Rheingold

Bei den badischen Goldern
am südlichen Oberrhein


 

Beschaffenheit: Flitterchen im Süden 2 - 4 mm groß (bei Karlsruhe 0,2 mm), sehr selten "grobes" Gold oder Bleche, 1 Gramm ca. 20.000 Flitterchen (bei Karlsruhe 1 Gramm = 200.000 Flitterchen) durchschnittlich 22 Karat, der Goldgehalt schwankt jedoch zwischen 92 - 98 Prozent, der Silbergehalt zwischen 2 - 8 % Prozent. Die Herkunft des Rheingoldes kann nicht eindeutig bestimmt werden, wohl alpinen Ursprungs, jedoch aus mehreren "Quellen".
Rheingold
Rheingold
Foto & Sammlung: MINIFOSSI
Schwerkonzentrat: Granat, Magnetit, Quarz, Hämatit, Ilmentit, Zirkon, Rutil, Zinnstein, Korund, Platin etc.. "Beifang" beim "Goldern": "Rheinkiesel" (abgerollter Bergkristall) : Sie wurden in Freiburg zu beliebten Schmucksteinen geschliffen. Sehr wichtig war der "Streusand" für die Amtsstuben und Kanzleien - der Verkauf brachte für die Golder mehr Erlös als das gewaschene Gold, das von der Karlsruher Münze oft unter dem amtlichen Goldpreis angekauft wurde (Schwarzmarkt).
Gewinnungsmethode: Arbeitsweise vom Trockenen ins Nasse. Mit dem "Nirsch" Prüfung der Waschwürdigkeit, Waschbank mit "Schwäbischem Filz" (drei Lagen), Sturzkorb, "Schiffchen" zum Verdichten, Amalgamieren. In den Jahren 1939 - 43 Versuch mit technisch neuzeitlichen Methoden eine wirtschaftlich-rentable Gewinnung mit dem Schwimmbagger "Rheingold" (nur 300 Gramm). stich2.jpg (7952 Byte)
stich.jpg (8953 Byte) Golderträge: Von 1748 bis 1874 insgesamt 366 Kilogramm Gold. In den Jahren 1830 - 1839 wurden pro Jahr rund 8 Kilogramm gewaschen. Eine dreiköpfige Waschmannschaft erzielt pro Jahr durchschnittlich 20 Gramm. Auf Grund eines beständigen Schwarzmarktes sind diese Zahlen jedoch unvollständig. Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt die gewaschene Goldmenge vermutlich über einer Tonne.
Verwendung: Überwiegend Münzen und Medaillen ("Ex sabulis Rheni" - "Aus Rheinsand"), weltliche und sakrale Kunstobjekte wie Monstranzen, Obstschalen, Edelsteinfassungen, Uhrgehäuse (mehrheitlich verschollen oder eingeschmolzen), Toilettenservice der Stefanie von Baden , Adoptivtochter Napoleons (Landesmuseum Karlsruhe), Hermann Görings 30-Gramm-"Nibelungenring" (verschollen). stich4.jpg (8250 Byte)
Golder-Camp am badischen Altrhein
Golder-Camp am badischen Altrhein
Geschichte: Schon die Kelten wuschen vor 2.000 Jahren an den Ufern des Rheines. Die Römer waren ebenfalls aktiv. Spektralanalytische Untersuchungen bestätigen auch bei alemannischen Goldgegenständen eine auffallende Affinität zum Rheingold. Die Goldwäscherei wurde durch das ganze Mittelalter hindurch betrieben. Zu jener Zeit nannte man die Flitterchen prosaisch "güldene Flügelein". Bis ins 19. Jahrhundert hielt sich das mehrheitlich nur im Nebenerwerb ausgeübte Gewerbe. Überwiegend "bedürftige" Fischer, Bauern und Handwerker wuschen vor allem in den Wintermonaten und nach den starken Frühjahrs- und Herbstüberschwemmungen das Gold in den "Goldgrienen". Hauptberufliche Goldwäscher arbeiteten noch bis 1874. Die letzten nebenberuflichen Golder hörten zwischen 1940 und 1944 mit ihrer Arbeit endgültig auf. Wesentliche Ursachen die zum völligen Abgang dieses traditionsreichen Gewerbes führten waren die Erfindung des Löschpapiers, die Tullasche Rheinkorrektion (1817/76), die Badische Revolution (1848) mit einer starken Auswanderungswelle nach Kalifornien und Australien, der Goldrausch in Kalifornien (1848/49) mit einem Verfall des Goldwertes, der soziale Wandel im Verlauf der Industriellen Revolution sowie der Bau des Rheinseitenkanals (1928/32).
Literatur: Die Spanne reicht von der Epik bis zur fachwissenschaftlichen Abhandlung - wohl kein Gold der Erde findet sich so oft in der Literatur wieder. Die AG MINIFOSSI verfügt über eine spezielles Rheingold-Archiv, in dem derzeit allein über 350 deutschsprachige Einzeltitel archiviert sind.