Einzigartiger kulturhistorischer Schatz
 
 Schanzen- und Wall-Systeme bei Neuenweg
 
Schlossboden & Eck & Spitzkopf
 

Historisch bedeutsames Ensemble mit kulturhistorischem Alleinstellungsmerkmal 

 

Werner Störk © 2016

 
 Luftaufnahme undatiert - Repro historisches Postkartenmotiv
 
Neuenweg (Bildmitte, links) mit "Hau"-Pass (links) und "Eck"-Pass rechts und mit Blick nach Süden ins Kleine Wiesental
 
Mit der intensiv erforschten und aktuell bestehenden archäologischen Sachgesamtheit aus einer Linienschanze, der Hau-Redoute (Viereckschanze mit Vorposten), einer ästhetisch-symmetrischen und sehr gut erhaltenen Sternschanze (Polygonal-Schanze), der großen Linienschanze auf dem Holderkopf, der beeindruckenden Ringwall-Befestigung auf dem Schlossboden, dem Schänzle über dem Klemmbachtal, der Eck-Schanze auf dem Eck-Paß, dem  Wall-Graben-  und Wallsperren-System am nördlichen Spitzkopf sowie den vielen Laufgräben (Kommunikationslinien) zwischen den Schanzen besitzt die Gemeinde Neuenweg regional wie auch archäologisch somit ein einzigartiges historisches Ensemble mit einem besonderen kulturhistorischen Alleinstellungsmerkmal. Zählt man noch das Epitaph an der Neuenweger Kirche des Johann von Markloffski (1648 – 1691) mit dazu, besitzt und hütet die Gemeinde Neuenweg einen in dieser Form einzigartigen kulturhistorischen Schatz, den es zu sichern und zu schützen  gilt.
Ich verweise auf die bereits ausführlich dargestellten Schanzobjekte auf dem Hau (Sternschanze, Viereckschanze mit Vorposten und Kommunikationslinien), die Holderschanze mit Vorposten und großem Wallgraben) und lenke den Fokus daher jetzt auf die beiden neu erforschten Anlagen: den Schlossboden und die Redoute auf der Eck sowie die sehr interessante Nordflanken-Sicherung am Spitzkopf.
 
 
Luftbild von Neuenweg 2005 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg http://www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899, Grafik  & Archiv & Sammlung Werner Störk 2017    
 
Die Land-Kommunikationen (gelb) und die freien Sichtverbindungen (weiß) der südlichen Schanzen auf dem "Hau" zum "Eck"-Pass und dem "Schlossboden".
 
 
 
Luftbild von Neuenweg 2005 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899, Grafik  & Archiv & Sammlung Werner Störk 2017     
 

Legende: Rekonstruktionsversuch der archäologischen wie auch strategischen Situation auf der Basis der konkreten Bodenspuren auf dem "Eck" und Schlossboden. Deutlich wird im Vergleich mit dem Luftbild oben und der strategischen Ausrichtung der Schanzanlagen, dass sich bereits bei den damit ein- und ausgerichteten Sichtverbindungen zwei völlig unterschiedliche Angriffs- bzw. Verteidigungsrichtungen erkennen lassen: die Anlagen auf dem "Hau" haben ihre Verteidigungsstrukturen auf einen Angriff von Westen eingerichtet, die Anlagen auf dem "Eck" sind für einen Angriff aus dem Osten über den "Hau" vorbereitet. Was wiederum natürlich auch Rückschlüsse auf das jeweilige militärische Szenario zulässt bzw. einen Hinweis auch auf die zeitliche Entstehung der Anlagen zulässt.

 
Für all´ jene, die in den markierten Linien "landwirtschaftliche Bodenbearbeitungsspuren" sehen wollen, empfehle ich den Gang Vorort und die feldpraktische Überprüfung am Objekt. Wer angesichts von bis zu 7 Metern breiten und 4 Meter hohen Wallstrukturen immer noch mit "durch das Pflügen an Äckergrenzen" oder "das Anlegen von und für landwirtschaftliche Nutzung vorgesehene Terrassen" argumentiert, dem sei noch ein letzter Hinweis gegeben den ich gerne, aber auch bewusst im Zusammenhang mit dieser Diskussion immer wieder in Erinnerung rufe: das gesamte, ich wiederhole: das gesamte fragliche Areal von den "Dörflinger Äcker" hoch bis übers "Eck" und hoch zum "Schlossboden" samt "Schafsboden" war - wie der Gemarkungsplan von 1753 eindeutig beweist - lediglich extensiv genutzte Weideland (vergl. Textpassage unten)– überwiegend für Schafe. Unten: die Original-Luftaufnahme von 1968 hat ein Pixelvolumen von ca. 140 MB und bestätigt - bei entsprechender Vergrößerung - in vielen Details genau das, was grafisch umgesetzt wurde.
 
 
Luftbild von Neuenweg 1968 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899, Grafik  & Archiv & Sammlung Werner Störk 2017     
 
Auf der Basis der Feldarbeit und der Auswertung von alten Luftaufnahmen sowie der modernen Lidarscans entstand diese Übersichtsgrafik mit den Schanzen-, Wall-, Wallgräben-, Sperrgräben- sowie Kommunikationslinien-System von Neuenweg. Dort wo es missing links gab, wurde diese sorgfältig - entsprechend dem Gesamtsystem - ergänzt. Das Besondere in Neuenweg: das Gelände, auf denen die Fortifikationselemente errichtet wurden, war zu 95 Porzent kein Ackerland, sondern wurde nur im Rahmen einer extensiven Weidewirtschaft genutzt. Die Gemarkungskarte von Fresson aus dem Jahre 1753 verzeichnet in diesem Gebiet - im Gegensatz zum unmittelbaren Umfeld von Neuenweg - keinerlei Ackerfläche oder sonstige Flur- und Gewanneintragungen. Mit der demnach erst nach 1753 erfolgten Neueinteilung dieses Flurbereiches orientierten sich die Neuenweger an den vorhandenen Wall- und Grabenlinien und übernahmen diese als Flur- und Gewanngrenzen. Deshalb blieben so viele Spuren der einstigen Fortifikation erhalten - wobei diese über mehrere Epochen - vom Mittelalter ausgehend bis ins 18. Jahrhundert - immer wieder benutzt wurden. Eine weitere Besonderheit in Neuenweg: Die Wälle wurden nicht aus einem dafür extra angelegten Graben aufgeworfen und zum Wallkörper geformt, sondern mehrheitlich wurden die Wälle aufgeschüttet. Dies hat auch zur Folge, dass keine für die Landwirtschaft störenden Gräben existierten, die man dann wieder auffüllen musste - dazu hat man anderenorts dann wieder die Wallkörper in den Graben zurückgeschaufelt und beide waren weg: der Wall und der Graben. Deshalb ist die Situation in Neuenweg auch archäologisch so interessant und so reich.
 
Daten Hinweis: Die Meßdaten wurden Vorort durch Band- und Lasermessung mit Leica Rangemaster LAF 1200 bzw. mittels Google-Earth-System-Messung ermittelt. Alle Werte sind ca.-Werte.

 
Ringwall-Anlage Schlossboden
 

Gesamtfläche: ca. 90.000 m²,  Gesamtlänge der Wallanlagen: ca. 1.600 mOberer Ringwall: 200 m, Unterer Ringwall: 260 m,  Halsgraben: Länge 70 m, Breite 12 m. der einstige schmale Hals-Grat: vor dem Halsgraben: 16 m breit, Zugang im Norden: 10 m breit, Fläche 600 qm, Umfang 130 m. Am nördlichen Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem zweiten Halsgraben geschützt. Gesamtfläche der oberen Schlossboden-Anlage im vorderen  Kuppenbereich: 3.300 qm, Umfang 300 m, mit nördlichem Zugang 5.500 qm.

 
Viereckschanze und Wallsperren-Sicherung Auf der Eck
 

 Gesamtfläche: ca. 15.000 m², Gesamtlänge der Wallanlagen: ca. 800 m, Redoute 20 x 20 Meter, Wallkorpus 6 Meter breit.

 
Wallgraben- und Wallsperren-System an der Nordseite vom Spitzkopf
 
Gesamtfläche: ca. 86.000 m², Gesamtlänge der Wallanlagen: ca. 1.800 m.
Gesamte Westsicherung mit Schlossboden, Eck und Spitzkopf
 
Gesamtfläche: ca. 190.000 qm, Gesamtlänge der Wall-Anlagen: 4.200 m.
 

 
Auf welcher fachlichen Basis komme ich zu meinen Einschätzungen? 
 
Wer sich mit der Fortifikation des 16. - 18. Jahrundert intensiver beschäftigen möchte, kommt nicht umhin, sich auch in die Original-Literatur jener Zeit einzuarbeiten, um  möglichst - je nach Epoche - ein ungefiltertes eigenes Bild zu  erhalten. Gleichzeitig ist es sinnvoll, parallel noch die großformatigen Original-Kupferstiche jener Zeit als ergänzende Informationsbasis heranzuziehen Wobei gerade bei den späteren Kupferstechern sehr oft mehr idealtypische  und weniger reale Fortifikationsformen dargestellt wurden - zudem mit dem größer werdenden Interesse an der Fortikfation nachweisbar schnell und ungenau "abgekupfert" wurde. Unsere Sammlung von  zeitgenössischen originalen Kupferstichen umfasste mehr als 500 Werke der damals führenden Kupferstecher wie Jacques Callot 1592 1635, Matthäus Merian1593 – 1650,  Alain Manesson Mallet 1630 – 1706, Nicolas de Fer 1646 – 1720, Johann Baptist Homann1664 – 1724, Gabriel Bodenehr d. Ä. 1664 – 1758 und Matthäus Seutter 1678 – 1757. Mit dem Ende der AG MINIFOSSI gingen sie alle als Sachspende in den Besitz des Städtischen Museums von Schopfheim über. Dazu zählten u.a. auch die Fachbücher aus unserer speziell für das Projekt Fortifikation aufgebauten Fachbibliothek.
 
Von großem Vorteil ist es, wenn man Zugriff auf die originalen Fortifikations-Handbücher der Fortifikationsoffiziere jener Zeit hat -  so kann man sich ein  wirklich zutreffendes Bild über die  fachliche (mathematisch-geometrische) Basis, die militärisch-taktischen und -strategischen Denkweisen, die logistischen Vorgaben (wie z. B. Material, Beschaffung, Transport, Ernährung, Unterkunft, Arbeiter) und die feldmäßige Umsetzung der damaligen Fortifikation erarbeiten. Dazu fünf persönlich ausgewählte Beispiele von originalen Handbüchern bzw. Lexika - meine Favoriten:

Fortifikation 1641

"Fortification und Meßkunst Darinen allergeraden Lineen/ Flächen und dicken Cörper Außmessung Inhalt/ Eintheilung/ Begriff/ Maß/ Pfund und Gewicht/ gründlich gelehret wird: Benebenst einer vollkommenen Fortification, wie man nach der so wohl innerlich/ als euserlichen Figur/ durch und ohne Rechnung einen jedwedern Orth in Beschützung bringen/ stürmen und besteigen müsse. Mit hierzugehörigen Figuren zur gnüge gezieret: Durch  M. Georgium Schultzium. Mathem. Profes. publ. zu Erffurde. Erffurdt/ In Verlegung Johann Reiffenbergers.M. DC XXXIX. Nürnberg, Jeremias Dümler."

Fortifikation 1706

„Die geöffnete Festung, worinnen alle deroselben hauptsächlichsten Wercke und zugehörige Theile, so wohl in einer kurtzen Beschreibung, als durch zierliche Risse und Kupffer-Figuren, nebst Vorführung sämptlicher Officiers, deren Fonctionen, einer Armee, und anderer Merckwürdigkeiten, den Liebhabern zur Vergnügung“. Hamburg, Benjamin Schillern, Buchhändler im Thum, 1706.

Fortifkation 1742

Monsieur Le Blond, professeur de mathématique de la grande écurie des Pages du Roy - Seconde édition - 1742 chez Charles-Antoine Jombert, à Paris Quai des Augustins. Reliure

Fortifikation 1748

Hübner Lexikon - Reales Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon Darinnen ... Festungen, Schlösser,  Pässe,Civil- und Militair-Chargen zu Wasser und Lande, und der Unterschied der Meilen, vornehmsten Münzen, Maaß und Gewichte, die zu der Kriegs-Bau-Kunst, Artillerie, Feld-Lägern, Schlacht-Ordungen, Belagerungen... Regensburg, Baders. 1748. Die erste Ausgabe des von Johannes Hübner (1668 - 1731) herausgegebenen 'Realen Staats-, Zeitungs- und Conversationslexicons' erschien 1704.

Fortifikation 1750

Elements de Fortification ... presumees Traité des fortifications de Coehorn, Vaubab et autres....

 
 
       
Kartensammlung & grafische Gestaltung auf der Basis von Google Earth und Digital Globe © Dipl.-Ing. Wulf Springhart Böllen 2016 
 
 
Die kartografische Arbeit war und ist auch im Bereich der Fortikfikation und der daraus resultierenden Interpretation ein wesentliches Element, um die genauen topografischen Gegebenheiten des Geländes optimal zu erfassen. Gleichzeitig ermöglicht der Vergleich der Kartenwerke unterschiedlicher Zeiträume (oben: 1753, 1780 und 1895) nicht nur die natürliche Veränderung der Landschaft zu registrieren, sondern vor allem auch die Auswirkung anthropogener Eingriffe richtig zuzuordnen. Mein besonderer Dank gilt daher an dieser Stelle Dipl.-Ing. Wulf Springhart (Böllen), der nicht nur über eine exzellente historische Kartensammlung verfügt, sondern auch das technische Wissen und die Fähigkeit besitzt, alte Karten maßstabsgetreu auf moderne Kartenwerke zu übertragen.
Neben den modernen digitalen Geländescans der Lidar-Technik beziehe ich immer  noch gerne die  analogen, also die herkömmlichen Luftaufnahmen in meine Untersuchungen mit ein, um zu einer möglichst zutreffenden Aussage zu kommen - denn auch Lidar ist - bei all´ den vielen Vorteilen - in manchen Bereichen eben doch nicht aussagekräftig genug. Wobei auch ein solides geologisches, biologisches und hydrologisches Grundwissen gute Voraussetzungen für eine zutreffende Interpretation bilden. Ganz abgesehen davon, dass ich natürlich die landschafts- und objektnahe Feldarbeit immer wieder als wichtigstes Beurteilungs- und Entscheidungselement bevorzuge. Und manchmal nicht nur auf meinen Bauch höre, sondern die Augen schließe und nur mit den Füßen fühle und "sehe" - ich weiß, völlig unwissenschaftlich...
                                                                                
 
 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg www.lgl-bw.de 2017, Az.:2851.3-A/899
 
Luftaufnahmen Neuenweg 1945, 1968 und 2005
 
 
Gerade Wälle oder auch Wallgräben sind immer wieder Gegenstand von Diskussionen, ob es "denn wirklich Wälle oder Wallgräben  oder ob sie vielleicht nicht doch eher natürliche Hangkanten, topografische Sprungkanten oder einfach nur über lange Zeit entstandene Bearbeitungsspuren der Landwirtschaft sind, wie sie beim Acker- und Feldanbau eben entstehen...".
 
Für Neuenweg gilt, dass die ursprüngliche landwirtschaftliche Nutzung jener Flächen, die gleichermaßen Standorte für Fortifikationswerke waren, grundsätzlich nicht als Ackerland dienten, sondern zunächst lediglich als extensive Schaf- und Ziegenweide. Dies hat sich bis in die Gegenwart insofern erhalten, als dass heute jene Standorte immer noch im Rahmen der jetzigen Weidebewirtschaftung für Großvieh und für die Grünfuttergewinnung genutzt werden. Es ist diesem Umstand auch zu verdanken, dass noch so viele archäologische Spuren existieren - zwar z. T. auch schon in Mitleidenschaft gezogen oder bereits ganz verschwunden - aber mehrheitlich noch intakt sind.
 
Die extensive Landwirtschaft bzw. Klein- und Großviehhaltung hat auch dazu geführt, dass die bestehenden Wallsysteme einfach als räumliche Vorgaben für die spätere Flur- und Gewann-Einteilung übernommen wurden - zumal diese als unübersehbare Landmarken auch unverrückbar klare Grenzlinien schufen und damit dauerhaft fixierten. Ein intensiver Abgleich mit dem glücklicherweise erhaltenen originalen Fresson-Gemarkungsplanung von 1753 zeigt, dass das ganze Gelände vom Schlossboden und vom Eck bis zu jenem Zeitpunkt keinerlei Flur- oder Gewannaufteilung aufwies - gleichzeitig aber auch Eintragungen zu finden sind, die sich auf bereits existierende Teile der Fortifikation beziehen - wie z. B. eine Kommunikationslinie zwischen Schlossboden und dem Dorf.
 
Gezielte Terrassierungen wurden im fraglichen Gebiet keine vorgenommen - zumindest sind bislang keine bekannt. Nimmt man das Hangrelief am Südhang des Schlossbodens als Beispiel, wird schnell klar, dass dort eine Terrassierung weder vom Hangrelief noch von der Bewirtschaftung her Sinn machen würde - denn Terrassierungen engen das vorhandene Raumangebot nachhaltig ein und die Terrassenkanten stellen mit ihre relativ steilen Böschungen für Mensch und Tier Risiken dar. Anders sieht es an der Westflanke des Schlossbodens aus: dort wurden ganz offensichtlicht bereits natürlich vorhandene Hangterrassen mit in das Fortifikationskonzept eingebaut, z. T. sogar noch verstärkt und überhöht. Wobei dies möglicherweise mit der Schaffung von zusätzlichem Biwak-Raum zu tun hatte, um die Aufnahmekapazität als Feldlager zu erhöhen. Dass die  Fortifikationswerke nicht bis zum nördlichen Hangende fortgeführt wurden, hängt wohl mit dem dortigen bestehenden stark versumpften Gelände (Quellmulde) zusammen, das selbst heute immer noch ein wertvolles Feuchtbiotop (verpachtet an WALA-Heilmittel, Arnika) ist und damals einen natürlichen Schutz bot.
 
Einen größerer Rückbau hat es jedoch am Südhang des Schlossbodens gegeben, da der dortige Besitzer - verständlicherweise - einen auch maschinell nutzbaren Zugang zu seinem ausgedehnten Wiesenareal benötigte und so zwei der dortigen Wälle ganz oder zumindest teilweise "zurückbaute". Dennoch haben sich im und über dem Boden die Spuren erhalten, die eine Rekonstruktion - auch über die vorhandenen Luftaufnahmen - problemlos zulassen.
 
Alle Wälle sind sehr kompakte aufgeschüttete Stein-Erde-Wälle (also nicht aus dem Graben aufgeworfen, denn unter der mehrheitlich dünnen Humusdecke stand relativ schnell der gewachsene Felsenuntergrund an) - und in allen Bereichen überraschend standardisiert: sie sind durchschnittlich 7 Meter breit und beinhalten relativ gut sortiertes Steinmaterial - fachlich wohl als groben Schotter anzusprechen. Nicht nur die fast homogene "Kornstruktur" spricht für eine gemeinsame Rohstoffquelle bzw. für einen gemeinsam genutzten Steinbruch oder einer entsprechenden Abbaustelle. Es liegt nicht nur räumlich nahe, dies auf der östliche Hangseite des Schlossbodens anzunehmen: dort kann man nachweislich solches Material gewinnen und damit gleich zwei Mücken mit einem Schlag erledigen: erstens hat man relativ nah (schneller und günstiger Transport) eine Rohstoffquelle erschlossen und damit gleichzeitig aber auch das topografische Hangrelief so beeinflußt, dass die gesamte Ostflanke sehr viel steiler wurde - was einen Angriff natürlich erschwerte. Eine zweite Rohstoffquelle könnte der westliche Hang über dem Vorderen Grundbach (direkt gegenüber dem Schlossboden) sein, der ebenfalls solches Material besitzt. Gleichzeitig werte ich diese Standardisierung als Indiz dafür, dass es einen gemeinsamen Baumeister gegeben hat - für den Schlossboden, das Eck und die ursprüngliche Holderschanze - vermutlich eine Zeit  v o r  der Errichtung der Markgräflichen Schwarzwaldlinien.
 
Die Fundsituation der Wallkörper überrascht durch diesen heutigen Schottercharakter - der aber einen natürlichen Grund hat: die Erde, mit der die Steine zusammen zum Wallkörper durch Stampfen verdichtend geformt wurden - war mit hoher Wahrscheinlichkeit Granitgrus oder Sandgrus, ein Verwitterungsprodukt des Granits, wie es gerade im Südschwarzwald so typisch ist (Sandgruben, Sandwürfe). Diesem Sand fehlen aber oft die tonigen Elemente - die eine wesentlich bessere Verzahnung mit sich bringen, ganz abgesehen auch davon, dass die Tonanteile auch mehr Wasser aufnehmen und halten können. Durch ihre meist exponierte Lage sind die Wallkörper mehrheitlich sehr stark der Erosion (Verursacher: Wind, Sonne, Regen, Frost, Schnee) ausgesetzt - und trocknen daher sehr leicht aus: dann löst sich der Sand von den Steinen und rieselt in die unteren Bereiche des Wallkörpers ab. Deshalb dauert es relativ lange, bis  Flugsamen keimen und wachsen können und der Wall sich langsam begrünt. Ist aber erst einmal das Wurzelwerk junger Bäumchen in die tieferen Regionen vorgedrungen, bildet sich bei Wallstaffeln bald ein alleenartig anmutender Bewuchs auf der Wallkrone. Wenn Bäume auf den Wällen wachsen, droht bei Windwurf oft das Aufbrechen der Wallkrone und damit das langsame, aber sichere Ende des Walls.
 
Durch das erosive Freilegen der Deckschicht kommt es zum Ab- und Nachrutschen der oberen Schichten und damit verbreitert sich so die Basis der Wälle - die heutigen 7 Meter entsprechen daher nicht der Breite eines damals neu errichteten Wallkörpers. Man kann - analog noch erhaltener Wälle dieser Art - von einer einstigen Wallbreite von ca. 3 - 4 Metern ausgehen - durchschnittlich 1,50 - 1,60 Meter hoch (manndeckend, Sicht- und Bewegungsschutz).  An der Nordflanke des Spitzkopfes sind noch Relikte der Wallkörper im einstigen Originalszustand erhalten. Inwiefern die Wälle in Neuenweg zumindest telweise auch noch Palisaden (mit oder ohne Brustwehr)  trugen oder inwiefern angespitzte Schrägpalisaden den davorliegenden Graben schützten ist dagegen rein spekulativ - dazu müssten man Sondierungsgrabungen initiieren, um mögliche Holzreste zu sichern und auch zu datieren.
 
Die massive Fortifikation überrascht den heutigen Betrachter - ist aber gemessen an vergleichbaren Objekten für die damaligen Verhältnisse durchaus so üblich gewesen - zumal es sich hier einem einen außerdordentlich wichtigen strategischen Punkt handelt, der einen solchen Aufwand rechtfertigt. Andererseits war der Bau solchen ausgedehnten Schanz- und Wallsysteme neben der Tätigkeit ordentlichen Handwerker, die dafür auch bezahlt wurden, vor allem aber auch die brotlose Hand- und Fuhrfron und das damit nicht entlohnte Geschäft der hiesigen Bevölkerung (zwangsverpflichtet in größerem Umkreis um auch genügend Humanressource zu gewährleisten), die  dann zu Schanzbauern degenerierten - fernab ihrer Höfe und Familien. Ein Einsatz unter arbeitstechnischen wie auch arbeitsrechtlichen extrem inhumanen Konditionen, die sich einer heutigen Betrachtung bzw. einer realen und adäquaten Bewertung eigentlich entziehen.
 
Die durchgeführten Feldarbeiten Vorort, die fotografische (über 1.600 Aufnahmen) und die grafische Dokumentation (160, genauso wie das speziell dafür aufgebaute Archiv sowie die Web-Dokumentation sind geprägt von dem nachhaltigen Bemühen, die noch erkennbaren Spuren der Geschichte unseres Raumes zu suchen, zu finden, zu sichern und zu schützen.
 
Ich danke abschließend nochmals allen, die mich dabei in vielfältiger Weise unterstützt und begleitet haben, mit einem besonders reichen Glückauf - für alle Dinge des Lebens!
 
 
Nachtrag im Februar 2017
 
Wie so oft ist die Landschaft im Winter sowie im Vorfrühling wesentlich aussagekräftiger, wenn es im die Bestimmung von Bodenspuren bzw. auffälligen Konturen in der Landschaft geht. Dies gilt im besonderen für jene Bereiche, die immer wieder Diskussionen in der archäologischen Interpetationauslösen: sind es tatsächlich Fortifikationsspuren oder lediglich Relikte landwirtschaftlicher Nutzung und Bearbeitung. Dass es in dem Fall "Eck" klare Spuren der einstigen Pass-Sicherung sind, sollen diese Fotos - aufgenommen im Februar 2017 - nunmehr abschließend und zweifelsfrei belegen. Gleichzeitig lassen die nun erstmals in dieser deutlichen Bodenform registrierten und dokumentierten Bodenspuren ein spezielles Sicherungssystem erkennen, das sich sehr homogen in das doch sehr umfangreiche Gesamtsystem einfügt und auch die Anbindung an die Fortifkkation auf der "Schlossboden"-Seite eindrücklich bestätigt.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
In Blickrichtung Süden auf die "Spitzkopf"-Kuppe.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Nur in dieser Jahreszeit sichtbar: das Steinkorsett des Wallkörpers der nord-westlichen Ecke von der kleinen "Eck"-Redoute.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Der massive westliche Wallkorpus in Blickrichtung Süden zum "Spitzkopf".
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Fortifkatorisches Ensemble: die Redoute mit ihren Kommunuikationslinien und Wallgräben.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Solche "plastischen" Fotos sollte eigentlich auch die letzten Zweifler überzeugen...
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
In Blickrichtung Süden die Westflanke vom "Eck"-Pass.
 
 
 
Foto & Grafik © Archiv Werner Störk 2017  
 
Der vom "Eck"-Paß nach Süden führende Sperrwall (gelb) und der nach Westen ins Klemmbachtal laufende Sperrwall (orange).
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Die Fortsetzung des Sperrwalls unterhalb der Landstraße.
 
 
 
Foto & Grafik © Archiv Werner Störk 2017  
 
Der Verlauf (orange) des Sperrwalls bis hinunter ins Klemmbachtal - wichtigste Umgehungsmöglichkeit von "Eck" und  "Hau".
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Blick auf das Gesamtsystem der "Eck"-Fortifikation.
 
 
 
 
Foto & Grafik © Archiv Werner Störk 2017  
 
Die effektive Kombination aus Kommunikations- und Wall-Linien: das neue Interpretationsmodell vom "Eck"-Pass..
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Blick auf den langezogenen Sperrwall vom "Spitzkopf" bis an die "Eck"-Pass-Straße hinabführend.
 
 
 
Foto & Grafik © Archiv Werner Störk 2017  
 
Der lange Sperrwall (orange) - mit einem westlich vorgelagerten Graben und der nach westen ziehenden Sperrwall (gelb).
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Blick in südwestlicher Richtung auf die beiden Sperrwall-Systeme westlich von der Redoute
 
 
 
Foto & Grafik © Archiv Werner Störk 2017  
 
Der in Nord-Süd-Richtung laufende - über 6 Meter breite Sperrwall (orange) und der westliche Abzweiger (karminrot) mit bis zu 2 Metern Höhe.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Der massive, mit viel Steinmaterial errichtete Sperrwall - der einerseits nach westen, aber auch nach Süden zieht.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Der Sperrwall zieht den Hang hinab ins Klemmbachtal.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Die "kuppige Abzweigung" der beiden Systeme.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Blick über den Sperrwall in Richtung Westen mit freier Sichtverbindung zur "Sirnitz".
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017
 
Wenn das Gras höher steht, überhaupt nicht mehr erkennbar: deutliche Bodenspuren, die direkt zur bzw. von der Redoute weg führen.
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
In Blickrichtung Osten: deutlich heben sich drei Geländeauffälligkeiten ab.
 
 
 
 
Foto & Grafik © Archiv Werner Störk 2017  
 
Diese drei Linien gehören eindeutig zur Redoute - kommen exakt von ihr und laufen nicht nur direkt auf den "Eck"-Pass zu,
sondern setzen sich über der Straße exakt weiter in nördlicher Richtung.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Im Gelände jetzt gut erkennbar: der nach Norden laufenden Wallkorpus.
 
 
 
Foto & Grafik © Archiv Werner Störk 2017  
 
Der Sperrwall setzt sich exakt über der Pass-Straße im Gelände fort - und führt hoch zum westlichen "Schlossboden"-Areal.
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Freie Blickverbindung vom "Eck" zur Passhöhe "Sirnitz".
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Freie Blickverbindung vom "Schlossboden" zur Passhöhe "Sirnitz".
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
In Blickrichtung Osten von der Passhöhe "Sirnitz" auf den "Schlossboden" und das "Eck" sowie den "Hau" (links der Belchen).
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
In Blickrichtung Osten von der Passhöhe "Sirnitz" auf den "Schlossboden" und das "Eck" sowie den "Hau".
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017 
 
Noch nicht geklärte Boden- und Vegetationsauffälligkeiten unterhalb der Passhöhe "Sirnitz". 
 
 
 
Foto © Archiv Werner Störk 2017  
 
Noch nicht geklärte Boden- und Vegetationsauffälligkeiten unterhalb der Passhöhe "Sirnitz".  
 
 
 
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