine Burg bei Bürchau? „Am nördlichsten, nahe Bürchau, aber noch auf Gemarkung Ried, stand vermutlich ein „Kastell“, dazu gehörte ein Wirtschaftshof „auf dem Kastel“, aus dem die „Kastelhöfe“ wurden... Trotz der markanten Lage und der festverwurzelten Bezeichnungen sind bisher keine Überreste gefunden worden... Für das Kastell in der Nähe von Bürchau fehlen alle genauen Datierungselemente.“ Quelle: Klaus Schubring: Die endgültige Erschließung des Kleinen Wiesentals. In: Das Markgräflerland, Band 2015, S. 52 und 58. „Im Kastel (Bürchauer Kastelhöfe), aufgegangener Ort. Liegt auf Gemarkung Bürchau. Im Anschluss an den Zinken Kastelhöfe, Gemarkung Raich. Der Name dürfte auf eine abgegangene Burg hinweisen, von der jedoch nichts weiter bekannt ist (siehe auch Raich).“ Quelle: Landeskundliches Informationssystem Baden-Württemberg (LeoBW), Historisches Ortslexikon, Im Kastel, Recherche Juni 2020. Auch in dem neuen Standardwerk "Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau II.: Südlicher Teil, Halbband A - K (Archäologie und Geschichte - Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland, Band 16, aus dem Jahr 2009 sind keine Hinweise auf eine Burganlage südlich von Bürchau oder im Zusammenhang mit den Kastelhöfen enthalten. In der Verlagsanzeige über den Inhalt des Buches  ist zu lesen: "Mit dem dritten Band greift das Forscherteam um die Herausgeber Prof. Dr. Alfons Zettler (Dortmund) und Prof. Dr. Thomas Zotz (Freiburg) nun in den südlichen Teil des mittelalterlichen Breisgaus aus und erarbeitete erstmals eine wissenschaftlich fundierte Erfassung sämtlicher dortigen Burganlagen" - jedoch ohne die Anlage von Bürchau zu besprechen. Auch in dem alten Standardwerk von Werner Meyer "Burgen von A - Z, Burgenlexikon der Regio" aus dem Jahre 1981 finden sich keine Hinweise auf die Burg auf dem Kastelfelsen.. Als einzig fassbare Quelle .schreibt Dr. Albrecht Schlageter in seinem Aufsatz: "Rund um den Belchen. Beitrag zur Siedlungsgeschichte der Täler im Umkreis des Berges (Münstertal, Großes und Kleines Wiesental)", in: Das Markgräflerland, Jg. 1988, H. 1, S. 46–81 von „festen Punkten“ und „Befestigungen“ durch die Herren von Waldeck und benennt die „Kastelhöfe“ und „Kastel“ bei Bürchau – verweist jedoch nicht auf eine Burg.
     
     
   
     
  Burganlage südlich von Bürchau, OT Kastelhöfe und Sonnhalde, im Kleinen Wiesental (Quelle: https://opentopomap.org/#map=14/47.73629/7.81677)  
     
     
   
   
  Burganlage südlich von Bürchau, OT Kastelhöfe und Sonnhalde, im Kleinen Wiesental (Quelle: Google Earth, Einzeldaten siehe oben).  
     
     
   
     
  Burganlage südlich von Bürchau, OT Kastelhöfe und Sonnhalde, im Kleinen Wiesental (Quelle: Google), Grafik Werner Störk © 2020  
     
     
   
     
  Burganlage südlich von Bürchau, OT Kastelhöfe und Sonnhalde, im Kleinen Wiesental (Quelle: Google), Grafik Werner Störk © 2020  
     
   
   
     
  Siedlungsbild vom südlichen Bürchau (Quelle: Geoportal BW).  
     
     
   
     
  Grundkarte mit Vegetation, Hydrographie und Infrastruktur vom südlichen Bürchau (Quelle: Geoportal BW).  
     
     
 

In welchem Zeitrahmen sind der Bau der Burg analog der Rodungsepoche vermutlich anzusiedeln? Als vermutlichen Zeitrahmen – „alle genauen Datierungselemente fehlen“ (Quelle: Klaus Schubring: Die endgültige Erschließung des Kleinen Wiesentals. In: Das Markgräflerland, Band 2015, S. 58) nehmen wir das Frühmittelalter am Übergang zum Hochmittelalter als Rodungsepoche im Kleinen Wiesental an, in unserem Fall also Mitte des 10. Jahrhunderts bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts. In Jahreszahlen ausgedrückt: von ca. 1050 bis ca. 1150. Das Spätmittelalter dauert von ca. 1250 bis ca. 1500 (Quelle: Wikipedia).

 
     
 
Zwei  Phasen der Burg-Befestigung analog von zwei Rodungsphasen: Zur richtigen Einschätzung der Fortifikation dieser Burganlage ist sehr wichtig zu begreifen, dass wir es mit zwei Phasen des Ausbaus - parallel zur Ausdehnung der jeweils gerodeten Waldflächen - zu tun haben. In der Phase 1 liegt im Norden und im Osten des Burgareals in unmittelbarer Nachbarschaft noch nicht gerodetes Gelände, also nicht begehbarer oder gangbarer Urwald. Daher war weder nach Osten und eben auch nicht nach Norden eine massive Befestigung der Burg notwendig. Erst mit der Rodungsphase nach Norden und durch die dort gewonnenen, jetzt waldfreien Flächen, drohte plötzlich unmittelbar Gefahr für die Burg. Ein Angreifer der die Talsohle auf dem Hochgestade umlief, konnte  von Norden her über die relativ niedere Terrassenkante des Hochgestades die Burg in breiter Front angreifen. Daher mussten jetzt dort umfangreiche Fortifikationselemente dafür sorgen, dass dies unterbunden wird. So entstand nun im Norden ein umfangreiches Befestigungssystem, um auch diese Seite der Burg nachhaltig zu sichern und zu schützen. Daher liegen die beiden wichtigsten Schutzelemente der Kernburg, der Abschnittsgraben und der Halsgraben in Nord-Süd-Richtung und sind nicht - was beim Bau der Burg mit bereits gerodetem nördlichem Gelände zwingend gewesen wäre -  in Ost-West-Richtung angelegt. Es sind mindestens zwei Rodungsphasen, wobei wir die Eröffnungsphase, im Rahmen derer die Burgwarte errichtet wurde, eigentlich als erste von dann insgesamt drei Phasen wahrnehmen sollten.  
 
 
 
Quelle Google Earth & Grafik Werner Störk © 2020      
 
Links: Phase 1, rechts Phase 2.
 
 
 

Auf welchen Quellen beruht diese Annahme? Die Fachliteratur führt dazu folgende Ereignisse und Jahreszahlen im Rahmen der Rodungsphase für das Kleine Wiesental zusammen: 1113 Die Herren von Waldeck machen dem  Kloster St. Blasien Besitz eine umfangreiche Schenkung von Orten des Wiesentalgebiets,  1148 Trutwin und Heinrich von Waldeck schenken die beiden Burgen Alt-und Neu-Waldeck mit all ihrem Zubehör dem Bischof von Basel.1149 Die Burg Alt-Waldeck wird gemeinsam mit der Burg Neu-Waldeck benannt. Alt-Waldeck liegt nahe Tegernau auf einem dem Bergsporn. Das Burgplateau ist oval, etwa 30 m lang und 15 m breit. Das Burgplateau ist terrassiert, aber ohne Mauerreste. Talseits befindet sich an der Basis des Burghügels ein hufeisenförmiger Wall. Keramikfunde konnten auf das 10. und 11. Jahrhundert datiert werden. Das Geschlecht der Waldecker stirbt 1150 aus und die Burgen Neu- und Altwaldeck, fallen an das Bistum Basel. Eine Stützmauer gehört zu den einzigen Mauerüberresten. Der Standort Neu-Waldeck konnte bislang urkundlich nicht zugeordnet werden. Erfolgte Zuweisungen von verschiedenen Experten sind Annahmen und damit spekulativ. Da mit der Erbfolge sich dann auch im Spätmittelalter einiges im Kleinen Wiesental tut, hier noch vier Jahreszahlen: 1278 Dietrich V. von Rotenberg regelt seine Erbschaft mit einer umfangreichen Schenkung an das Kloster St. Blasien – ohne seine Röttler Verwandten zu bedenken. Bis 1311 dauert der Streit – sogar mit ausgetragener Fehde – wegen jenes Erbes. 1278 erstmalige urkundliche Erwähnung von Elbenschwand, Gebinbach, Bürchau und Neuenweg (sind natürlich bereits vor diesem1278 existent). 1280 starben die Rotenberger mit Dietrich V. von Rötteln-Rotenburg aus .1316 stirbt die Hauptlinie der Herren von Rötteln aus. 1316 geht die Rotenburg an die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg.

 
  Wie sah eine frühmittelalterliche Burg überhaupt aus? Auch wir mussten uns von den fest verankerten Vorstellungen jener Burgen verabschieden, die wir aus den Büchern und Filmen über König Arthus und die Ritter seiner Tafelrunde, von Ivano und dem Schwarzen Ritter sowie von Robin Hood kannten und liebten. Selbst die von mir seit Kindesbeinen bestaunte Burg der Herren von Rötteln, „unser Röttler Schloss“, musste aus der Vorstellung verbannt werden. Denn im Frühmittelalter war die Bauweise einer Burg eine völlig andere Welt der Architektur und der verbauten Materialien. Bevor wir auf unsere Anlage konkret eingehen, stellen wir als passendes Beispiel die Burg Heimberg bei Thun im Kanton Bern (Schweiz) vor, von der es eine sehr gute grafische Rekonstruktion gibt  (Quelle: https://www.bgheimberg.ch/burg-zu-heimberg/  und History Projects GmbH, www.historyprojects.ch, Burg zu Heimberg, 2019  
 

 

 
     
   
     
  Rekonstruktion der Burg Heimberg bei Thun im Kanton (Schweiz) als Holz-Erde-Burg mit Wohn- und Wehrturm
(Direktverlinkt: Quelle: History Projects GmbH, http://history-projects.ch/ Burg zu Heimberg, 2019/).
 
     
     
 

Auch diese Burganlage ist – wie unser Forschungsobjekt auf dem Kastelfelsen – eine frühe Holz-Erde-Burg – so wie man es auch von der Burg Alt-Waldeck bei Tegernau kennt. Selbst wenn der erste Blick – im direkten Vergleich mit spätmittelalterlichen Burgen – etwas enttäuscht: diese frühen Burgen zeigen alle die wesentlichsten Bestandteile einer „echten“ Burg. Und auch die Funktionen der einzelnen Bereiche – aus Holz und Erde errichtet – entsprechen genau jenen ihrer späteren Nachfolger aus Stein. Der Bau der Burg als Holz-Erd-Burg, also ein in Holzbauweise errichteter frühmittelalterlicher Burgtypus, ist architektonisch prägend im Rahmen des Landesausbaus und damit vor allem während der ersten Rodungsphasen – auch im kleinen Wiesental. Die Erbauer haben als erste Voraussetzung für den erfolgreichen Bau auf drei Ebenen horizontale Fläche geformt, da dieser Burgtyp aus drei Hauptelementen besteht, die idealerweise übereinander angelegt wurden. Auf der untersten räumlichen Ebene liegt der Zugangsebene – der Zugang erfolgte häufig über eine hölzerne Brücke oder Rampe. Über ihr liegt die Vorburg und darüber folgt die Kernburg (auch Hochburg genannt). Auf der Vorburg standen die zur Kernburg gehörenden Wirtschaftsbauten wie Ställe, Scheunen und Speicher. Diese bot für mehrere Gebäude Platz. Auf dem höchsten Punkt der drei Terrassen bzw. Plateaus steht ein aus Holz in Fachwerkmanier errichtete Wohnturm. Alle Bauten dieser Burgform sind meist vollständig aus Holz in Block- oder Ständerbauweise (Fachwerk) errichtet.

 
 

Eine Vorburg ist jener Teil einer Burg, in dem sich – wie schon angedeutet - Gebäude befinden, die der Bewirtschaftung der Anlage dienen oder für die Versorgung der Burgbewohner nötig sind. Zu diesen Wirtschaftsgebäuden zählen neben Werkstätten, Viehställen und dem Marstall auch Lagerräume wie Scheunen, Speicher und Schuppen, aber auch Gesindehäuser als Unterkünfte für Bedienstete wie Mägde, Knechte und Burg- oder Dienstmannen. Hinzu kommen nicht selten ein Brau- sowie ein Backhaus und ein Küchenbau. Vorburgen werden oft auch als Wirtschaftshof bezeichnet. Alle Bereiche sind jeweils durch eigene Gräben und Wälle oder Palisaden geschützt und oftmals nach dem Prinzip der Abschnittsverteidigung hintereinander gegliedert, wobei die Kernburg dann immer den letzten Verteidigungsabschnitt darstellt. Das Plateau der Kernburg kann so geräumig sein, dass Wirtschaftsgebäude, die normalerweise in der Vorburg untergebracht sind, auch noch dort Platz finden. In anderen Fällen konnte der zugehörige Wirtschaftshof von der Burg weiter entfernt sein, so dass er mit dieser keine bauliche Einheit bildete. Natürliche Felsen oder Geländeerhebungen wurden bei entsprechender Gelegenheit gerne und eingebaut das vorhandene Erdreich wurde entweder abgesteilt oder durch Aufschüttung ergänzt.

 
 

War er als Wohnturm eingerichtet, enthielt er die Wohnung des Burgherrn und konnte, je nach dessen Stellung, entsprechend aufwändig und repräsentativ ausgestaltet sein. Abgeschlossen wurde der Turm wohl meist von einer offenen oder überdachten Wehrplattform und erfüllte so eine Doppelfunktion als Wohn- und Wehrturm. Es gab in manchen Fällen jedoch auch reine Wach- und Wehrtürme, wenn das Wohngebäude des Burgherrn an anderer Stelle errichtet war. Bei dem Bauwerk musste es sich nicht zwangsläufig um einen Turm handeln, sondern der Platz konnte auch von einem Haus eingenommen werden. Erhaltene längsrechteckige Grundrisse legen in einigen Fällen die Anlage eines Saalbaus nahe, in anderen Fällen spricht die geringe Stärke mancher Pfostenüberreste für ein höchstens zweigeschossiges Gebäude. Ein eigener Brunnen konnte die Kernburg mit Wasser versorgen

 
 

Die Vorburg ist von einem eigenen Graben umgeben und durch Wall, Palisade, Mauer oder durch eine Kombination dieser Elemente eigenständig gesichert. Die zur Kernburg gerichtete Seite ist dabei in der Regel offen, was dem Prinzip der Abschnittsverteidigung entspricht: in die Vorburg eingedrungene Feinde konnten dann von der auf dem höher gelegenen Plateau gelegenen Befestigung aus bekämpft werden. Die Vorburg umfasst meist eine deutlich größere Fläche als die Plattform der Kernburg. Sie bot Platz für Wirtschaftsgebäude, Gesindewohnungen, Scheunen, Vieh- und Pferdeställe, die fester Bestandteil des bäuerlichen Betriebs auch einer frühmittelalterlichen Burg waren. Wenn nur ein Wehrturm als Kernburg diente, bildete die Vorburg somit das eigentliche Zentrum der Burganlage. Wurden die Kernburgen aufgegeben, betraf das aber nur die Burganlage, der Wirtschaftshof der Anlage blieb in den meisten Fällen erhalten. Spätere Wohn- und Wehrtürme wurden dann in der Regel aus Holz auf einem Feldsteinfundament errichtet. Außer den Feldsteinfundamenten lässt sich heute der Bau kaum noch nachweisen.

 
 

Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg  https://de.wikipedia.org/wiki/Motte_(Burg) sowie G. Ulrich Großmann (2013): Die Welt der Burgen: Geschichte, Architektur, Kultur und auch O. Pieper: (1905 Original, 2013 Nachdruck): Burgenkunde

 
     
     
   
     
  Rekonstruktionsversuch: Frühmittelalterlicher Wohn- und Wehrturm als schematisierte Fachwerkkonstruktion im Rohbau.
Copyright Werner Störk © 2020.  
 
     
     
   
     
  Rekonstruktionsversuch: Frühmittelalterlicher Wohn- und Wehrturm als schematisierte Fachwerkkonstruktion mit fertiger Brettverschalung und teilweise offenem Fachwerk.
 Copyright Werner Störk © 2020
 
     
     
  Um welchen Burgentyp handelt es sich bei der Anlage auf dem Kastelfelsen?  
     
  „Eine Höhenburg ist eine auf einer natürlichen Anhöhe errichtete Burg. Ihre Bezeichnung ergibt sich aus der Kategorisierung von Burganlagen anhand ihrer topografischen Lage. Nach dieser Unterteilung unterscheidet man Höhenburgen und Niederungsburgen (auch Flachlandburgen genannt). Höhenburgen können anhand ihrer genauen Höhenlage noch weiter unterteilt werden. Man unterscheidet: vier steile Seiten: Gipfelburgen, die auf dem Gipfel eines rundum steilen Berges liegen. Eine Sonderform stellen davon die Felsenburgen dar. Drei steile Seiten: Spornburgen, die an drei Seiten von steil abfallendem Gelände begrenzt sind und daher nur zu einer Seite des Berges verteidigt werden mussten. Zwei steile Seiten: Kammburgen, die auf einem Bergkamm oder -rücken errichtet wurden. Eine steile Seite: Hangburgen, die am Hang eines Berges errichtet wurden und so von einem ansteigenden Gelände überhöht werden. Als im 10./11. Jahrhundert Burgen ihren reinen Festungscharakter verloren und in verstärktem Maße adlige Wohnburgen aufkamen, wurde die Höhenburg aufgrund ihrer besseren Verteidigungsmöglichkeiten bevorzugt. Fast 66 Prozent aller heute bekannten Burgen haben eine solche Höhenlage. Anfangs war die Errichtung einer Höhenburg nur dem dynastischen Adel vorbehalten. Ab dem 12. Jahrhundert erbauten auch vornehme Reichsministeriale repräsentative Höhenburgen, denen schließlich im 13. Jahrhundert auch der niedere Adel folgte.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6henburg  
 

"Eine Hangburg wird nach ihrer Lage im Gelände benannt und liegt am Hang eines Berges unterhalb des Gipfels. Sie ist somit eine Art der Höhenburg. Der Bautyp kam in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts auf. Burgen dieser Art waren besonders durch Angriffe vom höher gelegenen Gelände gefährdet, weshalb sie dorthin oft durch eine Schildmauer oder einen Bergfried, oftmals auch durch eine Kombination dieser beiden passiven Verteidigungsbauwerke besonders geschützt wurden. Der Vorteil einer Hangburg war die wesentlich niedrigere Brunnentiefe. Gerade der Bau des Burgbrunnens stellte bei vielen Burgen sowohl den teuersten als auch den langwierigsten Abschnitt des Burgenbaus dar."  Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hangburg.

 
  "Eine Spornburg unterscheidet sich von anderen, nach ihrer unterschiedlichen Anlageweise benannten Burgen wie beispielsweise einer Gipfelburg, einer Hangburg oder einer Niederungsburg durch ihre besondere geografische Lage auf einem Bergsporn, also einer nach mindestens zwei Seiten steil abfallenden Geländeformation unterhalb der Bergkuppe. Eine Spornburg liegt somit unterhalb des Berggipfels, aber steil über dem Tal und ist die am weitesten verbreitete Art der Höhenburg im deutschsprachigen Raum. Unabhängig von der Tatsache, dass sich oftmals der Bergsporn als topografisch günstigste Lage für den Bau der Burg angeboten hat, bietet eine Spornburg den Vorteil, dass der Burgbrunnen – oft der geld- und zeitaufwändigste Teil einer Burg – nicht so tief gegraben werden musste wie bei einer Gipfelburg und die gesamte Anlage gleichzeitig näher an der zu schützenden Straßen- oder Schiffsverbindung lag. Oft wurde auch die Wasserversorgung mit Hilfe von Eseln als Lasttieren über extra hierfür angelegte Eselswege sichergestellt.  Da der Bergsporn auf mindestens zwei, manchmal auch drei Seiten steil abfällt, galt es, eine nur recht schmale Seite gegen Angreifer durch eine Schildmauer, einen Halsgraben oder oft durch eine Kombination dieser beiden wehrhaften Bauelemente zu schützen." Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Spornburg  
  Zieht man alle Merkmale in Betracht, handelt es sich bei der Burg auf dem Kastelfelsen unserer Meinung nach um eine Höhenburg in Form einer Kombination aus Hang-, Kamm- und Spornburg.  
 

Eine eigene typologische Kategorie bildeten die Rodungsburgen, die im Zusammenhang mit dem herrschaftlich gelenkten Landesausbau des im  Frühmittelalter  bis ins Hochmittelalter errichtet wurden. „Grundherrschaften beim Landesausbau lassen sich auch über die Burgen im Schwarzwald fassen, auch wenn für viele zwar archäologische, aber keine historische Überlieferung vorhanden ist oder umgekehrt. Rodungsburgen zur Sicherung der Territorien, aber vielleicht auch zur Sicherung der Erztransportwege und der Verhüttungsanlagen, weniger der Bergwerke, die niemand wegtragen konnte“ Quelle: „Siedlungsforschung. Archäologie - Geschichte - Geographie 10, 1992, in Verbindung mit dem Arbeitskreis für genetische Siedlungsforschung in Mitteleuropa, herausgegeben von Klaus Fehn Helmut Bender, Klaus Brandt, Dietrich Denecke, Franz Irsigler, WalterJanssen, Wilfried Krings, Michael Müller-Wille, Hans-Jürgen Nitz, Gerhard Oberbeck, Winfried Schic. „Burg: Verteidigungs- und Schutzanlagen kleinerer oder größerer menschlicher Gemeinschaften (Herrenburg,   Volksburg) seit Beginn der Sesshaftigkeit bis zum Ende des Mittelalters, die man ihrer Form nach als Turm-, Ring-, Mantel-, Abschnitts-, Doppel-, Hausburgen u.a. bezeichnet, ihrer Lage nach in Höhen-, Gipfel-, Hang-, Sporn-, Tal-, Wasserburgen u.a. einteilt. Weiters gibt es noch die sog. "Rodungsburgen", die als   Ausgangspunkt zur Urbarmachung der Landschaft, zur Rodung der Wälder, dienten.“ Quelle: http://www.burgenkunde.at/lexikon.htm. „Rodungsburgen entstanden in der Rodungszeit zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert in großer Zahl in den sich bildenden Rodungsinseln inmitten unkultivierter Urwälder. Eine Rodungsburg ist ein nach dem Zweck bzw. ihrer speziellen Funktion nach bezeichneter Burgentyp, der im Früh- und Hochmittelalter in unerschlossenen Gebieten als erste befestigte Ansiedlung gebaut wurde, um ein Gebiet urbar zu machen, zu roden und/oder die Kontrolle eines vorher besitzlosen Gebietes zu erreichen bzw. seine Herrschaftsansprüche nichtmilitärisch auszuweiten. Diese Burgenbezeichnung hängt eng mit den Herrschafts- und Siedlungserweiterungen zwischen dem 10. bis 14. Jahrhundert zusammen als im Zuge mittelalterlichen Landesausbaus bisher unbesiedelte Räume erschlossen wurden und meist zur Bildung von neuen Herrschaftsstrukturen oder neuem wirtschaftlichem Einfluss führen sollte. Deshalb ist dieser Begriff zumeist in dünn oder kaum besiedelten Mittelgebirgen bzw. im nördlichen Alpenvorland nachweisbar. Ein spezieller geografischer Typus Burg ist dem Begriff Rodungsburg nicht zuzuweisen, da dies abhängig von der geografischen Lage war. Zumeist waren die Burgen aber als (meist kleinere) Höhenburgen oder Talsperren angelegt. Die Rodungsburg wurde zu Beginn meist von mittleren oder Niederadelsschichten Edelfreien oder Ministerialen angelegt, später auch von der städtischen Patrizierschicht, die sich dadurch neuen Landbesitz bzw. eigene Herrschaftsbereiche oder den Ausbau von Wirtschaftsgrundlagen versprachen. Die Rodungsburg diente zumeist als Verwaltungssitz einer neuen oder sich erweiternden Herrschaft, deren Untertanen vorwiegend mit der Rodung des Landes befasst waren. Es bildete sich unter diesen Adligen eine eigene Schicht, die oft als Hochfreie bezeichnet wurden und direkt dem "Reich" unterstehende Adelsgeschlechter aus der Rodungszeit waren. Burgen, gegründet auf Rodungsland, tragen oft sprechende Namen. Dies trifft z. B. auf die verbreitete Namengruppe Wildenberg, Wildenstein, Wildeck und ähnliche Namensbildungen zu, denn das Wort »Wildnis « (»Wildnus«, »Wildung«) bezeichnet im Mittelalter eine urbarisierte Siedlungszone inmitten unkultivierten Geländes Leider ist die Bedeutung dieser Rodungsburgen und Rodungsherrschaften für die allgemeine Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters noch zu wenig, im besten Fall punktuell erforscht." In gewissen Regionen, wo ein intensiver Landesausbau in Verbindung mit der Errichtung zahlreicher Burgen betrieben worden ist, lässt sich nachgerade von einem »Kolonisationsadel« sprechen. Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Rodung bzw. Erschließung der noch nicht bewohnten bzw. noch bewaldeten Gebiete in erster Linie durch die Adeligen und ihrer Gefolgschaft erfolgte, wobei vor allem die „Ressource“ Mensch als Arbeitskraft wichtig war. Daraus ist zu schließen, dass viele Besitzer bzw. Lehnsnehmer versuchten, ihren Machtbereich durch die Gründung von Siedlungen zu vergrößern und dadurch potentielle neue Wirtschaftsgüter zu erlangen. In der Zeit zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert war es von besonderem Vorteil zu kolonisieren, da es nur wenige Abgaben zu leisten gab und man überwiegend unabhängig handeln konnte.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg

 
  Zieht man alle Merkmale in Betracht, handelt es sich bei der Burg auf dem Kastelfelsen unserer Meinung nach um eine Höhenburg vom Typus einer Rodungsburg in Form einer Kombination aus Hang-, Kamm- und Spornburg. Wobei wir darauf hinweisen, dass auch die Typisierung einer Rodungsburg nur teilweise zutreffend ist. Denn die starke Fortifikation der Anlage zeigt ein Bild von Wehrhaftigkeit, aber auch von der konkreten Gefahr und Möglichkeit, angegriffen zu werden da man sonst bei einer komplett "befriedeten" Rodungsburg auf die aufwändige Sicherung hätte verzichten können. Genauso wie die Burg keine reine Form der Sporn- oder Kamm- oder Hangburg ist sie ist eine den natürlichen Gegebenheiten und dem Schutzbedürfnis der Erbauer angepasste Burganlage – mit der ausgeprägten Möglichkeit einer optimalen Abschnittsverteidigung. Würde diese Burganlage in der Ebene auf einem künstlich aufgeworfenen Hügel stehen, wäre es eine Turmhügelburg oder Motte. Auch wenn unsere Burg auf einem künstlich angelegten Plateau oder einer Terrasse oder einem Podest steht und einen Wohn- und Wehrturm trägt, zählt sie nicht zu dem Motte-Typ.   
     

Hinweis: "Als Halsgraben wird ein künstlich angelegter Graben bezeichnet, der eine Burganlage nicht vollständig umschließt, sondern nur die Seiten des Areals abriegelt, die nicht durch natürliche Hindernisse geschützt sind. Er ist ein wichtiger Bestandteil des Wehrsystems vieler Höhenburgen. Ursprünglich wurde in der Burgenkunde der Ausdruck Halsgraben nur bei Burgen in Spornlage verwendet. Diese sind auf Grund ihrer Lage an drei Seiten von steil abfallenden Berghängen geschützt. Ein wirkungsvoller Angriff konnte deshalb immer nur von der Bergseite erfolgen. Eine Trennung der Anlage vom Landrücken erfolgte aus praktischen Gründen immer an der engsten Stelle des Bergsporns, dem „Flaschenhals“, daher der Name. Die Burg war dann nur noch über eine Brücke – meist eine Zugbrücke – erreichbar. Heutzutage wird der Begriff des Halsgrabens bisweilen auch auf anders geartete Burganlagen ausgedehnt, sofern diese an einer oder zwei ihrer Seiten einen tiefen Trockengraben besitzen, während sie auf den übrigen Seiten durch unzugängliches Gelände geschützt sind. Werden weitere Teile einer Burg, zum Beispiel Vor- und Kernburg mit einem solchen Graben voneinander getrennt, spricht man von einem Abschnittsgraben". Ein Halsgraben ist ein künstlich angelegtes Grabensystem einer Höhenburg. Der Halsgraben umschließt die Burganlage eben nicht vollständig, sondern riegelt nur die offenen Seiten des Burgareals ab, die nicht durch natürliche Hindernisse oder andere Kunstbauten geschützt sind."  Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Halsgraben Abschnittsgraben: "Ein Abschnittsgraben trennt separat befestigte Abschnitte einer Burg voneinander ab, beispielsweise Vorburg und Kernburg oder die einzelnen Teile einer Abschnittsburg". Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Burggraben.

     
     
   
     
  Sonderseite 
Halsgraben und Abschnittsgraben
 
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Wie sah vermutlich die Anlage unserer Burg auf dem Kastelfelsen aus? Zunächst war diese Burganlage wesentlich größer als die bereits vorgestellte Heimberg-Burg. Unsere Burganlage dürfte – bei allem, was wir über die anderen Burgen im Kleinen Wiesental und verbindlich wissen – flächenmäßig wohl zu den großen zählen. Burg Alt-Waldeck bei Tegernau liegt ebenfalls auf einem Bergsporn und das dortige Burgplateau ist oval, etwa 30 m lang und 15 m breit. Die Burganlage auf dem Kastelfelsen kann dagegen mit beeindruckenden Maßen und Flächen aufwarten:

 
 

Die Burganlage mit der Burgwarte und den Kastelhöfen in Zahlen (Messdaten ermittelt mit Geoportal BW und Google Earth-System): Entfernung Kanzelmauer zum nördlichsten Punkt der Anlage ca. 420 Meter, Entfernung Kanzelmauer zu den Kastelhöfen ca. 60 Meter, Entfernung Kernburg zu den Kastelhöfen ca. 180 Meter, Entfernung zwischen Kanzelmauer und Abschnittsgraben ca. 80 Meter, Entfernung zwischen Kanzelmauer und Halsgraben ca. 130 Meter, Entfernung Burgwarte zur Kanzelmauer ca. 180 Meter, Entfernung Burgwarte zu den Kastelhöfen ca. 130 Meter, Entfernung Burgwarte zur Kernburg 275 Meter, Fläche der Vorburg ca.2.900 qm, Fläche der Kernburg ca.5.300 qm (mit Abschnitts- und Halsgraben), Fläche künstliches Plateau für Kernburg ca. 1.800 qm, Fläche Burgwarte ca. 1.700 qm, Höhenlinie der Burgwarte ca. 650 Meter, Höhenlinie der Kastelhöfe ca. 617 Meter, Wirtschaftsfläche der Kastelhöfe (Talboden und Hochgestade) ca. 60.000 qm, Wirtschaftsfläche Vorburg ca. 5.000 qm, Wirtschaftsfläche Außenbereich der Vorburg ca. 10.000 qm, Nutzfläche Außenbereich ca. 42.000 qm, Rodungsfläche 1. Phase (geschätzt) westlich der Belchenwiese ca. 28.000 qm, Rodungsfläche 1. Phase (geschätzt) östlich der Belchenwiese ca. 150.000 qm, Rodungsfläche 2. Phase (geschätzt) östlich der Belchenwiese ca. 130.000 qm, Länge der Kanzelmauer ca. 80 Meter, Länge der Fortifikationslinie Hochgestade ca. 380 Meter, Länge der Fortifikationslinie Hochterrasse ca. 170 Meter, Länge des Abschnittgrabens ca. 97 Meter, Breite ca. 7 Meter, Länge des nördlichen Abschlussgrabens ca. 210 Meter, Länge der übrigen Fortifikationslinien (ohne Mauer) ca. 300 Meter, Länge des Abschnittgrabens ca. 97 Meter, Breite ca. 7 Meter, Länge des Halsgrabens ca. 60 Meter, Breite ca. 7 Meter, Zuwegungen Süd zur Burg ca. 100 Meter, Zuwegung Nord zur Burg ca. 320 Meter, Höchster Punkt der Burg ca. 664 Meter, tiefster Punkt ca. 628 Meter, schmalste Stelle der Burganlage ca. 14 Meter, breiteste Stelle der Anlage ca.100 Meter, Abtragungsfläche des natürlichen Hangprofils für die Bildung eines Halsgrabens 2.200 qm, Ausdehnung in NS-Richtung ca. 300 Meter, Ausdehnung in EW-Richtung ca. 270 Meter.

 
 

Unsere bislang unbekannte Burganlage umfasst einen ersten Wallgraben mit rund 350 Metern Länge (möglicherweise mit Palisaden oder Flechtwerk bestückt), dazu eine zweite, die erste fortführende Fortifikationslinie – möglicherweise auch mit Palisaden oder Flechtwerk bestückt – ein auf der natürlichen Böschungskante der Hangterrasse liegenden Erdwall mit 240 Metern Länge und eine 80 Meter lange und teilweise bis vier Meter hohe Stützmauer mit auffallender "Kanzel" nach Westen. Weitere 180 Meter bilden einen zusätzlichen Laufgraben/Laufweg (Kommunikation), der den nördlichsten Teil der Anlage mit der Kernburg verbindet und der später als Feldweg "umgewidmet" wurde. Wir nennen diese "Umwidmung" von Gräben bereits aus unserer Schanzenforschung - speziell beim Forst oder in landwirtschaftlich genutztem Gelände. Auf Grund der gesamten Fortifikation würde eine Sicherung ohne Laufgraben/Laufweg/ weder eine Abschnittsverteidigung zulassen noch eine Rückzugslinie - der Zugang zur Vor- und vor allem zur Kernburg wäre völlig entblößt und leicht einnehmbar. Von der Mauer im Westen bis hinauf zur Kernburg sind 170 Meter hangaufwärts mit starker Steigung zu bewältigen. Die Fläche der inneren Burganlage beträgt 28.000 m2, die Gesamtfläche mit den Wirtschaftshöfen rund 92.000 m2 und die bebaubare Fläche der Burg umfasst 5.600 m2. Ein mächtiger Abschnittsgraben (ca. 90 Meter lang und ca. 7 Meter breit) trennte die Vorburg von der Kernburg, dazu kam ein ebenso beeindruckender Halsgraben mit ca. 60 Meter Länge und ebenfalls ca. 7 Meter Breite.. Beide Gräben sind Segmente eines umlaufenden Ringgrabens. Die Fläche der Kernburg selbst erreicht 660 m2 und dem Wohn- und Wehrturm stand eine Grundfläche von 20 x 20 Metern zur Verfügung, wobei der Turm selbst eine Grundfläche von ca. 10 x 10 Meter – auch ggfs. etwas größer – einnehmen konnte. Hinweis „Bei dem Bauwerk musste es sich nicht zwangsläufig um einen Turm handeln, sondern der Platz konnte auch von einem Haus eingenommen werden. Erhaltene längsrechteckige Grundrisse legen in einigen Fällen die Anlage eines Saalbaus nahe, in anderen Fällen spricht die geringe Stärke mancher Pfostenüberreste für ein höchstens zweigeschossiges Gebäude.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg .Um Ochsen, Kühe, Pferde, Ziegen, Schafe, Gänse, Enten und Hühner sicher versorgen zu können, steht diesen eine  rund 12.000 qm große, nach außen geschützte und durch Zäune aus Weidengeflecht aufgeteilte Wiesenfläche zur Verfügung – auf der in direkter Nähe der Vorburg auch umzäunte Parzellen für den Gartenanbau angelegt wurden. Vermutlich war das ganze Hanggelände zwischen Vor- und Kernburg in Richtung Norden durch Flechtzäune aufgeteilt, um Groß- und Kleinvieh auf die Weide zu lassen.

 
 

Die tatsächlich ungewöhnliche Größe der Burg manifestiert sich auch darin, dass es zwei Wirtschaftshöfe mit mehreren Gebäuden gab, die als Kastelhöfe nicht in der Vorburg untergebracht, wurden, sondern außerhalb der Burg liegen. Was deren Sicherung und Schutz erschwerte – aber sie lagen ja auch im gewissen Sinne nur einen Steinwurf  (ca. 50 Meter) von der Burg entfernt – mit freier Sichtverbindung. Würden sie angegriffen, wäre man in Minuten Vorort gewesen bzw. hätte die Angreifer vom westlichen Plateau der Stützmauer gezielt unter Bogenbeschuss genommen. Die Auslagerung der Höfe bzw. die Errichtung dieser Siedlung genau an der gewählten Stelle ist primär in der gesicherten Trinkwasserversorgung zu sehen, die für Mensch und Tier überlebenswichtig war, aber auch für die Tätigkeit einer Mühle. Die direkte Ansiedlung auf der Talterrasse hat neben diesem Vorteil allerdings auch den Nachteil, dass die Höfe immer im Überschwemmungsbereich lagen und damit im Frühjahr bei der Schneeschmelze sowie im Herbst bei lang anhaltenden Regenfällen ständig in Gefahr waren. Dennoch überwog das Argument der Wasserversorgung, die so auf der Burg selbst nie hätte gewährleistet können. Zudem auch aus ganz praktischen Gründen hier Pferde, Ochsen und Kühe schnell zur Tränke am Bach geführt und wieder in die Stallungen zurückgebracht werden konnten (in unfriedlichen Zeiten wurden sie in die geschützten Außenflächen der Burg gebracht). Enten und Gänse erhielten so einen optimalen Lebensraum. Und die Schweine konnten von hier aus relativ schnell in die nahen Buchen- und Eichenwälder getrieben werden, wo sie sich an Eicheln und Bucheckern mästen konnten. Dass es namentlich "Kastelhöfe" waren, lasst den Schluss zu , dass die Siedlung aus mehreren Gebäuden bestanden - zumindest zwei, eines davon auf jeden Fall eine Mühle. Der Gemarkungsplan von 1888 zeigt nur einen "Kastelhof" auf der Rieder Seite, also auf der linken (westlichen) Seite der Belchenwiese, der Gemarkungsplan von Bürchau aus dem Jahr 1779 bildet am Standort der Kastelhöfe eine Mühle auf der rechten (östlichen) Seite der Belchenwiese ab. Mit der Trennung der Siedlung durch die Neuzuteilung der Gemarkungen wird der Rieder Kastelhof als "aufgegangene Siedlung Kastelhöfe" auch in LeoBW aufgelistet.

 
     
   
   
   
  LiDAR-Ausschnitt vom Forschungsgebiet Kastelhöfe und Sonnhalde südlich von Bürchau (Quelle. Geoportal BW)  
     
     
   
     
  Kombination Luftbild mit LiDAR unterlegt vom Forschungsgebiet Kastelhöfe und Sonnhalde südlich von Bürchau (Quelle. Geoportal BW)  
     
     
   
     
 

Rekonstruktionsversuch: Kombination Luftbild mit LiDAR unterlegt vom Forschungsgebiet Kastelhöfe und Sonnhalde südlich von Bürchau (Quelle. Geoportal BW, Grafik Werner Störk © 2020). Legende: Zugangswege (gelb/grün) Wallgräben mit Palisaden oder Flechtwerk (rot), Kontrollpunkte (Raute), Stützmauer (schwarz), Zugang über Brücke (weiß) und Felsenpfad (karminrot), natürliches Fels-Hindernis (braun), Trinkwasserversorgung (blau), Kernburg (Quadrat orange), Viehtränken (dunkelblau)..Mit der Erkundung der "Kanzel" einher ging auch eine Untersuchung des gesamten Mauerverlaufes. Dabei konnten wir feststellen, dass zwischen dem Mauerauslauf am Kastelfelsen ein sehr schmaler Pfad zur Brücke führte - sicherlich nicht für den "Publikumsverkehr", sondern wohl eher für die "Security", um ggfs. möglichst schnell Verteidiger von diesen Punkt zur Kanzel bzw. von dort hierher zu bringen (grau). Erklärung für weißen Kreis unten. Die Belchenwiese wurde auf Grund der Mäanderstrukturen bzw. den Spuren der Ufererosion entsprechend Gleit- und Prallhang rekonstruiert - damit fließt sie genau am Fuß des Kastelfelsen entlang.. Möglicher Brunnen (violett). Der gelbe Pfeil markiert eine mögliche Verteidigungslinie, um eine weitere Rückzugslinie für den nördlichen Abschnitt aufzubauen. Abschnittsgraben der Kernburg mit Halsgraben und freigelegtem Plateau (hellgrün). Teilsegmente des Ringgrabens (schwarz)

 
     
     
   
     
  Quellen Geoportal BW LiDAR Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Der LiDAR-Ausschnitt zeigt das Hollbachtal sowie den südlichen Zugang zur Burg über die Hollbach-Brücke und den sich dort anschließenden Felsenpfad.  
     
     
   
     
  Quellen Geoportal BW LiDAR Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Auch im realen Gelände noch gut erkennbar: Haldenstrukturen von anthropogenen Eingriffen für die Brückenauflagen.  
     
     
   
     
  Quellen Geoportal BW LiDAR Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Die Auflagenpunkte liegen exakt im rechten Winkel.  
     
     
   
     
  Quellen Geoportal BW LiDAR Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Die Auflagenpunkte liegen exakt im rechten Winkel.  
     
     
   
     
  Quellen Geoportal BW LiDAR Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Hollbach-Brücke mit Zuwegung und Felsenpfad.  
     
     
   
     
  Foto & Grafik Werner Störk © 2020   
 
  Die "Kanzel" in natura  
 
     
   
     
  Quellen Geoportal BW LiDAR Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Die große Mauer (gelb) mit dem ausspringenden redangleichen Winkel (Pfeil), der "Kanzel".   
     
     
   
     
  Quelle: Gemarkungsplan von 1777 Ortsverwaltung Bürchau © 2020  
     
  Der Gemarkungsplan von 1777 zeigt im südlichen Bereich (rot) der Unteren Sonnhalde keinen Weg oder Pfad, ebenfalls nicht im nördlichen Bereich (schwarz) - lediglich den
bekannten Zugang (gelb) zum Talboden und der dort 1781 errichteten Bogenbrücke aus Stein.
 
     
     
   
     
  Foto Werner Störk © 2020     
     
     
   
     
  Foto & Werner Störk © 2020     
     
     
   
     
  Quelle. Geoportal BW  
     
     
   
     
  Kombination Luftbild mit LiDAR unterlegt vom nördlichen Forschungsgebiet Sonnhalde südlich von Bürchau (Quelle. Geoportal BW) Grafik Werner Störk © 2020, Legende: Kontrollstelle der Passage (rot), die natürliche (gelb) Böschungskante (Wulstung keine Hangsolifluktion, sondern anthropogene Spur der möglicherweise künstlich erhöhten Kante), das Gleiche gilt für den Laufgraben/Laufweg (Kommunikation) (schwarz/weiß), Auslauf der beiden Fortifikationselemente - auch zur Sicherung der dortigen Quelle bzw. Bach > Trinkwasserversorgung). Der Laufgraben/Laufweg verband den nördlichsten Punkt der Burganlage mit dem der Kernburg. Die von uns eingebrachten Zuweisungen als Laufgraben/Laufweg, Wallgräben  etc. sind Arbeitshypothesen bzw. Interpretationen um eine optimale Sicherung der Burg im Norden zu erreichen. Auffallend sind die starken "Wulstungen" der jeweiligen Böschungskanten, die wir so auch bei den Wallgraben-Systeme der Schanzen kennen. Die gerne als zweifelsfrei primärer Auskofferung als Weg zugewiesene Interpretation berücksichtigt oft nicht die multifunktionale Nutzung solcher Gräben (bei uns liegen etliche Forstwege darauf) sowie die speziellen Ausprägungen, die den Wegebau von Wallgräben unterscheiden.  
     
     
   
     
  In der Flureinteilung zeichnet sich die "Passage" auffällig als "Flaschenhals" (enge, leicht zu kontrollierende und verschließbare  Stelle zur optimalen Verteidigung, vergleichbar mit einer Letze) ab (Quelle: Geoportal BW & Grafik Werner Störk © 2020). Wir wissen aus den Vergleichen mit Neuenweg und Gersbach, dass bei den ersten offiziellen Flureinteilungen man sehr bewusst nach jenen Messpunkten suchte, die mit einer möglichst "unverrückbaren" und nicht leicht veränderbaren Landmarke zu im wahrsten Sinne des Wortes unlösbar zu verbinden waren. Da waren Wall- und Grabenlinien willkommene Anhaltspunkte - Grenzsteine konnte man - auch bei massiver Strafandrohung - immer leicht versetzen.  Eine ganze Wall- oder Grabenlinie dagegen nicht. So folgten - und das lässt sich z. B. sehr gut in Neuenweg (siehe nachfolgend zwei Beispiele) nachzeichnen - die damaligen Flureinteiler sehr genau den einstigen Wall- und Grabenlinien, die sich heute noch so in der modernen Flurkarte wiederfinden.  
     
     
   
     
  Quelle: Quelle: Geoportal BW & Grafik Werner Stlörk © 2020  
     
  Die Flureinteilung folgt den alten Wegen, "unverrückbaren" Geländemarken und speziellen Geländeauffälligkeiten. Besonders interessant: der Flaschenhals (enge, leicht zu kontrollierende
 und verschließbare  Stelle zur optimalen Verteidigung, vergleichbar mit einer Letze) am "Kontrollpunkt" (gelb markiert)..
 
     
     
     
     
  Quelle: u.a. http://minifossi.pcom.de/Wallgraben-Wallsperren-System-Flur-Spitzkopf.html  
     
     
   
     
  Historische Aufnahme um 1950 mit Blick auf die Untere und Obere Sonnhalde und den Schorrbühl.  
     
     
   
     
  Historische Aufnahme um 1950 (Ausschnitt der Aufnahme oben).  
     
     
   
     
  Historische Aufnahme um 1950 (Ausschnitt der Aufnahme oben). Legende: auffälliges "Podest" der "Sonnhalde" (rot), vermutlicher einstiger Laufgraben/Laufweg/Kommunikation,
heute Feldweg (gelb), Palisadenspur (weiß), Wege (schwarz).
 
     
     
   
     
  Historische Aufnahme um 1950 (Ausschnitt der Aufnahme oben). Legende: auffälliges "Podest" der "Sonnhalde" (gelb).  
     
   
 

Wie wurde diese Burg verteidigt? Die Burganlage folgt dem typischen Bauplan einer Abschnittsverteidigung, wobei in diesem Fall der Zugangsebene speziell den natürlichen Gegebenheiten angepasst wurde. Aber sie weist auch ungewöhnliche Besonderheiten aus: so gibt es zwei völlig voneinander getrennte Zugangswege. Einerseits einen im Süden mit kurzem Aufstieg über die südliche Flanke des Hollbachtales, das mittels Holzbrücke überquert wird. Der Zugangsweg ist so schmal, dass er nur für den Personenverkehr im „Gänsemarsch“ und den kleinen „Packwarenverkehr“ genutzt werden kann. Zudem ist ein direkter Zugang zur Vorburg und vor allem zur Kernburg so nicht möglich – die Fortführung des Pfades erfolgt über einen speziellen Weg unterhalb der Steilkante und kann so natürlich sehr gut überwacht und mit einfachsten Mitteln verteidigt werden. Diese besondere Ausnahme, dass der Zugangsebene nicht vollumfänglich und direkt zur oder über die Vorburg führt, ist sicherlich auch dem Schutz- und Sicherheitsbedürfnis der Erbauer geschuldet. Und könnte auch als Hinweis auf politisch-herrschaftlich-klerikalen-familiären Konfliktbereiche zu werten sein (dazu später mehr). Da es von Süden und Südwesten gegen die hochaufragenden Felsbarriere keine reale Angriffsseite gab, war es umso wichtiger, die West- und Nordseite des Hanges zusätzlich zur natürlichen Böschungskante des Hochgestades mit bis zu 6 Metern Höhendifferenz zu sichern und zu schützen. Dazu wurde eine durchgehende Fortifikationslinie (wie oben beschrieben) errichtet, welche die gesamte Westseite (siehe Westsicherung Direktlink unten) umschloss und die natürliche Form und Struktur des Hanges mit einbaute. So wurde am Übergang zur Nordsicherung die dort bestehende natürliche Böschungskante durch einen Wallauflage - möglicherweise zusätzlich mit Palisaden oder/und Flechtwerk verstärkt - erhöht, was sich noch heute im Gelände abzeichnet (vergl. LiDAR-Fotos). Der Angreifer wurde bereits dort abgewiesen, konnte er dennoch eindringen, zogen sich die Verteidigung zunächst auf ihre erste Rückzugslinie (in den Laufgraben/Laufweg) zurück und konnte über die gesamte Hangseite aktiv agieren. Würde der Angreifer sich hier dennoch erfolgreich durchsetzen, hätten die Verteidiger eine nochmalige Rückzugs- und Verteidigungslinie rund um die Vor- und natürlich als letzte Möglichkeit, direkt um die Kernburg. Wir haben es also mit einer zweifachen Abschnittsverteidigung zu tun - einerseits von der Zugangsebene über die Vorburg zur Kernburg in West-Ost-Richtung und dann aber auch mit zwei horizontalen Rückzugslinien in Süd-Nord-Richtung. Für die Kommunikation zwischen Kernburg und nördlichen Außenanlagen fungierte der Laufgraben/Laufweg, der vor der Kernburg in den Abschnittsgraben mündet. Waffentechnisch sind wir noch im Zeitalter von Schwert, Dolch, Axt, Spieß, Lanze, Wurfspieß und Bogen - was einen konkreten Mann-Mann-Kampf voraussetzte. Ob bereits die Armbrust zum Einsatz kam - die zurückkehrenden Kreuzritter hatten mit der für sie unbekannten Waffe m Morgenland schmerzliche Niederlagen erlebt und tödliche Erfahrungen gemacht - ist ungewiss. Im Jahre 1139 verbot das Zweite Laterankonzil unter Papst Innozenz II. den Einsatz der Armbrust gegen Christen. Gegen die Waffe hielt keine Rüstung stand, was den gesamten Ritterstand in Frage stellte. Allerdings wurde das Verbot auf den Schlachtfeldern Europas wenig beachtet (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ge%C3%A4chtete_Kriegsmittel).

 
   
 

„Was die Hand kann machen, kann die Hand zerbrechen“,

wie es in einer südwestdeutschen Quelle aus dem späten Mittelalter heißt.

 
     
 
 
 
Quelle: Geoportal BW & Grafik Werner Störk © 2020    
 
Wenn man sich bereits schon seit bald zwei Jahrzehnten sehr intensiv mit der Fortifikation von Defensivsystemen und deren Einsatz im Sinne militärische Taktik und Strategie auseinandergesetzt hat, sind die defensiven Verteidigungsstrukturen - wie die frühmittelalterliche Abschnittsverteidigung - kein Buch mehr mit sieben Siegeln, sondern man fühlt sich auf gewohnten Terrain. Auch wenn sich natürlich die Waffentechnik nicht mit der des 17. und 18. Jahrhunderts vergleichen lässt. Die Grundstrukturen defensiven militärischen Handels sind gleich geblieben: möglichst simple, der Natur bereits vorhandene Annäherungshindernisse mit einplanen und die optimale Standortwahl, sich rundum mit einfachen Mitteln und wenig personellem Aufwand erfolgreich verteidigen zu können. Gehen wir dazu kurz auf die sechs oben aufgezeigten Varianten ein. Von linksoben nach rechts unten:  Die Kernburg wird nur mit einem Abschnittsgraben und einem Halsgraben geschützt - die Burg wäre relativ schnell in der Hand der Angreifer, die sie in einer koordinierten Zangenbewegung und unter Umgehung des Abschnittsgrabens bezwingen. Auch nur ein Ringgraben ist in diesem Gelände keine Option, da der Gegner unmittelbar von allen Seiten direkten "Zugriff" auf die Kernburg hat und sie in diesem Fall idealerweise einfach nur belagern muss, da er sämtliche Zugangsmöglichkeiten zur Versorgung mit Nahrungsmitteln und frischem Trinkwasser abschnürt. Selbst wenn die beiden bestehenden Gräben - Abschnitts- und halsgraben - scheinbar die Lösung bringen: auch sie ist kein wirksamer Schutz, das sie (Bild Mitte unten) relativ einfach umgangen werden können. Erst die Kombination mit natürlichen Annäherungshindernissen (in diesem Fall die steilen Flanken des Hollbachtales sowie ein weiteres Fortifikationselement: ein Wall mit Palisaden in Anlehnung an die dichte Urwaldgrenze des noch nicht gerodeten Areals gewährleistet den Schutz, den die Rodungsherren benötigen, um die Rodungsherrschaft zu gewinnen.
 
 
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW .& Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Rekonstruktionsversuch: Die Burg hat drei große Verteidigungsbereiche (weiß): im Westen sowie zwei Bereiche im Norden. Diese entsprechen in ihrer Verteidigungsfähigkeit dem Grundprinzip der Abschnittsverteidigung auf der Basis von ringförmigen Fortifikations- oder Befestigungslinien, die gleichzeitig als Abschnittsabwehrzentrum fungieren. So gibt es die kleine Abschnittsverteidigung auf dem unmittelbaren Burgengelände (kleine Kreise), wo man sich erst auf der jeweiligen Zugangseben dem Gegner stellt, um  sich dann abschnittsweise - also über die Vorburg - hinauf zur Kernburg zurückzieht. Dasselbe Prinzip gilt auch für die großen Verteidigungsräum speziell im Norden. Auch hier gilt das Prinzip der Abschnittsverteidigung analog dem auf dem Burggelände. Wichtig dabei sind die jeweiligen möglichst sicheren Rückzugslinien. Für den Schutz der Kastelhöfe (schwarzer Rahmen) bzw. auch der Burgwarte (nur Ringwall) gelten besondere Kriterien, da diese über keine eigenen bzw. zusätzlichen Befestigungsstrukturen verfügen.  
     
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW .& Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Rekonstruktionsversuch: Für die Normalbögen des Frühmittelalters - also nicht nach dem späteren Vorbild englischer Langbögen - galt eine direkte treffsichere Schussweite von rund 70 Metern - in unserer Grafik mit rot markiert. Wurde der Bogen hoch gehalten, erfolgte als ein "hoher" Bogenschuß - erreichte der Schütze eine Distanz auf ca. 200m Meter Entfernung. Dies war nur dann sinnvoll, wenn es eine größere Zahl von Bodenschützen war, die dann einen Pfeilregen auf den Angreifer niedergehen lassen konnte. Wir haben diese 200-Meter-Distanz mit gelb markiert. Im Mittelpunkt: die Kernburg (orange) und die von ihr aus zu kontrollierenden Zugangsmöglichkeiten zur Burg bzw. schützenswerte - weil nicht so gesicherte - Objekte wie die Kastelhöfe und die Burgwarte. Wie man sieht - eine sehr wehrhafte Burg, die nach allen möglichen Angiffsseiten ihre Verteidigungsfähigkeit unter Beweis stellen konnte.  
     
   
     
 

Figuren Plastic Agincourt Archer Samples http://perry-miniatures.com/ & Grafik Werner Störk © 2020

 
     
  Zwei aktive Bogenschützen: links mit hochziehendem Bogen zum Weitschuss, rechts in fast horizontaler Pfeilhaltung im direktem unmittelbaren Feindkontakt auf kurze Distanz  
     
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW Ldar & Kombination Sat. & Grafik Werner Störk © 2020  
 
  Rekonstruktionsversuch: Eine genaue Analyse unter dem Gesichtspunkt Fortifikation & Sicherheit zeigt sehr schnell, dass der Standort - wie jeder andere auch - Stärken und Schwächen hat.  besonders eindrucksvoll ist die starke natürliche Südsicherung (dunkelblau) durch die steilen Flanken des Hollbachtales. Ebenso gut und auf natürliche Weise geschützt ist auch die südwestliche Flanke durch den Felsensporn, die Belchenwiese, dem sumpfigen Talboden und die hohe Böschung des Hochgestades, zusätzlich oben durch eine durchgehende Fortifikationslinie gesichert.. Allerdings nimmt das Hochgestade gegen Norden deutlich ab, so dass ein Angreifer dort ohne zusätzliche Fortifikationselemente an  mindestens zwei Stellen (schwarz) leichten Zugang auf diese natürliche Hangterrasse hätte, was eine unmittelbare Gefahr für die Burganlage bedeutete. Alle Bereiche der gesamten Burg wären massiv gefährdet. Ohne eine zusätzliche Sicherung der Nordseite würde man jeden Angreifer geradezu einladen, über diese entblößte Flanke die Burg zu attackieren bzw. durch eine Belagerung zur Aufgabe zu zwingen. Um dies zu unterbinden, benötigt diese Burganlage eine gut ausgebaute nördliche Sicherung (rot/gelb), idealerweise mit einer Rückzugslinie (gestrichelt gelb/durchgezogen hellgrün, die den gesamten Burgenbereich abdeckt und speziell nach Norden zusätzlich sichert. Der große Graben zwischen Vor- und Kernburg (weiß) der Halsgraben plus Teilsegmente des Ringgrabens (hellgrün). Kontrollpunkte als Raute.  
 
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW LiDAR & Kombination Sat. & Grafik Werner Störk © 2020   
     
  Ein erfolgversprechender Angriff (weiße Pfeile) auf die Burg von Süden oder Südwesten aus ist auf Grund der natürlichen Vorgaben nicht möglich.  
     
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW LiDAR & Kombination Sat. & Grafik Werner Störk © 2020   
     
  Jedoch hat der Angreifer die Möglichkeit, in Richtung Norden auszuweichen und die dort schwächer ausgeprägte Böschungskante zum Hochgestade relativ leicht zu überwinden
und so auf der Hochterrasse - sogar in relativ breiter Front (rote Pfeile)- die Burgen aus Norden kommend, massiv anzugreifen - die "entblößte" Burg wäre verloren. 
 
     
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW LiDAR & Kombination Sat. & Grafik Werner Störk © 2020   
     
  Um dies zu unterbinden, lässt der Burgherr eine lange Wallgraben-Linie (rote Linie) entlang der Böschungskante bzw. besser gesagt: genau auf der Kante errichten. Man kann davon ausgehen, dass hier eine Palisadenwand mit Wehrgang eingerichtet wurde. Mit Wehrgang deshalb, da sonst eine effektive Bekämpfung des Angreifers auf Grund der Höhendifferenz zwischen Hochterrasse und Talboden schwierig gewesen wäre. Mit einem Wehrgang hätten die Bogenschützen optimale Bedingungen, die gesamte Linie zu schützen.  
     
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW LiDAR & Kombination Sat. & Grafik Werner Störk © 2020   
     
  Aber auch eine solche beeindruckend lange Fortifikationslinie würde nicht den gewünschten Schutz erreichen: der Angreifer würde sie im Norden einfach umgehen und
 von dort in Richtung Burg vordringen - mit fatalen Folgen für die Verteidiger.
 
     
     
     
     
  Quelle: Geoportal BW LiDAR & Kombination Sat. & Grafik Werner Störk © 2020   
     
  Die Möglichkeit, den Angreifer mit einer "Mittelline" (orange) mit Flaschenhals (enge, leicht zu kontrollierende und verschließbare  Stelle zur optimalen Verteidigung, vergleichbar mit einer Letze) aufzuhalten, brächte nur einen Teilerfolg der Befestigungsbemühungen - auch hier bliebe die Umgehung (rote Pfeile) und das Ausweichen - in Folge mit einem unmittelbaren Angriff auf die Burg bzw. der Belagerung mit "Abschnürung" von Trinkwasser und "Aushungern", in dem die Versorgung mit Nahrungsmittel - z. B. von den Kastelhöfen - unterbunden wird. Auch die Kastelhöfe würde sich dann nämlich schon lange in der Hand der Angreifer befinden. Die Höfe und die Mühle - sie sind am meisten von einem effektiven und schnell reagierenden Schutzmechanismus von Seiten der Burg im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig abhängig.  
     
     
     
     
  Quelle: Geoportal BW LiDAR & Kombination Sat. & Grafik Werner Störk © 2020   
     
  Erst die Kombination aller Fortifikationselemente - kombiniert mit gut gesicherten Kontroll- und Überwachungspunkten (Rauten), die wichtigsten mit verschließbaren Toren, bietet den gewünschten Schutz und die Sicherheit, die ein solches Rodungsprojekt erfordern - dies macht aber auch deutlich, dass man sich nicht nur als Rodungsherrschaft sah, sondern eine vollumfänglich wehrhafte und optimal verteidigungsfähige Burg plante, die auch eindeutig das Risiko eines Angriffs bzw. einer Belagerung einplante - was auf territorial erwartete Konflikte hindeutet.. Vermuteter Waldrand damals (grün). Hollbachtal nicht passierbar - von Osten ist also kein Angriff möglich.  
     
     
   
 
  Quelle: Geoportal BW  & Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Auf der Westseite zog sich eine rund 380 Meter lange Wallgraben-Linie - zunächst exakt auf der Böschungskante zum Hochgestade hin - und sicherte damit nicht nur die Westflanke, sondern auch die dort einmündenden zwei wichtigsten Zuwegungen zur Burg selbst. So schützt diese Linie natürlich auch die Nordflanke - mit einem hangaufwärts laufenden Wallgraben. Die Auswertung der U.S.-Luftaufnahmen zeigt einen ausgeprägten und 1945 im Gelände noch sehr gut erkennbaren Wallgraben. Möglicherweise war er mit Palisaden (mit Wehrgang) bestückt, um so die schon bestehenden natürliche Höhendifferenz zwischen Hochgestade und Talboden noch mehr zu überhöhen - auf dann durchschnittlich 10 - 12 Meter! Leider sind die Aufnahmen punktuell nicht so scharf, wie wir sie uns wünschten. So ist der nördliche Auslauf der Linie nicht eindeutig, da dorrt vor Kurzem ein Hangrutsch die Straße verschüttete. Wir sind jedoch sicher, dass wir auch dort fortifikatorisch richtig liegen. Nur so konnte das deutliche Gefährdungspotential, dass ein Angreifer die dortige Erosionsrinne des Baches als Aufstieg und Umgehungsmöglichkeit der bestehenden Fortifikationselemente nutzt (siehe unten), verhindert werden. Gleichzeitig konnte auch nur so die beiden Zuwegungen effektiv kontrolliert, überwacht und ggfs. geschlossen bzw. speziell gesichert werden. Nicht eindeutig ist eine auffallend quadratische Form, die exakt am Übergang der Wallgrabenlinie zur Kanzelmauer erkennbar ist. Da wir die U.S.-Air-Force-Aufnahmen nur unter bestimmten Konditionen überhaupt veröffentlichen dürfen, haben wir die aussagekräftigen Details in der nachfolgenden pdf-Datei zusammengefasst.  
     
     
   
     
   Große West-Fortifikationslinie  
     
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  Foto  Werner Störk © 2020     
     
     
     
     
  Quelle Google Earth © Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Die bislang identifizierten Sicherungs- und Schutzsysteme der Burg von Süden aus gesehen - mit vermutlichem "Ring"-Ab- und Zusammenschluss im Norden.   
     
     
     
     
  Quelle Google Earth © Grafik Werner Störk © 2020   
     
  Die große Westsicherung von Nordwesten aus gesehen im Zusammenspiel mit den anderen wichtigen Fortifikationselementen. Die Kernburg mit Ringgraben, Abschnitts- und Halsgraben (weiß/blau/hellgrün/schwarz))  sowie dem Anschluss auf den nach Norden gerichtete Laufgraben als Kommunikation zum entferntesten Punkt der Anlage, der "Flaschenhals" (braun) als wichtigstes Verbindungsemelement (enge, leicht zu kontrollierende und verschließbare  Stelle zur optimalen Verteidigung, vergleichbar mit einer Letze) zwischen der unteren und der oberen Fortifikationslinie, die Kanzelmauer (orange) als südlicher Abschluß und das nördliche Endstück, da für uns nicht sicher zuweisbar ist. Das hangaufwärts laufende Endstück der unteren Fortifikationslinie schließt optimal den davorliegenden taleinschnitt mit Bach und Zuwegung ab, also fortifikatorisch die beiden Problemzonen in der, den Bachlauf und die dortige Zuwegung nach Osten und zur Kernburg. Dies wäre dann der nördlichste Kontrollpunkt für die Kernburg.  
     
     
  Aufnahmen der  U.S.-Air Force: Kriegsluftbilder des Kampfmittelbeseitigungsdienstes BW (KMBD) aus dem Jahre 1945  
     
   
     
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  Foto  Werner Störk © 2020    
     
  Was das menschliche Auge im Gelände wahrnimmt, kann die Kamera oft nicht einfangen - hier ist eine geometrisch-exakte Linie, die wir als anthropogen interpretieren.  
     
     
   
     
  Foto & Grafik Werner Störk © 2020    
     
  Wir deuten diese "künstliche" Linie als Spuren einer einst fortifizierten Böschungskante - möglicherweise mit Palisaden oder Flechtwerk bestückt.  
     
     
   
     
  Ausschnitt der historischen Ansicht von 1950.  
     
     
   
     
  Die historische Ansicht um 1950 lässt die Geländeanomalien der einstigen Fortifikation noch relativ gut im Gelände nachverfolgen: Böschungskante (grün),
Laufgraben/Laufweg (orange). Nordsicherung (rot), Hochgestadekante (gelb).
 
     
     
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  Photoarchiv Nordsicherung  
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  Detail aus der historischen Aufnahme um 1950: gut erkennbar die noch vorhandene Grabenlinie (Pfeile) - keine Viehtritt-Spuren oder Pfad.   
     
     
     
     
  Foto Werner Störk © 2020      
     
  Hier liegen gleich mehrere Fortifikationslinien im Gelände.   
     
     
   
     
  Quelle: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php?bestand=14213&id=3462009&screenbreite=1680&screenhoehe=1010  
  "Topographischer Plan von dem Elbenschwand und Bürchauer Bann", [Quelle: Generallandesarchiv Karlsruhe] Grafik Werner Störk Copyright 2020  
     
  1780 sind auf der von uns dort verorteten Fortifikationslinie noch ein Weg (rot) ausgewiesen - auch eine andere Linie (orange) wird als Weg eingezeichnet.  
     
     
 

Aufnahmen der U.S. Air Force: Kriegsluftbilder des Kampfmittelbeseitigungsdienstes BW (KMBD) aus dem Jahre 1945 (u.a.)

Direktlink Quelle: Luftbilder © KMBD, LGL, www.lgl-bw.de

 
     
   
     
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  Foto Werner Störk © 2020      
     
  Auch aus dieser Perspektive erkennbar: die "Linie" an der Hangoberkante. Die rechte Böschungslinie verbirgt heute die dort liegende langgestreckte Wallgraben-Anlage.   
     
     
   
   
 

Rekonstruktionsversuch: Kombination Luftbild mit LiDAR unterlegt vom Forschungsgebiet Kastelhöfe und Sonnhalde südlich von Bürchau (Quelle. Geoportal BW, Grafik Werner Störk © 2020). Legende: Zugangswege (gelb/grün) Wallgräben mit Palisaden oder Flechtwerk (rot), Kontrollpunkte (Raute), Stützmauer (schwarz), Zugang über Brücke (weiß) und Felsenpfad (karminrot), natürliches Fels-Hindernis (braun), Trinkwasserversorgung (blau), Kernburg (Quadrat orange), Viehtränken (dunkelblau). Mit der Erkundung der "Kanzel" einher ging auch eine Untersuchung des gesamten Mauerverlaufes. Dabei konnten wir feststellen, dass es wohl zwischen dem Mauerauslauf am Kastelfelsen ein sehr schmalen Pfad zur Brücke (grau) führte - sicherlich nicht für den "Publikumsverkehr", sondern wohl eher für die "Security", um ggfs. möglichst schnell Verteidiger von und zur Kanzel an diesen Punkt zu bringen. Mit gelben Pfeil markiert: eine noch Osten den Hang aufwärts laufenden Fortifikationslinie - um eine von Nord nach Süd agierende Abschnittsverteidigung zu ermöglichen. Mit Hellgrün markiert: der große Abschnittsgraben vor der Kernburg und der dahinterliegende Halsgraben mit angeschnittenem Hangprofil. Zusätzlicher Eintrag mit dem weißen Kreis: ein lange nicht geklärter "Abschluss" - läuft strukturell parallel mit der hier "auffälligen" Flureinteilung - genau wie der dann westwärts anschließende Weg (orange). Interpretation: sinnvoller Abschluss der dortigen Tal- und Hangsicherung. Fortifikatorisch wäre hier ein befestigter Talsabschluß sicherlich sinnvoll. Auf Grund des spitzen Winkels schließen wir eine alte Wegführung aus und weisen diesem Bereich die Funktion einer wichtigen Sperre zu, die hier den Aufstieg entlang des Baches stoppen soll und so eine mögliche Umgehung der zentralen Fortifikation der mittleren Linie zu unterbinden. Gleichzeitig sehen wir einen engen Zusammenhang mit dem als Laufweg(Laufgraben markierte Kommunikation.

 
     
     
 

 
  Quelle: Geoportal BW LiDAR, Grafik Werner Störk © 2020  
     
     
     
     
  Quelle: Kombination Geoportal BW LiDAR + Flureinteilung, Grafik Werner Störk © 2020   
     
     
     
   
     
  Fotos Werner Störk © 2020     
     
     
     
     
  Fotos Werner Störk © 2020      
     
     
     
     
  Fotos Werner Störk © 2020      
     
  Aus Vergleichsobjekten auf der Nordflanke am Spitzkopf von Neuenweg (oben 5 Motive) sieht man die doch erkennbaren Unterschiede bei einer palisadenbesetzen Wallkrone. Bei der nördlichen Böschungskante der Unteren Sonnhalde bei Bürchau haben wir eine verzogene, wulstartige Erhöhung mit einem relativ breiten Fuß. Die  Kriegsluftbilder des Kampfmittelbeseitigungsdienstes BW (KMBD) mit den  Nummern. 906854063, 909907069 und  909727093 aus dem Jahre 1945, angefertigt von der U.S. Air Force, bestätigen diese Befund. Wir interpretieren dies so, dass die westliche Fortifikationslinie (von der Stützmauer in Richtung Norden bis zum Kontrollpunkt, am ehesten mit einer Palisadenwand bestückt war, während die Fortführung nach dem Kontrollpunkt wohl eher durch ein Zaun erhöht wurde, der gleichzeitig auch natürlich der Koppelsicherung für die Tiere diente. Möglicherweise wurde dort die Palisadenwand nach Osten den Hang hinauf fortgeführt - was im Sinne der Abschnittsverteidigung von Nord nach Süd von Vorteil wäre und eine bei einem Angriff aus Norden - der Schwachstelle der Anlage - eine erste Rückzugslinien bilden könnte.  
     
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW  © 2020     
     
  Wir interpretieren diesen Bereich der Nordsicherung noch nicht abschließend.  
     
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW  LiDAR © 2020     
     
  Wir interpretieren diesen Bereich der Nordsicherung noch nicht abschließend und dokumentieren nur die auffallenden Geländeanomalien.  
     
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW & Grafik Werner Störk © 2020     
     
  Wir interpretieren diesen Bereich der Nordsicherung noch nicht abschließend und dokumentieren nur die auffallenden Geländeanomalien. Historische Wegführungen (schwarz).  
     
     
  Ausgeklügeltes Verteidigungskonzept mit gestaffeltem Defensivsystem in Form der Abschnittsverteidigung und unter starker Einbeziehung natürlicher Annäherungshindernisse. Das Verteidigungskonzept dieser Burganlage baut auf eine starke Einbeziehung natürlicher Annäherungshindernisse, um eine effektive Abschnittsverteidigung zu gewährleisten. Da der Norden und der Nordwesten sich als die eindeutigen Schwachstellen und unmittelbaren Angriffsflächen identifizieren lassen, ist erkennbar, wie die Planer des Verteidigungskonzept diesem Bereich eine besondere Aufmerksamkeit widmen. Und mit einem ausgeklügelten Gesamtsystem die möglichen Gefahrenzonen nachhaltig entschärfen und fest in das Defensivsystem einbinden. Ein wichtiger Pfeiler dieser Kombination aus Natur und Fortifikation sind die natürlichen Geländestufen, Geländekanten oder Terrainstufen sowie Terrassenbildungen. Geländestufen, Geländekanten oder Terrainstufen sowie Terrassenbildungen sind Hinweise auf die einstige erosive Wirkung des ursprünglichen Baches mit der Einmündung in die einstige Belchenwiese, bevor sie sich im Laufe der Jahrtausende immer tiefer gelegt hat und damit heute rund 20 Meter tiefer liegt. So sind die für die Burganlage wichtigen Bereiche einerseits durch die von den Bergflanken des Tales zur Belchenwiese abfließende Bäche entstanden und z. T. durch die Kleine Wiese selbst. Es sind mehrheitlich Zeugen postglazialer Prozesse. In der Geologie und Geomorphologie wird dafür auch die Bezeichnung Geländestufen an Talhängen benutzt. Die Verebnungsfläche bildet zusammen mit der Böschung die Begrenzung des Terrassenkörpers und formt in unserem Fall auch das Hochgestade mit seiner auch heute noch stark beeindruckenden Böschungskante Die .Böschung selbst ist ein natürlicher oder künstlich angelegter Geländeknick oder Geländesprung. Natürliche Böschungen entstehen durch geomorphologische Vorgänge (zum Beispiel Erosion, Bodenhebung, Sedimentation) und werden vielfach auch als Hang bezeichnet. Sie spielen im Verteidigungskonzept der Burg eine wichtige und im wahrsten Sinne des Wortes "tragenden" Rolle. Wikipedia schreibt: "Die Standsicherheit einer Böschung wird vom Böschungswinkel bestimmt und ist von einer Reihe von Einflüssen abhängig. Für den Fall, dass eine Böschung nicht standsicher ausgebildet ist, kann es zum Böschungsbruch kommen. Die Gestalt und die Lage der Abbruchkante unterliegt einem ständigen Erosionsprozess, was zur Folge hat, dass ab und an Teile der steilen Böschung abfallen und sich die Abbruchkante weiter in das Landesinnere bewegt. Aus diesem Umstand heraus. Terrassen können auf natürliche Art entstehen, wenn tiefer gelegene Bereiche eines sanft geneigten Geländes stärker der Erosion unterliegen als höhere; dadurch bildet sich eine Böschung und oberhalb davon bleibt eine Terrasse stehen. Es lassen sich zwei Formen unterscheiden, die Flussterrasse im eigentlichen Sinne durch direkte fluvatile Erosion am Talgrund, und die Talschulter durch folgende allgemeine Erosion an den Hängen. Die Übergänge sind teils fließend (Hangschultern als fossile Flussterrassen), und primär von der Physik (Härte und Schichtung) des Gesteins bestimmt. Ohne Nachweis der Standsicherheit gelten folgende Böschungswinkel bis zu einer Tiefe von 5,0 m: 45° bei nichtbindigen oder weichen bindigen Böden. 60° bei mindestens steifen, bindigen Böden. 80° bei Fels". Die Böschung und die Böschungskante waren Träger der Palisaden. "Palisaden sind 20–30 cm starke, 3–4 m lange, oben teilweise zugespitzte Pfähle. Sie werden in der Befestigungskunst als Hindernismittel mit Zwischenräumen von 6–8 cm etwa 1 m tief eingegraben und in der Erde durch eine Grundschwelle, am oberen Ende durch eine aufgenagelte Latte verbunden" (Quelle Wikipedia). Die Vorbereitung und der Einbau von Palisaden hat sich seit der Römerzeit kaum verändert - wir haben dies selbst beim Bau einer Lunette vor der Gersbacher Barockschanze im Rahmen eines experimentellen Archäologieprojektes praxisnah durchgeführt. Erst wird die geplante Palisadenlinie ausgepflockt und mit Seilen exakt die Lage der zu bearbeitenden Flächen bestimmt. Daraufhin wird vorsichtig der Grassoden mit einer Handbreit Humus daran mit einem speziell angefertigten Holzspaten (breite Schaufel) abgeschoben, zusammengerollt und mit Wasser befeuchtet (damit er nicht austrocknen) und separat gelagert. Dies wird parallel an der Böschungskante - wo der Graben für die Palisaden entsteht - sowie am Böschungshang vorgenommen. Während oben der Graben für die Palisaden ausgehoben wird, wird der Hang zwischen Böschungskante und Böschungsfuß auf ca. 60 Grad abgetragen - abhängig von der Verzahnung des Erdmaterials (je besser und standfester, je steiler, je weicher oder poröser, flacher). Das am Hangfuß gewonnene Material wird in Körben - die Steine separiert - zur Böschungskante getragen und dort hinter dem Palisadengraben aufgehäuft. Die Palisaden werden auf die Grundschwelle gesetzt, ausgerichtet (eventuell auch mit Seilen gesichert bzw. die Spitzen miteinander verbunden), die im Grabenbereich stehenden Palisadenstämme mit Steinen zusätzlich verkeilt und dann mit Erdreich aufgefüllt und verdichtet. Es bleibt offen, ob die Basis der Palisaden speziell behandelt wurden, z. B. durch Ankohlen oder man ein spezielles Sandbett vorbereitet hat. Beides um den Fäulnisprozess des Holzes - ca. 5 Jahre bis zum "Umfallen" - aufzuhalten. An strategisch bzw. topografisch wichtigen Punkten werden gekürzte Palisaden eingebaut, die für die Verteidiger die Möglichkeit schaffen, den Feind im Vorgelände unter Bogenbeschuß zu nehmen.. Durch seitliche schräge Bohrungen laufende Seilzüge können solche "Lücken" mit passenden Holzplanken verschlossen oder im Bedarfsfall auch nach außen bzw. nach unten stufenweise abgelassen werden. Damit erhält der Bogenschütze einen zusätzlichen Deckungsschutz sowie auch ein nach links und rechts offenen Bogenschussfeld. Die Palisadenwand erhält zur besseren Stabilisierung roh gezimmerte Planken, die quer zur Stammrichtung, also horizontal, die Rückwand der Palisaden verstärken. Ist die Windfracht an besonders exponierten Stellen sehr groß - ggfs. auch im Winter der Schneeanflug (Gewicht), kann die Palisadenrückwand zusätzlich mit kleineren Stämmen - schräg abgewinkelt - gestützt werden. Soll ein Erdwehrgang angelegt werden, wird das aufgehäufte Erdmaterial so hoch an die Palisadenwand aufgeschüttet und stark verdichtet, dass eine in gewünschter Höhe ebene Lauffläche entsteht. Falls die Höhe nur durch eine Holzkonstruktion erreicht werden kann, wird der Wehrgang mit  ausreichenden Grundbrettern versehen, die eine so breite Lauffläche bieten, dass sich zwei Personen aneinander vorbei bewegen können. Das offene Erdmaterial wird nun abschließend mit dem feuchten Grassoden sorgfältig abgedeckt, die Grasdecke angedrückt und bewässert - sie ist ein wichtiges Mittel zur Schutz vor Erosion. An der nun versteilten Böschungswand werden die Grassoden bis zum Anwachsen mit Weideruten fixiert, indem man diese links und rechts im Grassoden bis in den neuen Untergrund tief einsticht und so fixiert. Die Grassoden werden von unten nach oben reihenweise übereinander aufgelegt und abschließend bewässert. Dies wird in den darauffolgenden Tagen immer wieder vorgenommen, um ein schnelles Anwachsen und damit auch die Stabilitäten des durch den neuen, größeren Böschungswinkels des abgegrabenen Terrassenhanges zu gewährleisten. Vor der Böschungswand wurde - wenn es sinnvoll war - zusätzlich noch einen Spitzgraben angelegt, der die Annäherungen an die Palisadenwand nochmals erschwerte.. So stand der Angreifer vor einer mit der Palisade fast 8 - 10 Meter hohen Wand - ein echtes Bollwerk. Wobei dann die vor der Böschungswand liegenden Bereiche noch mit "grünem Stacheldraht", sprich mit Brombeerhecken bestückt wurden, um so nochmals ein zusätzlich natürliches "Dornröschen"-Annäherungshindernis zu schaffen. Wer schon einmal versucht hat (haben wir!) eine ausgewachsene Brombeerhecke zu durchqueren, weiß, wie unmöglich schmerzhaft ein solches Unterfangen ist.. Bei frühmittelalterlichen Burgen waren die kombinierten Wall-Graben-Systeme mit Palisaden unter gezielter Ausnutzung natürlicher Annäherungshindernisse eine der wichtigsten Schutzstrukturen und Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Abschnittsverteidigung.  
     
     
   
     
  Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Legende: Die Grafik zeigt die vier möglichen Phasen, in denen aus einem natürlichen Terrassenhang-Profil mit einfachsten Mitteln ein effektives defensives Annäherungshindernis entsteht: Mit 1 zeigt sich das natürliche Hangprofil einer Terrassenkanten mit 8 Metern Breite und 5 Metern Höhe - bei allen nachfolgenden Schritte exakt gleiches Maß. Bei 2 wurde aus dem Hangprofil durch Versteilung und Errichtung einer Palisadenwand mit aufgesetztem Erd-Wehrgang, Palisaden (4 Meter), Stützpfeiler, Grundschwelle und Querplanken ein beeindruckendes Fortifikationselement mit vorgelagertem Spitzgraben in der Gesamthöhe (aus dem Boden des Spitzgrabens) von insgesamt 15 Metern errichtet. Bei 3 wurde auf ein vorgelagerter Graben verzichtet. Eine Holzkonstruktion bildet einen Wehrgang. Die Palisadenwand wird auch hier mit Querbalken und mit Stützpfeiler zusätzlich gesichert - da die Rückwand nicht so wie bei Nummer 2 mit hochaufgeworfenem Erdreich als Wehrgangpodest  verstärkt wurde. Die Gesamthöhe beträgt hier immer noch fast 10 Meter. Die Nummer 4 dokumentiert das Bestreben des Hanges, sein natürliches Profil (rote Linie) wieder zurückzugewinnen. Nach Auflassen der Fortifikation werden die Erosionskräfte aktiv (Regen Wind, Schnee - ggfs. auch bei Beweidung der Viehtritt) und eine verstärkte Hangsolifluktion tritt ein. Auffallend bleibt die anthropogen verformte "wulstige" Terrassenkante (bei Erdwehrgängen natürlich deutlich überhöht) zum Hang hin - auf die Fläche bezogen sieht es oft aus wie mit einem Lineal gezogene Böschungslinie. Wenn der Graben nicht schon durch Abrutschung in Folge der Hangerosion auf natürliche Art und Weise aufgefüllt wurde, macht der Mensch dies und gewinnt so auf recht "einfachem Weg" einen gangbarer Pfad bzw. je nach Breite bereits einen begehbaren Weg. Dies gilt insbesondere für horizontal angelegte Wallgräben. Bei vertikalen Gräben liegt oft eine für die Begehung oder gar Befahrung zu starke Steigung bzw. ein zu großes Gefälle vor, um gefahrlos diese als Pfad oder Weg zu benutzen.  
     
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW & Grafik Werner Störk © 2020    
     
  Das zu sichernde Areal aus der Vogelperspektive.  
     
     
   
Quelle: Geoportal BW & Grafik Werner Störk © 2020 
     
  Die große Westsicherung (rot), die zentrale Sicherung (gelb), die nördlichen Sicherungselemente (orange/grün) und die Südsicherung (schwarz/weiß).  
     
     
   
  Quelle: Google © 2020     
  Nord-, Zentral- und Westsicherung aus der Vogelperspektive.  
     
     
   
     
  Quelle: Google, Grafik Werner Störk © 2020    
     
  Nord-(rot) , Zentral- (orange)  und nordöstliche Sicherung aus der Vogelperspektive.  
     
     
   
     
  Quelle: Google © 2020     
     
In Blickrichtung Norden.
     
     
   
     
  Quelle: Google, Grafik Werner Störk © 2020    
     
  Zentralsicherung (orange), östliche Nordsicherung (gelb) und Nordsicherung (rot).  
     
     
   
  Quelle: Google © 2020     
     
  Aus der Vogelperspektive.  
     
     
     
     
  Quelle: Google, Grafik Werner Störk © 2020    
     
  Zentrale Sicherung (orange), östliche Sicherung (gelb). Nordsicherung (rot), auffälliger Flur-/Gewann-Winkel (hellgrün).  
     
     
 
     
  Quelle: Google © 2020     
  Areal von oben.  
     
   
     
Quelle: Google, Grafik Werner Störk © 2020  
     
  Die wichtigsten Grundelemente der Abschnittsverteidigung laufen hier zusammen - mit möglichem Talabschluß als Sperre (grün) und Kommunikation.  
     
     
     
     
Quelle: Google © 2020   
  Das nördliche Areal als Gesamtansicht.  
     
     
     
     
  Quelle: Google, Grafik Werner Störk © 2020    
     
  Massiver Hangrutsch 2018 (blau) - darüber stark ausgeprägtes Feuchtgebiet, mit Fortifikationsstrukturen und Abschlußsperre (orange) der Aufstiegsrinne des Baches  
     
     
     
     
Quelle: Google © 2020  
     
  Die über 300 Meter lange Böschungs- und Hangkante des Hochgestades zur Niederterrasse.  
     
     
     
     
  Quelle: Google, Grafik Werner Störk © 2020    
     
  Westsicherung mit Wallgraben und vermutlich Palisaden (rot) mit Übergang zur Kanzelmauer (weiß).  
     
     
   
     
  Untere Sonnhalde: Zugangsebene mit Mauer (Kreis) und Übergang zur Vorburg (Quelle: Google, Grafik Werner Störk)  
     
     
   
     
  Quelle: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php?bestand=14213&id=3462009&screenbreite=1680&screenhoehe=1010  
  "Topographischer Plan von dem Elbenschwand und Bürchauer Bann", [Quelle: Generallandesarchiv Karlsruhe]  
  Grafik Werner Störk © 2020   
     
  Rekonstruktionsversuch: Legende links: Aufbau der Burg mit Zugang 1 (Z1) und Zugang 2 (Z2) auf Plateau 1 (P1) und Plateau 2 (P2)) mit Hauptbereich der Vorburg (VB), der Kernburg (KB) auf dem dritten darüberliegenden Plateau P3. Für die Kernburg wurde das Plateau 3 entsprechend zurückgebaut. Der Rücken des Felsensporns  und die Ausdehnung der Vor- und Kernburg  tragen die wichtigsten Bauelemente  der Burg. Der Zugang aus dem Süden (Z1) und der Zugang aus dem Norden (Z2).. Mit drei übereinanderliegenden Ebenen, gut ausgebildeten Plateaus inklusive der Spornlage erfüllen die geomorphologischen wie auch topografischen Konditionen alle Bedingungen für einen wehrhaften Standort.  
  Rekonstruktionsversuch: Legende rechts: der Zugang (rot) aus dem Süden, also durch das Tal von Tegernau in Richtung Norden kommend, wobei wir den  Standort des dortigen Übergangs als Brücke/Furt zur Überschreitung der Belchenwiese auch als möglichen historischen Brückenschlag favorisieren. Der Grund: dieser Übergang ist von der "Kanzel" aus (auf der Stützmauer) optimal einzusehen (blau) und mögliche Angreifer aus idealer Distanz von unter 200 Metern (Bogenschuß, Direktschuß ca. 70 Meter) mit Pfeil und Bogen früh zu treffen. Die gute Observation des Vorgeländes garantiert eine lückenlose Überwachung des Zugangsweges sowie des Brückenübergangs zur Burg sowie auf den sich anschließenden Felsenpfad. Mit der Erkundung der "Kanzel" einher ging auch eine Untersuchung des gesamten Mauerverlaufes. Dabei konnten wir feststellen, dass zwischen dem Mauerauslauf am Kastelfelsen ein sehr schmaler Pfad zur Brücke führte - sicherlich nicht für den "Publikumsverkehr", sondern wohl eher für die "Security", um ggfs. möglichst schnell Verteidiger von und zur Kanzel an diesen Punkt zu bringen (Pfeil/Linie schwarz).  
 
     
     
     
  Quelle: Geoportal BW LiDAR.   
     
  Rekonstruktionsversuch: Strategisch wichtiger Punkt: die Verteidigung der Brücke (rot) - durch eine direkte Verbindung zur "Kanzel" sowie einer optimalen Deckung durch die natürliche Felsformation des Kastelfelsen (orange) konnte der gesamte Zugangsbereich inklusive dem Talboden von Hollbach bis direkt an die Belchenwiese, aber auch die Brücke selbst optimal kontrolliert und effektiv verteidigt werden. Hier konnten sich Bogenschützen auf zwei Ebenen in Stellung bringen (weißer Kreis). Schwarzer Pfeil: Übergang von der Kanzelmauer auf die große Westfortifikation (Palisadenwand mit Wehrgang auf der Böschungskante des Hochgestades).  
     
     
     
     
  Foto & Grafik Werner Störk © 2020   
     
  Die drei übereinander liegenden Ebenen bzw. Plateaus, welche die Ebenen für den Zugang zur Burg (orange), die Ebene für die Vorburg (gelb) und das Plateau für die Kernburg (rot) bilden.   
     
     
   
     
  Foto & Grafik Werner Störk © 2020    
     
  Die drei übereinander liegenden Ebenen bzw. Plateaus, welche die Ebenen für den Zugang zur Burg (orange), die Ebene für die Vorburg (gelb) und das Plateau
für die Kernburg (rot) bilden. Kastelhöfe (Pfeil). Das eigentliche Areal der Burg (weiß).
 
     
     
     
     
  Foto & Grafik Werner Störk © 2020    
     
  Die drei übereinander liegenden Ebenen bzw. Plateaus, welche die Ebenen für den Zugang zur Burg (orange), die Ebene für die Vorburg (gelb) und das Plateau für die Kernburg (rot) bilden.
Das eigentliche Areal der Burg (weiß).  
 
 
     
   
 
  Foto Werner Störk © 2020   
 
  Die Fotos täuschen oft über das tatsächliche Gefälle und die Höhe der einzelnen Terrassen und deren Kanten - diese hier gibt einen realistischen Eindruck wieder.  
     
     
   
 
  Foto Werner Störk © 2020      
     
  Auch zum Hollbachtal (Pfeile) fallen die Flanken des Schorrbühl sehr steil ab und schützen so optimal die Burg auf der Südseite.  
 
     
   
 
  Foto Werner Störk © 2020     
     
  Südliche Steilflanke des  Schorrbühls zum Hollbachtal.  
     
     
   
     
  Quelle: Geoportal BW LiDAR & Grafik Werner Störk © 2020     
     
  Rekonstruktionsversuch: Der moderne Straßenbau hat die einstige Böschungskante zum Hochgestade (orange) und den Übergang zum Talboden nachhaltig umgestaltet. Auf der rechten Grafik sind die natürlichen Vorgaben, wie z. B. das Hochgestade und seine Niederterrasse (orange), sowie die natürliche Terrassenstrukturen (gelb und rot) markiert. Eine deutliche Abweichung von ursprünglichen Hangrelief sowie der dortigen Terrassenkante ist dort erkennbar, wo ein speziell ausgeformtes Plateau (schwarz) einen massiven Eingriff dokumentiert. Für uns das künstlich geschaffene Plateau für die Kernburg (weiß). Mit dem dort abgebauten Material wurde die zusätzliche Terrasse für die Kernburg aufgebaut. Abschnittsgraben und Halsgraben der Kernburg (hellgrün).  
     
 
Zwei  Phasen der Burg-Befestigung analog von zwei Rodungsphasen: Zur richtigen Einschätzung der Fortifikation dieser Burganlage ist sehr wichtig zu begreifen, dass wir es mit zwei Phasen des Ausbaus - parallel zur Ausdehnung der jeweils gerodeten Waldflächen - zu tun haben. In der Phase 1 liegt im Norden und im Osten des Burgareals in unmittelbarer Nachbarschaft noch nicht gerodetes Gelände, also nicht begehbarer oder gangbarer Urwald. Daher war weder nach Osten und eben auch nicht nach Norden eine massive Befestigung der Burg notwendig. Erst mit der Rodungsphase nach Norden und durch die dort gewonnenen, jetzt waldfreien Flächen, drohte plötzlich unmittelbar Gefahr für die Burg. Ein Angreifer der die Talsohle auf dem Hochgestade umlief, konnte  von Norden her über die relativ niedere Terrassenkante des Hochgestades die Burg in breiter Front angreifen. Daher mussten jetzt dort umfangreiche Fortifikationselemente dafür sorgen, dass dies unterbunden wird. So entstand nun im Norden ein umfangreiches Befestigungssystem, um auch diese Seite der Burg nachhaltig zu sichern und zu schützen. Daher liegen die beiden wichtigsten Schutzelemente der Kernburg, der Abschnittsgraben und der Halsgraben in Nord-Süd-Richtung und sind nicht - was beim Bau der Burg mit bereits gerodetem nördlichem Gelände zwingend gewesen wäre -  in Ost-West-Richtung angelegt.
 
 
 
Quelle Google Earth & Grafik Werner Störk © 2020      
 
Links: Phase 1, rechts Phase 2.
 
     
   
     
     
  Historische Aufnahme um 1950: Spitze des solitären Kastelfelsen (gelb), südliche Stützmauer (rot)  
     
     
   
     
  LiDAR der unteren Sonnhalde im Zielgebiet unserer Untersuchungen (Quelle: Geoportal BW LiDAR)  
     
   
   
     
  Rekonstruktionsversuch: Im Zielgebiet unserer Untersuchungen (Quelle: Geoportal BW LiDAR & Grafik Werner Störk © 2020), Legende: Zugangspfad zur Brücke (gelb), Brücke (orange), Mauer (rot), den die Mauer nach Süden homogen abschließenden Kastelfelsen (grün), der Pfad nach Übergang der Brücke unterhalb der Vor- und Kernburg (weiß), Übergang der Mauer zum möglicherweise palisadenbesetzten Wallgraben (hellgrün), Standort der Kernburg (schwarz)  
     
 

Unser besonderes Augenmerk gilt der rund 80 Meter langen, teilweise bis zu vier Meter hohen Westmauer (die im Süden lückenlos an das natürliche Felsmassiv des hohen Kastelfelsen anschließt). Sie ist einerseits das architektonisch und statisch notwendige Bauelement sowie das noch einzige steinerne sichtbare Indiz für die einstige Burganlage. Wobei die hohe Mauer auch bei uns einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Die Stützmauer war notwendig, um das sich nach Osten anschließende Plateau für die Zugangsebene und vor allem für die Vorburg aufzubauen. Damit erweiterte man das Raumangebot für die hier zu errichteten Gebäude deutlich. So schaffte man aber auch eine zusätzliche Sicherheit – die schützende und gleichzeitig auch „abweisende“ Mauer war damit auch optimales Fortifikationselement. Und erhöhte gleichzeitig die mächtige und wehrhafte „Außenwirkung“ der gesamten Burganlage. Um wie viel mehr Staunen und möglicherweise auch Furcht löste es bei denjenigen aus, die damals vom Süden her durch das Belchenwiese-Tal hinaufkamen und einst von der kleinen Holzbrücke aus einen ersten Blick auf die Kastelhöfe, dann aber auch auf die hoch aufragenden Burg hatten. Die massiv-wuchtige Mauer auf dem rund 16 Meter hohen Felsen der Westseite, welche die bereits schon natürliche Böschungskante des Hochgestades noch zusätzlich „hochwachsen“ ließ, muss damals sehr beeindruckend gewesen sein. Die exponierte Spornlage ließ die Burg wie ein großer Adlerhorst erscheinen und machte ihrem Charakter als Höhenburg alle Ehre.  Die Größe des höchstens Plateaus - wo wir die Kernburg ansiedeln - lässt Raum  für einen Halsgraben und eine schützende Palisadenwand - dem letztmöglichen Verteidigungspunkt entsprechend der Abschnittsverteidigung. Der Kartenzeichner hat die natürlichen Vorgaben von drei Ebenen sehr gut dargestellt - welche die Voraussetzungen für eine idealtypische Anlage und die damit mögliche Abschnittsverteidigung bilden. Wobei wir bei einer frühen Rodungsphase davon ausgehen, dass von Osten her kein Angriff erfolgen konnte, da wir hier ein geschlossenes, infrastrukturell nicht berührtes Gebiet sehen - möglichweise mit einem einzige schmalen  Pfad in Richtung Bergkamm mit Überstieg ins Große Wiesental.

 
     
     
   
     
  Ausschnitt aus der historischen Aufnahme um 1950.  
     
     
   
     
  Legende: solitärer Kastelfelsen (grün), Übergang der Kanzelmauer in die natürliche Felsbastion (orange), Teilstück der Mauer (gelb), "Kanzel" (weiß).  
     
     
   
     
  Historisches Foto um 1950 (Ausschnitt)  
     
     
   
     
  Was heute völlig verhurstet und mit bereits hohen Bäume zugewachsen ist, stellt sich um 1950 noch relativ "blank" dar und lässt die einstigen Zuwegungen (gelb) in Abhängigkeit zu den Fortifikationselementen klar erkennen: die südliche Zuwegung von der Brücke mit der Seitenlinie zur "Kanzel" (gestrichelt), der untere Pfad, der an der gesamten Burg vorbeiführt, dann der obere Pfad, der am Abschnittsgraben (rot) vorbeiläuft und auch den Halsgraben (orange) nicht tangiert. Der rote Pfeil markiert die Kanzelmauer im Übergang zu den natürlichen Felsbastionen sowie den solitären Kastelfelsen (weiß).  
     
     
   
     
  Quellen: https://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_gemarkungsplaene/labw-4-468233/Hohenegg+Raich+Kleines+Wiesental+L%C3%96+Oberh%C3%A4user+Raich+und+Ried+Bild+1  
  https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php?bestand=14217&id=10111983&screenbreite=1680&screenhoehe=1010, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-468233  
   
  Gemarkungsplan (1888) von Hohenegg (Raich, Kleines Wiesental LÖ), Oberhäuser, Raich und Ried, Bild 1 [Quelle: Landesarchiv BW]  
     
     
   
     
  Quellen: https://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_gemarkungsplaene/labw-4-468233/Hohenegg+Raich+Kleines+Wiesental+L%C3%96+Oberh%C3%A4user+Raich+und+Ried+Bild+1  
  https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php?bestand=14217&id=10111983&screenbreite=1680&screenhoehe=1010, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-468233  
   
  Ausschnitt: Gemarkungsplan (1888) von Hohenegg (Raich, Kleines Wiesental LÖ), Oberhäuser, Raich und Ried, Bild 1 [Quelle: Landesarchiv BW]  
     
   
   
     
  Quellen: https://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_gemarkungsplaene/labw-4-468233/Hohenegg+Raich+Kleines+Wiesental+L%C3%96+Oberh%C3%A4user+Raich+und+Ried+Bild+1  
  https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php?bestand=14217&id=10111983&screenbreite=1680&screenhoehe=1010, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-468233  
     
  Gemarkungsplan (1888) von Hohenegg (Raich, Kleines Wiesental LÖ), Oberhäuser, Raich und Ried, Bild 1 [Quelle: Landesarchiv BW] mit Siedlung Kastelhof und Flurnamen "Im Kastel" auf Rieder Seite.  
     
     
   
     
  Quellen: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php?bestand=14213&id=3462048&screenbreite=1680&screenhoehe=1010    http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1721478  
   
  Plan über den Kühlenbrunner, Oberhaeuser, Ried und Hohenecker Bann (1770 - 1780)   
     
     
     
     
  Quellen: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php?bestand=14213&id=3462048&screenbreite=1680&screenhoehe=1010    http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1721478  
     
  Detail aus dem Plan über den Kühlenbrunner, Oberhaeuser, Ried und Hohenecker Bann (1770 - 1780)  noch mit der Siedlung "Castel" und weiter nördlich der "Burchauer Muhl" (siehe Kreis oben) am Fuße des Kastelfelsen. Das Mühlrad der Mühle wird unterschlächtig dargestellt. Im Historischen Ortslexikon von LeoBW erfolgt der Hinweis auf Kastel oder Castel: „Aufgegangener Ort. Liegt auf Gemarkung Bürchau. Im Anschluss an den Zinken Kastelhöfe, Gemarkung Raich. Der Name dürfte auf eine abgegangene Burg hinweisen, von der jedoch nichts weiter bekannt ist (siehe auch Raich).“ “Kastel oder Kastell – beide Begriffe bedeuten das Gleiche: „Kastell (vom lateinischen castellum‚ Burg, Festung) bezeichnet: allgemein einen befestigten Ort, eine Befestigungsanlage oder ein befestigtes Militärlager, siehe Burg“. Quelle: https://de.wikipedia.org/ wiki/Kastell.  
     
     
   
     
  Foto Werner Störk © 2020     
     
  Das sich im Süden an die Kastelhöfe anschließende Gewann "Im Kastel".  
     
     
   
     
  Foto Werner Störk © 2020     
     
  Blick vom Gewann "Im Kastel" in Richtung Norden.  
     
     
   
     
  Foto Werner Störk © 2020     
     
  In Blickrichtung Süden auf das Gewann "Im Kastel".  
     
     
   
     
  Foto Werner Störk © 2020     
     
  In Blickrichtung Norden von der Gewanngrenze "Im Kastel" auf das Haus (ehemalige Mühle) der heutigen Siedlung Kastelhöfe. Der Gemarkungsplan von 1888 zeigt nur einen "Kastelhof" auf der Rieder Seite, also auf der linken (westlichen) Seite der Belchenwiese, die Gemarkungspläne von Bürchau aus dem Jahr 1779 bildet am Standort der Kastelhöfe eine Mühle auf der rechten (östlichen) Seite der Belchenwiese ab. Mit der Trennung der Siedlung durch die Neuzuteilung der Gemarkungen wird der Rieder Kastelhof als "aufgegangene Ortschaft Kastelhöfe" auch in Wikipedia aufgelistet.
     
     
     
 
     
     
  Quelle rechts: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php?bestand=14213&id=3462009&screenbreite=1680&screenhoehe=1010  
  "Topographischer Plan von dem Elbenschwand und Bürchauer Bann", [Quelle: Generallandesarchiv Karlsruhe]
  Quelle links: Gemarkungsplan von 1777 Ortsverwaltung Bürchau © 2020   
 
  Detail am Rande: Oben: Die beiden Gemarkungspläne, links und mittig von 1777 und rechts von 1779 weichen in der Darstellung der Mühle deutlich voneinander ab: während der Seitenarm der Belchenwiese (weiß/hellblau) und die Belchenwiese (dunkelblau) sowie die Einmündung des Seitenarms noch vor dem Hollbach (schwarz) relativ deckungsgleich eingezeichnet sind,  wird in der Karte von 1777 auf den ersten Blick der Seitenarm zum Energieträger - was dann oberschlächtige Wasserführung bedeutet, während auf der Karte von 1779 eindeutig des Wasserrad in der Belchenwiese - also als unterschlächtige Wasserzuführung eingezeichnet ist. Dennoch zeigt auch die Darstellung der Mühle von 1777 einen erkennbaren Gebäude-"Anbau" (oben links), den man auch als unterschlächtiges Wasserrad deuten kann. Also eine Mühle, die offensichtlich beide Antriebsarten besaß - sicherlich eine Möglichkeit, bei sehr hohem Wasserstand der Wiese - wie z. B. in der Zeit der Schneeschmelze - auf die gut regulierbare "Kanalwasserführung" des Seitenarms zurückgreifen zu können und so den Betrieb "störungsfrei" weiter betreiben zu können.  
     
     
   
     
  Quelle. Geoportal BW) Grafik Werner Störk © 2020,  
     
  Rekonstruktionsversuch: "Erstmalig erwähnt wurde die Mühle 1695, und bis 1942 war sie als Getreidemühle in Betrieb. In diesem Jahr wurde der Betrieb als Getreidemühle eingestellt, da kaum noch Getreide angebaut wurde. Dafür wurde dann das Rad als Antrieb für eine Holzsägerei genutzt. Als im Jahr 1952 die Elektrifizierung in Bürchau Einzug hielt, war die Mühle und das Mühlrad nicht mehr nötig. Im Jahr 1986 entschloss sich Fritz Bollschweiler das Rad, das früher direkt am Haus angebracht war, auf der Wiese vor seinem Haus als Erinnerung an die alte Mühle". Quelle: Man kann davon ausgehen, dass die Standortwahl der Burg auf dem Kastelfelsen auch dadurch bestimmt war, dass man so in unmittelbarer Nähe zur Belchenwiese an einem idealen Mühlenstandort lag. Die Belchenwiese war somit zweifach ein wichtiger Entscheidungsträger: als Energielieferant für eine Mühle und kontinuierliche, frische Trinkwasserversorgung für die dort zu errichtenden Wirtschaftshöfe, aber auch ein wesentliches Fortifkationselement, da der Bach/Fluss direkt am Hangfuß des Spornfelsen entlang fließt und somit eine direkte Begehung von dieser Seite bzw. einen Angriff unmöglich macht. Die Belchenwiese wurde auf Grund der Mäanderstrukturen bzw. den Spuren der Ufererosion entsprechend Gleit- und Prallhang (Pfeile) rekonstruiert  
     
 

Copyright Werner Störk © Eigene Texte, Grafiken & Fotos 2020

 
     
     
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