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Die Entdeckung und Erforschung einer bislang unbekannten frühmittelalterlichen Rodungsburg
  Rodungsinsel Bürchau mit Rodungsburg auf der Sonnhalde
 
 Höhenburg als kombinierte Hang-, Kamm- und Spornburg südlich Bürchau, OT Kastelhöfe und Untere Sonnhalde mit Schorrbühl,
Kleines Wiesental, Baden-Württemberg.
 
 
 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldeck_(Adelsgeschlecht,_Schwarzwald), Ansicht des Klosters St. Blasien um 1562. An vierter Stelle in der ersten Reihe das Walcho von Waldeck zugeschriebene Wappen des „Baselamtes“. L. Schmieder: Das Benediktinerkloster St. Blasien. Augsburg 1929. Abb. 17."Wahrhaffte abcontrafeung des würdigen gotteshaus St. Blasien auf dem Schwarzwald im Konstanzer Bistum an der Alb gelegen im Jahreszahl MDLXII". Aufbewahrungsort: Sankt Paul / Stiftsarchiv. Im rechten oberen Eck wird frisch gerodetes Land angedeutet.

Der erste Schritt zur Urbarmachung„ Der erste Schritt zur Urbarmachung von Land bestand deshalb seit der Landnahmezeit in Mitteleuropa in der Rodung eines Waldgebietes und der Anlage einer Siedlung, in deren Peripherie sich Agrarflächen befanden. Zum Weiden wurden Tiere in den Wald getrieben. Bei einer manuellen Rodung werden die Bäume mit Äxten oder Sägen gefällt und die Stümpfe zum Beispiel mit einer Hacke („Reuthaue“) abgetragen, manchmal auch mit Hilfe von Tieren (z. B. Ochsen) ausgerissen. Bei der Brandrodung wird zumeist das Abschneiden und Abbrennen der Vegetation kombiniert. Zur Benennung merkt ein Biologie-Lexikon an, der Wortbestandteil Rodung sei irreführend, da die Wurzelstöcke im Boden belassen werden. Der Ausdruck Schwenden bezeichnet zumeist eine historische Methode der Landgewinnung. Beim Schwenden wurde der Baumbestand oft zunächst durch Ringelung ausgetrocknet. Unterholz und Gestrüpp wurden entfernt, ebenso Äste und immer wieder die neu entstehenden Triebe (Schneitelung). Nach dem Verdorren des Baums gab es folgende Möglichkeiten: Abbrennen: Die ausgetrockneten Bäume werden gezielt verbrannt, um landwirtschaftliches Nutzland zu gewinnen. Die Brandreste sorgen für hochwertigen, gedüngten Boden. Laut dem Großen Konversations-Lexikon von Meyers (1905–1909) fielen die geschädigten Bäume ohne weiteres Zutun irgendwann um. Mechanisches Fällen der Bäume, um anschließend auf der Fläche – um die Stubben*) herum – Feldbau zu betreiben. Beim Schwenden entfiel die aufwendige Entfernung des Wurzelwerks. Ein weiterer Vorteil war die geringere Erosionsgefahr der so gerodeten Flächen, besonders in abschüssigen Lagen, da die Wurzeln das Erdreich festhielten. Ein Hackbau war zwischen den Baumstumpf möglich. Für den Pflugfeldbau war die Methode aber ungeeignet, besonders wegen des hohen Gewichtes der nicht leicht umzusetzenden Pflüge.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rodung.

"Eine weitere Form der Weidfeldbewirtschaftung war das "Schorben" oder "Stürzen", das vor allem in den südlichen Schwarzwaldregionen beheimatet war. Auch hier stand die Weidenutzung eindeutig im Vordergrund, die Ackernutzung spielte eher eine untergeordnete Rolle. Bei dieser Landnutzungsmethode wurde die Grasnarbe im Frühjahr abgezogen, den Sommer über trocknen gelassen und im Herbst zusammen mit Reisig auf Haufen verbrannt. Daraufhin wurde die Asche wieder als Düngung auf die gerodete Fläche ausgebracht (Abetz 1954, GÖTZ 1936) und es folgte ein dreijähriger Zwischenanbau von Roggen, Hafer und teilweise Kartoffeln (Eggers 1957: 201). Nach über 500-jährigen Bemühungen der Menschen, sich dauerhaft im Schwarzwald niederzulassen, fand die Kolonisation im 14. Jahrhundert im großen und ganzen ihren Abschluss (Metz 1977). Nun war es gelungen weite Teile der einstigen Urwälder auf Dauer in Kultur zu nehmen. Dabei waren die Ansprüche der verschiedenen Nutzergruppen, die sich im Laufe der Zeit im Schwarzwald ansiedelten, an ihre Umwelt und den Wald sehr unterschiedlich und es bildete sich ein sehr reichhaltiges und ungeregeltes Mosaik der verschiedensten Nutzungsarten nebeneinander. Jede Gruppe nutzte ihre Umwelt auf sehr spezifische Art und Weise und nahm so gewollt oder ungewollt Einfluss auf die Struktur und Beschaffenheit der sie umgebenden Ökosysteme. Dadurch wurden die vor dem Beginn des menschlichen Einflusses mehr oder weniger geschlossenen Waldungen des Schwarzwaldes zunehmend ihres Bestandes beraubt. Der Wald bot damals Holzvorräte im Überfluss, deren Wert dementsprechend gering eingeschätzt wurde, da es sich hier nicht um ein knappes Gut handelte. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass im Mittelalter der Wert vieler Waldungen nicht nach den Holzvorräten, sondern nach der Zahl der hierin zu mästenden Schweine geschätzt wurde (VÖGELMANN 1871). Die großen Rodungen im Zuge der Kolonisation des Schwarzwaldes wurden vor allem mit Hilfe des Feuers und der Axt (Ringelung der Bäume) durchgeführt. War dabei das Kronendach erst einmal ein Stück weit geöffnet und hatte sich eine mehr oder weniger flächendeckende Boden Vegetation eingestellt, so konnte durch den Vieheintrieb und durch regelmäßig angelegte Brände der Wald weiter gelichtet bzw. das Land offen gehalten werden (Metz 1977)". Quelle: Hans D. Page (2002): Feuer in der Landschafts- und Landnutzungsgeschichte des Schwarzwaldes, in: Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 92, Heft 2, S. 53- 89, Freiburg 2002

 
Quelle: Google Earth © 2020    
 
Die Rodungsinsel Bürchau heute.
 
 
 
Quelle: Google Earth © 2020     
 
Die Rodungsinsel Bürchau heute spiegelt wohl sehr genau das damalige Landschaftsbild und Rodungs- bzw. Waldfläche
zum Abschluss der ersten Rodungstätigkeiten bis um 1250.
 
 
 
Quelle: Google Earth © 2020 & Grafik Werner Störk © 2020         
 
Rodungsburg (rot) mit Burgwarte (orange) in der Rodungsinsel von Bürchau.
 

Spezial-Aufnahmen der U.S. Air Force: Kriegsluftbilder des Kampfmittelbeseitigungsdienstes BW (KMBD) aus dem Jahre 1945 (u.a.)

Direktlink Quelle: Luftbilder © KMBD, LGL, www.lgl-bw.de

 
 
 
 
Zwei  Phasen der Burg-Befestigung analog von zwei Rodungsphasen: Zur richtigen Einschätzung der Fortifikation dieser Burganlage ist sehr wichtig zu begreifen, dass wir es mit zwei Phasen des Ausbaus - parallel zur Ausdehnung der jeweils gerodeten Waldflächen - zu tun haben. In der Phase 1 liegt im Norden und im Osten des Burgareals in unmittelbarer Nachbarschaft noch nicht gerodetes Gelände, also nicht begehbarer oder gangbarer Urwald. Daher war weder nach Osten und eben auch nicht nach Norden eine massive Befestigung der Burg notwendig. Erst mit der Rodungsphase nach Norden und durch die dort gewonnenen, jetzt waldfreien Flächen, drohte plötzlich unmittelbar Gefahr für die Burg. Ein Angreifer, der die Talsohle auf dem Hochgestade umlief, konnte  von Norden her über die relativ niedere Terrassenkante des Hochgestades die Burg in breiter Front angreifen. Daher mussten jetzt dort umfangreiche Fortifikationselemente dafür sorgen, dass dies unterbunden wird. So entstand nun im Norden ein umfangreiches Befestigungssystem, um auch diese Seite der Burg nachhaltig zu sichern und zu schützen. Daher liegen die beiden wichtigsten Schutzelemente der Kernburg, der Abschnittsgraben und der Halsgraben in Nord-Süd-Richtung und sind nicht - was beim Bau der Burg mit bereits gerodetem nördlichem Gelände zwingend gewesen wäre - in Ost-West-Richtung angelegt.
 
 
 
Quelle Google Earth & Grafik Werner Störk © 2020      
 
Links: Phase 1, rechts Phase 2.
 

Quelle: https://de. wikipedia.org/wiki/Rodung: „Eine Rodung ist im ursprünglichen und engeren Sinn das Entfernen von Gehölzen, also Bäumen oder Sträuchern, mitsamt ihren Wurzeln. Im weiteren Sinn zählen zur Rodung auch das bloße Fällen von Bäumen („Schlagrodung“) ohne Wiederaufforstung sowie die Brandrodung und das Schwenden; in diesen Fällen verbleiben die Baumstümpfe beziehungsweise das Wurzelwerk häufig im Boden. Das Ziel der Rodung von Waldflächen ist es in der Regel, den Boden einer anderen Nutzung (Weidefläche, Ackerbau, Siedlungsbau, Verkehrswegebau) zuführen zu können. Bei einer (kompletten) Baumrodung werden die Bäume samt Baumstumpf (auch „Stock“ genannt) in einem Arbeitsdurchgang gerodet. Häufig werden nur Baumstümpfe gerodet, nachdem irgendwann zuvor die Bäume gefällt worden sind, oder ein einzelner Baumstumpf wird gerodet (Wurzelstockrodung, Stockrodung, Wurzelrodung). Bei einer Wurzelstockrodung wird das Wurzelwerk entweder weitgehend entfernt (Komplettrodung) oder Teile des Wurzelholzes werden im Boden belassen (Teilrodung). Bei einer manuellen Rodung werden die Bäume mit Äxten oder Sägen gefällt und die Stümpfe zum Beispiel mit einer Hacke („Reuthaue“) abgetragen, manchmal auch mit Hilfe von Tieren (z. B. Ochsen) ausgerissen.“

 
 
Quelle: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php?bestand=14213&id=3462009&screenbreite=1680&screenhoehe=1010
"Topographischer Plan von dem Elbenschwand und Bürchauer Bann", [Quelle: Generallandesarchiv Karlsruhe]
 
Der Gemarkungsplan von 1779/1780 zeigt, wie weit die landwirtschaftliche Nutzung über die weiterhin erfolgte Rodung - also nach 1250 - vorangeschritten war und wie viel
Fläche zwischenzeitlich (bis 2020) der Wald wieder zurückerobert hat. Rot markiert: die beiden Silberecken - im freien Gelände.
 
 
 
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Cpg_164_(Heidelberger_Sachsenspiegel)?uselang=de#/media/File:Heidelberger_Sachsenspiegel_26v_-_Dorfgruendung.jpg (bearbeitet)
 
 Illustration aus dem Heidelberger Sachsenspiegel,  in der mittleren Szene wird Wald gerodet. Erstellt: Anfang des 14. Jahrhunderts.
 
„Ein Wurzelstock hält sich erstaunlich lange am und im Boden. Es kommt natürlich auf seine Dimension an. Am dauerhaftesten ist die Eiche. Ich kenne Eichenstöcke, die noch steinhart sind und bei denen der Sproß sicherlich schon vor 50 Jahren gefällt worden ist. Eher schnell verwittern die Stöcke des Weichlaubholzes wie zum Beispiel der Weide. Die Buche dürfte zwischen diesen beiden Extremen liegen. Die Buche ist auch nicht stockausschlagfähig. Andere Baumarten wie Ahorn, Esskastanie, Birke, usw. sind dies hingegen schon. Eine gut durchgeführte Ringelung ist ein sicheres Todesurteil für jeden Baum. Sie wird zum Teil in der Jungbestandspflege eingesetzt. Aber der Todeskampf zieht sich, den der Baum ist erst völlig abgestorben, wenn die Wurzel durch Mangel an Zuckerstoffen vollends abstirbt. Man durchtrennt ja die Bastschicht unter der Borke. In dieser Schicht werden die Assimilate, die in der Baumkrone durch Photosynthese hergestellt werden nach unten in Richtung Wurzel transportiert. Die Wurzel ist auf diese Versorgung von "oben" angewiesen, da sie unterirdisch ja keine Photosynthese betreiben kann!" (Quelle: Revierleiter Rüdiger Motzke, Bürchau).
 
 
 
Quelle: Gayer, Karl (1883): "Die Forstbenutzung" - Gerätschaften zur Rodung von Waldflächen -(Samnmlung & Archiv Werner Störk 2020)
 
 
 
 
Quelle: Google Earth & Grafik Werner Störk © 2020    
 
Rekonstruktionsversuch: Wir gehen davon aus, dass die von uns schraffierte Fläche der ersten Rodungsperiode der Waldecker zuzuordnen ist.
Die rote Line markiert die kurze Verbindungsmöglichkeit ins Große Wiesental.
 
 
 
 
Quelle: Google Earth & Grafik Werner Störk © 2020     
 
Rekonstruktionsversuch: Die zeitliche Abflöge der verschiedenen Rodungsphase.
 
 
 
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