AG MINIFOSSI
Arbeitsgemeinschaft Mineralien, Fossilien, Gold, Glas & Fortifikation
- Arbeitsgemeinschaft besonders befähigter Schüler -
Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim
Gemeinschaftsschule
D- 79650 Schopfheim

Exkursionen

Es wurden viele Tagesexkursionen im Raum Kleines und Großes Wiesental und der Region Gersbach - 

Wehratal) durchgeführt, die wieder mehrheitlich der Schanzensuche sowie der Edelmetallprospektion 

gewidmet waren - alle auch wieder mit Erfolg gekrönt (siehe Feldarbeit). 

Parallel dazu wurden weitere Großexkursionen vorbereitet und durchgeführt, welche erst die Grundlage 

für eine erfolgreiche Erforschung der Gesamtlinie - d.h. also auch die bislang von uns nicht untersuchten

Gebieten im Mittleren und Nördlichen Schwarzwald - einbezieht.

Die Exkursionen sind immer wieder das "Salz in der Suppe" und verstärkten über die Erlebnispädagogik 

sehr stark und auch nachhaltig das Teambewusstein, was uns allen in der AG, aber auch im Schulalltag, 

spürbar gut tut.

 
Foto © Werner Störk 2009
Revierleiter Motzke im Gespräch mit Stephen und Julian
..
Beispiel für einen Exkursionsbericht, der veröffentlicht wurde:

Die AG Minifossi hat ihren aktuellen Forschungsschwerpunkt ins Kleine Wiesental gelegt, um die histo-

rische „Vordere Line“ - ein Verteidigungssystem aus der Barockzeit - erstmals in ihrer geographischen 

und wehrstrategischen Gesamtheit zu erfassen.

Dabei fällt auf, dass gerade im Kleinen Wiesental nur vereinzelt Schanzen errichtet wurden, während allein

 im Raum Raitbach - Gersbach zwölf solcher großen Wehreinrichtungen liegen. Eine Sonderrolle spielt da-

bei vor allem Zell, das damals zum kaiserlich-katholischen Vorderösterreich gehörte und am Grendel durch

 eine fast hundert Meter breite Sternschanze gesichert wurde. Weitere vier Schanzen im unmittelbaren 

Umfeld sollten bei einem möglichen Durchbruch das Eindringen ins Hintere Wiesental vereiteln.

Die extreme Sicherung des Reichsterritoriums der katholischen Vorlande legt die Vermutung nahe, dass 

der dafür zuständige Oberbefehlshaber der Reichstruppen, Markgraf Ludwig Wilhelm, die Markgrafschaft 

militärisch bewusst als „Pufferzone“ nutzte. Auch „Türkenlouis“ genannt, gehörte er der katholischen Linie 

des Hauses Baden an. Unsere Markgrafschaft war jedoch im Besitz seines Verwandten, dem vor den 

Franzosen nach Basel geflüchteten Markgraf Friedrich VII, der seinerseits aus der evangelisch-durlachi-

schen Linie des Hauses Baden stammte. Durch die Untersuchungen der AG Minifossi wurde erstmals 

auch klar, dass es - mit Ausnahme des katholischen Schönaus - immer nur im evangelischen Landest-

eil zu unmittelbaren kriegerischen Auseinandersetzungen und dem Niederbrennen ganzer Dörfer kam. 

Es scheint so, als ob damals das unmittelbare Reichsterritorium der Habsburger eine deutlich höhere 

Schutzpriorität genoss als die sie umgebende Markgrafschaft.

Wobei heute nur noch bedingt datierbar ist, wann diese Defensivsysteme genau errichtet wurden: Denn 

bereits im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) kam es hier zu Schanzarbeiten. Danach wurden erst wie-

der 1676 Sperranlagen im Großen wie im Kleinen Wiesental errichtet: Sicher ist auch, dass ab 1692 

unter dem Oberbefehl des Türkenlouis vor allem die großen Schanzen auf der Raitbacher Hebelhöhe, 

dem Schanzbühl, in Schlechtbach und auf dem Gersbacher Mettlenkopf errichtet wurden.

Der verstärkte Schanzenbau war die militärische Antwort auf die Errichtung einer sehr großen Fest-

ungsanlage im elsässischen Hüningen, welche der französische König Ludwig XIV. im Mai 1679 bei 

seinem genialen Fortifikationsbaumeister Vauban in Auftrag gab. Nur zwei Jahre später, am 26. Au-

gust 1681, war sie einsatzbereit: Von hier aus erfolgten dann regelmäßig die gefürchteten Kontribu-

tionszüge, um vor allem in der benachbarten Markgrafschaft Baumaterial, Fuhrwerke und Nahrungs-

mittel, aber auch Arbeitskräfte zum Schanzen in der neuen Festung abzupressen. Diese beher-

bergte hinter ihren 8 Meter hohen Mauern über 2.500 Mann Infanterie und 500 Reiter. Und war da-

mit eine massive Bedrohung für das gesamte Wiesental einschließlich der direkt benachbarten 

Eidgenossen. Selbst die wehrhaften Basler spürten in der bedrohlichen Festung von Hüningen 

immer „die Faust in ihrem Nacken“. Dass diese Einschätzung sehr wohl zutraf, zeigte sich nach-

drücklich 1702, als 20.000 französische Soldaten von Hüningen aus den Rhein überschritten und

 es zu der kurzen, aber heftigen Schlacht am Tüllinger Käferholz kam, die binnen weniger Stun-

den über 2.000 Menschen das Leben kostete.

Streift man heute durch die Wälder im Kleinen Wiesental, stößt man immer wieder auf die sehr 

beeindruckenden Grabenlinien, die bis zu 7 Metern tief, bis 15 Metern breit und mehr als 200 

Meter lang sein können. Sie ziehen sich typischerweise in Kerbform und mit Steinen verstärkten 

Wallkronen an exponierten Tal-Flanken entlang. Ihre Aufgabe: Einen Durchzug feindlicher Truppen - 

insbesondere mit Feldgeschützen und Fourage (Fuhrwerken) - zu verhindern und Rückzugsräume

 für die Verteidiger zu schaffen. Als Wanderer heute damit konfrontiert, tippen die einen auf Holz-

schleifwege oder so genannte Riesen (Holzrutschen), andere sehen darin Relikte der beiden Welt-

kriege. In Wirklichkeit sind es jedoch die Zeugen jener unruhigen Zeit zwischen 1618 und 1715, als 

der Adel einerseits im luxuriösen Barock schwelgte und andererseits ganz Europa in einem bald 

100-jährigen Krieg versank, der für die Bevölkerung - auch in unserem Raum - über drei Generatio-

nen hinweg eine ständige Bedrohung durch Hunger, Marodeure, Zwangsarbeit und oft genug auch 

den Tod bedeutete.

Im Rahmen des neuen Forschungsprojektes kann man seitens der Minifossi wieder auf die bereits 

bewährte Kooperation mit der Forstverwaltung zurückgreifen: Gemeinsam mit Revierleiter Motzke 

wurden nun die drei neuen Anlagen im Raum Tegernau - Elbenschwand genauer unter die Lupe ge-

nommen und im Sommer werden sie von speziellen Vermessungsteams der AG Minifossi genauer 

untersucht. Denn sie sind wichtige historische Puzzles, um das Gesamtsystem, das ja bis nach 

Neuenweg und zum dortigen „Hau“ - und von dort weiter nach Freiburg und Schonach bis nach Hei-

delberg führt, zu verstehen - aber auch um zu begreifen, was für eine besondere Leistung die dazu 

zwangsverpflichteten Bauern in mühseliger Hand- und Fuhrfron geleistet haben.


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FoebbS RP Freiburg Abtl. 7 Schuljahr 2008/2009 © Werner Störk

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